Swasilands Kirchenvertreter befürchten Repressionen als mögliche Fluchtursache

Zerstörung eines Hauses während einer Zwangsräumung in Nokwane (Matsapha)

Ökumenischer Zusammenschluss beklagt massive Einschränkungen politischer Grundfreiheiten.

Hannover. Swasiland leidet unter seinem Monarchen. Im November waren die „Besorgten Kirchenführer Swasilands“, ein ökumenischer Zusammenschluss des Landes, in Deutschland für Gespräche und Vorträge. Eingeladen vom Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) berichteten Geschäftsführer Njembe und Vorsitzender Shabalala aus erster Hand, wie das System der Monarchie die Menschen in Swasiland immer weiter drangsaliert. Die Bevölkerung sieht sich in einer unveränderten und hoffnungslosen Situation, wobei sich hier in Europa momentan niemand für die Lage zu interessieren scheint.

„Habt ihr überlegt, warum die vielen Menschen, die jetzt nach Deutschland kommen, aus ihren Länder fliehen?“ fragt Pastor Shabalala in die Runde. Und weiter: „Wir wollen verhindern, dass die Situation in Swasiland genauso so schlimm wird.“ Ende November hatte das ELM-Büro für internationale kirchliche Zusammenarbeit die beiden Vertreter des ökumenischen Zusammenschlusses zu Gesprächen und einem Vortrag nach Hannover eingeladen. Die Zuhörenden erfuhren aus erster Hand, wie im Königreich Swasiland politische Grundfreiheiten und Menschenrechte beschnitten werden.

So berichteten die beiden von einer Zwangsräumung in Nokwane, bei denen das Haus von Bulldozern dem Erdboden gleich gemacht wurde. Kein Einzelfall, so hieß es: Immer wieder würden Menschen rabiat von ihrem Land vertrieben. Alles Land gehöre dem König und rechtliche bzw. traditionelle Schutzmechanismen würden praktisch außer Kraft gesetzt. Die Betroffenen gehörten zu den Ärmsten im Land und würden nicht oder kaum ausreichend entschädigt.

Die beiden Swasi berichteten weiter von zunehmenden Repressionen gegenüber Oppositionellen und kritischen Journalisten. Viele würden mit unverhältnismäßig hohen Gefängnisstrafen belegt oder müssten sogar ohne Prozess ein Jahr und länger im Gefängnis sitzen. Mithilfe des Gesetzes zur Bekämpfung von Terrorismus würden Versammlungen nicht genehmigt oder gewaltsam aufgelöst. Parteien seien nicht zugelassen und Gewerkschaften in ihrer Arbeit stark eingeschränkt. Die zunehmende Polizeigewalt haben die Kirchenvertreter selbst erlebt. Mehrere Gottesdienste der lutherischen und der katholischen Kirche seien von Polizeikräften unterbrochen oder nicht zugelassen worden.

Hintergrund:

Im März dieses Jahres haben die Besorgten Kirchenführer das „Kairos-Swasiland-Dokument“ veröffentlicht. Darin benennen die Autoren die Missstände des Landes sehr deutlich und kritisieren die quasi-religiöse Überhöhung des Königs. Sie suchen den Dialog mit den Verantwortlichen und setzen sich für einen friedlichen Übergang von der absoluten Monarchie zu echter Demokratie und Pluralismus ein.

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