Wandern zwischen den Welten - Neun Jahre Dienst in Peru
Mit ihrem Chor gaben Jugendliche, die aus Angst vor Überfällen nie ein Slum in Lima betreten hätten, mit meinem Mann (dem Fachleiter für Musik an der deutschen Humboldtschule) Konzerte in Stadtvierteln, wo es zwischen Staub, Müll und Hütten, Menschen gab, die in Lima genauso zuhause waren wie sie selbst und sich in lutherischen Gemeinden unserer Kirche engagierten.
Mein Mann und ich liebten unsere Rolle als Brückenbauer zwischen den Welten. Ein Wirken in drei faszinierenden Klimazonen, denn nach manchem Telefonat hieß es für mich spontan Sachen packen und ab in den nächsten Flieger nach Cusco. Der Dienst in der Lutherischen Peruanischen Kirche erforderte oft Improvisationstalent und Spontanität, weil meistens alles ganz anders kam als geplant. Auf nationaler Ebene leitete ich das ITEL (das Institut für Ausbildung). Neben regelmäßigen Wochenendseminaren fanden für Studenten Sommer-Rüstzeiten zur Ausbildung statt. Durch Fußballtuniere, Salsa- und Sportgottesdienste wurde die Gemeinde zum Zentrum im Viertel, ebenso wie durch unsere Bildungsprojekte: Kindergarten und Hausaufgabenbetreuung und die Kurse für Kleinunternehmerinnen, die wir in Kooperation mit der GIZ organisierten, um die Unabhängigkeit von Frauen zu stärken.
Wenn die Menschen mit ihren äußerlichen und inneren Verwundungen die Pastora aufsuchten, brauchte es neben Heilungsgebeten multinationale Netzwerke. Durch Kampagnen mit ehrenamtlich engagierten Ärzten aus den USA verwandelten wir halbjährlich die Kirche in eine Klinik mit mobilen Facharztpraxen. Zur Gewalt-Prävention entstand im Obergeschoss sogar ein Fitness-Studio. So überrascht es nicht, dass unser Gemeindeaufbau-Konzept: „Heilende Gemeinde“ hieß. Damit erlebten wir Wunder, sahen wie der Glaube an Jesus Menschen heilt. Ein Wandern zwischen den Welten waren unsere neun Jahre in Peru.
Dr. Uta Ihrke-Buchroth war nach ihrem Studium am Missionsseminar Hermannsburg und einem Vikariat in Scheeßel von 2010 bis 2019 in Peru tätig.