Gottes Geist überwindet Grenzen - Geistlicher Impuls für den 29. Mai 2020

Fernando ist 56 Jahre alt und lebt in Brasilien. Er hat zwei Kinder. Sie sind fünf und sieben Jahre alt. Fernando hat keine feste Arbeitsstelle und muss jeden Tag sehen, wo er etwas verdienen kann.

Seit der Corona-Krise ist es schwierig für ihn geworden. Die Ungewissheit was morgen sein wird, ist zur Sorge vieler Menschen geworden, auch für Fernando. Er erzählt: „Auf den Straßen sind viel weniger Menschen unterwegs. Man empfiehlt uns zuhause zu bleiben. Das heißt: an manchen Tagen können wir nicht arbeiten und dann verdiene ich auch nichts. An diesen Tagen habe ich nichts, was ich meinen Kindern zu essen geben kann. Dazu kommt noch die Miete. Wovon soll ich das alles bezahlen? Ich bin verzweifelt.“

So wie Fernando geht es etwa 40 Millionen Menschen in Brasilien, die ohne feste Anstellung ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Es sind Männer und Frauen, die an den Stränden und auf der Straße Kokosmilch, Popcorn oder Kunsthandwerk verkaufen. Sie liefern Bestellungen aus oder arbeiten als fliegende Händler. Sie sind von den Auswirkungen der Krise ganz besonders betroffen.

Am Sonntag ist Pfingsten. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der Geburtstag der Kirche; Pfingsten ist Freude an Gottes Mission. Was an diesem Pfingsttag geschah, war etwas Wunderbares: Menschen aus den unterschiedlichsten Völkern hörten das Evangelium in ihrer eigenen Sprache. Menschen, begnadet mit dem Geist Gottes, hörten und empfingen die gute Nachricht der Errettung, wie der Prophet es angekündigt hatte: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“ (Sacharja 4,6b)

Schon jetzt können wir etwas von der Hoffnung dieses Pfingstwunders aufblitzen sehen. Inmitten der Pandemie entstehen Aktionen, die zu einer Stimme der Gerechtigkeit werden, zu Netzwerken der Solidarität und des Schutzes des Lebens.

Für viele Kinder und Jugendliche in Brasilien z.B. ist die einzige Mahlzeit des Tages diejenige, die sie in der Schule und in den sozialen und diakonischen Projekten, in denen sie betreut werden, erhalten. Als alle Aktivitäten eingestellt werden mussten, haben sich Menschen organisiert, um während der Zeit der Isolierung Nahrungsmittel zu sammeln und an die bedürftigsten Familien zu verteilen. Ebenso haben sich in den Gemeinden der lutherischen Kirche die Frauen von zu Hause aus organisiert, um Schutzmasken anzufertigen und sie an Gesundheitsämter und öffentliche Krankenhäuser in der Stadt zu verteilen.
Eine andere Hoffnungsaktion in einigen lutherischen Gemeinden ist die Bitte an die Mitglieder jeden Tag zwei Personen anzurufen und ihnen ein Wort der Ermutigung und Hoffnung zuzusprechen und sich zu erkundigen, wie es ihnen geht und ob sie etwas brauchen.

Auch wenn wir Menschen für einige Wochen, wahrscheinlich sogar für Monate körperliche Nähe vermeiden müssen und getrennt voneinander sind, so sind wir doch durch zahlreiche Gesten miteinander verbunden.

Diese und noch viele weitere Beispiele zeigen, dass Mitgefühl und Solidarität weiterhin vorhanden sind.

Gerade in Zeiten, in denen die Krise unseren Frieden und unsere Würde bedroht, erwarten die Menschen um uns herum, dass wir den Glauben, der uns bewegt, zur Sprache bringen. Sie erwarten, dass wir die Liebe Gottes durch unsere Taten zum Ausdruck bringen. Gottes Liebe in uns muss in der Gesellschaft als ein „Echo“ der Liebe Gottes wahrnehmbar werden. „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr.“ (Sacharja 4,6b).

Wir hoffen und beten, dass Pfingsten auch in diesem Jahr eine Zeit der Verwandlung und der Veränderung der Gemeinschaft sei.

Deshalb rufen wir: Komm, Heiliger Geist!

