Pflüget ein Neues! Ein missionstheologischer Zwischenruf

Den vollständigen Text können Sie im aktuellen Jahresbericht 2017 lesen (Seite 12-17)

Mission als Teil lutherischer Kirchengemeinschaft

Im Jahr des Reformationsjubiläums wird oft an die faszinierende Spannung von Freiheit und Bindung erinnert, die Luther in seinem Traktat Von der Freiheit eines Christenmenschen 1520 auf den Punkt gebracht hat: Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheint, entpuppt sich bei tieferem Blick als notwendige Ergänzung. Im Glauben sind wir von Gott befreit von jeder Bindung an irgendwelche Instanzen der Welt. Eben diese Freiheit aber befreit uns zu einem dienenden Verhalten unseren Mitmenschen gegenüber. „Freiheit von“ muss, um sich zu vollenden, immer auch eine „Freiheit zu“ werden.

In diesem Sinne sagt das LWB-Studiendokument Das Selbstverständnis der lutherischen Kirchengemeinschaft: Aus dem Evangelium erwächst die Freiheit, einander respektvoll zu ertragen. Das erinnert an Eph 4,2: In aller Demut und Geduld ertragt einer den andern in Liebe. Dazu gehört Sensibilität für den Wert anders gearteter Menschen.

Die jüngeren Veränderungen im ELM und ihre Strittigkeit

Pflüget ein Neues ist ein Mut machendes Hoffnungswort des Propheten Jeremia (4,3). Vieles hat sich verändert im ELM der letzten Jahre. Ich selbst kann es seit der Rückkehr aus mehrjährigem Dienst im globalen Süden deutlich spüren. Oft geht mir das genannte Wort des Jeremia oder auch ein verwandtes Wort seines Kollegen Jesaja durch Kopf und Gemüt: „Siehe, ich will ein Neues schaffen!“ (Jes 43,19). Gott ist innovativ und kreativ, im Umgang mit Gott müssen wir immer mit Neuem rechnen und auf Überraschungen gefasst sein!

Aber dies Neue ist strittig: Im Laufe des Umstrukturierungsprozesses hat sich eine größere theologische Spannbreite eingestellt, als sie in früheren Epochen der Hermannsburger Missionsgeschichte üblich war. Wir kümmern uns auf der einen Seite um Glauben weckende und vertiefende Verkündigung, auf der anderen Seite treten wir für Gerechtigkeit ein und fördern Entwicklungsdienste. Verkündigung und entwicklungsbezogene Themen haben Raum in der Arbeit des ELM.

Nicht alle bejahen jenes UND. „Müssen wir nicht alte Zöpfe viel konsequenter abschneiden?“, fragen die einen provokativ. „Dürfen wir uns so weit von unserem geistlichen Ursprung entfernen?“, sorgen sich andere. Ich war Zeuge von solchen Debatten: Wollen wir Mission oder Partnerschaft? Mission oder Entwicklungshilfe?

Ist dieses ODER nötig? Ich behaupte: Nein.

Text: Dr. Volker Keding, Leiter Globale Gemeinde und Stellvertreter des Direktors

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