Reformation am Amazonas

Peruanerin berichtet über lutherische Kirchen in Lateinamerika

Hannover – Wie wichtig Luthers reformatorische Einsichten in der kirchlichen Landschaft Lateinamerikas sind, erläuterte die aus Peru stammende Regionalreferentin des Lutherischen Weltbundes, Dr. Patricia Cuyatti einer Gruppe von Vertreterinnen und Vertretern aus Mission, Diasporawerken und Kirche.  Am 11. Februar 2016, referierte sie im Hannoverschen Büro für internationale kirchliche Zusammenarbeit (BikZ) des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen über „Lutherische Identität und Soziale Verantwortung in Lateinamerika“.

In Lateinamerika wirke das Kreuz als Machtsymbol, sowohl historisch, als Symbol der Kolonisation, wie auch gegenwärtig im „Wohlstandsevangelium“ der Neu-Pfingstlerischen Strömungen. Die wichtige reformatorische Erkenntnis des „allein aus Gnade“ übersetzten die lutherischen Kirchen Lateinamerikas deshalb in die Botschaft: Die Erlösung steht nicht zum Verkauf.

Von Anfang an hätten die lutherischen Kirchen in Lateinamerika die Bibel kontextualisiert, also durch die Augen der Männer und Frauen, der Indigenen und der Kleinbauern gelesen und dadurch die Gute Nachricht als konkrete Herausforderung für die Gesellschaft erkannt. Sichtbar werde dies hauptsächlich dadurch, dass die lutherischen Kirchen neben der Verkündigung das sozial-diakonische Handeln als grundlegenden Ausdruck der Gemeinschaft der Glaubenden mit Gott und seiner Schöpfung verstehen.

So sei die Ev. Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) besonders durch ihr intensives diakonisches Engagement bekannt. Sowohl Fragen der Menschenrechte wie auch wirtschaftliche Gerechtigkeit und Umweltverantwortung sieht die IECLB als ihre Verantwortung. Darum unterhält diese Kirche zum Beispiel eigene Einrichtungen zur Unterstützung von Kleinbauern und Indigenen. Am wichtigsten, so Cuyatti, sei aber die diakonische Arbeit auf Gemeindeebene. Hier werde ganz konkret im direkten Umfeld der Kirchengemeinde Gemeinschaft geübt, indem soziale Entwicklungen unterstützt werden.

Wie wichtig Kirchengemeinden für eine Gemeinschaft sein können, erläuterte Cuyatti am Beispiel einer Gemeinde in Honduras. Weil der Stadtteil, in dem diese Kirche steht, von großer Gewalt und Bandenkriminalität geprägt ist, wird das Kirchgebäude nur für zehn Minuten geöffnet, damit alle schnell hinein können. Dann aber werden die Türen für die Dauer des Gottesdienstes wieder verschlossen. In dieser Situation erklärte ein Gemeindeglied der LWB-Referentin: „Die ganze Woche warten wir sehnsüchtig auf den Gottesdienst. Ohne die lutherische Kirche hätte dieses Viertel keinen Sinn mehr.“ Ganz handfest werde hier deutlich, wie Kirche und Gemeinde als Ort der Heilung und Versöhnung wirken kann, wenn es gelingt, glaubhaft deutlich zu machen, dass hier jede und jeder von Gott eingeladen ist.

Cuyatti forderte darum, dass die evangelischen Kirchen dem Beispiel Luthers konsequent folgen. Luther habe durch seine Bibelübersetzung und seine Schriften und Traktate die Botschaft von der Versöhnung direkt zu den einfachen Menschen gebracht. So müssten Kirchen auch heute durch „zeitgemäßes Schrifttum“, zu dem nun auch digitale Medien wie Facebook und Whatsapp gehörten die Menschen in ihrem Alltag ansprechen.

Das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ist Teil eines großen Netzwerkes, das im Verbund mit 23 Kirchen in 19 Ländern arbeitet. Es engagiert sich personell im Austausch von TheologInnen und Entwicklungsfachkräften zwischen evangelischen Kirchen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika und unterstützt Projekte seiner Partner finanziell.

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