(ein Impuls von Indra Grasekamp ELM-Referentin Weltweite Spiritualität, die einen Text ihrer brasilianischen Kollegin Carmen Siegle bearbeitet hat. Übersetzung des Ursprungstextes: Kurt Herrera) 

Heilger Geist, du Tröster mein - Geistlicher Impuls für den 28. Mai 2020

„Heilger Geist, du Tröster mein“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 128)

Dieses Lied ist das Wochenlied für diese Woche. Wir sind in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Der auferstandene Christus ist im Himmel entschwunden und nicht mehr für die Menschen auf der Erde sichtbar und der göttliche Geist ist versprochen. Wir sind in einer Zeit dazwischen. Wir sind im „Noch nicht“ und dem „Schon jetzt“. In dieser Spannung, zwischen Warten und Erwartung, bewegen wir uns. Im Kirchenjahr ist das gerade jetzt besonders intensiv und wird durch viele Heilig-Geist-Lieder zum Ausdruck gebracht.

Mich hat das Kirchenlied angeregt ein kleines Gedicht zu schreiben. Wenn Sie mögen, können Sie dem Gedicht gerne meditativ nachgehen. Zünden Sie eine Kerze an. Werden Sie einen Moment ruhig und achten nur auf Ihren Atem. Beginnen Sie mit dem Lied. Dann können Sie entweder abwechselnd Lied- und Gedichtstrophen rezitieren oder sie suchen sich nur eine Gedicht-Strophe aus, die sie im Moment besonders anspricht und enden am Schluss mit einer Liedstrophe.

Unter diesem Link können Sie das Lied anhören. Es singt das Ensemble Vocifer, Evangelisches Stift Tübingen: 

https://www.lieder-vom-glauben.de/evangelisches-gesangbuch-eg-wue-nr-128/ 

Lied: Heilger Geist, du Tröster mein

Heiliger Geist,
der du mich tröstest.
In den Stunden,
die mir dunkel sind.
Heiliger Geist,
meine Erfahrung des Glaubens
ganz persönlich.
Besungen und erhofft
seit Jahrhunderten.
Komm zu uns herab.

Lied: Heilger Geist, du Tröster mein

Heilige Geistkraft,
die du mich leitest.
Sanft wie ein Windhauch,
aber klar in der Richtung.
Heilige Geistkraft,
die du mir Kraft schenkst,
in Momenten,
wo ich ohne Mut bin
und mich ohnmächtig fühle.
Komm und breite dich in uns aus.

Lied: Heilger Geist, du Tröster mein

Heiliges Geistwesen
du bist die ewige Quelle
meines Glaubens,
du bist das Füllhorn
aus dem ich mich immer wieder geistlich nähre.
Du begleitest mich
im Alltag und
am Festtag.
Jeden Tag.
Komm und stärke uns.

(ein Impuls von Gabriele de Bona ELM-Referentin Gender International, Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien) 

Alles, was geschieht, geschieht zum Besseren - Geistlicher Impuls für den 27. Mai 2020

Ich liebe Sprachen. Sie sind wie Blumen – jede ist einzigartig und schön. Und wie oft ich es bedauere, dass noch keine Technik erfunden wurde, mit der man die Blumen nicht nur als Foto oder Video,  sondern auch in ihrem Duft festhalten könnte – um ihn später noch einmal zu genießen oder mit lieben Menschen in der Ferne zu teilen. So ist es auch mit den Sprachen. Oft gleicht die Übersetzung nur dem Foto oder dem Video. Um den „Duft“ der Sprache genießen zu können, muss man sie selbst erkunden…

Ich liebe auch Sprichwörter, Redewendungen, Zitate und kluge („geflügelte“) Worte. Sie helfen mir in verschiedenen Lebenssituationen, heitern auf, motivieren und schaffen Gedankenklarheit.

Einer meiner Lieblingssprüche ist in der russischsprachigen Welt sehr bekannt – „Alles, was geschieht, geschieht zum Besseren“ (Все, что ни случается, все к лучшему). Und weil ich dieses Sprichwort neulich schon wieder bestätigt sah, überkam mich die Neugier herauszufinden, woher dieser Spruch eigentlich kam. Neben der Version, dass dies eine Paraphrase des Philosophen und Mathematiker G. W. Leibniz sei, die durch Voltaire bekannt wurde, fand ich im Internet auch eine ganze Reihe von Gedichten, Geschichten und Parabeln zu dieser Redewendung. Hier ist eine davon:

