„Der Klimawandel ist ein riesiges Problem“

Präsident der Äthiopischen Ev. Kirche Mekane Jesus berichtet über Landwirtschaft in seiner Heimat

Auf einem Acker bei Winsen/Aller werden sie deutlich, die weltweit ähnlichen Ideen für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Bodens. Solidarische Landwirtschaft (Solawi) kennt man im Landkreis Celle und in Äthiopien, auch wenn die Projekte noch in den Kinderschuhen stecken. „Diese Art von Engagement ist interessant“, sagt Yonas Yigezu Dibisa, Präsident der Äthiopischen Evangelischen Kirche Mekane Jesus. Er ist im Rahmen der Partnerkirchenkonsultation des Ev.-Luth. Missionswerks Hermannsburg mit rund 20 weiteren Teilnehmer:innen und den Gastgeberi:nnen des Ev.-luth. Missionswerks Niedersachsen in Winsen zu Besuch, um sich ein Bild zu machen von dem Pilotprojekt im Ackerbau. 

Brigitte Lietz von der örtlichen „Solawi“  stellt die Rahmenbedingungen vor. Wer zu der Verbrauchergemeinschaft gehören möchte, bezahlt einen Mindestbeitrag, der gern freiwillig erhöht werden darf - je nach Einkommen. Dafür erhalten sie in der Erntesaison wöchentlich Produkte vom Winsener Acker und aus dem dortigen Folientunnel - saisonal und regional. Das geerntete Obst und Gemüse stellt Landwirt Norman Leiser jeden Samstag in Kisten bereit. 

Auch in Äthiopien schließen sich Menschen und kleine Betriebe zusammen, berichtet Yonas Yigezu Dibisa. „Sie besitzen gemeinsam, arbeiten gemeinsam, ernten gemeinsam und teilen die Produkte“. Die Landwirtschaft in Äthiopien beruht auf kleinbäuerlichen Strukturen. Viele Familien besitzen nur einen Zehntel Hektar Land - eine Fläche, die nicht ausreicht, um eine Familien zu ernähren. Schließen sie sich zusammen, können sie eine größere Vielfalt an Feldfrüchten anbauen: Erbsen, Bohnen, Kohl, Kartoffeln. Abhängig von den klimatischen Gegebenheiten ist die Chance, irgendetwas ernten zu können, dann größer.

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den Kontinenten wird in dem Interview deutlich. „Der Klimawandel ist ein riesiges Problem“, erklärt Yigezu. Weil es abseits der großen Flüsse keine Bewässerungssysteme gibt, sind die Bauern auf Regen angewiesen. Der fällt üblicherweise im Februar/März und dann wieder von Mai bis September, allerdings meist nur in den höher gelegenen Regionen. Oft hört der Regen aber auch dort zu früh auf und alles vertrocknet. 

Die Kirche versucht mit lang- und kurzfristigen Maßnahmen, dem Klimawandel entgegen zu wirken, berichtet Yonas Yigezu. „Begrünung“ lautet das Stichwort, unter dem die Pflanzung von Bäumen angelaufen ist - eine der langfristigen Maßnahmen. Kurzfristig geht es um die Einführung neuer Systeme, wie zum Beispiel der Aquakultur. Den Landwirten soll dabei geholfen werden, Regenwasser aufzufangen und Systeme zu bauen, mit denen das Wasser genutzt werden kann. Zudem wird die Einführung hitzeresistenterer Pflanzen angestrebt. All das sind Themen, die auch die Landwirtschaft in Deutschland beschäftigen und in Zukunft an Bedeutung noch zunehmen dürften.

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