Äthiopien: Die Kirche wird weiter für den Frieden beten

Hannover.  In Hannover sprach Dr. Wakseyoum Idosa, Präsident der Äthiopischen Kirche Mekane Yesus (EECMY) über den ganzheitlichen Ansatz der theologischen Arbeit in seiner Kirche.  Er war zu Gast beim Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachsen (ELM) und hatte im Rahmen der Vortragsreihe "Reformation und die Eine Welt" einen Vortrag in der  Neustädter Hof- und Stadtkirche gehalten.

Äthiopien wird als eines der frühesten Verbreitungsgebiete des Christentums angesehen, manche führen es zurück auf die Begegnung zwischen Apostel Philippus und dem äthiopischen Eunuchen (Apostelgeschichte 8). Seine Kirche habe ihre Existenz allerdings letztlich der lutherischen Reformation zu verdanken, betonte Wakseyoum in einem geschichtlichen Überblick. So sei ihre Gründung von gemeinschaftlichen Bemühungen engagierter, evangelischer Missionare und Äthiopier im frühen 19. Jahrhundert ausgegangen. Ihr Wirken und Predigen des Evangeliums habe schließlich zur Gründung der EECMY geführt, heute die größte Mitgliedskirche des Lutherischen Weltbundes.

Ein Hauptanliegen dieser reformatorischen Tradition sei der Bildungsaspekt gewesen. Die Kirche habe Bildungskampagnen ins Leben gerufen, Schulen und Berufsschulen gegründet und zahlreiche Bibelübersetzungen durchgeführt. Auch theologisch sei die EECMY von Luther und seinem Freiheitsverständnis geprägt: „Weil Gott uns jederzeit Gnade zeigt, wäre es eine Verleugnung Christi, wenn wir unserem Nachbarn Gnade verweigerten“, sagte Wakseyoum.

Infolge des überwältigenden zahlenmäßigen Wachstums der Kirche habe sich das Konzept einer „ganzheitlichen Theologie“ ergeben: Die überwiegende Mehrheit der Kirchenmitglieder seien Kleinbauern gewesen, die in großer Armut lebten. Dies habe dazu geführt, dass die Kirche sich mit der kontextuellen Wirklichkeit ihrer Arbeit auseinander setzte – in sozialer, politischer und religiöser Hinsicht – und schließlich einen großen Diakoniebereich aufbaute. Die EECMY betreibe Ausbildungsstätten und Gesundheitseinrichtungen in verschiedenen Teilen des Landes, führe eine Reihe von diakonischen Projekten durch und leiste Katastrophenhilfe.

In Bezug auf die aktuellen Unruhen im Land betonte Wakseyoum: „Die Botschaft, die jeden Sonntag in den Kirchen gepredigt wird, ist Frieden.“ Ursächlich für die Konflikte sind unter anderem der Zugang zu Land und die Frage nach der Verteilung von Wohlstand. Am 9. Oktober kündigte die Regierung einen sechsmonatigen Ausnahmezustand an.

Wakseyoum brachte die große Trauer und Sorge der Kirche für diejenigen zum Ausdruck, die ihr Leben verloren haben. „Wir haben unsere Leute gebeten, Ruhe zu bewahren und alles, was sie tun, auf friedvolle Art und Weise zu tun.“ In Zusammenarbeit mit anderen Religionsführern und durch Gespräche mit verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren versuche die Kirche, Wege eines nachhaltigen Friedens zu finden. Auch wenn das, was die Kirche derzeit tun könne, sehr begrenzt sei, so Idosa, „werde die Kirche weiter für den Frieden beten und den Menschen eine Stimme geben.“

Den Abend moderierte OLKR Rainer Kiefer, Kollege von Dr. Wakseyoum Idosa im Ausschuss für Weltdienst des lutherischen Weltbundes in Genf. Leitende Geistliche aus ELM-Partnerkirchen trafen sich vergangene Woche in Hermannsburg, um die nächste Partnerkirchenkonsultation in Porto Alegre, Brasilien, 2018 vorzubereiten.

Das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ist Teil eines großen Netzwerkes, das im Verbund mit 23 Kirchen in 19 Ländern arbeitet. Es engagiert sich personell im Austausch von TheologInnen und Entwicklungsfachkräften zwischen evangelischen Kirchen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika und unterstützt Projekte seiner Partner finanziell.

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