„Wie machst Du das in Deiner Kirche?“

Partnerschaftskonferenz in Hermannsburg: Christinnen und Christen aus aus vier Ländern.

Zweite internationale kirchliche Partnerschaftskonferenz vom 18. bis 24. August in Hermannsburg und Wittenberg.

Hermannsburg. Es ist die Konfession, die sie eint – und die Teilnehmenden gleichsam überrascht: Rund 50 mehrheitlich lutherische Christinnen und Christen aus Partnerschaftsgruppen in Polen, Lettland, Südafrika und Deutschland trafen sich in Hermannsburg. Das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) hatte in Kooperation mit der Landeskirche Hannovers und dessen Haus kirchlicher Dienste (HkD) zum zweiten Mal in diesem Jahr zu einer Internationalen Partnerschaftskonferenz eingeladen. Eine Begegnung über kulturelle Grenzen hinweg.

Und die zeigten sich nicht zuletzt in den Diskussionen der Themen, die die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedenen lutherischen Kirchen unter dem Konferenzmotto „Reformation verändert die Welt“ miteinander bearbeiteten. Mit Blick auf das 500. Reformationsjubiläum im kommenden Jahr, durchzog dabei die Frage nach der heutigen gesellschaftlichen Relevanz lutherischer Theologie wie ein roter Faden die Konferenz: Ob und welche Spuren hat die Reformation hier und auch in den Gesellschaften der Partnerkirchen hinterlassen?

Die Bandbreite der Themen war groß, die an drei Tagen auf die Teilnehmenden wartete. Aspekte wie Bildung, Diakonie, Identität und Interkulturalität, Kirche und Amt, Versöhnung oder Flucht und Migration fächerten das inhaltliche Spektrum auf. Daran wurde das reformatorische Selbstverständnis und die Relevanz lutherischer Kirchen in der heutigen Zeit erkennbar. Dabei taten sich den Teilnehmenden zahlreiche überraschende Momente auf – in der gegenseitigen Begegnung wie in der Wahrnehmung von Themen. Allein die Impulsreferate am Samstag zum Thema „Flucht und Migration“ und deren Gründe verdeutlichten die inhaltliche Komplexität, mit der sich lutherische Kirchen weltweit konfrontiert sehen. Teilaspekte wie Klimawandel, Integration und Inklusion, Wirtschaftspolitik, Genderfragen oder Bildung kamen dabei ebenso zur Sprache wie auch die eigenen Vorurteile und Stereotype Fremden gegenüber.

Dabei standen die Veranstalter vor einer besonderen sprachlichen Herausforderung. Konnte die erste Partnerschaftskonferenz im Mai noch durchgängig in Englisch durchgeführt werden, musste diesmal zwischen Deutsch und Englisch gewechselt werden.

Was zunächst den Fluss der Tagung verlangsamte, tat der guten Stimmung unter den Teilnehmenden keinen Abbruch. Tatsächlich mache es aber auch eines deutlich, so ELM-Partnerschaftsreferentin Stefanie Fendler: „Partnerschaft braucht Zeit!“ Die Zweisprachigkeit mache die Kommunikation mit fremden Partnerschaftsgruppen umständlicher und nötige den Beteiligten ab, dem Gegenüber intensiver zuzuhören als wenn man immer unter seinesgleichen bleibe.

Zu fragen, „wie machst Du das in Deiner Kirche oder Gemeinde und warum“, war für viele der Teilnehmenden denn auch eine wesentliche Motivation, an der Konferenz teilzunehmen. „Wir wollten unter unserer Käseglocke hervor sehen“, so ein Teilnehmer, der nach 30 Jahren Partnerschaft nach Südafrika sich einen Perspektivwechsel erhofft und sich wünscht, dass sich die verschiedenen Partnerschaftsgruppen noch stärker durchmischen. Für die polnischen und lettischen Delegationen war dabei überraschend zu erfahren, wie intensiv und wie lange schon Verbindungen deutscher Gruppen nach Südafrika bestehen.

„Wir sollten so etwas zu einer ständigen Einrichtung machen“, so das Urteil eines der Teilnehmenden. „Partnerschaften sind was Wichtiges und ich würde mir wünschen, wir hätten mehr solcher Kontakte.“ Auch wenn die Zweisprachigkeit die Konferenz langsam mache, habe es sich gelohnt. „Die Begegnung an sich hat einen Wert.“ Das zeige nicht nur der rege Austausch untereinander, sondern auch die Atmosphäre während der gemeinsamen Andachten, die auf andere Hausgäste sehr authentisch wirkten.

Wie bei der ersten Konferenz im Mai war der offene Austausch ein Blick über den eigenen Tellerrand hinweg. Das ermöglichte ein Lernen voneinander. Die gemeinsame Suche gab auch diesmal einen Ausdruck davon, was länderüberschreitende Partnerschaft ausmacht. Aspekte weltweiter christlicher Geschwisterschaft wurden bei diesem Treffen, das neben HkD und Landeskirche auch aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes, von Brot für die Welt, der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung und der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen unterstützt wurde, so erfahrbar.

Nach Gottesdienstbesuchen in Weesen, Hermannsburg und Hannover endete am Sonntag der erste Teil Konferenz. Mit der Abfahrt in die Lutherstadt Wittenberg begann dann für viele der vermutlich emotionalere Teil der Konferenz, wie die erste Partnerschaftskonferenz im Mai schon zeigte: Für viele stellt es einen Höhepunkt in ihrem Leben dar, an den Ort zu reisen zu können, wo die Wiege auch ihrer Kirche steht.

Das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ist Teil eines großen Netzwerkes, das im Verbund mit 23 Kirchen in 19 Ländern arbeitet. Es engagiert sich personell im Austausch von TheologInnen und Entwicklungsfachkräften zwischen evangelischen Kirchen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika und unterstützt Projekte seiner Partner finanziell.

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