Die Schöpfung bewahren – Eindrücke aus Brasilien
„Tut der Erde und dem Meer und den Bäumen keinen Schaden.“ (Offenbarung 7,3)
Mit diesem Bibelwort als Jahresmotto 2026 wurde eine Delegation des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) von Mitgliedern der brasilianischen Partnerkirche gleich zu Beginn ihrer Reise im Dezember 2025 anlässlich eines Hausgottesdienstes an der Grenze zu Uruguay begrüßt. In Begleitung des Vizepräsidenten der IECLB, Odair Braun, konnten wir die Auslegung dieses Mottos in unterschiedlichen Gemeindekontexten erleben. Für die Brasilianer ist dieses Bibelwort kein fernes Zukunftsbild, sondern ein konkreter Auftrag für den Alltag: Die Schöpfung Gottes soll geschützt werden – im Großen wie im Kleinen. Während der Tage in Brasilien wurde den Besucher*innen asu Hermannsburg deutlich, wie vielfältig dieser Auftrag gelebt werden kann.
Viele Initiativen beginnen ganz praktisch in den Ortsgemeinden. Einige Gemeinden haben beschlossen, bei Veranstaltungen konsequent auf Einweg-Plastikgeschirr zu verzichten. Stattdessen wird wiederverwendbares Geschirr angeschafft oder gemeinschaftlich gespült. Was zunächst unscheinbar wirkt, verändert das Bewusstsein nachhaltig: Nach und nach entdecken Gemeindemitglieder, dass Verantwortung für Gottes Welt im Alltag beginnt.
Auch Energiefragen spielen eine Rolle. Eine Gemeinde aus Pelotas stellte uns stolz ihre neue Solaranlage vor. Für die Gemeindeleitung war dies mehr als ein technisches Projekt – es wurde als geistliche Entscheidung verstanden: Gottes Schöpfung zu achten und zugleich den Menschen vor Ort zu dienen.
Schöpfungsbewahrung bedeutet hier nicht Verzicht aus moralischem Druck, sondern Ausdruck von Dankbarkeit. Gott hat die Welt geschaffen – deshalb wollen wir sorgfältig mit ihr umgehen.
Während des Aufenthalts besuchten Mirjam Laaser, Kurt Herrera und Ulrich Meyer-Höllings (ELM) in Begleitung von Marcos Bechert (Generalsekretär der IELCB) auch eine Region, die wenige Monate zuvor von schweren Überschwemmungen betroffen war und die auch von Spenden des ELM unterstützt werden konnte. Häuser waren zerstört worden, Familien hatten alles verloren. Die Partnerkirche engagierte sich intensiv im Wiederaufbau: nicht nur mit materieller Hilfe, sondern mit langfristiger Begleitung.
Hier bekam das Wort aus Offenbarung 7,3 eine besondere Tiefe. Die Erde soll nicht zerstört werden – aber wenn Zerstörung geschieht, sind Christen gerufen, heilend und aufbauend zu handeln. Schöpfung bewahren heißt auch: Hoffnung wieder aufrichten.
Ein unerwarteter Höhepunkt war der Besuch einer großen Kaktusplantage. Zwischen hunderten Arten und Formen wurde deutlich: Gottes Schöpfung ist nicht nur schützenswert, sondern auch erstaunlich vielfältig. Manche Kakteen speichern Wasser über Jahre hinweg, andere blühen nur für wenige Stunden – und doch erfüllt jede ihren Platz im Gefüge der Natur. Gerade hier wurde klar: Schöpfungsbewahrung beginnt mit Wahrnehmung. Was wir lieben, schützen wir auch.
Die Begegnungen in Brasilien haben gezeigt: Schöpfungsbewahrung ist kein Einzelthema, sondern durchzieht das gesamte Gemeindeleben. Sie zeigt sich im Spülen von Tellern, im Installieren von Solarmodulen, im Pflanzen von Bäumen, im Wiederaufbau zerstörter Häuser und im Staunen über eine Kakteenblüte.
Offenbarung 7,3 erinnert daran, dass Gottes Zukunft auch unsere Gegenwart prägt. Weil Gott seine Schöpfung nicht aufgibt, dürfen wir schon heute Verantwortung übernehmen. Nicht aus Angst, sondern aus Hoffnung.
So wurde die Reise für die drei Referent*innen des ELM zu einer Einladung: Schöpfungsbewahrung nicht nur als globales Problem zu sehen, sondern als geistliche Haltung – überall dort, wo Gott uns hinstellt.