„Teilt eine Vision und macht euch auf den Weg“

Es sind starke Frauen, die da auf dem Podium und im Plenum im Hanns-Lilje-Haus in Hannover sitzen und sie eint ein Wille: sich zu verbinden, um Grenzen zu überwinden.  Beherzte Verbündete im Kampf um Anerkennung, Respekt und Gleichbehandlung innerhalb ihrer Kirchen.

Ihre Biografien sind so vielschichtig wie ihre Herkunft aus neun verschiedenen Ländern, immer aber handelt es sich um Geschichten, die von Schmerz, Gewalt, Krieg, Widerstand, Ängsten und trotz allem kaum gewürdigtem Mut handeln. Ob in Asien, Afrika, Lateinamerika oder Europa  – diese Frauen sind alle auf ihre Weise Pionierinnen, die einen langen Weg auf sich genommen haben, um in ihren Kirchen etwas zu verändern. Für eine Woche kamen sie auf Einladung des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) nach Hermannsburg und Hannover, um auf einer Gender-Sommerakademie miteinander ihre eigene Situation zu teilen. Sie suchten theologisch nach gemeinsamen, über den eigenen Horizont hinausweisende Perspektiven: Was gibt mir Hoffnung? Was macht mir Mut? Welche Haltung braucht Veränderung? Und vor allem: Wie können wir in unsere Kirchen hineinwirken und neue Perspektiven für alle entwickeln?

Gemeinsame Anknüpfungspunkte bildeten dabei so genannte „Her-Stories“, die den Werdegang der Teilnehmerinnen nachzeichneten und die Grenzen aufzeigten, auf die sie als Frauen in ihrer Gesellschaft und ihrer Kirche stoßen: soziale, ethnische, religiöse, kulturelle – letztlich aber vor allem als Frau in einem männlich dominierten Umfeld. Diese Vorgehensweise nahm einen bedeutenden Raum der gemeinsamen Tage ein. Ein geschützter Rahmen zum Teilen vergleichbarer Erfahrungen, zum gemeinsamen Weinen, Lachen, Beten und sich gegenseitig Mutmachen.

Und dies war auch eine der zentralen Botschaften des Podiumsgesprächs: es gehe vor allem darum, ein System der Unterstützung zu schaffen, denn Frauen in der Kirche, nicht zuletzt in Leitungsfunktionen, stünden oft allein und deren Leistungen würden gering geschätzt. Zwar werde häufig gesagt, Frauen seien das Rückgrat der Kirche, die Leitungsebenen seien aber immer noch von Männern dominiert und den Frauen werde die Rolle im Hintergrund, am Kochtopf und für die Bewirtung der Gäste zugewiesen. Und nie werde ein Mann gefragt, ob er als Vater von fünf Kindern zum Amt des Bischofs geeignet sei.

Hier gelte es, dass Frauen sich vernetzten, gemeinsam agierten und sich gegenseitig geistlich stärkten. „Teilt eine Vision und macht euch gemeinsam mit ihr auf den Weg“, war denn auch ein starkes Plädoyer an die versammelten Frauen. Das ELM hat mit seiner Gender-Sommerakademie einen Beitrag dazu geleistet. Ein gelungener Anfang, aber ein Anfang, wie man von der Handvoll Männer unter den rund 50 Zuhörenden ableiten mag. Ob sich das Bild in 20 Jahren verändert haben wird? „Ich hoffe dass es keine 20 Jahre mehr dauert, bis es in meiner Kirche eine Bischöfin gibt“, brachte es Sybill Chetty aus Südafrika am Ende des Abends auf den Punkt.

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