Kleine Gesten erhalten uns am Leben

Die Salbung Jesu durch Maria von Bethanien (Markus 14,3-9): Mit diesem tiefgründiger Text befassen wir uns heute wenn wir eine Messe an diesem besonderen Ort - der Landesgartenschau in Bad Nenndorf - feiern.

Hier sind wir eingeladen, über unser Handeln, unsere Gesten und unsere Beziehung zur Schöpfung Gottes nachzudenken, die uns als Geschenk gegeben wurde, damit wir sie pflegen und so gut wie möglich verwalten, als Partner Gottes in seiner Schöpfung.

Es ist ein Text aus dem Evangelium, der auf den ersten Blick nichts mit dem Thema der Schöpfung Gottes zu tun zu haben scheint. Wenn wir diesen Text jedoch aufmerksam betrachten, wenn wir auf seine Botschaft hören, können wir mit aller Gewissheit sagen, dass er sehr wohl viel mit uns zu tun hat, mit diesem Moment, mit diesem Tag, mit diesem Ort, mit allen Menschen, die hier sind.

Denn sind es nicht die kleinen Dinge, die kleinen Gesten, die die Menschheit am Leben erhalten? Kleine Zärtlichkeiten, kleine Gesten der Freundlichkeit, der Zuneigung, ein Lächeln, eine Umarmung, ein Blick, ein Wort der Ermutigung, ein kleiner Samen, den wir säen, ein Garten, den wir pflegen, ein Gedanke der Inklusion und Solidarität, eine kostbare Geste, eine Salbung mit Öl... Kleine Gesten, die die Welt verändern und Geschichte schreiben. So sagt es auch das Sprichwort: Viele kleine Gesten an vielen kleinen Orten können das Gesicht der Erde verändern.

Maria von Bethanien, eine der Jüngerinnen Jesu, glaubte daran. Sie kümmerte sich nicht um die Kritik der anderen Jünger, betrat das Haus, denn sie wusste, dass Jesus dort sein würde, nahm das teure Öl, für das sie vermutlich lange gespart hatte und goss es über die Füße des Meisters, wobei sie sie mit ihrem eigenen Haar trocknete.

Sie handelte entschlossen, handelte selbstbewusst, handelte aus tiefstem Herzen, um den Meister auf den Weg des Leidens und der Qual vorzubereiten, der ihm am Kreuz bevorstand.

Ihre Geste bei jenem Abendmahl war einfach, klein, aber wirkungsvoll:

Es war eine unerwartete Geste – zum Guten.

Es war eine prophetische Geste – die auf das abzielte, was im Leben Jesu mit seinem Tod und seiner Auferstehung bevorstand.

Es war eine kraftvolle Geste – ungeachtet der Kritik handelte sie mit großem Mut und Entschlossenheit.

Es war eine Geste, die heilt, stützt, Zuneigung schenkt, stärkt und inmitten von Schmerz und Leid Fürsorge leistet.

Mit Marias Geste füllte sich das Haus mit dem Duft des Parfüms, das sie verströmte. Maria handelte im Angesicht des Kommenden, sie verstand die Lehren ihres Meisters, sie bereitete ihn auf das Leiden vor, aber sie wies auch auf die Auferstehung hin. Sie handelte mit Liebe, Vertrauen und Furchtlosigkeit. Fokussiert. Selbst durch die Kritik der Männer im Haus ließ sie sich nicht abhalten.

All dies lässt uns über unsere Gesten, unsere Taten und unsere Standpunkte nachdenken.

Das Evangelium sagt uns, dass Maria von Bethanien alles tat, was sie konnte, alles, was in ihrer Macht stand. Haben wir alles getan, was in unserer Macht steht, oder können wir noch mehr tun?

