Podiumsdiskussion bei Fachtag; Personen aus kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Gespräch

Haltung zeigen - Bündnisse stärken

Ein Fachtag des Sprengels Lüneburg zu Kirche in Zeiten von Rechtsextremismus und politischer Polarisierung

Wie kann Kirche mit politischer Polarisierung und rechtsextremen Positionen umgehen? Wo braucht es Gespräch und wo klare Grenzen? Und wie lässt sich Demokratie im Alltag stärken? Um diese Fragen ging es am 26. September bei der Fachtagung „Haltung zeigen. Bündnisse stärken. Kirche in Zeiten von Rechtsextremismus und politischer Polarisierung“ im VERDO Kultur- und Tagungszentrum in Hitzacker.

Eingeladen hatte der Sprengel Lüneburg gemeinsam mit den Kirchenkreisen Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen. Gekommen waren Menschen aus Kirche und Zivilgesellschaft. Der Tag sollte dabei nicht nur politische Entwicklungen beleuchten, sondern vor allem Raum geben, Erfahrungen auszutauschen und konkrete Möglichkeiten für das eigene Handeln zu finden.

Verständnis heißt nicht Einverständnis

Zu Beginn machte Regionalbischöfin Marianne Gorka deutlich, dass Zuhören und Gespräch für die Kirche wichtig seien – zugleich aber nicht bedeuteten, zu menschenfeindlichen Aussagen neutral zu bleiben. „Hinschauen und zuhören, im Gespräch bleiben und Haltung zeigen und handeln“, fasste sie die Aufgabe zusammen. Wenige Minuten später sagte sie: „Mein Verständnis kann nicht zwangsläufig ein Einverständnis sein.“ Die Würde jedes Menschen sei für die Kirche nicht verhandelbar. „Die Kirche hat eine klare Haltung“, sagte Gorka. Jeder Mensch habe eine „unantastbare Würde“ – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Leistungsfähigkeit, sexueller Identität oder Religion.

„Hinschauen und zuhören, im Gespräch bleiben und Haltung zeigen und handeln.“

Professor Dr. Christoph Goos, der neue Juristische Vizepräsident im Landeskirchenamt der Landeskirche Hannovers, ordnete das Thema anschließend aus verfassungsrechtlicher Sicht ein. Auf dem Podium ging es unter anderem um den Umgang mit politischen Polarisierungen im kirchlichen Umfeld und um Erfahrungen aus der Arbeit gegen Rechtsextremismus. Mit dabei waren Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft, Kirche, Journalismus und Landkreis.

Einander kennenlernen: Initiativen gegen Rechtsextremismus 

In der Pause bot der „Markt der Möglichkeiten“ Gelegenheit, verschiedene Initiativen kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Organisationen und Bündnisse stellten ihre Arbeit vor, darunter „Omas gegen Rechts“, Kurve Wustrow, „Kirche stärkt Demokratie“ und regionale Bündnisse gegen Rechtsextremismus.

Am Nachmittag wurde es praktisch. Im Workshop von Kurve Wustrow ging es darum, wie Menschen auf rechtsextreme und menschenfeindliche Aussagen reagieren können. Eine zentrale Frage lautete: Was hilft, wenn eine solche Situation plötzlich da ist? Die Antwort war auch eine Frage der Vorbereitung. Wer sich vorher mit möglichen Situationen und Reaktionen beschäftigt, hat im entscheidenden Moment mehr Handlungsmöglichkeiten.

Dabei wurde auch das sogenannte Toleranzparadoxon von Karl Popper thematisiert. An bestimmten Punkten brauche es Grenzen, so der Tenor des Workshops. Die Menschenwürde aus Artikel 1 des Grundgesetzes und die Meinungsfreiheit aus Artikel 5 wurden dabei in ihrem Verhältnis zueinander betrachtet.

Zum Abschluss tauschten die Teilnehmenden aus, was sie vom Tag mitnehmen. Eine Stimme aus der Runde sprach darüber, gemeinsam mit den eigenen Kindern bei öffentlichen Veranstaltungen Präsenz zu zeigen: Allein die sichtbare Anwesenheit könne etwas verändern und anderen Mut machen.

So endete der Fachtag nicht mit einer fertigen Antwort auf alle Fragen. Aber mit vielen Beispielen, Kontakten und der Erfahrung, dass die Auseinandersetzung mit politischer Polarisierung nicht allein geführt werden muss.

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