15 Jahre beim Volk der Madiha in Amazonien
Während 15 Jahren beim Madiha-Volk in Amazonien haben wir seine Sprache gelernt und viele Einblicke in seine Kultur bekommen, wir hatten an seinem Leben teil. Gemeinsam mit den Madiha sahen wir, wie wir uns für sie einbringen konnten. Wir taten das besonders an solchen Stellen, wo es wichtig war, sowohl ihre als auch die westlich-brasilianische Lebensform zu verstehen.
Dann gingen wir. Die geplante Fortsetzung unserer Arbeit durch Nachfolgende scheiterte. Zur selben Zeit zogen sich auch die letzten anderen Indigenen-Hilfsorganisationen aus der sehr abgelegenen Region zurück. Bei den Madiha wurde der Einfluss des westlich geprägten Lebens zunehmend stärker, Geldangelegenheiten wurden wichtiger, und mit ihnen nahmen tage- bis wochenlange Aufenthalte in den Städten zu, dadurch auch der Einfluss des Alkohols, Diskriminierung und Marginalisierung.
Und seit etwa 10 Jahren haben sich von diesem kleinen Volk mit nur 7000 Menschen mehr als 50 Jugendliche das Leben genommen. Ein schreckliches Phänomen, das die Madiha früher nicht kannten und nun unter ihnen existiert wie eine neue, furchtbare, lauernde Bedrohung. Ein zuständiges Ministerium hat im vergangenen Jahr Frank, neben anderen, in das Gebiet der Madiha eingeladen.
Dann kam die Frage: Können du und Christiane nicht wieder mehr machen? Sie kennen und vertrauen euch, und ihr versteht sie. Frank erarbeitet jetzt Videos und Audios, die übers Internet den Weg zu einem Teil der Madiha finden. Im Herbst wollen wir sie privat für zwei Monate besuchen. Und wie weiter? Wir denken, dass es bei einem Besuch nicht bleiben kann....
Christiane Tiss, Ärztin, lebte von 1996 bis 2009 im brasilianischen Amazonien bei den Madiha mit dem Schwerpunkt Gesundheitsvorsorge, vor allem Trinkwasseraufbereitung, Umgang mit Tuberkulose, Aids-Prävention.
Frank Tiss, Missionspfarrer, lebte von 1994 bis 2009 beim Madiha-Volk mit den Schwerpunkten indigenes Schulwesen, Analyse der Sprache, muttersprachliche Medien und interreligiöser Dialog.