Kennenlernen und Zuhören: Partnerschaftsarbeit in Südafrika
ELM-Referentinnen sammelten Erfahrungen aus erster Hand bei Besuch von südafrikanischen Partnerschaftsgruppen.
„Wir versuchen, uns dem Konstrukt 'Internationale Kirchliche Partnerschaft' aus südafrikanischer Perspektive zu nähern. Wir fragen, was Partnerschaft für die Menschen, die wir treffen, bedeutet, wie Partnerschaftsarbeit vor Ort strukturell eingebunden ist und welche Herausforderungen und Zukunftsvisionen es gibt“, erläutert Marlene Altebockwinkel. Die Referentin des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) für Partnerschaften und Austauschprogramme war gemeinsam mit Anne Matthys, Ökumenische Mitarbeiterin des ELM und Pastorin im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt, im Oktober 2025 unterwegs in Südafrika.
Für Marlene Altebockwinkel war es die erste Reise nach Südafrika in ihrer Funktion als Partnerschaftsreferentin des ELM. Sie kannte Partnerschaftsarbeit bisher vor allem aus deutscher Perspektive, wobei sie in gemeinsamen Workshops auch die südafrikanischen Partner*innen kennengelernt hat. „Es war nun an der Zeit, selbst nach Südafrika zu reisen und alles aus erster Hand zu erfahren“, betont sie.
Anne Matthys kommt aus Botsuana und hat seit ihrer Ordination zur Pastorin der Ev.-luth. Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA) 2016 in Südafrika in verschiedenen Diözesen gearbeitet. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet sie in Deutschland. Die Reise war für sie ein Wiedersehen mit ehemaligen Kolleg*innen. Sie hat "ihre" Kirche nun aber auch aus einem anderen Blickwinkel wahrgenommen, dem „deutsch-hannoverschen“.
Die beiden ELM-Mitarbeiterinnen besuchten auf ihrer zweiwöchigen Dienstreise Partnerschaftsengagierte aus verschiedenen Kirchenkreisen in drei Diözesen, trafen Superintendent*innen, Regionalbischöfe, Pastor*innen, Ehrenamtliche der NELCSA und ELCSA sowie deren Bischöfe. Sie führten Gesprächen, wurden mit hineingenommen in den Alltag der Menschen, nahmen an Gottesdiensten, Jugendtreffen und Schulveranstaltungen teil. „Unsere Sichtweisen auf das, was wir erlebt haben, ergänzen und bereichern sich sehr“, sind sich beide einig.
„Das, was wir hören und mitnehmen, ist so vielfältig und divers wie die Partnerschaften selbst“, sagt Anne Matthys. In jedem Kirchenkreis, in jeder Diözese, sind die Herausforderungen andere, die Partnerschaften befinden sich in unterschiedlichen Situationen. Manche sind nach dem Wechsel auf Leitungsebene noch dabei, sich zu finden, andere sind sehr aktiv und ausgeglichen. Von den Verantwortlichen wurden Themen angesprochen wie die Integration der Partnerschaftsarbeit in den Gemeinden vor Ort, ihre Verankerung in der Diözese und auch die Rolle von Geld in der Partnerschaftsarbeit.
Es gibt Stimmen von jungen Engagierten in der südafrikanischen Partnerschaftsarbeit, die sagen: „Wir wollen jetzt mehr voneinander lernen. Wenn in Deutschland für uns Geld gesammelt wird, dann können wir das doch auch!“ Auch der Sinn und Zweck von Partnerschaftsreisen könnte neu definiert werden, meinen sie.
Anne Matthys und Marlene Altebockwinkel nehmen mit: Partnerschaftsarbeit hat viel Potenzial, aber es muss genau hingeschaut werden, wie sie umgesetzt wird, damit am Ende alle glücklich sind. Wie das gelingen kann, darüber besteht Gesprächsbedarf.