Winter, Weite und lebendige Gemeinde: Als Pastorin in Sibirien

Eisige Winter, entlegene Orte – und doch lebendige Gemeinden: Elf Jahre lang hat Pastorin Stefanie Fendler in Sibirien gelebt und gearbeitet, wo ordinierte Frauen bis heute die Ausnahme sind. Pionierin war sie auch als eine der ersten weiblichen Studierenden am Hermannsburger Missionsseminar.

Stefanie Fendler blickt auf elf Jahre zurück, die ihr Leben geprägt und in sibirischen Kirchengemeinden Spuren hinterlassen haben. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem neugeborenen Sohn machte sie sich im Jahr 2000 auf den Weg nach Russland, zunächst nach Krasnojarsk, dann weiter in den Süden, nach Abakan nahe der Mongolei, und schließlich nach Nowosibirsk. „Wir sind zu dritt losgegangen und zu fünft zurückgekommen“, erinnert sie sich, „zwei weitere Kinder sind in dieser Zeit geboren.“ Die äußeren Bedingungen waren herausfordernd: kalte Winter, zugige Plattenbauwohnungen und distanzierte Gesichter auf den Straßen. Dennoch spricht die Pastorin von dieser Zeit als „erste Liebe“, es war ihre erste Gemeindestelle nach dem Vikariat. „Wenn man eine Türschwelle überschritten hatte, begegnete einem eine unglaubliche Offenheit und Herzlichkeit“, berichtet sie. Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Stefanie Fendler stammt aus einer kaum kirchlich geprägten Familie und entdeckte ihren Glauben über Jugendkreise. Nach dem Abitur absolvierte sie ein einjähriges Praktikum in Südafrika und wurde eine der ersten Frauen, die am Missionsseminar in Hermannsburg Vollzeit studieren durften – eine Institution, die zuvor fast 150 Jahre lang nur Männer aufgenommen hatte. „Die Ablehnung war theologisch begründet worden, oder damit, dass Frauen nicht für den Dienst im Ausland geeignet seien“, erinnert sich die Theologin. Sie startete ihr Studium 1991 gemeinsam mit zwei weiteren Frauen. Die drei wurden auf unterschiedliche Kurse verteilt. „Die Atmosphäre war erstmal sehr tastend. Und manches Mal auch erniedrigend. Es gab Karikaturen oder Sprüche wie: Wir Frauen würden das Niveau des Unterrichts senken. Ja, das war wirklich so und es war nicht lustig, auch wenn man heute darüber lacht.“ Es seien viele Gespräche nötig gewesen. Ein „Argument“ von Seiten des Seminars hinsichtlich dieser Anfangsschwierigkeiten sei zum Beispiel gewesen, „dass wir verstehen müssten, dass die Personen, die hier vorher waren, also seit fast 150 Jahren, immer nur Männer gewesen seien.“ Nicht nur im Missionsseminar, auch in Russland stieß Stefanie Fendler auf kulturelle und theologische Widerstände gegenüber einer Frau als Geistliche. Bei ihrer Amtseinführung 2006 in Nowosibirsk hatte ein Pastor der Sibirisch-evangelisch-lutherischen Kirche eine Rede gegen die Frauenordination vorbereitet und hielt sie auch. Doch dann standen  Gemeindeglieder aus ihren vorherigen Gemeinden in Krasnojarsk und Abakan auf und erzählten der neuen Gemeinde von den positiven Erfahrungen mit „ihrer“ Pastorin. Heute arbeitet Stefanie Fendler in der Hermannsburger Peter-Paul-Gemeinde. „Ich bringe Gelassenheit, Flexibilität und die Fähigkeit mit, das Leben so zu nehmen, wie es kommt“, sagt sie. Die Zeit in Sibirien habe ihr gezeigt, wie Glauben und Gemeinschaft trotz schwieriger Umstände wachsen können.

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#30 Zwischen Weite und Winter – als Pastorin in Sibirien

Elf Jahre lebte und arbeitete Pastorin Stefanie „Stevie“ Fendler in Russland – zwischen Plattenbau, minus 35 Grad und Gemeinden, die oft hunderte Kilometer voneinander entfernt lagen. Im Gespräch mit Dirk und Holger erzählt sie von eisigen Wintern und warmer Gastfreundschaft, von Gemeindearbeit unter extremen Bedingungen und von starkem Gegenwind gegen Frauen im Pfarramt. Sie erzählt über Einsamkeit, politische Spannungen, Glauben im Alltag – und darüber, warum diese Zeit ihre Haltung bis heute prägt. In dieser Folge von „Mission out of control“ geht es um Berufung, Durchhaltevermögen und die Frage, wie Kirche auch dort wächst, wo es nicht selbstverständlich ist.

 

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