Bei der Vorfeier für Dean Piris Einführung in Blantyre, Malawi, werden Mopeds und andere Fahrzeuge an die Kirchengemeinden übergeben.

Erhellender Austausch über den Segen

Ein globaler Austausch zu einem elementaren Bestandteil von Gottesdiensten und anderen Anlässen.

Sollten (Gebrauchs-)Gegenstände gesegnet werden? Und wer darf überhaupt jemanden oder etwas segnen? Nur eine ordinierte Person? Oder jeder, der sich dazu berufen fühlt? Über solche und andere Fragen tauschten sich bei der 2024 begonnenen Veranstaltungsreihe des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen am 23. Juni 2026 Kirchenmitglieder aus Deutschland und Südafrika aus. Hier werden Fragen aus dem kirchlichen Alltag aufgegriffen und Perspektiven zwischen Vertreter*innen aus dem Globalen Süden und Norden ausgetauscht. „Please bless my new car“, lautete diesmal der Titel der Zoom-Veranstaltung. 

Ein Segen gehört zu jedem Gottesdienst und auch zu anderen Gelegenheiten sind Segnungen nachgefragt, wie sowohl Pastor Nthuthuko Nkosi aus Durban (Südafrika), als auch Pastor Ulrich Noetzel aus der Hermannsburger Peter-Paul-Gemeinde (Deutschland) bestätigten, die jeweils mit kurzen Statements ins Thema einführten.

Für Nkosi ist es alltäglich, Rinder, Felder, Saatgut, Geerntetes, aber auch Autos und Häuser zu segnen. Es sind für ihn Anlässe, bei denen er unter Menschen kommt und – quasi nebenbei – manchmal sogar noch eine Taufe anschließen kann. Gegenstände zu segnen hat für den südafrikanischen Pastor nichts mit Materialismus zu tun. „Wir segnen ja auch Brot und Wein im Gottesdienst“, bemerkt er. Etwas zu segnen bedeute schlicht, deutlich zu machen, dass es nicht nur im materiellen Sinne dem Eigentümer gehört, sondern dass Gottes Geist darin wohnt.

Viele deutsche Pastoren, so auch Ulrich Noetzel, sind mit der Segnung von Gegenständen zurückhaltender. Seine Gemeinde habe zum Beispiel die Anfrage erhalten, Feuerwehrautos zu segnen, dies aber nicht getan. Natürlich sei es eine tolle Möglichkeit, zur Übergabe eines solchen Autos, zu den Feuerwehrleuten zu sprechen, dafür zu beten, dass sie von ihren Einsätzen gesund zurückkehren und dass sie anderen Menschen helfen können. Und einen Segen gibt es natürlich auch. Aber die Fahrzeuge selbst stehen dabei eher im Hintergrund. 

Dennoch gibt es auch in der deutschen Kirche Segnungen von Nicht-Lebendigem. Ein Beispiel dafür ist der Segen, den die Sternsinger bringen, wenn sie die Buchstaben C + M + B an Haustüren schreiben. Sie stehen für „Christus mansionem benedicat“, was soviel bedeutet wie Christus segne dieses Haus. 

Im anschließenden Gespräch mit den Teilnehmenden stellte sich dann heraus, dass es auch innerhalb der Landeskirchen nicht einheitlich zugeht mit den Segnungen. So berichtete eine Frau aus Südafrika, dass in ihrer Gemeinde – anders als im Beispiel von Pastor Nkosi - keine Tiere gesegnet würden. Eine Frage, die die Teilnehmenden lebhaft diskutierten, war die, wer überhaupt segnen darf. Im protestantischen Verständnis der „Priesterschaft aller Gläubigen“ kann grundsätzlich jeder einen Segen sprechen. Dies solle aber nur mit Einverständnis der Gemeinde geschehen. Im Rahmen eines Gottesdienstes wird es in der Regel so gehandhabt, dass die Person mit dem „höchsten“ Amt, den Segen spricht, was seine Bedeutung wiederspiegelt. 

„Es war eine Stunde des Lernens“, resümierte ELM-Referent Dr. Joe Lüdemann, der gemeinsam mit seinem Kollegen Kurt Herrera die Reihe ins Leben gerufen hat. Ein Feedback aus Südafrika fasste zusammen, was wohl den meisten Teilnehmenden durch den Kopf ging: „Danke für dieses sehr erhellende Treffen.“

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