Wir sind so frei…

Hermannsburger Missionsfest: ELM-Jahresthema „Reformation und Eine Welt“ auf vielfältige Weise erlebbar gemacht.   

Hermannsburg. Wir sind so frei – unter diesem Motto buchstabierte das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) auf seinem dies-jährigen Hermannsburger Missionsfest unterschiedlichste Aspekte von der Freiheit eines Christenmenschen durch. Wie versteht das Missionswerk weltweite Geschwisterschaft? Wie wirkt die befreiende christliche Botschaft auf den Kontinenten seiner Partnerkirchen? Das erlebten die rund 500 Besucherinnen und Besucher auf dem Campus der Fachhochschule für interkulturelle Theologie in Gesprächsgruppen, Workshops, Gottesdiensten und dem „Weltdorf“.        

Indische Pastorin feiert befreiende Botschaft

„Lassen Sie uns den wahren Widerstand und die Kraft des Kreuzes ausleben. Lassen Sie mich an die Redensart erinnern: Ein Leben im Schatten bedeutet ein Leben unter Gewalt. Lassen Sie uns das Leben in Freiheit und angefüllt durch den Geist Gottes feiern, der uns das Leben gibt, ein Leben in Fülle.“ Mit diesen Worten griff Pastorin Anupama Hial von der Ev.-luth. Jeypore-Kirche im ostindischen Bundesstaat Odisha (früher Orissa) das Motto auf und wies dabei in ihrer Festpredigt auf die Situation der Adivasi und Dalits hin. Ihre Kirche engagiert sich für diese beiden Bevölkerungsgruppen, die in der indischen, hinduistisch geprägten Gesellschaft unterdrückt wer-den.

Ausgehend von 2. Korinther 3,17 beschrieb Hial die befreiende Bedeutung und Wirkung des Geistes Gottes für diese Menschen. Durch das Feiern und das Gebet könnten sich die Dalits im Gottesdienst von der im Alltag beständig empfundenen Scham und Angst befreien. Sie rief die Festgemeinde dazu auf, diese befreiende Kraft von

Gottes Geist auch „in uns und unter uns“ zu  erkennen. Die Kirche, als ein Instrument von Gottes Mission müsse Gottes Sorge um die leidende und kämpfende Menschlichkeit teilen. Sie müsse als Leib Christi ein großes Ethos haben, den Unterdrückten beistehen und für sie kämpfen.

Anupama Hial trug damit eine Facette des Themenjahres „Reformation und Eine Welt“, unter das sich das ELM mit seiner Arbeit auch im kommenden Jahr anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 stellen wird, vor.

Traditionen zu hinterfragen, sich einzumischen, wo Unrecht geschieht, Hass durch Liebe zu besiegen und in allen Sprachen und Traditionen zu beten – immer wieder leuchteten diese Elemente des ELM-Auftrages in den unterschiedlichen Programmpunkten des Missionsfestes auf.

ELM-Freiwillige zeigen sich ausgelassen

In der Ausgelassenheit der neuen ELM-Freiwilligen zeigte sich, dass dieser Auftrag auch mit Lebensfreude und großer Neugier auf die Eine Welt verbunden ist. Sie wurden im Rahmen des ELM-Programms „Seitenwechsel“ für ein Jahr zu einem Dienst in sozialdiakonische Projekte in außereuropäische Länder entsendet. Dass sie dabei durch Süd-Nord-Freiwillige aus Afrika und Lateinamerika gesegnet wurden, war für viele ein besonders bewegender und symbolträchtiger Moment. Quasi im „Gegenverkehr“ leisten sie einen Dienst in vergleichbaren Projekten in Deutschland.

Angesichts der Entsendung der Freiwilligen sowie von Pastor Wolf von Kilian und seiner Frau Ruth zu einem Dienst in Südafrika, betonte ELM-Direktor Michael Thiel, dass sich das ELM auch in Zukunft als personalentsendendes Werk verstehe, wenn auch auf kleinerer Flamme. Gleichzeitig betonte er den Austausch mit Christinnen und Christen im globalen Süden. So lade das ELM immer wieder Vertreterinnen und Vertreter aus den Kirchen mit dem Ziel ein,  deren Erfahrungen in deutsche Gemeinden einzubringen.   

Viel Raum zum Gespräch, zum Flanieren durch das „Weltdorf“, zur Information in Workshops und Gesprächsgruppen und zum ausgelassenen Feiern bot dann das abwechslungsreiche Angebot. Wir sind so frei – das Motto des Tages, zog sich dabei wie ein roter Faden durch das Programm, zu dem auch wieder ein Programm für Kinder mit Willi dem Raben und Bastelangeboten gehörte.

Und so fand das Fest im großen Zelt mit viel Musik, Gebet und Theater seinen  generationenübergreifenden Abschluss.

Hand in Hand für Menschenrechte

Zahlreiche Gäste folgten danach dem Aufruf des ELM, sich dem Netzwerk „Hermannsburg – Ort der Vielfalt“ für eine besondere Aktion anzuschließen. Sie bildeten mit anderen Beteiligten vom Festgelände bis zum Museumshof in Hermannsburg eine Menschenkette und beteiligten sich damit an der bundesweit veranstalteten Aktion „Hand in Hand gegen Rassismus – für Menschenrechte und Vielfalt“. Damit setzten sie sozusagen einen ganz konkreten inhaltlichen Schlusspunkt für das Motto des Missionsfestes „Wir sind so frei…“

Ausgelassen zeigten die Freiwilligen des ELM-Programms „Seitenwechsel“ ihre Neugier auf die Eine Welt.
Die Missionsfestgemeinde beim Willkommensgottes-dienst am Morgen.
Basteln während des Kinderprogramms am Nachmittag.
Pastorin Anupama Hial von der Ev.-luth. Jeypore-Kirche während ihrer Predigt beim Willkommensgottesdienst und Prof. Dr. Ulrike Schröder von der FiT Hermannsburg, die die Übersetzung übernahm.
Ein symbolträchtiger  Moment: Süd-Nord-Freiwillige segnen Nord-Süd-Freiwillige für ihren Dienst im Ausland.
 

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