Es war einmal ein König und er hatte einen Berater, der sehr an Gott glaubte. Was auch immer geschah, der Berater wiederholte immer wieder:
- Was auch immer geschieht, geschieht zum Besseren. Gott macht alles sehr gut und weise: Wenn wir etwas erreichen – ist es gut, wenn nicht – ist es noch besser.
Wenn beim König etwas nicht wie geplant lief, sagte der Berater immer:
- Es ist zum Besseren!
In solchen Momenten hörte der König ihm nicht gerne zu:
- Es kann doch nicht sein, dass wenn etwas Schlimmes passiert und wir einen Misserfolg erleben, dass das alles zu unserem Besseren ist?
Einmal gingen sie im Wald spazieren und unterhielten sich, als sie unbemerkt tief in ein Dickicht gerieten. Der König begann nach einem Weg zu suchen und trat auf einen Dorn einer sehr giftigen Pflanze. Ohne zu zögern zog der Berater einen Dolch heraus, schnitt den Zeh, in dem der giftige Stachel steckte und sagte:
- Wie gut Gott alles geregelt hat!
Der König war wütend:
- Du hast mir gerade einen Zeh abgeschnitten, wie kann das gut sein?
Der Berater antwortete:
- Hätte ich Euch nicht den Zeh abgeschnitten, hätte sich das Gift in Eurem ganzen Körper verteilt und Ihr wäret gestorben.
Der König ließ sich durch diese Worte nicht beruhigen, und jagte den Berater fort und sagte, er wolle ihn nie mehr sehen oder hören.
Der König ging allein weiter und versuchte, aus dem Dickicht herauszukommen. Doch leider veranstaltete gerade an diesem Ort ein sehr grausamer Stamm von Wilden ein Fest, für das ihnen noch eine geeignete Opfergabe fehlte. Der König wurde gefangen genommen und zum Altar geführt. Die Wilden begannen, sich auf das Ritual vorzubereiten. Doch plötzlich, für den König unerwartet, ließen sie ihn gehen und schrien unzufrieden: Die Opfergabe war unvollständig, ihr fehlte ein Zeh!
Verängstigt aber lebendig kam der König in den Palast und rief sofort den Berater zu sich. Der König überreichte dem Berater großzügige Geschenke und fragte ihn:
- Du hast kluge Dinge gesagt, aber erklär mir, was daran gut war, dass ich dich damals im Wald weggejagt habe?
Darauf antwortete der Berater:
- Es war sehr gut, o König, dass Ihr mich weggejagt habt: Wäre ich bei Euch geblieben, hätten die Wilden Euch gehen lassen und mich behalten.
Seitdem begann der König auch an die Weisheit des göttlichen Plans zu glauben.

Vielleicht meinen Sie, es ist ein Kindermärchen? Ja, mag sein. Aber für mich beschreibt diese Parabel auf heitere Weise genau das, was ich immer wieder – und jedes Mal aufs Neue überrascht - feststelle: in Allem gibt es einen Sinn, auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen oder verstehen. Gott hat einen Plan für uns, einen guten Plan. Wir müssen ihn nicht begreifen, wir müssen darauf vertrauen. In einer schwierigen Situation sollen wir versuchen, uns nicht zu ärgern, vor Zweifel zu zerbrechen oder aufzugeben. Wir sollen dagegen versuchen, die Situation so anzunehmen, wie sie ist und mit Zuversicht nach vorne zu schauen und weiterzumachen. Weiterzuleben, nicht aufzugeben. Alles hat seinen Sinn, alles, was geschieht, geschieht zum Besseren - Gott hat einen Plan für uns.

(ein Impuls von Marina Gruel-Dovner, ELM-Teamassistenz Internationale kirchliche Zusammenarbeit)

Alle im selben Boot? - Geistlicher Impuls für den 26. Mai 2020

Die Pandemie betrifft uns alle, weltweit. Sitzen wir also alle im selben Boot?

Irgendwo bei den vielen kleinen Nachrichten, die über soziale Medien geteilt werden, fand ich neulich einen Text, der mir weiter nachgegangen ist und etwa so lautete: „Wir sitzen nicht alle im selben Boot. Wir sind zwar im selben Sturm unterwegs, aber nicht im selben Boot.“

Wir sitzen wirklich nicht alle im selben Boot.

