Mauro Batista de Souza

Dr. Mauro Batista de Souza ist Zweiter Vizepräsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB).  Er ist 56 Jahre alt und arbeitet als Referent für Weltmission und Ökumene. Sein Theologiestudium hat er an der Theologischen Hochschule „Faculdades EST“, Brasilien (1990-1997) absolviert und anschließend einen Doktortitel der Theologischen Hochschule „Graduate Theological Union“, Berkeley, CA, Vereinigte Staaten von Amerika (1999-2004) erworben.

Warum ist das Missionswerk für Sie wichtig?

Die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) versteht sich als Teil der weltweiten christlichen Gemeinschaft und in ganz besonderer Weise als Teil der protestantischen Familie. Sie ist präsent und aktiv hauptsächlich in Brasilien, aber ihre Gebete, geschwisterlichen Beziehungen und Partnerschaften erstrecken sich auf verschiedene Teile der Welt.

Das Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ist für die IECLB sehr wichtig. Es ist eine unserer ältesten und schönsten Partnerschaften. Das ELM vertritt und lebt die These, dass eine Partnerschaft auf Gleichberechtigung, Gegenseitigkeit und enger Verbundenheit beruhen muss. Wir erleben dies ganz konkret, wenn wir an Arbeitsgruppen teilnehmen und die Themen der multilateralen Konsultationen vorbereiten. Wir erleben dies auch in der aufrichtigen Art und Weise, in der wir unsere Kommunikation auf beiden Seiten fördern.

Erfahrungen und Erlebnisse beider Organisationen, ELM und IECLB, sind im Lauf der Jahrzehnte vielfach zusammengeflossen. Deshalb sind das 175-jährige Jubiläum des ELM und das 200-jährige Jubiläum der IECLB ein Grund, Gott zu danken und zu feiern.

Welche Rolle spielt das Missionswerk für Sie als „Partner in Mission“?

Das ELM ist ein wichtiger Partner in der Mission. Seine Erfahrungen, die es durch die Arbeit in verschiedenen Bereichen und Ländern gesammelt hat, bieten der IECLB zahlreiche Wachstumsmöglichkeiten. Durch den Dialog über brennende und wichtige Themen laden wir uns gegenseitig ein, den Horizont zu erweitern und theologische und institutionelle Barrieren abzubauen, die das Wirken des Heiligen Geistes behindern könnten. Der Austausch von Menschen (Pastor*innen, Ehrenamtlichen, jungen Leuten) ermöglicht es uns, verschiedene Formen von Spiritualität, Gebet, Zeugnis und Diakonie zu erleben und miteinander zu teilen.

Die finanziellen Möglichkeiten des ELM und seine engagierte Unterstützung von Projekten hat es vielen Institutionen und Gemeinden, die mit der IECLB verbunden sind, ermöglicht, die Partnerschaft auf sehr konkrete Weise zu erleben. Noch wichtiger ist das Verständnis, dass wir gemeinsam in der Mission Gottes arbeiten, die darin besteht, die Welt zu versöhnen und die Menschen zu dem zu machen, wozu sie geschaffen wurden – zu Menschen, die fähig sind zum Dialog, zum Respekt, zum Leben in Frieden und Gerechtigkeit. Das ELM ist einer der wichtigsten Partner der IECLB bei der Unterstützung von missionarischen und diakonischen Projekten, Ausbildungs- und Nachhaltigkeitsprojekten, von denen einige vom Kirchenbüro der IECLB selbst eingereicht werden.

Was erhoffen Sie sich für Ihre Kirche für die weitere Zukunft vom Missionswerk?

Wir möchten auch in Zukunft auf das ELM als wichtigen Partner zählen. Die IECLB wird weiterhin eine ökumenische Kirche sein, die sich mit anderen im Gebet, in der Vermittlung christlicher Ethik und Werte sowie im missionarischen und diakonischen Handeln verbindet. Der Austausch von Erfahrungen und von theologischem und praktischem Wissen, der in der partnerschaftlichen Beziehung möglich wird, ist sehr wichtig, damit die IECLB die Kirche sein kann, wie Gott sie haben will. Durch das ELM fühlen wir uns dort, wo das ELM tätig ist, ein Stück weit präsent. Wir hoffen, dass das für das ELM in Bezug auf die IECLB und Brasilien ähnlich ist.

In welchen Bereichen sollte sich das Missionswerk engagieren?

