Viele Bilder sind im Kopf

Auf internationaler Mission für die Geschlechtergerechtigkeit

Wir haben mit Nicole Grenz, deutsche Teilnehmerin der Genderakademie, und Gabriele De Bona, Leiterin der Genderakademie, gesprochen und sie zu ihren Erfahrungen bei der diesjährigen Genderakademie in Malawi befragt.

Eine eindrückliche Reise

Readaktion: Einmal Malawi und zurück, wie geht es euch jetzt?

Nicole Grenz: Vieles schwingt und klingt nach und ich habe noch viele Bilder im Kopf.

Gabriele De Bona: Mir geht es gut. Mir kommen die stärksten Eindrücke und Erlebnisse nach und nach wieder in den Sinn - wie in einem Film.

Redaktion: Was waren denn die stärksten Eindrücke und Erlebnisse?

Gabriele De Bona: Für mich war am prägnantesten, dass wir aus sieben Ländern zusammengekommen sind. Wir haben unterschiedliche Erfahrungen, sind unterschiedlich alt, Frauen und Männer und auf unterschiedliche Weise in der Kirche aktiv. Und wir haben viel zusammengetragen, um an auch recht schwierigen Gender-Themen zu arbeiten.

Nicole Grenz: Es hat sich gut und beeindruckend angefühlt, tatsächlich in Malawi zu sein. Vor allem die Lebendigkeit der Kirchengemeinde, bei der wir zu Besuch gewesen sind.

Redaktion: Wie war der Kontakt mit den Menschen aus den anderen Teilen unserer Erde?

Nicole Grenz: Der Kontakt zu den Menschen vor Ort war sehr freundlich und wertschätzend. Sie waren uns gegenüber sehr hilfsbereit. Wir waren in einer anderen Kultur, in einem anderen Land unterwegs, wo man manchmal nicht genau weiß, wie verhalte ich mich hier richtig. Ich habe mich in der Unterkunft und auf der Straße sicher gefühlt.

Gabriele De Bona: Ich kann die Erfahrungen von Nicole teilen. Eigentlich hat das auch den Ausschlag gegeben, warum wir uns für Malawi entschieden haben, als es darum ging, die Genderakademie in einem Land unserer Partnerkirchen stattfinden zu lassen. Und ich habe das Gefühl, dass sich alle sicher gefühlt haben.

Kirche in Malawi

Redaktion: Wie habt ihr die lutherische Kirche in Malawi empfunden?

Nicole Grenz: Die Kirche in Malawi ist um einiges lebendiger als die Kirche in Deutschland. Das liegt natürlich auch daran, dass bei Gottesdiensten die Bänke besetzt sind und die Kirche voll ist. Außerdem sprechen die Menschen ohne Scheu Bibelstellen vor, wenn sie aufgerufen werden.

Gabriele De Bona: Einen großen Unterschied macht die Demographie. In Malawi gibt es eher weniger ältere Menschen und dafür sehr viele junge Menschen. Junge Erwachsene und sehr sehr viele Jugendliche und Kinder. Und allein das gibt Gottesdiensten eine ganz andere Dynamik. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass es den Besucher*innen wirklich ein Bedürfnis war, sich Gott zuzuwenden und dies auch in einer Kirche zu tun. Das zeigt, dass die Kirche eine ganz hohe Relevanz hat.

Genderakademie

Redaktion: Geschlechtergerechtigkeit war das Thema der Genderakademie. Gabriele, was hat euch dazu bewegt, dieses Thema auszuwählen?

Gabriele De Bona: Geschlechtergerechtigkeit ist eigentlich das Grundthema bei allen Genderakademien. Das Motto der diesjährigen Genderakademie war, dass alle vor Gott gleich sind. Frei nach dem Galaterbrief 3,28. Es geht um die Aufhebung sozialer Schranken, die es aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft, Klasse oder aufgrund von Bildungsschranken geben könnte. Die Bibelstelle bzw. das Thema hat unsere Gastgeberin Bertha Munkhondya von der Ev.-luth. Kirche in Malawi (ELCM) ausgesucht.

Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Redaktion: Nicole, wie hast du die Bearbeitung der Themen erlebt?

Nicole Grenz: Die Themen waren sehr vielfältig und kamen aus den persönlichen Situationen der Menschen aus den verschiedenen Ländern, die teilgenommen haben. Vieles ließ sich auf alle Länder übertragen, wie das Thema geschlechterspezifische Gewalt. Andere Themen hingegen waren eher länderspezifisch und die konnte ich dann nicht in meinen Kontext einbauen. Trotzdem war es sehr spannend, darüber zu hören und so die Unterschiede der Länder kennenzulernen - und wie unterschiedlich mit der Gleichheit der Menschen umgegangen wird. 

Redaktion: Wie war es für dich, dein eigenes Thema einzubringen?

Nicole Grenz: Ich fand es aufregend. Es ging um sexualisierte Gewalt bzw. Gewalt generell. Das ist in Deutschland immer noch ein großes Thema, da wir von einer großen Dunkelziffer umgeben sind. Und da ist Deutschland anderen Ländern sehr sehr ähnlich.

Was macht die Reise mit euch?

Redaktion: Was nehmt ihr von der Reise mit?

Nicole Grenz: Außer drei neuen Schals? Lass mich überlegen. Ich nehme mit, dass ich auf jeden Fall weiter interkulturell arbeiten möchte. Ich liebe jede Arbeit, in der man interkulturelle Aspekte hat. Die Reise hat mir noch einmal bestätigt, wie wichtig interkulturelle Kontakte für die Zukunft sind.

Gabriele De Bona: Es ist bereichernd an Themen gemeinsam zu arbeiten - insbesondere mit Menschen, die nicht aus unserem direkten Umfeld kommen. Es zeigt auch immer wieder Nuancen auf, die kulturspezifisch sind oder sich aus bestimmten Traditionen entwickelt haben. Ein Aha-Erlebnis in der Gruppe war, dass wir gelernt haben, dass sich kulturelle Aspekte irgendwann entwickelt haben und veränderbar sind. Außerdem war es ein bisschen Abenteuer, die Akademie in einem ganz anderen Kontext stattfinden zu lassen.

In Zukunft möchten wir das Ownership der Teilnehmenden noch stärken und da sind wir auf einem guten Weg. (Ownership meint, dass die Partnerkirchen sich zunehmend mit dem Format der Genderakademie identifizieren und es als gemeinsames Projekt ansehen, Anm. d. Red.)

 

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