Brasilianische Kirche fordert Entschädigung

Konzerne sollen für Folgen der Umweltkatastrophe am Rio Doce aufkommen

Hermannsburg – In einem an die brasilianische Regierung gerichteten Forderungsmanifest hat sich die brasilianische Partnerkirche des Ev.-luth. Missionswerks (ELM) zur Umweltkatastrophe am Rio Doce geäußert. Die Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) fordert die strenge Anwendung des Umweltrechts und die schnelle Umsetzung von Maßnahmen zur Sicherung der Lebensgrundlagen für die von der Katastrophe betroffenen Menschen.

Am 5. November brachen die Dämme von Rückhaltebecken einer Eisenerzmine. Millionen Kubikmeter Giftschlamm, verseucht mit Schwermetallen und Arsen, ergossen sich in den Rio Doce und überschwemmten dabei die Uferregionen des Flusses vom Quellgebiet bis zur Mündung in den Atlantik. Ein ganzes Dorf ist verschwunden.

Klare Worte fand die Kirche zudem für pseudoreligiöse Äußerungen, welche die Katastrophe am Rio Doce als Gottesstrafe deuten: „Solche Interpretationen zeigen eine fundamentalistische, verzerrte und abgestumpfte Sicht von Menschen, welche die Pflicht zum Umweltschutz nicht auf sich laden möchten.“

In Abstimmung mit der katholischen Kirche, dem nationalen Christenrat und Kleinbauernvertretungen hat die EKLBB den Vorfall am Rio Doce als Umweltverbrechen bezeichnet, das erst durch jahrelange Versäumnisse ermöglicht wurde. Der Bruch der Dämme sei eine schon seit Jahren angekündigte Gefahr, die aber keinerlei Inspektionen zur Folge gehabt habe. „Unkluges Handeln durch Wirtschaftsunternehmen und hemmungslose Gier nach Macht sind der Ursprung für Missachtung der Ökosysteme, Umweltverschmutzung und Umweltkatastrohen“, so die EKLBB.

In ihrem Manifest fordert die brasilianische Kirche eindringlich umgehende Maßnahmen. Die Menschheit selbst sei verantwortlich für Gottes Schöpfung und somit für den Umweltschutz. So wird u. a. eine sofortige Untersuchung gefordert, um die Verantwortlichen unter strenger Anwendung des Umweltrechts zur Rechenschaft ziehen zu können. Gelder müssten bereitgestellt werden zur Wiederbelebung des gesamten Einzugsgebietes des 800 Kilometer langen Flusses. Weiter fordert die Kirche die Sicherstellung einer Wasserversorgung für Kleinbauern in der Region, um so deren weitere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Parallel müssten alternative Möglichkeiten des Lebensunterhalts für alle vom Rio Doce und seinen Nebenflüssen Lebenden erarbeitet werden. In alle Maßnahmen müsse die Zivilgesellschaft einbezogen werden, auch in die Verwaltung der Hilfsgelder. Die Kosten für das Hilfspaket sollen die Firmen tragen, die den Rio Doce nutzen, u. a. Zellulose-Fabriken und das Bergbauunternehmen Samarco, dem die Mine gehört, deren Dammbruch die Umweltkatastrophe ausgelöst hat.

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