Starke Bilder und ein hoffnungsvolles Ende
Fesselnde Momente beim ELM-Sommerkino mit „All we imagine as light“.
Es waren starke Bilder, manchmal dunkel und leise, dann wieder voller Leben am Meer, traurige Momente mit einer großen Hoffnung am Ende: Der indische Film „All we imagine as light“ fesselte das Publikum vor der Hannoveraner Lutherkirche in Originalsprachen mit deutschem Untertitel. Der Titel „Alles, was wir als Licht wahrnehmen“, deutsch übersetzt, hält sein Versprechen.
In Kooperation mit der Nordstädter Kirchengemeinde und dem Cinema del Sol konnte das Büro für internationale kirchliche Zusammenarbeit des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) das Sommerkino im fünften Jahr stattfinden lassen. Nach zwei „Regenveranstaltungen“, wo die Filme nur in der Kirche gezeigt werden konnte, freuten sich alle über den lauen Sommerabend mit Kino auf dem Vorplatz der Kirche.
Schon beim Aufbau wurden die Organisator*innen immer wieder angesprochen, was hier passiere. Manche Zuschauenden kamen auf diese Weise spontan dazu. Die über 100 bereitgestellten Stühle waren schnell belegt. Andere kamen mit eigenen Stühlen und Decken dazu, andere nutzten Sitzgelegenheiten von einem anliegenden Café oder setzten sich auf den Boden. Die Stimmung im bunt gemischten Publikum war gut.
Der in Cannes ausgezeichnete Film „All we imagine as light“ ist kein lauter Film. Wer Comedy und Action sucht, findet diese nicht. Drei Frauen arbeiten als Krankenschwestern zusammen. Die Krankenschwester Prabha lebt mit ihrer jüngeren Kollegin und Mitbewohnerin Anu in Mumbai. Prabhas Mann ist zum Arbeiten nach Deutschland gezogen und die beiden haben keinen Kontakt mehr. Anu trifft sich derweil mit dem Muslim Shiaz, was für Gerede unter den Hindus im Krankenhaus sorgt. Derweil versucht Parvaty, eine ältere Krankenschwester, ihr Haus vor Immobilienhaien zu retten. Später reisen die drei Frauen in Parvatys Heimatort, da sie den Kampf um ihre Wohnung aufgegeben hat und zurück aufs Land zieht. Von Mumbai ans Meer . . Symbolisch geht es hin zu neuen Freiheiten und mehr Selbstbestimmung. und endet mit einer hoffnungsvollen Szene am Meer.
Ob eine Frau ein selbstbestimmtes und freies Leben in Indien führen kann, hängt stark von ihrer Religions- und Kastenzugehörigkeit, ihrer sozialen Schicht, ihrem Bildungsgrad und dem ihres Umfelds ab. Da zwei Drittel der Menschen in Indien Teil der Landbevölkerung sind, die häufig keinen vergleichbaren Zugang zu Bildung haben wie Menschen in der Stadt, ist ein Großteil der Frauen nach wie vor abgeschnitten von emanzipatorischen Bewegungen.
Trotz massiver Gewalt an Frauen und Mädchen fordern Frauenrechtlerinnen in Indien, Frauen nicht nur als Opfer zu betrachten. Das führe zu Widerstandslosigkeit und Stigmatisierung. Viele Frauen wehren sich gegen ihre Rolle in der Gesellschaft und kämpfen gegen die Unterdrückung und für ein selbstbestimmtes Leben.
Dazu möchte das ELM seine indischen Partner vor Ort unterstützen. Als Beispiel aus Indien nannte Ute Penzel (EKM-Referentin Ökumenische Zusammenarbeit Indien) die Förderung von Mädchen in ihrer Ausbildung unabhängig ihrer Religion und Kaste.
Die Sehnsucht der drei Protagonistinnen im Film nach einem besseren Leben klingt nach. Die Besucher und Besucherinnen verlassen mit dieser Hoffnung den Vorplatz an der Lutherkirche. Um 24 Uhr ist das Solare Kino wieder in den Lastenrädern verstaut und alle Stühle sind abgeräumt. Was für ein schöner Abend.