Vom eigenen Glauben sprechen

Bei der Online-Veranstaltung „God spoke clearly ...“ haben Christ*innen aus Afrika und Deutschland darüber gesprochen, wie sie „Zeugnis ablegen“ von ihrem Glauben.

Wer sich zum Christentum bekennt, hat eine Beziehung zu Gott. Christ*innen sprechen im Gebet zu ihrem Gott und erleben, dass Gott zu ihnen spricht. Wie aber können sie selbst mit anderen Menschen über ihren Glauben und ihre Begegnungen mit Gott sprechen? Ist das „Zeugnis ablegen vom Glauben“ überhaupt angebracht in einer vom Säkularismus geprägten Gesellschaft? Wie, wann und wo sollten Christ*innen über ihren Glauben sprechen? Darum ging es bei einer Online-Veranstaltung unter dem Titel "God spoke clearly to me ...", zu der zwei Referenten des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen eingeladen hatten: Dr. Joe Lüdemann, Referent Globale Kulturelle Vielfalt / Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana, Eswatini und Kurt Herrera, Referent Kirchenentwicklung / Ökumenische Zusammenarbeit mit Peru und Brasilien. Das Zoom-Meeting bot – nach zwei einführenden Impulsen – Gelegenheit für den Austausch zwischen Teilnehmenden aus Südafrika, Äthiopien und Deutschland.

Thabisile Zulu ist Mitglied der ELCSA (Evangelisch-Lutherische Kirche im südlichen Afrika) und hat 2012 über das ELM einen sozialen Freiwilligendienst in Deutschland absolviert. Für sie steht fest: "Definitiv ist da ein Gott, ein 'Master Mind'. Und er ist nicht still. Er spricht zu uns auf verschiedene Weise." Gott spricht, so Thabisile Zulu, erstens mittels der Bibel, zweitens im Gottesdienst durch das gemeinsame Hören auf sein Wort und das gemeinsame Erleben, drittens aber auch in herausfordernden Situationen. "Das sind meist die Momente, in denen wir in Schwierigkeiten sind. Wenn wir uns dann hinsetzen und in uns lauschen, können wir Gott hören."

Thomas Steinke, Leitender Referent der Missionarischen Dienste im Haus kirchlicher Dienste der ev.-luth. Landeskirche Hannovers, blickte in seinem Eingangs-Statement auf die aktuelle Krise der Kirchen in Deutschland. Schon vor dem nun vorliegenden Bericht der EKD (Evangelische Kirche Deutschland) über sexuellen Missbrauch durch Mitarbeitende der Kirche, ist die Zahl der Austritte aus der katholischen und evangelischen Kirche zuletzt eklatant gestiegen – auf knapp 900.000 im Jahr 2022. "Die Menschen stellen die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Kirche. Zugleich haben Tradition und soziale Konvention ihre Bindungskraft verloren", so Thomas Steinke. Er sieht vor diesem Hintergrund das "persönliche Zeugnis geben" als geeignete Form der Kommunikation in Glaubensfragen. Zumal in einer postmodernen, pluralen Gesellschaft Wahrheit hauptsächlich auf individueller Erfahrung beruhe. "Wir brauchen ein zeitgemäßes allgemeines Priestertum, indem wir Erfahrungen religiös interpretieren und öffentlich teilen", lautete sein Fazit.

In der anschließenden Aussprache wurden verschiedenste Aspekte dieses "Sprechens über den Glauben" formuliert. "Ich finde es leicht, über meinen Glauben zu sprechen, aber in öffentlichem Rahmen, zum Beispiel in Gottesdiensten, eher schwierig", so Almut Buhr aus Südafrika. Sie habe zum Beispiel erlebt, dass eine Frau ein Gotteslob für die Heilung ihres Kindes angestimmt habe, in Gegenwart eines Mannes, der gerade ein Kind verloren hatte.

Klaus Burckhardt, ehemaliger Missionar, lenkte den Blick auf "falsche Zeugnisschaft". Christliche Parteien, die Flüchtlinge abweisen oder auch Donald Trump, der mit der Bibel in der Hand auf die Wahrheit schwört, gehören für ihn dazu. Vom "Zeugnis geben" in hoffnungslosen Zeiten berichtete Ernst-August Lüdemann, ehemaliger Direktor des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen. Den kleinen Kreis, der sich jeden Freitagabend in der Hermannsburger Peter-Paul-Kirche zum Friedensgebet trifft, nannte er als Beispiel. "Da gehört der Zweifel ganz tief dazu: Gott, warum stoppst Du nicht die Kriege, das Leiden? In der geteilten Verunsicherung von uns paar Christen, kommen wir immer wieder zusammen im Gebet. Das ist ein Weg, von dem wir hoffen, dass er uns Klarheit bringt."

Die Theologie-Professorin Erna Zone Gaetjens erinnerte daran, dass "Gott auch durch die Kraft spricht, die durch den Glauben in uns kommt. Wenn der Glaube uns Flügel verleiht, wo wir vorher unmotiviert und kraftlos waren."  Und natürlich spricht Gott auch zu anderen durch unsere Taten, wie Ebise Ashana aus Äthiopien anmerkte.

Wenn es aber darum geht, wirklich in Worten "Zeugnis abzulegen vom Glauben", könnte man die Erkenntnis der Veranstaltung vielleicht am besten mit den Worten von Pastorin Corinna Diestelkamp zusammenfassen: "Es ist eine große Aufgabe zu lernen, über den Glauben zu sprechen in einer Sprache, die verständlich ist für andere." Und das, so Thomas Steinke, sei oft auch für Pastoren in etwas so, "als wenn sie eine Fremdsprache lernen müssten".