Blick auf die Peter-Paul-Kirche Hermannsburg. Foto: Stephan Liebner/ELM

Wo Kirche auf die säkulare Welt trifft

Internationaler Zoom-Austausch von Ehrenamtlichen und Kirchenmitarbeitenden über Kontakte zu Menschen und Einrichtungen außerhalb der eigenen Gemeinde.

Wie können Kirchen und ihre Mitglieder sich in „ihrem“ Ort vernetzen? Wie kommen sie mit Menschen ins Gespräch, die keinen Draht zur Kirche haben? Und was können kirchliche Engagierte  in Deutschland möglicherweise von Christ*innen in anderen Ländern lernen – und umgekehrt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt bei einer internationalen, englischsprachigen  Zoom-Veranstaltung des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) unter dem Titel: "Anything meaningful in there?" - The (unknown) Church in the neighbourhood.

Als Gastreferent*innen legten Rebecca Ntuli aus der Ev.-luth. Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA) und Stephan Gensicke, Pastor der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers in Lamspringe, die Situation in ihren Gemeinden dar. Rebecca Ntuli, die einer Gemeinde in einem Vorort von Durban angehört, berichtete von zahlreichen Aktivitäten, die hauptsächlich durch Ehrenamtliche getragen werden: eine Anlaufstelle, an die sich Menschen mit unterschiedlichsten Problemen und Fragen wenden können, eine Suppenküche, Kleiderausgabe, Angebote für Obdachlose, Waisen und ältere Menschen. Dadurch komme Kirche mit unterschiedlichsten Menschen in Beziehung. Kontakt in andere Gemeinden aufzubauen sei hingegen schwieriger, sagt Rebecca Ntuli und führt dies auch darauf zurück, dass sich zum Beispiel junge Pfingstgemeinden oft aus Menschen aus anderen afrikanischen Ländern bilden, was kulturelle und sprachliche Barrieren mit sich bringt. „Trotzdem sind wir alle Christen“, sagt die Protestantin, die ihren Beruf als Pflegefachkraft in der 3 Millionenstadt Durban in Südafrika ausübt.

„Ich bin ein bisschen neidisch“, gesteht Stephan Gensicke nach diesem Statement. Es sei in den deutschen Kirchen sehr viel schwieriger, Freiwillige zu bekommen. „Deutsche haben so viele andere Dinge, Kirche ist nur ein kleiner Teil ihres Lebens“, so der Pastor. Dennoch gebe es kleine Erfolge. Er mache viele Hausbesuche, zum Beispiel zu Seniorengeburtstagen, biete Event-Gottesdienste an, unter anderem im Rahmen des Stadtfestes und neuerdings auch einen Glaubenskurs. Zudem versuche man, Jugendliche nach der Konfirmation in der Kirche zu halten. Viele hätten das Ziel, einen Lehrgang zum Jugendgruppenleiter zu absolvieren, was man zu ermöglichen versuche.  

Aus seinem Bericht sticht eine Erfahrung heraus: Gensicke, der selbst als Mitarbeiter des ELM eine Zeitlang in Südafrika gearbeitet hat, zieht nach einem Versuch, über interkulturelle Begegnung Menschen zu motivieren, eine durch und durch positive Bilanz. Er ist mit einer Delegation seiner Gemeinde nach Südafrika gereist. „Diejenigen, die das erlebt haben, sind sehr involviert - zum Beispiel im Kirchengemeinderat - seit sie gesehen haben, was möglich ist“, erzählt er.

Im Anschluss an die Statements aus Südafrika und Deutschland, gab es Gelegenheit, Rückfragen zu stellen. Ein Teilnehmer aus Äthiopien berichtete von der dortigen Situation der Kirche. Auch hier kümmert man sich um die sozialen und gesundheitlichen Probleme der Menschen im unmittelbaren Umfeld.

„Wirklich beeindruckt“ zeigte sich eine deutsche Teilnehmerin in Anbetracht dessen, was Kirchenmitglieder in afrikanischen Ländern leisten. Aber auch aus Südafrika, kam positive Resonanz, die sich vor allem auf das Format bezog: „Ich profitieren sehr von diesem Austausch“, sagte eine Teilnehmerin. Dr. Joe Lüdemann, ELM-Referent für Südafrika, Botsuana und Eswatini, der gemeinsam mit seinem Kollegen Kurt Herrera, Referent für Kirchenentwicklung international, diese Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen hat, betonte das Ziel des Gesprächs: „Wir wollen über Erfolgsgeschichten sprechen, aber auch über Misserfolge.“   

Die Reihe wird fortgesetzt am Samstag, 14. Februar 2026, online (Zoom auf Englisch) um 15:00 Uhr mit dem Thema „Und so fasteten wir und suchten in dieser Sache Hilfe von unserem Gott…“ (Esra 8:23) – Ist Fasten ein hilfreiches Element von Christsein?

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