Schaumburg-Lippe erlebt weltweite Ökumene

Die lebendige Kraft des Evangeliums hat in Schaumburg-Lippe Spuren gezeichnet. Wer diesen Spuren nachgeht, begegnet bald dem Wirken der Hermannsburger Mission. Ein ungeplanter Aufenthalt von Ludwig Harms in Schaumburg hat schon nach wenigen Tagen die Herzen vieler Frauen und Männer für ein Evangelium geweckt, das Leben verändert und Grenzen überwindet. Mit der Predigt von Ludwig Harms gab es einen geistlichen Aufbruch in Gemeinden, der auch nach 150 Jahren spürbar geblieben ist.

Der Tag für Jugend und Mission in Hermannsburg (Foto) zog in den 70er Jahren Scharen Jugendlicher auch aus Schaumburg-Lippe an und weckte Interesse am Missionsseminar und den dortigen Studienmöglichkeiten. Mit dem Blick auf weltweite Kirche reisten Jugendliche aus Schaumburg-Lippe mit dem Landesjugendpfarramt zu mehreren Kirchbauprojekten in die ELCSA nach Südafrika. Mehrere Wochen haben sie mit afrikanischen Jugendlichen an Pfarrhäusern und Kirchen gebaut, Leben geteilt, Frömmigkeit in einer anderen Kultur erlebt. Es entwickelten sich Nord- Süd-Partnerschaften.

Sie führten zu Besuchen von afrikanischen Frauen und Männern aus Südafrika in Gemeinden Schaumburg-Lippes. Bei diesen Begegnungen zeigte sich die Herausforderung, wie es gelingt, Kirche im Kontext einer Gesellschaft mit ungerechten Strukturen zu gestalten und für Rechte von Menschen einzustehen.

Als vor 100 Jahren in Schaumburg- Lippe Missionsfeste gefeiert wurden, geschah dies im Bewusstsein, aus einer christlichen Mehrheitsgesellschaft heraus die Ausbreitung des Evangeliums und diakonische Arbeit in einem anderen Land zu ermöglichen und dafür Missionsfamilien in ihrem Einsatz zu unterstützen. Es wurde bald deutlich: Mission konnte nicht mit westlichen Errungenschaften begründet werden. Zu sehr war die sogenannte westliche Zivilisation durch die beiden Weltkriege in Erklärungsnot gekommen. Die neue Konzentration auf die Missio Dei, d.h. das Wirken Gottes mit Menschen in jeder Kultur, öffnete die Bereitschaft zu gegenseitiger missionarischer Tätigkeit in ökumenischer Verbundenheit. Aus sogenannten Missionskirchen wuchsen einige heutige Partnerkirchen des ELM mit ihren eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die oft ehrenamtlich ihre Gemeinde leiteten.

Zahlreiche Kirchbauten in Äthiopien wurden in den 80iger und 90iger Jahren von Gemeinden in Schaumburg- Lippe mitfinanziert. Als Mitarbeiter des ELM in Äthiopien, der aus Schaumburg-Lippe entsandt war, habe ich dies Interesse an einer wachsenden Kirche, die sich durch geschulte Ehrenamtliche auch über ihre eigenen Gemeindegrenzen hinweg ausbreitet, sehr wahrgenommen und geschätzt. Heute schreiben sich junge Menschen mit ihren Erfahrungen z.B. im Freiwilligen-Programm „Seitenwechsel“ in die Geschichte des partnerschaftlichen Miteinanders ein.

Nord- Süd Austausch und Süd- Nord Austausch gehören darum zu dem, wie wir heute auch in Schaumburg Lippe ökumenische Verbundenheit erleben. Biografisch geprägte Missionsberichte, wie ich sie vor 50 Jahren noch im Hermannsburger Missionsblatt gelesen und gesammelt habe, wurden abgelöst durch vielfache persönliche Begegnungen im digitalen Raum: per Livestream wird bei einem Partnerschaftsgottesdienst eine Gemeinde aus Südafrika zugeschaltet. Begegnung und Glaube ereignen sich auch im digitalen Raum über kulturelle Grenzen hinweg. Ökumenische Verbundenheit unserer Landeskirche hat einen Wandel erlebt, der auch im 21. Jahrhundert weitere Spuren zeichnen wird.

Dr. Burkhard Peter war vom ELM 1985 bis 2000 nach Äthiopien entsandt. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Juni 2024 war er Superintendent des Kirchenkreises Schaumburg-Lippe.

 

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