„Wir vergessen die Geschichte nicht”

Gesprächsabend von ELM und KED im Hanns-Lilje-Haus Hannover zur sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Südafrikas Hannover.

Seit 20 Jahren eine stabile Demokratie mit starkem Wirtschaftswachstum und außenpolitisch führend in der Region, laste das Erbe der Apartheid noch immer schwer auf Südafrika. So Liepollo Lebohang Pheko und Nomarussia Bonase während eines Gesprächsabends zu dem der Kirchliche Entwicklungsdienst (KED) und das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) ins Hanns-Lilje-Haus in Hannover eingeladen hatten. Die beiden südafrikanischen Expertinnen gaben unter dem Thema „Soziale und wirtschaftliche Entwicklung in Südafrika“ eine kritische Analyse der Entwicklung in ihrem Land.

Denn trotz vieler Fortschritte sei Südafrika gekennzeichnet von extrem ungleicher Einkommensverteilung, hoher Arbeitslosigkeit und heftigen politischen Krisen. Lebohang Pheko, Co-Direktorin der Consultingfirma Four Rivers und Beraterin zu Fragen ökonomischer und sozialer Entwicklung, unterstrich zunächst den Zusammenhang zwischen geschichtlichem Erbe und der aktuellen sozio-politischen Situation. Demnach sei die Abgeschiedenheit großer Bevölkerungsteile von den wirtschaftlichen Zentren des Landes eine Folge der Apartheid. Auch sei es nicht gelungen, die Identität der Befreiungsbewegung im Selbstverständnis der Regierungspartei zu verankern. Vielmehr seien Karrierismus und Kritikunfähigkeit verbreitet – wie die jüngsten Anfeindungen gegen die Ombudsfrau des Parlaments belegten (als „Public Protector“ für Bürgerbeschwerden gegen die Regierung zuständig). Aber auch die internationale Solidargemeinschaft hätte sich nach dem Ende der Apartheid zu schnell zurückgezogen.

Die südafrikanische Menschenrechtsaktivistin Nomarussia Bonase brachte ihre konkreten Erfahrungen von der Basisbewegung „Khulumani“ ein. Ihrer Einschätzung nach wurden viele Opfer der Apartheid in der von Desmond Tutu geleiteten Wahrheits- und Versöhnungskommission nicht berücksichtigt. Um die Wunden der Apartheid zu heilen brauche es ausreichend Raum für Schmerz und Trauer statt schneller Versöhnung. „Wir vergessen die Geschichte nicht“, so Bonase. Über das Khulumani-Netzwerk ist sie auch intensiv an der Trauerarbeit der Witwen von Marikana beteiligt. Im August 2012 wurden dort bei einem Bergarbeiterstreik 34 Bergleute von Polizeikräften erschossen.

Für Lebohang Pheko ist diese Eskalation auch Symptom eines krisenhaften Wirtschaftssystems, das diejenigen, die nichts haben, von denjenigen, die alles haben immer weiter trenne. Ein wichtiger Ansatzpunkt zur Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit sei eine effizientere Förderung von Bildung, gerade auch im sekundären und tertiären Bereich.

Informationen:

Tobias Schäfer
Büro für internationale kirchliche Zusammenarbeit (BikZ)
Tel.  0511 1215-292

E-Mail t.schaefer(at)elm-mission.net

 

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