"Ökumenische Gemeinschaft stärkt die Glaubwürdigkeit"

"Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“ (Galaterbrief 3,28)". Die Kirche, die wir im Glaubensbekenntnis bekennen, ist der Leib Christi. Sie umfasst alle, die glauben und getauft sind. Sie endet nicht an der Grenze zu einer anderen Konfession, zu einer anderen Kultur, zu einem anderen Land, einem anderen Kontinent. Deswegen ist jede vorfindliche Kirche zwar ganz Kirche, aber nicht die ganze Kirche. Sie ist vollwertig, aber nicht vollständig.

Und so gehören wechselseitige Beziehungen der Kirchen – also Ökumene – zum Wesen jeder Kirche. In diesem Sinne haben schon die ersten Christinnen und Christen einander besucht – auch über weite Strecken hinweg – und einander Briefe geschrieben.  Die Apostelgeschichte und die Briefe im Neuen Testament legen davon Zeugnis ab. Hinzu kommt: Ein Christenmensch existiert nicht für sich allein. Der auferstandene Christus spricht zu den Jüngern: "Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Johannesevangelium 20,21).

Jeder Christenmensch ist von Christus gesandt, hat eine Mission. Und zwar nicht als Einzelperson, sondern als Teil einer Gemeinschaft, als Teil der Kirche. Christinnen und Christen, Gemeinden und Kirchen haben Teil an der Sendung des dreieinigen Gottes in die Welt. Diese Sendung zielt auf Frieden, auf den ganzheitlichen Schalom. Eine Kirche ist glaubwürdig, wenn sie sich in diese Sendung im Rahmen der weltweiten Kirche Jesu Christi hineinnehmen lässt.

In diesem Sinne formuliert die neue Verfassung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers von 2020 gleich in Artikel 1: "Durch das Evangelium ist sie [die Landeskirche] berufen zum öffentlichen Zeugnis, zum Dienst der Nächstenliebe und zur Gemeinschaft der Kirche. […] Verkündigung, Zeugnis und Dienst erfolgen in Gemeinschaft mit anderen christlichen Kirchen."

Die kirchliche Verbundenheit über Konfessionen und Kontinente hinweg hatten frühere Verfassungen der Landeskirche so nicht im Blick. Gegenüber anderen Konfessionen war früher die Abgrenzung bestimmend, gegenüber den Kirchen des Globalen Südens, von denen viele aus der Mission der Kirchen des Nordens hervorgegangen waren, eine gewisse Überheblichkeit.

Die Einsichten der Ökumenischen Bewegung und der Weltmissionskonferenzen zeigten auch in der Landeskirche Hannovers Wirkung. In den 80-er Jahren begannen viele Kirchenkreise Partnerschaften zu Kirchen des Globalen Südens aufzubauen, besonders zu solchen, denen auch die Landeskirche verbunden war. Unterstützt wurde dies von der Landeskirche und vom Evangelisch-lutherischen Missionswerk in Niedersachsen (ELM), das das internationale ökumenische Handeln der Landeskirche auf allen Ebenen bis zum heutigen Tag kompetent begleitet.

Gerade in einer Welt, die durch die Globalisierung immer enger zusammenrückt, nimmt die Bedeutung von internationaler Ökumene für unsere Landeskirche noch zu: Wir können zusammen mit anderen Kirchen feiern, voneinander und miteinander lernen, einander bereichern und korrigieren, einander unterstützen, gemeinsam handeln und Zeichen von Gottes Schalom setzen. Ökumenische Gemeinschaft stärkt die Glaubwürdigkeit
dessen, wofür unsere Landeskirche steht.

Oberkirchenrat Dirk Stelter ist Leiter des Referats "Mission, Ökumene, Religionen" im Landeskirchenamt der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und Mitglied des Missionsausschusses des ELM. 2023 wurde er in den Rat des Lutherischen Weltbundes gewählt.

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