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Frauen oder Männer – wer leidet mehr unter der Corona-Pandemie? (10.09.2020)

Dieser Frage ist das ELM in Person von Gabriele De Bona am Donnerstag, den 10.09.2020, im Rahmen eines ELMinars nachgegangen. Referierende aus Brasilien und Äthiopien haben über die Corona-Situation in Ihren Ländern und die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen auf die Geschlechter berichtet. Mit knapp 20 Teilnehmenden war das ELMinar gut besucht. Anschaulich stellten die Referierenden die regionalen Realitäten ergänzend zu der in Deutschland bekannten Zählung der John-Hopkins-Universität dar.
Als Referierende beschrieben Marcia Blasi von der „Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien“ (IECLB) sowie Frau Tadelech Loha und Herr Aman Ababu von der „Äthiopischen Evangelischen Kirche Mekane Yesus“ (EECMY) die Situation von Frauen und Männern in Brasilien und Äthiopien zu Zeiten der Corona-Pandemie.
Die Referierenden beider Länder waren sich in einem Punkt schnell einig: Aufgrund hierarchischer Strukturen in den Ländern sind Frauen von der Pandemie mehr betroffen als Männer. Sie werden  vielleicht seltener krank, aber sie verlieren häufiger ihre zumeist schlechter gestellten Jobs und müssen zu Hause mehr leisten. Die Führung des Haushalts, die Erziehung und das Homeschooling der Kinder sowie die Zubereitung der Mahlzeiten ist zumeist eine Aufgabe der Frauen. Das führt zu einem hohen Maß an geistigen, körperlichen und seelischem Stress. Hinzu kommt ein gestiegenes Maß an körperlicher Gewalt gegenüber Frauen.
Brasilien und Äthiopien sind Länder mit großer (infra-)struktureller Vielfalt. Daher haben nicht alle Menschen in den Ländern die gleichen Chancen – insbesondere an der digitalen Partizipation. Wer Internet hat und arbeiten kann ist privilegiert. Die großen Unterschiede in der Infrastruktur wirken sich aber auch auf die Bildungsmöglichkeiten der Kinder aus.
Die brasilianische Regierung sieht Corona als kleinen Schnupfen an, brasilianische Ärzte und Regionalregierungen sehen das anders. Dies erschwert die Situation und den Umgang mit der Pandemie.
Die Testkapazitäten in Äthiopien sind aktuell gering und werden verbessert. In Krankenhäusern sind Testcenter. In diesen können sich chronisch kranke Menschen und Leute die zu infizierten Personen Kontakt hatten, testen lassen.
In Brasilien ist die Angst groß aufgrund einer Corona-Infektion in Isolation zu kommen und dann alleine sterben zu müssen. Auch nach dem Tod eines Familienmitgliedes oder einer befreundeten Person gibt es keinen, der den Leuten Essen vorbeibringt, sie umarmt oder sonst irgendwie unmittelbar in der Trauer unterstützt.
Zuletzt wies ein Zwischenruf aus Indien auf ein beispielhaftes Projekt der dortigen katholischen Kirche hin, dass an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll: Menschen, in deren Haushalt jemand an Corona stirbt, können eine Hotline anrufen und dort mit einer jungen freiwilligen Person sprechen, die dann zusammen mit einem Pfarrer vorbeikommt und die Aussegnung vornimmt. Dies hat Nachahmung bei der evangelischen Kirche gefunden und ist vielleicht auch eine Möglichkeit für andere Länder.
Die Diskussion hat gezeigt, dass die Menschen und insbesondere Frauen in allen drei Ländern unter der Corona-Krise leiden und die Probleme häufig ähnlich sind. In Brasilien und Äthiopien sind die Menschen aber deutlich stärker betroffen als in Deutschland.

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