In Brasilien kenne ich Menschen, die Landflächen kaufen, um Bäume anzupflanzen oder bereits degradierte Gebiete wieder aufforsten. Durch Recycling werden Abfälle wieder nutzbar und Erde, die durch Kompostierung entsteht, bringt neue Nahrung hervor. Das Problem der Welt ist nicht der Mangel an Ressourcen, sondern Misswirtschaft aus Gier, Individualismus, Machtstreben und Bosheit. Neulich habe ich gelesen, dass 80 Prozent der Menschheit gut seien. Lasst uns mehr über die weisen Taten unter uns sprechen, lasst uns das Gute wertschätzen, damit es sich wie ein Samenkorn im Wind verbreitet und all das Böse und den Mangel an Liebe vertreibt. Es gibt christliche Gemeinschaften und soziale Projekte, die sich dafür einsetzen, einen Gemüsegarten anzulegen, dessen Ernte als Nahrung auf ihren Tischen dient. Indigene Gemeinschaften leisten Widerstand und kämpfen dafür, dass ihr Land erhalten bleibt und sie dort weiterhin leben können, um das zu pflegen und zu schützen, was darauf noch vorhanden ist. Ja, es sind kleine lokale Gesten, die zusammen, in ihrer Summe, die Welt verändern.

Sicherlich gibt es auch hier unter uns viele Gesten, die gestärkt, unterstützt, ermutigt und geteilt werden können, damit sie wachsen und Früchte tragen.

Um die Welt zu verändern, reichen kleine Gesten aus; kleine Gesten, die zu vielen anderen hinzukommen, werden groß, stark, transformierend... Was Maria von Bethanien tat, ihre kleine Geste, würde für immer in Erinnerung bleiben. Jesus sagt: „Ich versichere euch: Überall in der Welt, wo Gottes rettende Botschaft verkündet wird, wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie getan hat (Mk 14,9).

Auch wir können uns fragen, wie wir in Erinnerung bleiben wollen, wenn wir von hier scheiden: als diejenigen, die geholfen haben zu säen, zu pflanzen, zu ernten, zu pflegen, zu bewahren, als diejenigen, die solidarisch waren, die mit Ideen halfen, die ihre Gaben zum Wohle des Nächsten teilten, als diejenigen, die Kräfte bündeln und einander ermutigen, damit sie nicht aufgeben, sondern im Kampf für Gerechtigkeit, Gleichheit, Würde, Teilen und Frieden beharrlich bleiben.

Es gibt Haltungen und Gesten, die über den Geldwert hinausgehen: Freundlichkeit gegenüber Menschen, gegenüber unseren Brüdern und Schwestern in Not, ein liebevoller Empfang, freundliche Gesellschaft. Das Gemeinschaftsleben besteht aus liebevollen Details, nicht aus Rationalisierungen und Annehmlichkeiten nach unserem Geschmack. Wie Jesus im Evangelium geäußert hat: Lassen wir diese Menschen die guten Gesten in Ruhe in der Welt säen. Sie leiten ein gutes Werk!

Liebe Brüder und Schwestern, als ELM möchten wir heute ebenfalls eine konkrete Geste teilen.

Wir möchten einen Moment der Salbung erleben. Einen Moment, der uns in unserer Spiritualität stärkt, der uns als Menschen wertschätzt, die Teil von Gottes Schöpfung sind, als Menschen, die so viele kleine Gesten der Güte, der Fürsorge, des Friedens und des Bewahrens teilen.

Dieser Moment der Salbung, zu dem alle eingeladen sind, befähigt uns zum Handeln, so wie Jesus durch die Hände und Gesten einer Frau auf seine Mission vorbereitet wurde. Wir möchten heute einen Segen mit geruchsneutralem Öl empfangen, der uns daran erinnert, dass wir ein besonderer Teil von Gottes Schöpfung sind. Wer möchte, kann zu einer Salbungsstation kommen, wo eine Person Öl auf Ihre Hand oder Ihre Stirn auftragen und Ihnen ein Segenswort zusprechen wird.

Wer möchte, kann auch einen Stand besuchen, an dem wir verschiedene Gewürze und Tees anbieten, damit sie berührt, gerochen oder gekaut werden können, und uns von der Frische und Berührung von Gottes Schöpfung einhüllen lassen, die unter uns ihre Kraft offenbart und auf unsere Unterstützung durch so viele kleine und weise Gesten zählt.

Wir haben hier vier Stationen für die Salbung und zwei Gewürzstationen. Fühlen Sie sich frei, eine Geste zu erleben, die Sie stärkt, Salz und Licht in dieser Welt zu sein, in der Gewissheit, dass jeder Mensch von Gott geliebt und geschätzt wird und wie ein gutes Gewürz dort, wo er lebt, Geschmack und Würze verleiht und so tatsächlich den Unterschied macht. Amen!

Pastorin Cristina Scherer ist ökumenische Mitarbeiterin des ELM und Brasilianierin.

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