Wofür brenne ich?

40 Teilnehmende des ELM-Missionstages gingen dem Begriff "Mission" aus verschiedenen Perspektiven auf den Grund.   

Hermannsburg. - Facettenreich, schillernd, emotional berührend, von Gott inspiriert - der Begriff Mission weckt viele Assoziationen. Das zeigte der diesjährige "Missionstag" des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM). Zirka 40 Teilnehmende machten sich in der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) unter dem Thema "Ich habe eine Mission!" auf die Suche, einen nicht nur im kirchlichen Raum gebräuchlichen Begriff neu zu füllen.

Immer wieder fühlen sich Menschen, Unternehmen aber eben auch Kirchen und deren Organisationen berufen, andere Menschen für ihr Produkt oder ihre Botschaft zu begeistern. Doch was als Mission vermeintlich klar zu sein scheint, sei oft gar nicht so klar. Darauf wies Diakon Henry Schwier, Gemeindeberater in den Kirchenkreisen Lüneburg und Bleckede in einer Podiumsdiskussion zu Beginn des Missionstages hin. "Mission ist ein schillernder Begriff, Gott ist oft auch ein schillernder Begriff", fügte Christine Ehlbeck, Pastoralpsychologin und Krankenhausseelsorgerin im Sprengel Lüneburg, an. Man müsse sich oft erst untereinander verständigen, denn das Verständnis von Mission sei so unterschiedlich wie die Menschen.

Dies war einer von zahlreichen Aspekten, die die Diskussion unter der Leitung von ELM-Direktor Michael Thiel auffächerte. Sie offenbarte Voraussetzungen für eine gelingende Mission, aber auch Hürden, an denen Missionen oft zu scheitern drohen. Hierzu gaben die eingeladenen Podiumsgäste Einblick in ihre beruflichen, aber auch privaten Erfahrungen.

Dabei gingen sie unter anderem auch auf den Faktor Zeit ein, die es brauche, um sich über ein Leitbild zu verständigen und die Werte, mit denen man unterwegs sein wolle. Wenn man die Wirtschaft kenne, so stehe oft das Geldverdienen an erster Stelle, so Werner Stubenrauch, ehemaliger Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. "Nun hatte ich das Glück, in einem Betrieb zu arbeiten, in dem andere Werte wie Wertschätzung oder Ausbildung gleichrangig waren", erinnerte sich Stubenrauch.

"Wichtig ist, dass ich erstmal meine Mission finde", machte Stubenrauch deutlich. "Ist das nur Kopfwissen oder ist da etwas, was mich emotional berührt, wofür ich brenne?" Und dann gehe es darum, Missionsverwandte zu finden, um mit ihnen voranzugehen.

Doch dies scheitere oft daran, dass die Menschen nicht miteinander redeten oder aufeinander hörten, so Gemeindeberater Schwier. Er sehe immer wieder, dass die Menschen rödelten und rödelten, ohne wirklich voranzukommen. Da rate er oft: "Lassen Sie erstmal alles, was sie tun."

"Oft ist kein Raum da, was Neues entstehen zu lassen", so Schier. "Wir müssen den Boden erstmal bereiten, aber dazu sind wir in der Kirche oft nicht bereit." Dazu gehöre auch eine neue innerkirchliche Sprachfähigkeit und aushalten zu können, wenn die eigene Botschaft nicht auf fruchtbaren Bode falle.

Doch wie erreichen die Kirche oder Organisationen wie das ELM die Menschen? Stimmen aus dem Publikum zeigten hier ein differenziertes Bild. So wurde u. a. geraten, darauf zu achten, was Gott eigentlich wolle. Außerdem wurde die Erwartung formuliert, dass das ELM Menschen mit dem auf andere Menschen überspringenden Gedanken an die eine weltweite christliche Familie infiziere. Und statt zu zaudern, solle fröhlich zum Glauben eingeladen werden. 

Andere Stimmen wiederum setzten sich mit den veränderten Rahmenbedingungen für kirchliche Arbeit auseinander. "Wer Zukunft gestalten will, muss lernen loszulassen", so Pastor Philipp Elhaus, leitender Referent für Missionarische Dienste im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannovers. "Um dem kirchlichen Grundauftrag treu bleiben zu können, muss ich meine konkrete Mission neu und anders verstehen, weil sich Kontexte und Menschen verändern."

In vier Workshops wurden diese im Plenum diskutierten Aspekte vom Suchen, Finden von der und Begeistern für die Mission vertieft. Auch der Bischof der Ev.-luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe, Karl-Hinrich Manzke, griff diese Gedanken im Abschlussgottesdienst in seiner Predigt auf. Vor dem Hintergrund des biblischen Gleichnisses vom Festmahl (Lukas 14) ermutigte er die Missionstagsgemeinde dazu, in der kirchlichen Arbeit neue Wege zu gehen und den Blick veränderten Angeboten zuzuwenden. "Es ist ein Fest zu dem wir eingeladen sind", so Manzke. Mit Beispielen aus seinem Alltag als Pastor plädierte er dafür, diese Einladung zu weiten: Sei es die Eröffnung eines Unternehmens mit einem Gottesdienst zu feiern oder als Seelsorger Beamte der Bundespolizei bei ihrer Nachtschicht und ihrem seelisch oft sehr belastenden Dienst zu begleiten.

"Es ist gelungen, das Stichwort Mission aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten", so die Bilanz von ELM-Direktor Michael Thiel am Ende des Tages. "Die unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen geben auch Impulse für die Diskussion im ELM." 

Das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ist Teil eines großen Netzwerkes, das im Verbund mit 23 Kirchen in 19 Ländern arbeitet. Es engagiert sich personell im Austausch von TheologInnen und Entwicklungs-fachkräften zwischen evangelischen Kirchen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika und unterstützt Projekte seiner Partner finanziell.

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