„Da fasteten wir und flehten unseren Gott an …“ (Esra 8,23)
Kurz vor Beginn der Fastenzeit fragte ein ELMinar: Gibt es so etwas wie geistliche Disziplin? Ist Fasten ein hilfreiches Element des Christseins?
Rund 20 Teilnehmende aus Südafrika, Myanmar, Äthiopien und Deutschland erlebten einen lebendigen Austausch über Erfahrungen von Fasten und Beten.
Wirtschaftsprüferin Lungile Nene verbrachte ihre Jugend in der südafrikanischen ELM-Partnerkirche ELCSA. Sie lebt in Pretoria und gehört zu einer charismatischen Kirche. "Fasten ist sehr wichtig für uns als Christ*innen. Jesus hat uns da ja ein Vorbild gegeben, indem er fastete. Dabei geht es nicht um Buße, sondern um die Konzentration auf das, was wirklich zählt. Es geht auch gar nicht nur um Essen; bei mir kann das auch Fasten von Social Media sein. Wenn ich darauf verzichte, kann ich mich auf das Gebet fokussieren und höre viel klarer, was Gotte mir sagen will! Fasten erneuert meine Beziehung zu Gott. Gebet verändert; selbst wenn ich keine Fürbittanliegen habe, bedeutet beten Freude an der Gemeinschaft mit Gott. Ich kann mir darum mein Leben nicht mehr ohne Gebet und Fasten vorstellen."
Sie ermutigte dazu, pragmatisch an Fasten heranzugehen: "Wer viel Sport treibt, braucht genug Nahrung. Fangen Sie einfach klein an und verzichten vielleicht auf nur eine Mahlzeit oder verzichten auf Fleisch. Wer Medikamente benötigt, soll unbedingt ausreichend essen. Es geht um Konzentration auf Gebet, nicht um Verzicht, der schaden könnte."
Thomas Capelle, pensionierter Pastor, verbindet in seinem spirituellen Leben regelmäßig Fasten und Beten: "Je weiter ich im Studium war, desto weniger fühlte ich mich vorbereitet für den Dienst in einer Gemeinde. Eine Einkehrzeit überzeugte mich dann vom Wert des Fastens. Schon im ersten Jahr meines Dienstes in der Gemeinde Hordorf-Essehof-Wendhausen (Landeskirche in Braunschweig) sind zwei Gebetsgruppen entstanden, die für Erweckung beteten. Schon bald wuchsen daraus 20 Hausbibelkreise.
Dennoch war das Fasten nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Erst als wir in der Familie in große Schwierigkeiten gerieten, erinnerte ich mich an die segensreiche Wirkung des Fastens. Ich begann wieder zu fasten und zu beten, mit großem Erfolg: Inmitten dieser schweren Prüfungen spürten wir die geistliche Kraft und konnten mit den Herausforderungen umgehen.
Fasten hilft mir, im Glauben zu wachsen. Dann fällt mir auch die Predigtvorbereitung viel leichter."
Viele der Teilnehmenden beteiligten sich am Austausch und trugen ihre Erfahrungen mit ein. Pastorin Mai Ki aus Myanmar berichtete, wie sie Fasten schon bei ihrer Mutter als selbstverständlichen Teil des Glaubens erlebt hatte. Auch an der Ausbildungsstätte der Kirche gibt es jeden Monat Fastentage, bei denen die Gegenwart des Heiligen Geistes spürbar werde.
Sie lud irgendwann auch ihre eigenen Kinder ein, Fasten zu erleben. Sie waren erst sehr zögerlich. Am Abend aber seien sie gekommen und hätten sich für diese gute Erfahrung bedankt.
Daneben gab es auch kritische Fragen, weil es eben nicht so sei, dass je mehr Menschen beteten und fasteten, desto eher Gott handeln würde. Andere fasteten auch nur um Gewicht zu reduzieren.
Austauschpastorin Anne Matthys (Südafrika & Botsuana) betonte die Bedeutung guter Vorbereitung eines Fastens. Während beim Daniel-Fasten nur auf Fleisch verzichtet werde, werde für ein Esther-Fasten ganz auf Nahrung und Flüssigkeit verzichtet, was hohe Disziplin erfordere.
Praktische Vorbereitung sei auch nötig, um Entzugserscheinungen z. B. durch regelmäßigen Kaffeekonsum zu reduzieren.
Die bevorstehende Fastenzeit lade jede und jeden ein, die passende Form von Fasten zu finden, die den Blick auf den eigenen Glauben freigibt. Es gehe nicht um Rechtfertigung und mache Menschen nicht besser. Es müsse aus dem Herzen kommen, als Ausdruck des eigenen Glaubens. Dann aber belebe es den Glauben, schenke neue geistliche Energie und Freude.