"Kirche ist Teil des Heilungsprozesses"
Thabiso Segatlhe berichtet von seiner Arbeit als Krankenhausseelsorger und Gemeindepastor in Botsuana.
Als Krankenhausseelsorger arbeitet Thabiso Segatlhe im Bamalete Lutheran Hospital (BLH), das 1934 von der Hermannsburger Mission gegründet wurde und bis vor zwei Jahren unter Trägerschaft des ELM stand. Dann haben drei örtliche Träger – die Ev.-luth. Kirche in Botsuana (ELCB), die Ev.-luth. Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA) und das Volk der Balete – das von der Hermannsburger Mission gegründete Krankenhaus in Ramotswa, im Südosten Botsuanas übernommen. "Es war zuerst nicht einfach, zuzustimmen, als wir das Krankenhaus übernehmen sollten weil wir es gewohnt waren, vom ELM geleitet zu werden", erinnert sich Segatlhe bei seinem Besuch in Hermannsburg am 26. September. Hier berichtete er von seinem ausgefüllten und erfüllenden Arbeitsalltag in der Krankenhausseelsorge, von der Situation der ev.-luth. Kirche in der Region Ramotswa, aber auch von seinen Besuchen in deutschen Krankenhäusern.
Thabiso Segatlhe war fast fünf Wochen lang als Teilnehmer am ELM Programm "Kirche gibt’s auch anderswo" - einem Kurzzeit-Austauschprogramm - bei Pastorin Sabine Badorrek im Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln zu Gast. Ihr Aufenthalt in Botsuana hat bereits im April stattgefunden. Von Cuxhaven aus startete Segatlhe seine Exkursion nach Göttingen und Hannover, wo er die Uniklinik bzw. die Medizinische Hochschule besuchte und Gespräche führte mit Krankenhausseelsorgern, aber auch Stationen besichtigte. Vor allem die technische Ausstattung – unter anderem auf der "Frühchenstation" - hat ihn sichtlich beeindruckt.
"Frühgeburten in der 22. Woche können überleben", staunt er. Nebenbei hat er mitbekommen, in welch gutem Zustand Geräte oder Betten oft noch sind, die in deutschen Krankenhäusern durch Neuanschaffungen ersetzt werden. Über einige dieser Dinge würde man sich im Bamalete Lutheran Hospital noch sehr freuen. Obwohl das Krankenhaus im Land einen sehr guten Ruf genießt, fehlt es an hochwertiger medizinischer Ausstattung. Das ELM unterstützt weiterhin finanziell einen Teil der seelsorgerischen Arbeit in dem Krankenhaus mit 139 Betten und rund 400 Mitarbeitenden.
Der Arbeitsalltag des Pastors, der zusätzlich noch in einer Gemeinde arbeitet, beginnt um 7.30 Uhr mit der Morgenandacht. Sie wird vom Team der Krankenhausseelsorge verantwortet, an der Gestaltung können sich aber auch andere Mitarbeitende beteiligen. Die Andacht wird auf allen Stationen übertragen. Anschließend nimmt er am Treffen der leitenden Angestellten teil, um zu erfahren, wo es derzeit Probleme gibt. Den größten Teil des Tages füllen die seelsorgerlichen Gespräche mit Patient*innen und Mitarbeitenden aus. "Es gibt viele Leute, die sagen, wir sind nicht ganz geheilt, wenn wir nicht auch bei einem Pastor oder traditionellen Heiler waren", berichtet Segatlhe. Und er ergänzt: "Und es gibt auch Krankheiten, die auf Erden nicht geheilt werden können. Dafür gibt es unseren palliativen Bereich. Dann warten wir mit den Patienten auf Gott."
Auch seine Erzählungen über die Arbeit in der ev.-luth. Kirchengemeinde von Ramotswa vermitteln interessante Einblicke. "Wir wollen eine 'Jeden-Tag-Kirche' sein, nicht nur für den Sonntag", betont der zweifache Familienvater. Die Kirche widmet sich zum Beispiel dem Problem der Beziehungsmorde und bietet Beziehungsseminare. Höhepunkt der Woche ist aber doch der sonntägliche Gottesdienst, der schon mal fünf Stunden dauern kann und nicht immer in der großen Kirche von Ramotswa, sondern alle drei Monate reihum in einer anderen Ortsteilgemeinde gefeiert wird um mehr Menschen zu erreichen. "Wenn wir zum Gottesdienst gehen, lassen wir alles hinter uns. Es ist wie eine Art Therapie. Und Kirche ist Teil des Heilungsprozesses", so der Pastor.