Deutsche und internationale Freiwillige treffen sich zu einem gemeinsamen Seminar.
Thabelo Mukhuba, eine Freiwillige im Süd-Nord-Programm von ELM, berichtet von ihren Erfahrungen
Am 31. Oktober kamen die deutschen und internationalen Freiwilligen von ELM zu ihrem allerersten gemeinsamen Seminar in Deutschland zusammen. Obwohl wir Teil desselben Freiwilligenprogramms sind, befinden wir uns an unterschiedlichen Punkten unserer jeweiligen Wege. Die internationalen Freiwilligen waren bereits seit etwa sechs Monaten in Deutschland, während die deutschen Freiwilligen gerade von ihrem Dienstjahr in Ländern wie Argentinien, Brasilien, Lesotho, Paraguay und Südafrika zurückgekehrt waren.
Voneinander lernen
Das Zusammenbringen dieser beiden Gruppen war einer der wertvollsten Aspekte des Seminars. Besonders interessiert war ich daran, Freiwillige kennenzulernen, die fast ein Jahr in Südafrika verbracht hatten. Ich wollte mehr über ihre Erlebnisse erfahren, über die Herausforderungen, denen sie begegnet waren, und darüber, wie diese Zeit sie verändert hatte. Im Laufe der Woche sprach ich mit vielen Freiwilligen und stellte fest: Auch wenn die Erfahrungen stark vom jeweiligen Projekt und Land abhingen, gab es doch viele Gemeinsamkeiten.
Auffällig war, dass viele das Gefühl hatten, ihre Zeit im Ausland sei zu kurz gewesen, und dass sie gerne eines Tages dorthin zurückkehren würden. Einige sprachen offen über schwierige Erlebnisse, Einsamkeit und Momente, in denen die Dinge nicht wie geplant liefen. Sie berichteten auch davon, dass Herausforderungen bei einem Freiwilligendienst im Ausland oft daraus resultieren, dass man fern der Heimat ist, sich an eine neue Umgebung anpassen und seinen eigenen Platz finden muss. Das zu hören, empfand ich als sehr beruhigend; es regte mich dazu an, über meine eigenen Erfahrungen in Deutschland nachzudenken. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, mit anderen Freiwilligen in Kontakt zu bleiben, die Ähnliches durchmachen. Gemeinsame Zeit, der Austausch von Erfahrungen und das Aufrechterhalten von Verbindungen können schwierige Momente erleichtern.
Auch für die deutschen Freiwilligen selbst war der Austausch zwischen den beiden Gruppen von großem Wert. Viele bezeichneten die Gespräche mit anderen Freiwilligen als eine der wichtigsten Erkenntnisse oder Erfahrungen des Seminars. Manche hätten sich sogar mehr Zeit für persönliche Reflexion und kulturellen Austausch gewünscht. Dies zeigte, dass es bei einem Freiwilligendienst nicht nur um das Geschehen an den jeweiligen Einsatzorten geht. Ein wesentlicher Teil der Erfahrung entsteht durch die Menschen, denen wir begegnen, und durch das, was wir voneinander lernen.
Verschiedene Formen der Hingabe
Auch unsere abendlichen Andachten spiegelten die Vielfalt des Freiwilligenprogramms wider. Jeden Abend gestaltete eine andere Gruppe – verbunden mit einer bestimmten Weltregion – die Andacht, wobei Beiträge aus Afrika, Europa, Lateinamerika und Asien/Indien einflossen. Es gab Lieder, verschiedene Gebetsstile und unterschiedliche Ausdrucksformen des Glaubens. Ich fand es bereichernd zu sehen, wie unterschiedlich Menschen ihren Glauben zum Ausdruck bringen können; es war ein kleines, aber bedeutsames Beispiel dafür, wie kultureller Austausch aussehen kann.
Erinnerung und Besinnung
Ein weiterer wichtiger Teil des Seminars war unser Besuch im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Wir hatten zwar in der Schule etwas über die deutsche Geschichte gelernt, doch tatsächlich an einem Ort zu sein, an dem so viele Menschen gelitten haben, war etwas ganz anderes, als im Klassenzimmer darüber zu lesen. Es war bedrückend, einen Ort zu sehen, der heute so gewöhnlich wirken kann, während man gleichzeitig um das weiß, was dort geschehen ist. Der Besuch regte mich dazu an, über unsere Verantwortung nachzudenken, uns an die Geschichte zu erinnern und aus ihr zu lernen. Auch wenn ich meine eigenen Erfahrungen nicht mit denen der Menschen vergleichen kann, die dort gelitten haben, versuchte ich mir vorzustellen, wie diese Erfahrung wohl gewesen sein muss. Für mich hat dies auch einen Bezug zum Christentum: Der Glaube sollte uns dazu ermutigen, anderen Menschen mit Würde, Mitgefühl und Respekt zu begegnen.
Die gemeinsame kreative Einheit bot uns eine weitere Möglichkeit, darüber nachzudenken, was der Freiwilligendienst für uns bedeutet. Wir arbeiteten in Kleingruppen an einzelnen Teilen eines großen Puzzles. Jedes Teil spiegelte unser eigenes Verständnis des Freiwilligendienstes wider, doch zusammen ergaben sie ein großes Ganzes. Ich empfand dies als ein passendes Bild für das Seminar selbst. Wir kamen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen, hatten verschiedene Erfahrungen gemacht und befanden uns an unterschiedlichen Punkten unserer Wege – und doch waren wir Teil derselben großen Erfahrung. Meine Gruppe gestaltete eine bunte Weltkarte mit der südafrikanischen Flagge daneben. Für mich symbolisierte sie meine Verantwortung, etwas von Südafrika mit der Welt zu teilen. Südafrika, oft als „Regenbogennation“ bezeichnet, vereint viele Kulturen, Geschichten und Erfahrungen, die man mit anderen teilen kann. Gleichzeitig hat mich das Leben in Deutschland daran erinnert, dass es beim kulturellen Austausch nicht nur darum geht, was ich anderen vermitteln kann. Es geht auch darum, was ich von ihnen lernen kann.
Das Seminar ermutigte uns zudem, über unsere Zeit als Freiwillige hinaus zu denken. Wir diskutierten über die Auswirkungen des Freiwilligendienstes – sowohl während des Jahres als auch danach – sowie über Möglichkeiten, uns weiterhin gesellschaftlich und bei der ELM zu engagieren. Dies war eine weitere wichtige Erkenntnis: Das Ende eines Freiwilligenjahres bedeutet nicht zwangsläufig das Ende der Beziehungen, der gewonnenen Erkenntnisse oder der Verantwortung, die damit einhergehen. Die Woche endete mit einem Gottesdienst und einer Feier für die deutschen Freiwilligen, die nach Abschluss ihres Dienstjahres ihre Zertifikate erhielten. Zu sehen, wie sie diesen Meilenstein erreichten, war inspirierend. Es regte mich auch dazu an, über meinen eigenen Weg und die verbleibenden sechs Monate nachzudenken. Die deutschen Freiwilligen haben uns gezeigt, dass die vor uns liegenden Herausforderungen bewältigt werden können und dass auch unser eigenes Jahr – ehe wir uns versehen – zu Ende gehen wird. Anstatt mir Sorgen darüber zu machen, wie schnell die Zeit vergeht, möchte ich die kommenden sechs Monate nutzen, um die Erfahrung zu genießen, weiter zu lernen, in Verbindung zu bleiben und das Beste aus den Menschen und Gelegenheiten in meinem Umfeld zu machen. Ich verließ das Seminar gestärkt für die zweite Hälfte meiner eigenen Reise.