  • Manche sind am Verzweifeln, weil sie homeoffice, homeschooling und homework einfach nicht unter einen Hut bekommen. Für andere ist die Lage leichter, weil die Kinder längst aus dem Haus sind.
  • Viele Selbständige sind in Sorge um ihr wirtschaftliches Überleben. Andere, mit fester Anstellung ohne Kurzarbeit oder festen Ruhestandsbezügen, haben keine größeren wirtschaftlichen Sorgen.
  • Wir leben in Deutschland mit einem funktionierenden Gesundheitssystem. In etlichen anderen Ländern war das Gesundheitssystem vor Corona schon defizitär und ist inzwischen zusammengebrochen. In Manaus (Brasilien) können viele Schwerkranke nicht mehr in die Krankenhäuser aufgenommen werden, es sterben so viele, dass nur noch Bestattung in Massengräbern erfolgt.

In dem Corona-Sturm sind die einen in hochseetüchtigen Schiffen unterwegs, während andere in einem morschen Kahn darum kämpfen, nicht unterzugehen.

Was können wir tun? Als erstes sollten wir uns vergegenwärtigen, wie groß die Unterschiede zwischen uns sind. Schon hier in Deutschland, je nachdem, ob ich kleine Kinder zuhause habe oder nicht. Ob mein Einkommen gefährdet ist oder eingeschränkt oder eben nicht. Ob ich nur die Ausübung eines Hobby vermisse oder mich im Pflegeheim nach dem Besuch meiner Lieben sehne. Wer seine berufliche Tätigkeit noch nicht wieder ausüben kann, unterliegt einem ganz anderen Druck, als jemand, bei dem das nicht der Fall ist. Er wird daher womöglich vehement weitere Öffnungen fordern, die jemand anderem vielleicht eher Angst machen. Interesse am anderen und ein Gespräch über das, was ihn bewegt, sind hilfreich und notwendig. Gerade wenn wir auf den ersten Blick ganz andere Vorstellungen haben.

Ein zweites ist Solidarität. Wenn ich selbst nur wenig betroffen bin, wie kann ich der beistehen, die stärker betroffen ist? Ob das die Nachbarin ist, die Hilfe bei einem Einkauf braucht oder Menschen in anderen Ländern. „Jetzt helfe euer Überfluss ihrem Mangel ab, damit ein Ausgleich geschieht“ schreibt Paulus im 2. Korintherbrief, Kapitel 8, Vers 14. Zu anderen Zeiten werden wir es wieder sein, die Hilfe anderer benötigen.

Lasst uns so auf die Welt um uns blicken – auf die Nachbarn und die weite Welt: einfühlsam, interessiert, solidarisch. Betend und handelnd.


Ein Gebet aus Brasilien:

Herr, wir bitten für die Schmerzen dieser Welt: 

Hör das Seufzen deiner Schöpfung! 

Erbarm dich, gib an deiner Gnade teil!

Herr, du bist‘s, der uns in den Händen hält: 

Sieh das Leiden deiner Kinder! 

Wir sehnen uns nach dir, nach deinem Heil!

Gib deinen Frieden, Gerechtigkeit und Segen für die Völker! 

Schließ uns in deine Arme, erbarme dich! 

Zeig deine Macht! Wir sind dein Volk, wir wollen dich bezeugen! 

Herr, komm mit deinem Reich! 

Kyrie eleison!

(ein Impuls von Kurt Herrera, ELM-Referent Kirchenentwicklung International, Ökumenische Zusammenarbeit mit Brasilien und Peru)

Spuren der Nachfolge - Geistlicher Impuls für den 25. Mai 2020

Ich bin 1980 in Israel gewesen. Als junger Christ brannte ich darauf, die Wirkstätten Jesu zu sehen. Dabei bin ich alleine gereist, um die Eindrücke ganz bewusst jenseits einer Gruppe aufzunehmen.

Nachdrücklich ist der Ort in meiner Erinnerung, an dem Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Sein Fußabdruck war dort zu sehen. Schon damals kam mir der Gedanke, dass hier mit Unfug Geld gemacht wird und manche Christen in die religiöse Wahnsinnsverzückung getrieben werden.

Und doch wurde dieser Fußabdruck, von wem er auch immer ist, für mich zu einem Symbol: Welche Abdrücke hinterlässt Jesus in meinem Leben? Welche Spuren der Nachfolge hinterlasse ich?

