"Der Glaube an den einen Gott verbindet uns"
Drei Wochen lang war Olaf Klein, Pastor in Wittingen (Landkreis Gifhorn), in Äthiopien um dort das Leben in christlichen Gemeinden und Einrichtungen kennen zu lernen.
Ich durfte Menschen kennenlernen, die sich nicht haben entmutigen lassen. Die positiv und mit Gottvertrauen in die Zukunft schauen. Mit Mangel gehen sie kreativ um und sie sind in der Lage mit Wenigem Vieles zu schaffen. Das zollt mir Respekt ab. Auch, wenn ich mich an vielen Stellen mit der Gelassenheit der Äthiopier*innen schwergetan habe, so wünsche ich mir mehr Gelassenheit und Gottvertrauen bei uns in Deutschland und in den Gemeinden.
Olaf Klein, Pastor in Wittingen
„Kirche gibt’s auch anderswo“, heißt das Programm des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM), das solche Aufenthalte ermöglicht. Kirchliche Mitarbeitende aus Niedersachsen erhalten dadurch Einblicke in den Alltag von Berufskollegen oder Kolleginnen aus einer der Partnerkirchen des ELM in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Einige Zeit später erfolgt dann der Gegenbesuch der Partner*innen aus dem Ausland.
Auch wenn für Olaf Klein und seinen Austauschpartner Getachew Abdila dieser zweite Teil nicht realisiert werden konnte, weil der Äthiopier kein Visum für einen Deutschlandaufenthalt erhielt, blickt Klein insgesamt „zufrieden und dankbar“ auf die drei Wochen in Hosaina in der Süd Zentral Synode der Ev.-luth. Kirche Mekane Yesus zurück.
„Gott ist an allen Stellen im Alltag der Menschen gegenwärtig. Egal an welchem Ort und welcher Religionszugehörigkeit. Gott ist Begleiter im Alltag. Etwas davon in unsere immer mehr schrumpfenden Gemeinden mitzunehmen, wäre ein großer Wunsch von mir“, zieht der 51-Jährige Bilanz. Es habe ihn fasziniert, wie zuversichtlich, fröhlich und freundlich die Menschen seien, obwohl die materielle Not unübersehbar sei. „In solch einer Situation würden hier bei uns viele die Existenz Gottes ablehnen“, ist Olaf Klein überzeugt. Aus der Zeit in Äthiopien habe er mitgenommen, „leidenschaftlicher über den lieben Gott zu sprechen“. Er sei in seiner Sprache frommer geworden und finde es nicht mehr so wichtig, jede theologische Frage immer bis ins Letzte zu durchdenken.
Bis er mit den Menschen echte Gespräche führen konnte, habe es ein bisschen gedauert : „Ich bin freundlich und in Teilen auch herzlich empfangen worden. Und, obwohl die Partner in der Vergangenheit Erfahrungen mit weißen Europäern, den Mitarbeitenden des ELM, hatten, waren die ersten zwei Wochen sehr distanziert und Gespräche und Austausche fanden auf einer sehr formalen Ebene und nur an der Oberfläche statt. Ich hatte den Eindruck, dass sehr stark darauf geachtet worden ist, den äußeren Anschein zu wahren. Beliebte Antworten waren zum Beispiel ‚It’s ok‘ oder ‚Everything is fine‘.
So war ich zum Beispiel sehr daran interessiert, wie das Zusammenleben der vielen Ethnien in Äthiopien funktioniert oder ob es einen interreligiösen Dialog zwischen Orthodoxer Kirche, Muslimen und der Mekane-Jesus-Kirche gibt. Die Schilderungen meines Gegenübers waren wie im Bilderbuch. Alles ist super! Der Staat verordnet Frieden und alle halten sich in Eintracht daran. Erst später, in konkreten Situationen, erfuhr ich, dass z.B. die Volksgruppe der Oromo die meisten Positionen in Verwaltung und Politik besetzt, was Auswirkungen auf das Zusammenleben hat. Auch zwischen Muslimen und Christ*innen gibt es Konflikte. Von ‚alles super‘ wendete sich das Bild dann in einigen Punkten zu einem Pulverfass. Es brauchte eine Zeit, bis Getachew Abdila in der Lage war, mir auch ein anderes Bild zu zeigen.“
Auch die Besuche bei Bauprojekten in Gemeinden empfand Olaf Klein nicht selten als schwierig weil dort meist auch fehlendes Material und Geld thematisiert wurde. „Ich hatte aber keine Mittel zu vergeben“, so der Pastor. „Großartig“ hingegen seien die Erfahrungen in familiären Kontexten gewesen. So hatte der Gast aus Deutschland zum Beispiel Gelegenheit, das Meskalfest (Kreuzerhöhungsfest) sowohl bei einer Familie auf dem Land als auch in der Stadt mitzufeiern. Auch die Begegnungen im „German Guesthouse“ auf dem Gelände der Synode, wo er untergebracht war und wo auch Äthiopier lebten, empfand er als bereichernd.
Der Aufenthalt in Äthiopien sei ein großes Geschenk gewesen, resümiert Olaf Klein. Die Kultur, die Frömmigkeit und die Auslegung der Bibel (zum Beispiel zur gleichgeschlechtlichen Ehe) seien nicht immer in Einklang zu bringen. „Aber am Ende kommt es für mich darauf an, was uns verbindet und nicht, was uns trennt. Und das ist der Glaube an den einen Gott.“