Partnerschaftskonferenz Hannover, Teil 2


Einander beraten und bereichern

Auf der gemeinsamen Suche nach der gesellschaftlichen Relevanz lutherischer Theolohgie

Der weitere Verlauf der Konferenz folgte der Leitfrage, wie lutherische Theologie in den jeweiligen Kontexten der Partner gesellschaftliche Relevanz erfahre angesichts gegenwärtiger Herausforderungen.

Dabei tauschten sich die Teilnehmenden am Freitag u.a.  in Kleingruppen über Themen wie Identität und Interkulturalität aus und maßen einem ganzheitlichen Ansatz für Bildung eine wichtige Rolle zu. Deutlich wurde: Ohne Bildung kann lutherische Identität auch nicht in den zunehmend komplexen Kontexten gelebt werden.  Je säkularisierter und/oder multireligiöser sich die Lebenswirklichkeiten in den verschiedenen Ländern entwickelten, um so mehr stiegen die Herausforderungen an die religiöse Bildung. Dabei seien die Kirchen in allen beteiligten Ländern auf der Suche nach neuen Wegen.

Wie sehr der von Anbeginn zu spürende Gemeinschaftssinn zum Tragen kam, wurde am Umgang mit dem auch in zwischenkirchlichen Beziehungen oft kontrovers diskutierten Thema Homosexualität in der Kirche deutlich. Beeindruckend sei gewesen, so die Gastgeber der Konferenz,  wie die unterschiedlichen Positionen wertschätzend ins Gespräch eingebracht werden konnten, ohne sich gegenseitig zu verletzen oder die Christlichkeit abzusprechen. Alle Menschen seien von Gott geliebt, „und es ist nicht an uns, zu richten“, so der einheitliche Tenor. Gerade in Südafrika werde deutlich, dass Menschen darunter litten, wo die Kirche nicht klar auf der Seite der Menschen stehe, weshalb dieses Thema nicht zuletzt von den südafrikanischen Partnern gewünscht worden sei.

Am Samstag wurde das Thema der Konferenz zugespitzt auf das Thema „Flucht und Migration“. Einzelne Partnerschaftsgruppen gaben dabei Einblick in ihre Erfahrungen und ihr Engagement: So finde in Äthiopien, einem Land , das beides sei, nämlich „receiver and giver country“, aus dem selbst viele Menschen flüchteten, die Arbeit vor allem in den großen Flüchtlingscamps in Form von Seelsorge und diakonischer Unterstützung statt, wohingegen in Südafrika keine Flüchtlingscamps existierten, weil die Flüchtlinge eher ins Land „diffundierten“.  In Südafrika seien innerkirchlich in dem Zusammenhang Workshops zu „social integration and cultural diversity“ veranstaltet worden, wobei sich vor allem methodistische Gemeinden engagierten. Gleichzeitig sei Südafrika auch noch mit dem eigenen Aufbau nach der Apartheid beschäftigt (Housing Projekte in Townships, Landverteilung etc.)

Dass Flucht und Migration eine internationale Herausforderung für Kirche und Gesellschaft darstellen, wurde auch auf der folgenden Podiumsdiskussion erkennbar. Vertreterinnen und Vertreter aus Zivilgesellschaft und Entwicklungsorganisationen brachten diverse Aspekte und Gründe für die internationalen Fluchtbewegungen ein: Klimawandel, Brain drain / Brain gain, Herausforderungen und Chancen der post-migrantischen Folgen für aufnehmende Länder, Integration und Inklusion, wirtschaftspolitische  Aspekte und Genderfragen. All diese Einzelaspekte führte den Partnerschaftsdelegierten die Komplexität des Tagesthemas  vor Augen und regte sie in den Kleingruppen zu einem lebendigen Austausch und zur Vertiefung mit „tollen Einsichten“ an.

So sei es z. B. in Bezug auf Genderfragen immens wichtig, dass das Schweigen über Menschenhandel, Vergewaltigungen auf der Flucht, Verständnis von Sexualität allgemein und damit verbundene Rollenzuschreibungen gebrochen und besonders Männern die Verletzbarkeit von Frauen bewusst gemacht würde.

Im Ländervergleich stellten die südafrikanischen Partner fest, dass das indische Kastensystem starke Parallelen zur Apartheid aufweise. Und dass die Kirchen in Deutschland bei der Arbeit mit Geflüchteten eine gute Kooperation mit den staatlichen Organisationen erfahren, sei für andere Kontexte eine bemerkenswerte Besonderheit. Dies wurde z. B. auch durch das Grußwort des niedersächsischen Ministerpräsidenten während des Ökumenischen Pfingstgottesdienstes am Sonntagnachmittag deutlich.

„Wir dürfen hier gemeinsam und aus den verschiedenen Blickwinkeln unserer Länder fragen, was unsere lutherische Existenz für die Welt heute bedeutet. Das ist wunderbar! Ich bin froh zu erleben, dass andere vor ganz ähnlichen gesellschaftspolitischen Herausforderungen stehen, und wir als lutherische Partnerschaftsgruppen einander beraten und bereichern können“, so eine Teilnehmerin der Internationalen Partnerschaftskonferenz aus Südafrika nach den ersten Tagen.

„Dass wir im Rahmen des Reformationsjubiläums nicht ausschließlich rückwärtsgewandt in der Geschichte verhaftet bleiben, sondern miteinander nach der Bedeutung fürs Hier und Jetzt fragen, dazu dient diese Tagung“, sagte Pastorin Stefanie Fendler, Partnerschaftsreferentin des ELM.  Mit ca. 60 Teilnehmenden aus Äthiopien, Deutschland und Südafrika sei die Konferenz ein lebendiges Abbild der internationalen Partnerschaftsarbeit.

Am Abend des Pfingstsonntags fuhr die Gruppe, begleitet von Mitarbeitenden des ELM, weiter nach Wittenberg – Fortsetzung folgt!

Momentaufnahmen aus den Workshops während der Partnerschaftskonferenz in Hannover.

 
 

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