„Ich preise Gott dafür, dass er mich als Frau geschaffen hat“
Mai Ki, Pastorin aus Myanmar und Mutter von fünf Kindern, möchte in ihrer Kirche Frauen zu mehr Verantwortung ermutigen.
Mai Ki ist die erste ordinierte Pastorin der Mara Evangelical Church (MEC) in Myanmar. Zeitweise leitete sie die Frauenarbeit der MEC und die Abteilung für Dienst und Entwicklung. Inzwischen ist sie Leiterin der kirchennahen NGO „Together for Sustainable Development“ (Gemeinsam für eine nachhaltige Entwicklung) und arbeitet nach wie vor eng mit verschiedenen kirchlichen und nicht-kirchlichen Frauenorganisationen des Maravolks zusammen. Im Interview spricht sie über die schwierige Situation in ihrem Land nach einem Erdbeben im Frühjahr 2025 und im fortwährenden Bürgerkrieg. Und sie reflektiert ihre Rolle als verheiratete Frau mit fünf Kindern in einem vorwiegend von Männern ausgeübten Beruf.
Redaktion: Pastorin Mai Ki, wie würden Sie die derzeitige Situation in Myanmar beschreiben?
Mai Ki: Danke, dass Sie nach Myanmar fragen. Unser geliebtes Myanmar leidet ja, wie Sie wissen, unter den Folgen von Covid 19, der politischen Krise und nun auch noch durch das schwere Erdbeben am 28. März 2025. Wir leiden und halten unsere Hände. Wie könnte man sonst diese schwierige und dunkle Zeit überstehen?
Redaktion: Sie sind also immer noch von den Folgen des Erdbebens betroffen?
Mai Ki: Ja. Das Erdbeben hat die drei großen Städte Naypyidaw, Mandalay und Sagaing getroffen. Diese Gebiete liegen alle im Zentrum von Myanmar. Die Auswirkungen sind sehr groß, und wir wissen nicht, wie lange der Wiederaufbau dauern wird.
Redaktion: Wie wirkt sich diese Situation auf Ihre Kirche aus?
Mai Ki: Unsere Mara Kirche ist eine der Kirchen, die den Opfern dieses Erdbebens helfen und ihnen Trost spenden. Die Mara Evangelical Church ist besonders im Nordwesten, im Bundesstaat Chin aktiv.
Redaktion: Vielleicht könnten Sie auch ein wenig über Ihre Kirche erzählen. Ich denke, sie ist in Deutschland kaum bekannt.
Mai Ki: Danke, ja. Die Mara Evangelical Church hat ca. 25.000 Mitglieder in lokalen Gemeinden. Auch in den USA, Australien, Malaysia, wohin auch immer unsere Leute auswandern, gibt es diese Kirche. Die MEC ist sehr stark in der Missionsarbeit. Seit 1966 sind wir eine selbstständige Kirche. Unsere Wurzeln gehen zurück auf die Arbeit eines Missionars aus England.
Redaktion: Und wieviele Pastorinnen gibt es zur Zeit in der Mara Evangelical Church?
Mai Ki: Zur Zeit sind wir drei Pastorinnen, eine Pastorin auf Probe und eine Theologin, die ihre Ausbildung abgeschlossen hat. Die Mara Kirche hat eine spezielle Politik, die Frauen fördern soll, nicht nur theologisch ausgebildete Frauen, sondern auch Laien.
Redaktion: Glauben Sie, dass Sie ein Vorbild für andere Frauen sind, die Theologie studieren wollen?
Mai Ki: Ich versuche mein Bestes, um ein Vorbild zu sein. Ich möchte zeigen, dass eine Frau ordiniert werden und verheiratet sein kann. Vor mir gab es bereits zwei Frauen, die ein Theologiestudium abgeschlossen haben, aber sie wurden nicht ordiniert.
Redaktion: War es bisher ein Problem, verheiratet und Pastorin zu sein?
