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Brasilien: „Ñanderú (Gott) will das nicht“

Von den zerstörerischen Folgen unseres Konsumverhaltens am Beispiel der Indigenen Bevölkerung Brasiliens. Ein ELMinar mit COMIN-Leiterin Dr. Renate Gierus.

„Behalten wir im Blick, dass es alle betrifft, auch alle Dimensionen der Existenz.“ Dieser eindringliche Appell stand am Ende eines Vortrags im Rahmen der ELMinar-Reihe des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen. Mit ihm wies die brasilianische Theologin Dr. Renate Gierus auf die weltweite Verflochtenheit menschlichen Handelns hin. Und das kann andere Menschen und ganze ethnische Gruppen in ihrer Existenz bedrohen.

So gefährde der fortschreitende Bergbau in Brasilien die Existenzrechte der indigenen Bevölkerung. Darauf wies Gierus in ihrem Vortrag vor gut 20 interessierten Teilnehmer*innen an dem Online-Seminar hin. Deutlich wurde dabei an Beispielen aus den brasilianischen Bundestaaten Amazonas, Rondônia oder Rio Grande do Sul: Unser Konsumverhalten und der damit verbundene Rohstoffhunger z.B. nach Coltan oder Gold für die Produktion von Handys, trägt maßgeblich zur Existenzbedrohung der brasilianischen Indigenen bei.

Dabei seien die demarkierten Territorien der indigenen Bevölkerung seit Oktober 1988 verfassungsrechtlich verbrieft und geschützt und das Vordringen in deren Gebiete demnach illegal. Dies, das machte der Vortrag von Renate Gierus deutlich, hindert Politik und Wirtschaft nicht daran, den Abbau von Rohstoffen in diesen Gebieten voranzutreiben. Ein Prozess, der unter Präsident Jair Bolsonaro forciert und billigend durch die nationale Bergbaubehörde in Kauf genommen wird. So gebe es derzeit, laut einer Studie der Bundesuniversität von Rondônia UNIR, für 11 von 21 untersuchten indigenen Territorien in Rondônia Anträge zum Rohstoffabbau auf mehr als 30 Prozent der Landfläche, in 7 von diesen Gebieten sogar auf mehr als 60 Prozent.

Renate Gierus, die selbst Leiterin des Indigenenmissionsrates COMIN der Evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilen (IECLB) ist, erzählte aber auch von den Versuchen zivilgesellschaftlicher Organisationen oder Amnesty International in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Ministerium in Rondônia diesen Prozess aufzuhalten und Klage gegen die nationale Bergbaubehörde einzureichen. Ziel: Ablehnung aller Anträge zur Erforschung und den Abbau von Mineralien in indigenen Territorien des Bundeslandes.

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Anhand weiterer Beispiele aus anderen brasilianischen Bundesländern machte Gierus die Dringlichkeit dieser Initiativen deutlich. Denn der Bergbau auf traditionellem Land der indigenen Völker habe Konsequenzen nicht nur für ihr materielles, sondern auch für ihr spirituelles Dasein. „Ñanderú will das nicht“, würden die Guarani sagen und Ñanderú sei Gott, so Gierus. Die Erde für Edelmetalle und andere Rohstoffe auszubeuten, bedeute auch eine ganz andere Lebensauffassung und Weltanschauung wie die der Indigenen zu vernichten.  

Am Ende warf Renate Gierus die Frage nach der Verantwortung und dem Handeln der Kirche auf, die die Aufgabe habe, das Leben zu verteidigen und zu schützen. „Wie und wann setzt die Kirche, und wir selber, das Leben, das Leben aller Menschen, aller Lebewesen auf die Tagesordnung“, so ihre Frage. „Wir können nicht die Art wie die Nachbarin oder der Nachbar lebt, zerstören, um unser Leben, das Leben der Kirche und der Gesellschaft zu erhalten. Diese Weltanschauung muss geändert werden“, forderte Gierus. Sie lud die Seminar-Teilnehmer*innen ein, sich die Folgen des Bergbaus bewusst zu machen und darüber nachzudenken, was jede/r, die Gemeinde und die Gemeinschaft machen könne, für ein würdevolles Leben aller Menschen zu kämpfen.

Eine dieser Möglichkeiten sei die auch vom ELM unterstützte Handyaktion in Niedersachsen, in deren Rahmen ausgediente Handys gesammelt werden, um sie der Rückgewinnung der darin enthaltenen Edelmetalle zuzuführen. Aktionen wie diese wirkten sich auf andere Teile der Welt aus. „Sehen wir unsere Nachbarschaft an als große Gelegenheit, Gemeinschaft zu erleben“, so Renate Gierus.

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