„Wir sind noch nicht am Ziel“

Gibt es ein Rollback bei der Gleichstellung von Pastorinnen in den indischen Kirchen? Eine subjektive Betrachtung.

„Wir sind noch nicht am Ziel angekommen. Erst wenn alle Frauen und Mädchen in Kirche, Gesellschaft und Familie gleichgestellt sind und gleichbehandelt werden, werden wir aufhören zu kämpfen.“ Diese Sätze fielen während einer Podiumsdiskussion zum 30-jährigen Jubiläum der Frauen-Ordination in den lutherischen Kirchen in Indien. Manchmal denke ich, das Ziel war schon viel näher.

Frauen wurden aufgrund der Hierarchie, die in der Heiligen Schrift, der Tradition, der Kirchenstruktur und der Gesellschaft deutlich wird, an den Rand gedrängt. In den indischen Kirchen haben die patriarchalischen Strukturen und die indische Kultur die kirchlichen Ordnungen und Privilegien beeinflusst. Kulturell und theologisch gelten Frauen als das „schwächere Geschlecht“. Obwohl Frauen eine wichtige Rolle in der indischen Gesellschaft und Kirche spielen, mangelt es an angemessener Anerkennung und Akzeptanz. Der Ausschluss von kirchlichen Ämtern und die Last des Großteils der Care-Arbeit sind nur einige Herausforderungen für indische christliche Frauen in einer Gesellschaft, die von Männern dominiert ist.

Kirchengemeinden in Indien haben immer wieder Vorbehalte gegenüber Frauen als Pastorinnen.

„Es ist auch nicht so einfach“, sagt mir eine Freundin aus der indischen Kirche. „Manche der Pastorinnen sind so kompliziert, andere faul. Und sie haben keine Vision in ihrer Arbeit. Das betrifft aber auch Pastoren“, ergänzte sie zum Ende. Kirchengemeinden in Indien haben immer wieder Vorbehalte gegenüber Frauen. Da schwingt die Idee der Unreinheit bei der Menstruation mit. Oft ist es für Pastorinnen schwierig, die wichtigen Hausbesuche zu leisten oder dazu in ländliche Gegenden zu reisen. Sicherheit ist dort, aber auch in Städten, für Frauen oft nicht gewährleistet.

Eine indische Pastorin, die ich frage, hat eine andere Sicht auf die Dinge: Es gibt weniger Theologie-Stipendien für Frauen. Viele Frauen studieren Fächer, mit denen sie mehr Geld verdienen können. Das Gehalt für Pastor*innen ist sehr überschaubar. Frauen sind immer wieder bei Entscheidungen ausgeschlossen. Frauen sind in Kirchenausschüssen und -räten sowie theologischen Hochschulen nicht angemessen vertreten. Auch das war in manchen Kirchenräten schon anders. Entweder gibt es gar keine Frau mehr im Rat oder Ausschuss, oder es sitzt eine „Alibifrau“ da, die berufen wurde und nichts sagt.

Was muss passieren für mehr Gleichberechtigung?

• Die Kirche stärkt Frauen.
• Die traditionelle Vorstellung von der Rolle der Frau ändert sich bei Frauen und Männern.
• Die Kirche deckt Fehler und Ausbeutung auf.
• Frauen verstehen, wie wichtig sie sind.
• Frauen werden motiviert, eine theologische Ausbildung zu absolvieren.
• Die Kirche stellt Mittel zur theologischen Ausbildung von Frauen bereit.
• Frauen sind in Entscheidungsprozesse einbezogen.
• Frauen haben Führungsaufgaben und werden als gleichberechtigte Partnerinnen wahrgenommen.
• Frauen leben füreinander und schließen sich zusammen.

Eine Pastorin berichtet: „Ja, es gibt ein Rollback. Aber wir haben uns jetzt zusammengeschlossen. Ich werde mich zur Wahl im Kirchenrat aufstellen lassen, mit der Unterstützung meiner Schwestern und Brüder.“ Es gibt Hoffnung.

Ute Penzel ist ELM-Referentin für Bildung international und ökumenische Zusammenarbeit mit Indien.

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