Mit der Himmelfahrt Jesu ist eben nicht alles vorbei, sondern jetzt fängt es erst richtig an. Bevollmächtigt durch das anstehende Pfingstereignis bin ich herausgefordert, das Werk Jesu in dieser Welt fortzuführen. Und sein Werk ist in einem Wort zusammengefasst: Liebe.

Trotz meiner Unzulänglichkeit, mit all meinen Fehler, mit meinen Ecken und Kanten traut Gott mir zu, andere Menschen, die Schöpfung und mich selbst zu lieben. Vor allem dort zu lieben, wo es mir nicht leicht fällt, wo ich auf Widerstände stoße. Genau dann zu lieben und zum Besten für den anderen mein Handeln bestimmen zu lassen. Gelegenheiten gibt es dafür ausreichend. Jeden Tag. Wenn mir das gelingt, habe ich Spuren Jesu in meinem Leben hinterlassen. Und dann gilt das Wort, das mit der Himmelfahrt Jesu in Verbindung steht:

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Johannes 20,21)

(Gedanken von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

Nach Corona wird alles anders, oder? - Geistlicher Impuls für den 20. Mai 2020

„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Amos, 5,24

„Ja genau!“, entfährt es mir leise seufzend, als ich diesen Satz des alttestamentarischen Propheten Amos lese, während entspannt meine linke Hand auf der Rundung meines Wohlstandsbauches ruht. Schön wäre, denke ich, wenn sich einiges ändern würde, nach diesem Corona-Spuk, und sich die Politik dadurch eines Besseren belehren ließe und den Erfolg unseres Wirtschaftens nicht mehr an den Verlaufskurven unseres Aktienhandels bemäße und an den Dividenden der Aktionär*innen. Schön wäre, wenn Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit zum Entscheidungskriterium für unser Einkaufsverhalten werden würde! Das (und ich spüre, wie sich der Zeigefinger meiner rechten Hand gen Zimmerdecke streckt) wäre eine Revolution.

Wenn es mal so einfach wäre: Wir stopfen uns die Bäuche voll mit Dingen, für die Menschen sich für Billiglohn verkaufen müssen, dafür kaufen wir dann auch mal den fair gehandelten Orangensaft oder den etwas teureren Kaffee von fairtrade, um dann beim abgepackten Schweineschnitzel zuzuschlagen, weil sie so richtig schön billig ist die Bio-Marke vom Discounter. Und natürlich können wir dann wie aus dem ff den aktuellen Warentest zitieren, der diesem Fleisch dann auch noch die Absolution erteilt und dem Unternehmen attestiert: Hier ist der Kunde noch König! Und während dieser mit seinem vollgepackten Einkaufswagen zur Kasse schiebt, hat der ein gutes Gewissen, mal wieder billig und fair eingekauft zu haben. Und weil billig geil ist, möchten wir natürlich, dass das auch so bleibt.

Und dann lese ich von weltweit fallenden Erzeugerpreisen und dass Tagelöhner und Bauern in den sogenannten Entwicklungsländern praktisch nix mehr verdienen, womit sie ihre Familien ernähren können. Ich lese von Schuldknechtschaft und Lohnsklaverei, von Kindern als menschliche Ersatzteillager, von Zwangsprostitution, davon, dass  Menschen selbst zu Menschenhändlern oder Schleppern werden und endlich an denen verdienen, die noch weniger haben und ihre Hoffnung auf ein besseres Leben fernab von ihrem Zuhause suchen, die meisten tatsächlich in der Region, vergleichsweise wenige in Europa. Und wenn sie es tatsächlich lebend etwa bis Deutschland geschafft haben, treffen sie hier dann auf Menschen, die sich mit Billigjobs über Wasser halten müssen. Und weil sich beide – Migrant*innen und die sozial Abgehängten  – das Bio-Schnitzel und die Öko-Gurke nicht leisten können, steuern sie mit dem Einkaufswagen bei Aldi, Lidl oder Penny an den Produkten für Besserverdienende vorbei, auf die Cent-Schnäppchen zu und hauen sich selbst dabei in die Pfanne – denn die 5 Prozent chinesische, afrikanische, südamerikanische oder europäische Sklaverei, die in jedem Produkt stecken können, wie der amerikanische  Soziologe und Sklaverei-Experte Kevin Bales schon vor 20 Jahren schrieb, merkt ja keiner. Sozusagen Sklaverei in homöopathischen Dosen: tut nicht weh und hat keine Nebenwirkungen. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, und das Wasser nach dem Rasieren in den Abfluss rauscht, seh´ ich jedenfalls nix davon. Alles in Ordnung, mein Gewissen is´ rein! Oder nicht?

