Ein Museum für Bartholomäus Ziegenbalg
Bartholomäus Ziegenbalg (1682 bis 1719) war der erste deutsche evangelische Missionar in Indien. Er kam mit der Dänisch-Halleschen Mission nach Südindien, er erlernte die tamilische Sprache und übersetzte die Bibel, die als sogenannte Tranquebar-Bibel 1713 herauskam. Er gründete Schulen, ein Kinderheim und 1707 die erste evangelisch-lutherische Tamilgemeinde in Tranquebar.
Die Fragen beantworten Museumsdirektor Dr. Samuel Manuel und das Museumsteam:
Seit wann gibt es das Projekt und wer hat es ins Leben gerufen?
Am 15.07.2017 wurde in Tranquebar das Ziegenbalg House Museum eröffnet. Jasmin Eppert war die Kuratorin, die das Wohnhaus des ersten evangelischen Indienmissionars als Museum gestaltete. Gefördert wurde das Museum zunächst durch den Kulturerhaltungsfonds des Auswärtigen Amtes, die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM), das Leipziger Missionswerk (LMW), die Franckeschen Stiftungen zu Halle und die All India Printers Association. Es ist ein interkultureller Dialog.
Was wird in dem Projekt gemacht?
Zu den Ausstellungsobjekten des Museums gehören unter anderem das Taufgefäß von Ziegenbalg, seine tamilische Handschrift im Gästebuch der Franckeschen Stiftungen Halle, die erste in Tranquebar gedruckte Bibel, die Druckerpresse, ein „deutscher Schrank“ mit Gegenständen aus Deutschland, die Bibliothica Malabarica-Bibliothek und vieles mehr. Wir organisieren Konferenzen, Workshops und Seminare für verschiedene Personengruppen wie Wissenschaftler, Universitätspersonal und Studierende zu vielen Themen.
Außerdem organisieren wir Buchvorstellungen. Wir laden Historiker ein, ins Museum zu kommen, um ihre Bücher über Missionare vorzustellen.
Wie hat sich das Projekt im Laufe der Zeit verändert?
Tranquebar ist ein kleiner Ort und war vor 2017 nicht sehr bekannt. Durch das Ziegenbalg-Museum haben inzwischen viele Menschen Tranquebar besucht . Es ist ein touristischer Ort geworden, zu dem Besucher*innen aus der ganzen Welt anreisen. Viele Menschen werden durch das Museum mehr über Ziegenbalg und seine Arbeit erfahren. Einheimischen profitieren finanziell durch das Hotelgewerbe und die Tee- und Snackbars.
Welche Rolle hat das ELM bei diesem Projekt gespielt?
Die ELM ist der Hauptspender, der die Renovierung des Hauses finanziell unterstützt und die Kuratorin eingestellt hat. Außerdem hat es den Betrieb des Museums finanziell unterstützt, indem es die Gehälter der Mitarbeiter und andere administrative und programmatische Ausgaben übernommen und die Bibliotheca Malabarica Bibliothek eingerichtet hat.
Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft des Museums?
Das Museum sollte in Zukunft Besucher*innen und Wissenschaftler*innen auf nationaler Ebene anziehen und ohne externe Unterstützung selbständig werden. Wir werden aber noch ca. zwei Jahre lang Unterstützung brauchen, da durch Covid 19 die Besucherzahlen niedrig waren und die Einnahmen nicht ausreichten. Wir danken dem ELM, insbesondere Ute Penzel für die kontinuierliche Unterstützung, Zusammenarbeit, Ermutigung und Motivation von Anfang an.