Luther ein Symbol für Courage

Themenjahr „Reformation und Eine Welt“ mit Gottesdienst eröffnet

„Wir verstehen die Welt im Licht Gottes. Aber es ist nicht so, dass wir der Welt einfach unseren Stempel aufdrücken“, erklärte Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer das Logo, das auf großen Bannern im Innenraum der Hannoverschen Lutherkirche zu sehen war. Mit einem von brasilianisch-deutsch-indischer Begegnung geprägten Gottesdienst, eröffneten Hannoversche Landeskirche und ELM am 31. Oktober das Themenjahr „Reformation und Eine Welt“, mit dem die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) das 500. Jubiläum des Thesenanschlags 2017 vorbereiten. Dabei zeigte die Hannoversche Landeskirche auch zum ersten Mal öffentlich ihr Motto für das Themenjahr: „gotteswelt“ begleitet von einem Logo, das aus einem Kreis besteht, der durch ein schwungvolles Kreuz, das gleichzeitig als Äquator und Längengrad erkannt werden kann, zu einem Globus wird.

Michael Fendler vom Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM), der den Reformationstags-Gottesdienst moderierte, machte in zwei Interviews deutlich, was das gotteswelt-Logo praktisch bedeutet. „Wir wissen, dass wir heute am Reformationstag den Geburtstag der lutherischen Kirche feiern. Aber es ist uns kaum bewusst, wie viele lutherische Kirchen in aller Welt jetzt auch den Reformationstag feiern.“

So erzählte Charles Raj, Pastor der südindischen Ev.-luth. Tamilkirche, der als ökumenischer Mitarbeiter des ELM einen mehrjährigen Dienst in der Lutherkirche begonnen hat, wie in Indien der Reformationstag gefeiert wird: „Der Reformationstag ist bei uns etwas ganz besonders. Schon einen Monat vorher bereiten sich sieben Jugendliche vor, die dann am Reformationstag in einem zweistündigen Gottesdienst die Lebensgeschichte Luthers in sieben Abschnitten erzählen.“ Gefragt, was der spezielle Beitrag der lutherischen Kirche in Indien sei, erklärte Raj: „Der Protest gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung ist das wichtigste reformatorische Element, das wir in Indien betonen müssen. Gegen die Unterdrückung der Dalits im Alltag und auch durch die Gesetzgebung der indischen Regierung müssen wir protestieren. Da liegt ein wichtiger Auftrag unser Kirche als ‚protestantischer‘ Kirche.“

Auch der zweite internationale Gast, der brasilianische Liedermacher-Pastor Dorival Ristoff, wurde von Fendler zum reformatorischen Beitrag seiner Ev. Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien befragt. Augenzwinkernd erzählte er, dass seine Kirche die Schriften Luthers ins Portugiesische übersetzt habe und dass sogar ein katholischer Bischof diese umfangreiche Buchreihe gekauft habe. „Das ist der Beweis dafür, dass wir Lutheraner in Brasilien als die ernsthaftesten und besten Theologen gelten“. Doch auch für die brasilianische Gesellschaft sei die Botschaft der Reformation wichtig, ergänzte Ristoff: „Luther ist ein Symbol der Courage für die ganze Menschheit. Das merkt man deutlicher im Ausland als in Deutschland, wo die Früchte der Reformation inzwischen selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind.“ Luther zeige, dass zwar Vernunft und Glaube gemeinsam für das politische Engagement wichtig seien, dass es aber eine strikte Trennung von Religion und Politik geben müsse. Dafür stünde die Zwei-Reiche-Lehre Luthers, die Ristoff den zahlreichen brasilianischen Politikern mit neupfingstlerischem Hintergrund gerne immer wieder erkläre. „Aber wenn ich das tue, wollen die mich nach Kuba schicken“, ergänzte der humorvolle brasilianische Theologe.

Als Liedermacher machte der singende Pastor gemeinsam mit seinem deutschen Pendent Fritz Baltruweit auch den musikalischen Teil des Gottesdienstes zu einem starken emotionalen Erlebnis. Mit Gitarre, Akkordeon, Rahmentrommel, Harfe und Blockflöte; vom Feste-Burg-Gesang mit der mittelalterlichen Kneipenlied-Melodie Martin Luthers bis zum fetzigen brasilianischen „Cantai ao Senhor“ demonstrierte der Gottesdienst die weltumspannende Kraft und Lebendigkeit, die das reformatorische Denken bis heute kennzeichnet.

 

 

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