Und dann lese ich, dass all die Menschen, die mir schon vor Corona für fast nichts das Leben versüßt haben, mit Corona nun gar nichts mehr haben – hier wie dort.

„Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Welche Privilegien bin ich dafür bereit aufzugeben? Worauf werde ich künftig verzichten? Wofür deutlich mehr bezahlen? Werde ich teilen mit denen, die nichts zum Teilen haben? Darüber werde ich jetzt mal nachdenken und mir dabei das Stück Fleisch zum Mittag schmecken lassen. Ach ja, und die Zeitung nicht vergessen. Moment, was steht da? „Soja für Tierfutter zerstört Regenwald“.

Nach Corona wird alles anders … oder zumindest das eine oder andere, mit Gottes Hilfe, ich bin fest entschlossen!    

Mein Gott, 
gib mir Einsicht, Kraft und Mut, 
einen anderen Weg zu gehen 
als auf den ausgetretenen Pfaden
meiner Bequemlichkeit, meiner Ansprüche, 
meiner Maß- und Gedankenlosigkeit. 
Hilf uns leer zu werden,
damit die Fülle Heimat finden kann.
In uns, in den Anderen, für die Anderen.  
  

(Ein Impuls von Dirk Freudenthal, ELM, Chefredaktion Mitteilen)

„Achtet auf euer Herz. Zeigt Mitgefühl“ - Geistlicher Impuls für den 19. Mai 2020

Gott sei Dank haben wir heute den Computer und das Smartphone. Einige sind da sehr kritisch. Aber oft wird doch genau damit in gefährlichen Situationen Hilfe herbeigeholt und so Leben gerettet.

Vor knapp 80 Jahren hat der Berliner Erfinder Konrad Zuse die erste elektronische Rechenmaschine vorgestellt. Seit dieser Zeit hat sich viel getan, bis wir diese kleinen Geräte mit enormer Leistung in den Händen halten.
Mein Smartphone ist fast überall auf der Welt erreichbar. Die Informationsflut ist gewaltig. Kritiker sagen auch, dass wir dadurch leicht abstumpfen können.

Auch mir wird es manchmal etwas zu viel. Ich will nicht immer genau wissen, wer gerade was gegessen hat. Aber eine gute Nachricht, wie die Geburt eines Kindes, dass jemand gesund geworden ist oder aber, dass jemand eine Prüfung bestanden hat - da will ich mich gerne mitfreuen! Und ebenso gehört es für mich dazu, dass ich Anteil nehme, wenn es jemandem nicht gut geht.

In diesen Wochen, wo wir unterschiedlich durch das COVID-19 Virus durch Vorbeugungsmaßnahmen betroffen sind, orientieren sich unsere Medien mit ihren Informationen vor allem an den Zahlen der Infizierten und Verstorbenen. Mit der Höhe der Zahlen wandert der Blick von China, nach Italien, Spanien und nun vor allem in die USA, Russland, Großbritannien und Brasilien. Da bin ich froh, dass unsere Partner sich direkt per Mail und WhatsApp melden können, damit wir voneinander wissen, was dort gerade geschieht. Auf unserer Homepage lesen dann auch andere davon.

„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“, heißt es in der Bibel (Römer 12, 15). Das ist nicht nur ein guter Hinweis für unser analoges Zusammenleben. Auch für digitale Kontakte finde ich den Spruch wirklich passend: Achtet auf euer Herz. Zeigt Mitgefühl. Ob wir abstumpfen oder nicht ist in erster Linie eine Frage der wachen inneren Haltung. Und dann können wir direkt antworten, im Gebet Fürbitte leisten und wo nötig als ELM mit Hilfe unserer Spender*innen Projekte auf den Weg bringen, die den Zusammenhalt als Christen-Menschen real erfahren lassen, auch dort, wo die großen Medien nicht hinschauen.

Gebet:

Guter Gott,
in meinen Ohren und Augen ist manchmal kein Platz für noch mehr Information.
Wie gut, dass Du immer da bist, für jeden und jede, die dich anruft.
Mache mich aufmerksam für Signale, die unbedingt gehört werden müssen,
weil Menschen ihre Not und ihre Freude teilen wollen.

