Fracking: Gefahr für Klima und Schöpfung
Andy Gheorghiu warnt: Fracking-Gas schadet Umwelt und Menschen massiv. Warum die Energiepolitik jetzt zum ethischen Problem wird.
Im Rahmen eines Vernetzungstreffens der interreligiösen Umweltgruppe Greenfaith Germany hat unser Referent für Globale Nachhaltigkeit, Waldemar Rausch den Umweltexperten Andy Gheorgiu getroffen, Im Gespräch mit Andy Gheorghiu wurden die schwerwiegenden Folgen von Fracking für Mensch und Umwelt sehr deutlich. Greenfaith hat das Thema Fracking als Aktionsbereich identifiziert und Waldemar Rausch will sich mit dem ELM-Projekt "Waldklang - ONE & ALL" daran beteiligen.
Eine zerstörerische Fördermethode
Fracking-Experte Andy Gheorghiu zeichnet ein eindringliches und zugleich erschütterndes Bild der globalen Energiepolitik – eines Systems, das zunehmend in Konflikt mit der Bewahrung der Schöpfung gerät. Ausgangspunkt ist die wachsende Bedeutung von Flüssigerdgas (LNG), das überwiegend aus Fracking gewonnen wird. „Fracking ist eine Fördermethode, die mit großen Auswirkungen einhergeht“, erklärt Andy Gheorghiu – und meint damit nicht nur den enormen Wasserverbrauch, sondern auch die Verseuchung von Böden und die gravierenden gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Menschen.
Leben in „Opferzonen“
Besonders bedrückend ist seine Schilderung der Lebensrealität in den Förderregionen: „Wir haben vor allen Dingen Schwarze Menschen, Hispanos oder indigene Menschen, die unmittelbar betroffen sind … die in sogenannten Opferzonen leben.“ Diese „Sacrifice Zones“ stehen sinnbildlich für eine Welt, in der wirtschaftliche Interessen über die Würde von Mensch und Natur gestellt werden. Für eine kirchliche Perspektive, die die Schöpfung als Geschenk und Verantwortung versteht, ist dies eine zutiefst verstörende Entwicklung.
Klimarisiko größer als gedacht
Auch die Klimabilanz von LNG (Liquefied Natural Gas = flüssiges Erdgas) stellt eine moralische Herausforderung dar. Andy Gheorghiu betont: „Wenn wir uns vor Augen führen, dass LNG klimaschädlicher ist als Kohle … dann werden wir auf jeden Fall das Zwei-Grad-Ziel verfehlen.“ Die Konsequenzen seien nicht vollständig in Zahlen zu fassen, aber „auf jeden Fall sehr nachhaltig – im negativen Sinne für die Menschheit, aber auch für alles, was auf diesem Planeten lebenswert ist.“
Verantwortung und Macht-Strukturen
Waldemar Rausch bringt die ethische Spannung auf den Punkt, wenn er fragt, ob wir uns „eine Art Todesfalle gebaut“ haben. Andy Gheorghiu widerspricht einem pauschalen „Wir“, sieht aber klar benennbare Verantwortliche: „Ein paar Individuen haben beschlossen, uns in diesem fossilen Lock-in zu führen.“ Gleichzeitig ruft er dazu auf, Verantwortung nicht abzuschieben, sondern aktiv zu werden: „Wir haben kollektiv die Herausforderung, … unsere politisch Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.“
Für eine Kirche, die sich der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet weiß, liegt hier ein klarer Auftrag. Es geht nicht nur um Energiepolitik, sondern um Gerechtigkeit, Frieden und die Zukunft eines bewohnbaren Planeten. Andy Gheorghiu formuliert es so: „Hier geht es nicht nur um Energie. Hier geht es um das Verteidigen unserer Demokratie … und um eine Friedenspolitik.“
Hoffnung durch gemeinsames Handeln
Trotz aller Dramatik endet das Gespräch nicht in Resignation, sondern in Hoffnung. „Das Zusammen ist mächtiger als das, was die paar wenigen uns auferlegen wollen“, sagt Andy Gheorghiu. Diese Hoffnung gründet sich in Solidarität – mit den Betroffenen vor Ort und miteinander. Es ist ein Aufruf, die Stimme zu erheben, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung aktiv einzutreten.
Ich arbeite sehr eng mit dem Betroffenen Gemeinschaften in den USA, mit mir, auch mit den betroffenen Gemeinschaften auf der Importseite in Deutschland. Und es ist genau dieses solidarisch miteinander Stehen und solidarisch miteinander Kämpfen, was die Macht hat, sozusagen diesen Prozess tatsächlich nicht nur Paroli zu bieten, sondern ihn zum Stoppen zu bringen.
Kontakt:
Waldklang macht mit bei GreenFaith.
GreenFaith ist eine interreligiöse Umweltgruppe. Wer mehr Information zu GreenFaith haben möchte oder sogar mitmachen will, der kann sich gerne auch bei Waldemar Rausch melden.
Referent Globale Nachhaltigkeit/
Ökumenische Zusammenarbeit Russische Föderation
Waldemar Rausch
Telefon +49 (0)5052 69-290
w.rausch(at)elm-mission(dot)net