Klimawandelbedingte Migration
Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachen (ELM) bringt sich mit Dokumentarfilm und Präsentation über Malawi ein.
Unter dem Titel „Klimawandelbedingte Migration“ fand im Dezember 2025 an der Evangelischen Akademie Loccum eine zweitägige Fachveranstaltung statt. Expert*innen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Entwicklungszusammenarbeit kamen zusammen, um über die globalen Auswirkungen des Klimawandels auf Migration zu diskutieren.
Die Tagung bot einen interdisziplinären Überblick. Extreme Wetterereignisse, Dürren, Überschwemmungen und steigende Meeresspiegel wurden als treibende Faktoren für Migration vorgestellt. Regionale Fallstudien aus Afrika und Asien veranschaulichten die direkten sozialen und ökonomischen Konsequenzen für betroffene Gemeinschaften. Ein zentrales Ergebnis der Tagung war: Die meisten Menschen wollen nicht migrieren – sie wollen bleiben. Migration erfolgt vielfach erst dann, wenn sich Lebensbedingungen nachhaltig verschlechtern und bestehende Bewältigungs- und Anpassungsstrategien nicht mehr ausreichen. In solchen Fällen kann Migration als eine Form der Anpassung an veränderte Umwelt- und Lebensbedingungen verstanden werden.
Zugleich wurde betont, dass die Auswirkungen des Klimawandels nicht alle Menschen gleichermaßen betreffen. Ausmaß der Betroffenheit und verfügbare Handlungsspielräume hängen unter anderem von Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, sozialer Lage sowie indigener Zugehörigkeit ab. Kinder, ältere Menschen, gesundheitlich beeinträchtigte Personen und indigene Gemeinschaften gelten als besonders vulnerabel. Auch strukturelle Faktoren wie der Zugang zu Ressourcen, Infrastruktur und staatlicher Unterstützung wurden als zentral hervorgehoben.
Am ersten Tag standen wissenschaftliche Grundlagen und praktische Erfahrungen im Mittelpunkt. In Vorträgen und Kleingruppendiskussionen wurden lokale Anpassungsstrategien vorgestellt, darunter Initiativen in Äthiopien, Südafrika und Malawi.
Des Ev.-Luth. Missionswerk in Niedersachsen beteiligte sich an der Tagung mit einer Präsentation von Tobias Schäfer Sell, Referent Malawi und Advocacy, zum Thema „Klimaflucht“ in Malawi und der Vorführung des Dokumentarfilms „Beni Youth“. Die Filmemacher Philipp Seifert und Raphael Schanz portraitierten 2024 im Auftrag des ELM Jugendliche in Malawi, die sich trotz schwieriger Bedingungen in ihrem Dorf eine Zukunft aufbauen und sich aktiv engagieren. Der Film stieß auf großes Interesse bei den Teilnehmenden.
Der zweite Tag widmete sich rechtlichen und politischen Fragen: Fachleute erörterten internationale und nationale Regelungen, geplante Umsiedlungen und die Rolle von Asylverfahren im Kontext klimabedingter Migration. Abgeschlossen wurde die Tagung mit einer Podiumsdiskussion über Chancen und Herausforderungen für Herkunfts- und Aufnahmeländer.
Die Veranstaltung verdeutlichte insgesamt, dass Klimawandel und Migration in engem Zusammenhang stehen und als globale Zukunftsfragen zu verstehen sind. Erforderlich sind koordinierte politische Strategien, internationale Zusammenarbeit und praxisorientierte Ansätze, die sich an den jeweiligen lokalen Bedingungen orientieren und die Handlungsspielräume der betroffenen Bevölkerungsgruppen berücksichtigen. Die Tagung in Loccum bot dafür eine Plattform, um Wissen zu bündeln, Erfahrungen auszutauschen und Handlungsoptionen zu diskutieren.
Die Teilnehmenden empfanden die Tagung als Ermutigung und Bestärkung, dass sich trotz der aktuellen Krisen und politischen Verschärfungen im Bereich Migration und Flucht viele Organisationen und Menschen für die betroffenen Menschen einsetzen.