Genf: Geschlechtergerechtigkeit als Glaubensbekenntnis

Gabriele De Bona im Gespräch mit Marcia Blasi vom Lutherischen Weltbund

Geschlechtergerechtigkeit ist kein Nebenthema, sondern ein Kernauftrag kirchlicher Arbeit – davon ist die brasilianische Pastorin Marcia Blasi überzeugt. Als Programmleiterin für Gendergerechtigkeit im Lutherischen Weltbund arbeitet sie an der Umsetzung von Gleichberechtigung und an der Stärkung von Frauen im ordinierten Amt wie auch in Leitungspositionen.

Im Zentrum stehen für sie zwei Strategien: theologische Bildung und Vernetzung. Frauen sollen durch Stipendien und gezielte Programme Zugang zu Ausbildung und Führungsqualifikationen erhalten. Dabei geht es nicht nur um das Predigen oder Leiten, sondern um die Möglichkeit, selbst Theologie zu gestalten. Vernetzung über Ländergrenzen hinweg sei ein weiteres Fundament. Zwar erleichtert die Digitalisierung vieles, doch längst nicht alle Frauen haben Zugang zu digitalen Räumen. Deshalb brauche es zusätzliche Wege, um die Stimmen von Frauen hörbar zu machen.

Ein Beispiel ist das Programm „Relevant Theology, Gender Justice and Leadership Education for Africa“, das Frauen und Männer in einen Dialog über Geschlechtergerechtigkeit bringt. Die Situation auf dem Kontinent ist sehr unterschiedlich: Während einige Kirchen Frauen längst ordinieren, verweigern andere diesen Schritt bis heute. Für Marcia Blasi ist das ein Ausdruck dafür, dass der Weg zur Gleichberechtigung noch lange nicht abgeschlossen ist.

Wenn sie drei Wünsche frei hätte, würde sie zunächst geschlechtsspezifische Gewalt in all ihren Formen beenden. Erst wenn Frauen ohne Angst leben könnten, sei echte Gerechtigkeit möglich. Zweitens wünscht sie sich, dass Frauen – und alle Menschen – ihre Würde als Kinder Gottes ohne Leistungsdruck selbstverständlich erfahren dürfen. Ihr dritter Wunsch: dass Männer sich als gleichberechtigte Partner einbringen und verstehen, dass Verletzlichkeit keine Schwäche ist, sondern eine gemeinsame Stärke.

Für Marcia Blasi ist klar: Geschlechtergerechtigkeit ist ein Glaubenszeugnis.

"Wenn wir wirklich glauben, dass alle von Gott gleich geschaffen sind, müssen wir Räume schaffen, in denen jede und jeder die eigenen Gaben entfalten kann."

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