Ein kleines interkulturelles Kompetenztraining ...

... so bezeichnet Marlene Altebockwinkel (ELM) das Vorbereitungsseminar für Reisen in den globalen Süden

Es gibt viele Gründe zu Reisen. Einige Gründe dafür bietet das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) mit seinen Programmen wie "Kirche gibt's auch anderswo", dem Freiwilligenaustausch Seitenwechsel oder Partnerschaftstreffen zwischen deutschen und ausländischen Gemeinden. Ein ELM-Seminar bereitet Menschen auf den Kontakt mit Menschen anderer Kulturen im Zuge einer Reise vor. Es geht um Selbstreflexion, das eigene Rollenbild, die Wahrnehmung Fremder und durch Fremde. Das Seminar ist entlang einiger Leitfragen aufgebaut und lässt Raum für individuelle Fragen und Beratung.

Vom Eisberg und der Kultur der Albatrosse

Die Inhalte des Seminars werden phantasivoll und anhand guter Beispiele präsentiert.

Wer etwas über andere lernen möchte, muss bei sich selbst anfangen und so ist es bei einer Reise wichtig, auch sich selber zu reflektieren und sich über die eigene Rolle klar zu werden. Hierzu konfrontieren die Referentinnen die Teilnehmenden mit Fragen, wie: Wie sind wir? Wie bin ich? Was hat uns geprägt, was treibt mich an? Wie sind unsere Partner*innen? Was hat sie geprägt und was beschäftigt sie? Wie tickt das Land, in das wir reisen werden?

Die Teilnehmenden werden darauf vorbereitet, dass sie Menschen in der Fremde nicht so gut einschätzen können wie in der Heimat und wie sie damit umgehen können. Hierzu dient zum Beispiel ein kleines Rollenspiel zur fiktiven Albatross-Kultur, das die Referentinnen aufführen. Anschließend folgt die - wirklich nicht einfache - Einordnung durch die Teilnehmenden. Die Erfahrungen der eigenen Kultur erschweren die Interpretation und motivieren zur Selbstreflexion.

Das Bild des kulturellen Eisbergmodells rundet diese Einheit ab und verdeutlicht, dass nur ein kleiner Teil einer Kultur auf Anhieb sichtbar ist. Der größere Teil ist verborgen. Genau wie bei einem Eisberg: Nur die Spitze guckt aus dem Wasser.

Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen die Dinge so, wie wir sind.

Wie wir sind ist zugleich Diskussionsgegenstand der nächsten Einheit des Seminars. Es geht um:

Selbstreflexion und -wahrnehmung

Welche Rollen haben wir? In welchen Rollen sehen uns andere?

Oma, Opa, Mutter, Vater, Kind, Enkelkind, Neffe, Schüler*in, Jugendliche*r, Rentner*in, weiß, schwarz, Mann, Frau, Tennisspieler*in, Mitglied einer Partnerschaftsgruppe und Vegetarier*in sind Beispiele für Rollen, die Menschen einnehmen können und durch welche sie sich definieren oder definiert werden. Jede dieser Rollen zeigt aber nur einen Ausschnitt der Persönlichkeit oder eine aktuelle Tätigkeit. Dies zeigt das Seminar deutlich auf. Oft reduzieren wir Menschen in Begegnungen auf eine oder wenige Rollen. Aber nicht nur andere machen sich ein Bild von uns, auch wir machen uns ein Bild von anderen, das es lohnt zu hinterfragen.

Reisende wirken und lassen Bilder entstehen

Reisende haben eine Verantwortung gegenüber ihrem Reiseland, da sie durch ihre Berichte Bilder ihres Reiselandes transportieren

Reisende sammeln viele Eindrücke, gerade in Ländern, die fremd sind. Dies führt beim Erzählen oft dazu, dass Erzählungen im Vergleich zur Wirklichkeit, fokussiert, subjektiviert und reduziert werden. Hierdurch werden Geschichten zweifelsfrei pointierter und eingängiger. Fokussierte Geschichten sind grundsätzlich nicht schlecht und können viel Spaß machen. Aussagen wie

In Afrika gibt’s Giraffen.

sind inhaltlich sicherlich korrekt, reduzieren aber implizieren - vielleicht auch ohne Absicht, dass es sich bei Afrika um ein Land handelt. Das Seminar zeigt anhand eines kurzen Filmbeispiel auf, wie reduzierende und vorurteilsbildende Narrative gebaut werden. Es wird insbesondere darauf hingewiesen, dass eine breite und differenzierte Quellenlage die Übersicht verbessert. Dieser Satz ist aber allgemeingültig und auch auf Deutschland anzuwendbar und ob wir uns dort alle so gut auskennen?

Wussten Sie zum Beispiel, dass der badische Riesenregenwurm nur in Deutschland vorkommt und bis zu 20 Jahre alt und 60 cm lang werden kann?*

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine gute Reise und viel Offenheit für Ihre nächste Reise: Wo auch immer es Sie hinverschlägt.

Was sagen die Teilnehmenden

Wir haben nachgefragt: War dieses Seminar für Sie ein Gewinn?

Das Seminar heute hat mir schon auf jeden Fall weitergeholfen. Erst mal fand ich es super zu sehen, dass ganz viele Menschen sich auf den Weg machen in den globalen Süden. Aber viele Fragen, die mir alleine gar nicht eingefallen wären, wurden auch von anderen gestellt, wo ich dachte: Ah! Das war jetzt gut, so was in einer großen Gruppe zu machen und sich nicht alleine auf den Weg zu begeben, sich all seine Fragen zu beantworten.

Bisher gefällt mir in dem Seminar sehr sehr gut, dass wir uns hier wirklich sehr gut austauschen können und dass irgendwie ganz viele Personen hier aufeinandertreffen, die vielleicht ähnliche Fragen haben oder ähnlich gespannt sind auf ihre Reise und dass da wirklich ein sehr reger Austausch herrscht. 

Kontakt und Fragen:

Wenn Sie mehr über dieses Thema wissen möchten, melden Sie sich gerne!

Referentin Internationale Partnerschaften
Schwerpunkt Südafrika, Äthiopien, Zentralafrikanische Republik
Marlene Altebockwinkel
Telefon +49 (0)5052 69-344
m.altebockwinkel(at)elm-mission(dot)net

*Quelle: https://www.wwf.de/themen-projekte/naturschutz-deutschland/endemische-tierarten-in-deutschland

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