Mai KI: Ich wurde im Ordinationsausschuss gefragt: Würden Sie sich schämen, schwanger zu sein und zu predigen. Und ich sagte, die Schwangerschaft ist ein Segen von Gott. Und deshalb habe ich kein Schamgefühl dabei. Und dann wurde ich gefragt: Und, können Sie mit Ihrer Schwangerschaft oder mit Ihrem Baby reisen für den pastoralen Dienst? Pastoren müssen oft weite Wege zu Fuß gehen. Es gibt kaum andere Möglichkeiten, irgendwohin zu kommen. Und ich sagte, ja, Gott wird mir helfen.
Redaktion: Und wie haben Sie es bisher organisatorisch geschafft, Familie und Beruf zu vereinen?
Mai Ki: Wir unterstützen uns innerhalb der Verwandtschaft. Die Kinder werden in der Großfamilie betreut. Da gibt es immer jemand, der sich um sie kümmert.
Redaktion: Das ist wirklich erstaunlich. Sie haben diese Doppelbelastung. Vielleicht ist das mehr Leistung, als sie Männern abverlangt wird. Bekommen Sie Unterstützung von Ihren männlichen Kollegen?
Mai Ki: Ja. Die Mara-Gemeinschaft ist eine patriarchalische Gesellschaft. Aber ich habe festgestellt, dass Männer große Unterstützer sind, wenn es darum geht, neue Ideen einzubringen. Bisher haben sie mich da sehr unterstützt. Sie erlauben mir, Fehler zu machen, wenn ich Dinge ausprobiere. Aber oft stoße ich auch auf Widerstand und Ablehnung. Nicht weil ich eine Frau bin, sondern mit meinen Ideen und meiner Theologie. Zum Beispiel habe ich mich für Straßenbau eingesetzt, weil wir keine Straße haben. Das liegt zwar etwas außerhalb des kirchlichen Dienstes, aber so können wir dienen. Wenn wir unsere Straße nicht bauen können, wer wird dann kommen und sie für uns bauen? Ich setze mich auch für den Betrieb von Schulen ein.
Redaktion: Es scheint, dass Ihre Lehre nicht nur Theorie ist, sondern sehr praktisch.
Mai Ki: Ja. Sie ist im täglichen Leben der Menschen verankert und in den Schwierigkeiten ihres täglichen Lebens.
Redaktion: Das ist wirklich interessant. Gibt es auch Bereiche, bei denen Sie als Frau Probleme haben?
Mai Ki: Ich bin sehr glücklich, eine Frau in der Kirche zu sein. Kein Mann kann jemals vollständig verstehen, wie eine Frau ist. Und mehr als die Hälfte unserer Kirchenmitglieder sind Frauen. Deshalb brauchen wir weibliche Führungskräfte. Ich preise Gott dafür, dass er mich als Frau geschaffen hat. Und ich danke ihm dafür, dass ich Ehefrau und Mutter von fünf Kindern bin und in der Kirche arbeiten darf. Sie sehen also mehr die guten Seiten des Lebens, die es mit sich bringt, eine Frau zu sein. Das ist nicht nur für Frauen in Myanmar sehr stärkend, sondern meiner Meinung nach für Frauen weltweit. Für mich sind Mütter Mitschöpferinnen Gottes, weil wir Kinder zur Welt bringen, die die Zukunft unserer Kirche und unserer Gesellschaft sein werden. Mutter zu sein ist eine von Gott gegebene Verantwortung. Früher versteckten Frauen ihren Bauch, wenn sie schwanger waren. Sie schämten sich. Ich meine, wir müssen ihn zeigen: Es ist ein Geschenk Gottes.
Redaktion: Sie bringen also eine blühende Theologie in Ihre Gemeinde?
Mai Ki: Da bin ich mir sicher. Meine theologische Abschlussarbeit befasste sich mit der Rolle der Frau im Buch Exodus und deren Bedeutung für die Frauen in Myanmar. Was ich darin geschrieben habe, setze ich in meiner pastoralen Arbeit um.
Redaktion: Wie würde die Kirche Ihrer Träume aussehen?
Mai Ki: Meinen Kindern habe ich immer gesagt, dass die Kirche der Leib Christi und Christus im Himmel ist. Die Kirche ist also der Ort, an dem wir den Himmel auf Erden sehen können, und wo immer wir hingehen, müssen wir als Missionar*innen hingehen, egal ob wir von einer Organisation oder einer Kirche gesandt werdet, denn wir sind Diener Christi.