"Ja, ich lasse mich darauf ein."
Neuer Direktor des ELM: Holger Siebert spricht über Berufung, Herausforderungen und die Zukunft der weltweiten Partnerschaften...
Nachdem Holger Siebert am 8. Oktober 2025 vom Missionsausschuss des ELM einstimmig zum neuen Direktor gewählt wurde, wird er am Pfingstmontag durch den hannoverschen Landesbischof Ralf Meister in sein Amt eingeführt. Im Gespräch spricht der Theologe und Diplom-Finanzwirt über seinen Weg ins Amt, persönliche Beweggründe und die Herausforderungen des ELM.
Redaktion: Herr Siebert, ursprünglich wollten Sie im Bereich „Globale Gemeinde“ arbeiten. Wie kam es dazu, dass Sie nun Direktor des ELM werden?
Holger Siebert: Ich habe den Eindruck, dass sich hier der biblische Spruch bestätigt: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.“ Ursprünglich war meine Intention, in der Abteilung „Globale Gemeinde“ zu arbeiten und die Programme und Projekte dort weiterzuentwickeln. Dann kam es anders. Nach intensiven Gesprächen und reiflicher Prüfung habe ich gesagt: Ja, ich lasse mich darauf ein.
„Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.“
Redaktion: Wie fühlt sich dieser Schritt für Sie heute an?
Holger Siebert: Es fühlt sich gut an. Internationale Ökumene und ökumenisches Arbeiten haben mich mein ganzes Berufsleben begleitet – bisher allerdings meist ehrenamtlich nebenbei. Jetzt darf ich das hauptamtlich tun und dabei Verantwortung übernehmen. Besonders freue ich mich auf die Begegnungen mit Menschen weltweit, die mit uns gemeinsam in Gottes Auftrag unterwegs sind.
Redaktion: Ihre Einführung findet in der Heide statt – einem besonderen Ort für Hermannsburg und das Missionswerk. Was bedeutet das für Sie?
Holger Siebert: Das hat für mich schon eine besondere Bedeutung. Vor über 175 Jahren ist hier in der Heide etwas auf den Weg gebracht worden, das bis heute wirkt. Nicht im Tiefental aber doch in der Heide eingeführt zu werden, macht demütig – gerade angesichts der langen Geschichte des Missionswerks und vieler guter Entwicklungen darin. Gleichzeitig ist es ein schönes Zeichen, diesen Gottesdienst mitten in der Natur feiern zu können.
Redaktion: Welche Herausforderungen sehen Sie heute für das ELM?
Holger Siebert: Eine große Herausforderung ist für mich, die Botschaft der Bibel als Botschaft von Vielfalt, Internationalität, Frieden und Gerechtigkeit hörbar und sichtbar zu machen. Ich glaube, da haben wir als Werk etwas zu sagen. Gleichzeitig gehört auch der kritische Blick auf die eigene Geschichte dazu. Dazu zählen die Auseinandersetzung mit kolonialen Strukturen und die Frage, was Dekolonisierung heute für uns bedeutet. Ebenso wichtig bleibt die Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt. Das ist herausfordernd, aber notwendig, um Zukunft verantwortlich gestalten zu können.
Redaktion: Gibt es dafür bereits einen konkreten Fahrplan?
Holger Siebert: Ja. Wir haben ein neues Konzept erarbeitet, das inzwischen verabschiedet wurde und nun umgesetzt wird. Darin steckt für mich ein klarer Fahrplan. Es geht darum, unsere Ziele, unser Missionsverständnis und unsere Ausrichtung gemeinsam weiterzuentwickeln und im Alltag mit Leben zu füllen.
Redaktion: Worauf möchten Sie sich dabei besonders konzentrieren?
Holger Siebert: Zum einen auf die strategische Weiterentwicklung des ELM gemeinsam mit dem Vorstand. Zum anderen darauf, den Blick wieder stärker nach außen zu richten. Wir haben uns in den vergangenen anderthalb Jahren viel mit uns selbst beschäftigt. Jetzt geht es darum, wieder intensiver mit unseren Partnern weltweit ins Gespräch zu kommen und Beziehungen zu stärken.
Redaktion: Das bedeutet auch Reisen in die Partnerkirchen?
Holger Siebert: Ja, endlich! Ende August, Anfang September steht eine Reise nach Brasilien an. Darauf freue ich mich sehr – auf das Land, die Menschen, die Kirche und die Begegnungen. Lateinamerika kenne ich bisher noch gar nicht.
Redaktion: Welche Bedeutung haben die Partnerkirchen für das ELM?
Holger Siebert: Sie sind unser größter Schatz. Ohne diese Partnerschaften bräuchte es uns eigentlich nicht mehr. Das ELM ist für mich ein weltweites Netzwerk von Kirchen und Beziehungen. Genau das macht unsere Arbeit aus.
Redaktion: Was möchten Sie den Menschen zum Schluss mitgeben?
Holger Siebert: Wenn man auf die Geschichte schaut, sieht man: Vor 175 Jahren sind Menschen mit Mut, Hoffnung und Zuversicht aufgebrochen. Trotz aller Herausforderungen wünsche ich mir, dass wir uns immer wieder genau darauf besinnen – auf die Hoffnung und die Kraft, die aus dieser Botschaft entstehen können.