Gibt mir Mut und ein gutes Herz,
damit ich mich einbringe und mithelfe,
damit unsere Partner auf der ganzen Welt Deine Mission erfüllen
und ich auch.
Amen.

Lied (Evangelisches Gesangbuch, Nr. 420):
1 Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus.

2 Such mit den Fertigen ein Ziel, brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied.

(geistlicher Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

„Wird an Bord gebetet?“ - Geistlicher Impuls für den 18. Mai 2020

Heute lädt ELM-Direktor Michael Thiel zu einer 20minütigen Andacht auf YouTube ein, die gestern zum Sonntag ‚Rogate‘ zu sehen war. Sie wurde in Zusammenarbeit der Deutschen Gemeinde Den Haag und der Seemannsmission Rotterdam gestaltet von Pfarrer Thomas Vesterling und Seemannspastor Jan Janssen.

Das Thema: Wird an Bord gebetet? Und was braucht es dazu?  Biblische Anregungen zum Gebet, ein Gedankenaustausch und neue Lieder.



Worauf werfe ich mein Vertrauen? - Geistlicher Impuls für den 15. Mai 2020

Jesaja 12,1-6 „Siehe, Gott ist mein Heil. Ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke.“

Ein Satz, der mitunter als Tauf- und Konfirmationsvers genommen wird. Aber vor allem ein Satz, der gesungen werden möchte. Man möchte sich das zu rufen: Wir sind sicher. Wir müssen uns nicht fürchten.

Nichts ist wirklich sicher. Der eigene Partner ist nicht sicher, er kann mich verlassen. Die eigene Gesundheit ist nicht sicher. Das Geld auf der Bank ist nicht sicher, mein Arbeitsplatz, die Freundschaften … Aber was machen wir mit dieser Bestandsaufnahme, dass nichts wirklich sicher ist? Die Frage bei allem bleibt: Worauf werfe ich mein Vertrauen? Wo lege ich meinen Anker fest? „Gott, bei dir bin ich sicher und fürchte mich nicht!“ Was für ein Lebensmotto, für ein Lebenslied. Wisst ihr, ich kann mir viel Schweres für mein Leben ausmalen: den Verlust von Materiellem, vor allem aber auch den Verlust von lieben Menschen. Ich kann mir den Verlust von Gesundheit und Mobilität vorstellen … und all das wünsche ich mir natürlich nicht, aber ich fürchte mich davor nicht. Ich sehne mich danach nicht, aber ich weiß, dass Gott mit mir ist. Ich weiß, dass ich zu ihm sprechen, singen und stottern kann. Ich weiß, dass mein Leben gehalten ist. Und gleichzeitig weiß ich, dass alles, was den Menschen so sicher erscheint, so zerbrechlich ist. Gleichzeitig weiß ich, dass ich mich vor keinem Menschen fürchten muss nur weil er viel Geld hat, viel Macht hat. Gleichzeitig weiß ich, dass ich keinen Börsencrash, keine Inflation, kein Sinken des Bruttosozialproduktes fürchten muss, weil ich auf all das nicht mein Leben setze. Für mich soll immer gelten: „Gott, du bist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht, denn du bist meine Stärke!“ AMEN

(ein gekürzter Predigttext von Torsten Schoppe, Pastor der Heilig-Geist Kirchen-Gemeinde Wolterdingen) 

„Vereint im Gebet für die Menschheit“ - Geistlicher Impuls für den 14. Mai 2020

Der Lutherische Weltbund (LWB) hat sich dem Aufruf von Papst Franziskus und dem Großimam der Al-Azhar-Moschee an die Gläubigen aller Religionen angeschlossen. Sie rufen zu einem weltweiten Gebet für die Menschheit am 14. Mai auf.

Für das ELM haben sich alle Länderreferent*innen der Abteilung Internationale kirchliche Zusammenarbeit und ein Mitarbeiter des ELM in Russland zusammengetan, um für die Geschwister in aller Welt Fürbitte zu halten. Die Federführung für diese gemeinsame Aktion lag bei Indra Grasekamp, ELM-Referentin Weltweite Spiritualität. 
Here you can find the english Version oder hier die Version in Deutsch/Englisch.

