"Diakonie ist der Anfang missionarischen Wirkens"
Für mich beginnt meine Zeit als Missionar mit der Ausbildung am Missionsseminar Hermannsburg (1982-1988). Dort erhielt ich eine solide und praxisorientierte theologische Ausbildung, erfuhr Vertiefung und Reifung in Glaube und Spiritualität sowie Persönlichkeitsbildung, welche mich Toleranz- und Vielfaltsfähigkeit lehrten.
Diese mehrdimensionale, ganzheitliche Ausbildung war mir elementare Grundlage für meinen Dienst als theologischer Lehrer und Principal des Onesimus Nesib Bibelseminar in Äthiopien. In einem missionarisch prosperierenden Umfeld waren praxisbezogene, theologische Reflexion und Bildung gefragt und wurden dankbar aufgenommen. Aufbauend auf eine jahrzehntelange Hermannsburger Missionarstradition und somit Vertrauenstradition, wurde ich immer wieder zum Vermittler zwischen den erweckungsorientieren Erneuerern und den traditionsbewahrenden Konservativen. Toleranz und Vielfaltsfähigkeit waren zu lehren und gemeinsam zu erlernen. Als ein von diversen ortsbezogenen gesellschaftlichen Konventionen befreiter Europäer wurden von mir auch manch unangenehme aber sachlich und institutionell notwendige Entscheidungen und Maßnahmen erwartet.
Eine an den konkreten sozialen Nöten orientierte Kirche hat mich gelehrt, Johannes 1,1 „Im Anfang war das Wort ...“ als den Christus zu verstehen, welcher sich zuerst den leiblichen und sozialen Nöten zuwendet. Am Anfang war und ist also das helfende, heilende Tun und nicht die Predigt. Diese Erkenntnis leitete mich zuletzt in der Führung eines stark wachsenden diakonischen Sozialunternehmens mit der Überzeugung, dass „Diakonie“ der Anfang missionarischen Wirkens ist.
Hubert Stotter wirkte von 1993 bis 2000 als Missionar in Äthiopien.