Holger Siebert offiziell als Direktor des ELM eingeführt
Am Pfingstmontag ist Pastor Holger Siebert im Rahmen des ökumenischen Regionalgottesdienstes von Kirchengemeinden in Faßberg-Müden, Hermannsburg, Bergen und Sülze am Lönsstein zwischen Hermannsburg und Müden offiziell als neuer Direktor des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) eingeführt worden. Die Einführung nahm Landesbischof Ralf Meister (Hannover) vor. Zu den über 300 Gästen zählten Vertreterinnen und Vertreter aus internationalen Partnerkirchen, Kirchenkreisen, Gemeinden sowie aus der Politik.
Der Gottesdienst war international geprägt: Liturgische Beiträge und musikalische Elemente aus verschiedenen kirchlichen Kontexten spiegelten die weltweite Vernetzung des ELM wider. In Grußworten kam die Verbundenheit mit dem Werk zum Ausdruck.
Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte Siebert in seiner Predigt über Johannes 20,19–23, dem Bericht von der Begegnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern. Er erläuterte sein Verständnis von Mission anhand des Bildes einer Radiosendung: Gottes Sendungsauftrag beginne genau dort, wo Menschen von Angst, Erschöpfung oder Hoffnungslosigkeit geprägt seien – „On Air” leuchte die rote Lampe auf.
Ein zentrales Motiv der Predigt war Jesu Friedensgruß an die Jünger. Frieden, so Siebert, sei keine Vertröstung, sondern Gottes konkrete Zuwendung zu Menschen in schwierigen Situationen. Jesus blende dabei Verletzungen nicht aus, sondern zeige seine Wunden. Siebert zitierte in diesem Zusammenhang den Schriftsteller Hanns Dieter Hüsch, der die Worte „Friede mit euch” als Halt in geschichtlich belasteten Zeiten beschreibt. Mit Blick auf aktuelle Krisen und Konflikte ordnete Siebert diesen Gedanken in den gegenwärtigen weltpolitischen Kontext ein.
Mission versteht Siebert nach eigenen Worten nicht als Einbahnstraße. Er sprach von einer „partnerschaftlichen, lernenden Weggemeinschaft, in der sich keiner über den anderen erhebt”. Damit positionierte er sich klar im Sinne des heutigen Selbstverständnisses des ELM, das seine internationalen Partnerschaften als gegenseitigen, dialogisch geprägten Prozess begreift und nicht als einseitige Verkündigung.
Siebert sprach in seiner Predigt auch kritische Themen an. Er nannte konkret die Notwendigkeit, koloniale Kontinuitäten in der Geschichte des ELM aufzuarbeiten, Fälle sexualisierter und spiritueller Gewalt zu benennen sowie die Mitverantwortung der Kirche für antisemitische Denkmuster zu reflektieren. Zudem äußerte er sich zur gesellschaftlichen Verantwortung der Kirche: Christlicher Glaube dürfe sich angesichts von Ausgrenzung, Hass und gesellschaftlicher Polarisierung nicht auf eine Beobachterrolle zurückziehen.
Als Leitfrage formulierte Siebert in Anlehnung an die Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja: „Wen soll ich senden?”. Gottes Mission beginne nicht mit menschlicher Selbstgewissheit, sondern werde durch Gottes Geist in Gang gesetzt. Die Aufgabe von Christinnen und Christen bestehe darin, Menschen beizustehen, die sich ausgebrannt, entwürdigt oder entmutigt fühlen.
Holger Siebert leitet das ELM seit November 2025. Der Theologe verfügt über langjährige Erfahrungen in der ökumenischen und internationalen Partnerschaftsarbeit.
Wenn Sie die Predigt nachlesen wollen, finden Sie hier das Manuskript (pdf).