Wir glauben, dass sich das ELM in allen Bereichen engagieren kann, die die Verteidigung des Lebens und der Rechte von Menschen und anderen Lebensformen betreffen. Die Diskrepanz in der politischen und wirtschaftlichen Macht zwischen den Ländern des Nordens und des globalen Südens wird immer größer. Anstatt Fortschritte zu machen, machen wir Rückschritte. Das Ergebnis ist, dass im Zeitalter von Wissen und künstlicher Intelligenz die erzwungene Migration von Menschen, die vor Arbeitslosigkeit, Hunger und Krieg fliehen, in großer Zahl ansteigt. Wir lassen zu, dass ungerechte Systeme Milliardäre schaffen auf Kosten von Millionen von Menschen, die wenig oder gar nichts haben.

Wir hoffen, dass das ELM einen Beitrag leistet, um die Hilferufe der unterdrückten Völker – der indigenen Völker, der Völker mit afrikanischen Wurzeln, der Völker, die mit wenig Land zum Bewirtschaften überleben, der Völker, die für sehr niedrige Löhne arbeiten – widerhallen zu lassen. Wir hoffen, dass das ELM bei den Menschen, deren Position es ihnen erlaubt, sich den globalen Ungerechtigkeiten entschieden zu widersetzen, Sensibilität und die Ausbildung einer eigenen Meinung fördert. Wir hoffen, dass das ELM seine Sensibilisierungsarbeit fortsetzt, um ihr Kontakte-Netzwerk dazu zu bewegen, in wirtschaftlich faire, sozial demokratische und ökologisch nachhaltige Projekte zu investieren. Und dass es bei allem, was es tut, immer auch auf die Geschlechter-, Rassen- und Umweltgerechtigkeit achtet.

Was Sie dem Missionswerk noch sagen möchten:

Die IECLB ist dem ELM und den hinter ihm stehenden Kirchen sehr dankbar. Unsere Partnerschaft stärkt uns. Sie lässt uns erkennen, dass wir in vielerlei Hinsicht Hand in Hand gehen. Wir sind eine reife Kirche, die sich ihrer Präsenz in Brasilien bewusst ist und versucht, sich mehr und mehr in die kulturelle und kontextuelle Vielfalt Brasiliens einzubringen. Aber unsere Beziehungen zur Wiege des Luthertums und der europäischen Einwanderung bleiben uns wichtig. Das ELM kann uns dabei unterstützen, zu beurteilen, was von diesen Beziehungen immer noch gültig ist und wo wir uns weiterentwickeln können.

Wofür setzt sich Ihre Kirche besonders ein?

Die IECLB ist dem befreienden Evangelium von Jesus Christus verpflichtet und allem, was das umfasst. In ihrer Satzung erklärt die IECLB, dass es ihr Auftrag ist, das Evangelium von Jesus Christus zu verbreiten, indem sie dazu ermutigt, es persönlich in der Familie und in der Gemeinde zu leben und Frieden, Gerechtigkeit und Liebe in der brasilianischen Gesellschaft und in der Welt zu fördern. Darüber hinaus hat die IECLB die Vision, als Kirche attraktiver, inklusiver und missionarischer Gemeinden gesehen zu werden, die in Treue zum Evangelium Jesu Christi handeln und sich durch ihr Zeugnis der Liebe Gottes, ihren Dienst zugunsten der Menschenwürde und die Achtung der Schöpfung auszeichnen.

Für den Zeitraum von 2019 bis 2024 hat die IECLB fünf vorrangige missionarische Ziele definiert. Sie spiegeln die Vision dessen wider, was die IECLB in dieser Zeit als ihre Berufung durch Gott ansieht. Die IECLB will sein:

  • Eine Kirche, die das allgemeine Priestertum wertschätzt, Menschen befähigt und ihren Glauben für ihr Zeugnis in der Kirche und in der Welt vertieft.

  • Eine offene Kirche, die das Evangelium kontextbezogen für alle Menschen und Gottes Schöpfung verkündet.

  • Eine attraktive und einladende Kirche, die die Vielfalt in ihren Gemeinden widerspiegelt und umfasst.

  • Eine Kirche, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung einsetzt und ein Leben in Würde fördert.

  • Eine synodale Kirche, gut geleitet, demokratisch, transparent, verbunden und nachhaltig.

 

Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien

Gründungsjahr: 1824

Anzahl der Mitglieder: 630.000

Zahl der Pastor*innen: 1.200 aktive und pensionierte Pastor*innen in den vier ordinierten Ämtern: pastorale, diakonische, katechetische und missionarische Dienste.

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