Barmherziger Gott,
in dieser Zeit der Ungewissheit und Verwirrung wenden wir uns an dich. Wir bitten für alle Menschen dieser Erde und denken dabei besonders an diejenigen, die unter der COVID-19-Pandemie besonders zu leiden haben.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Wir bitten für die Menschen in Südafrika und Botswana, die vom Lockdown und anderen Sicherheitsmaßnahmen betroffen sind, für die Tagelöhner und Menschen auf den großen Straßen und in den engen Townships, für die, die arbeitslos geworden sind oder sonst ihr Einkommen verloren haben.

Herr, schaffe du Hilfe in dieser Situation, schenke Stärke für die Geschwächten, Hoffnung für die Hoffnungslosen, Schritte für die, die keinen Weg sehen.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Wir bitten für die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik, die kriegsbedingt schon seit Jahren so gut wie kein Gesundheitssystem haben und auch keine ausreichende Nahrungsmittelversorgung.

Wir bitten dich, bewahre und schütze sie vor dem Virus, besonders im grenznahen Gebiet unserer Partnerkirche zu Kamerun, denn hier gibt es bis jetzt die meisten Infektionen.

Gott, lass die Gläubigen in dieser Krise zusammenhalten.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Herr, wir bitten dich für die Menschen in Malawi. Sei du bei den Kranken, Bedürftigen und Verletzlichen. Steh du ihnen bei, stärke sie, lass ihnen Unterstützung zukommen und schenk ihnen Zuversicht.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Guter Gott, wir bitten dich für die Menschen in Äthiopien. Lass sie vereint einen Weg des Friedens zueinander finden. Wir bitten dich für die Menschen in der Regierung Äthiopiens, dass sie alle in ihrem Drängen nach mehr Mitbestimmung und Beteiligung unterstützen, ihre Menschenrechte respektieren und ihre Gesundheit schützen. Wir bitten dich besonders für unsere Partner in der Mekane Yesus Kirche. Stärke sie in dem Bemühen in ihrem christlichen Auftrag den Mühsamen und Beladenen zu Gerechtigkeit zu verhelfen.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Barmherziger Gott, wir bitten dich für die Menschen in Indien. Männer, Frauen und vor allem Kinder, die in den Slums und ländlichen Gebieten leben, sind am stärksten von den Folgen der Krise betroffen, da sie keinen Zugang zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene haben. Die Wanderarbeiter in den großen Städten wollten in ihre Heimatdörfer zurück, doch der Bus- und Bahnverkehr wurde eingestellt. Viele Familien haben auf Grund der Corona Beschränkungen fast keine Lebensmittel mehr zur Verfügung.

Wir bitten dich, schenke du diesen Menschen Kraft und steh ihnen bei.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Guter Gott, wir bitten dich für die Menschen in Brasilien. Schau du in die Favelas, wo Menschen auf engstem Raum leben müssen und sich nicht vor der Krankheit schützen können. Schau in die Häuser zu den Frauen und Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind und schau auf die Straßen auf denen Menschen ohne Einkommen nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Herr, wir flehen dich an, strecke deinen mächtigen Arm über das riesige Land Sibirien. Beschütze all jene, die dich um Gnade bitten, ob in Sibirien oder in der ganzen Welt. Gedenke besonders der Schwächsten, der Senioren, der chronisch Kranken, der Menschen ohne Zuhause und aller, die in lebenswichtigen Bereichen arbeiten. Schenke uns die Achtsamkeit auf das Wohl der Nächsten zu schauen und ein Herz, das sich derer annimmt, die in Not sind.

Gemeinsam rufen wir: Sorge gut, o Gott!

Im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit, gnädiger Gott, beten wir für diejenigen, die in Not sind.

Wir beten als Brüder und Schwestern, egal welchem Glauben wir angehören. Wir beten für ein Ende der tödlichen COVID-19-Pandemie. Gib uns Kraft und Hoffnung und lass uns mutig in eine Zukunft aufbrechen, die du uns zeigen wirst.

Vereint beten wir …

Vater unser …

Amen.

Theater, Theater - Geistlicher Impuls für den 13. Mai 2020

Im vergangenen Jahr bin ich eher zufällig in ein Theater gestolpert. Leer. Keine Vorstellung. Zum größten Teil im Dunkel liegend. Der Hausmeister schaltete mir einen Spot auf die Bühne an. Welch ein Bild! Königlich. Herrschaftlich. Nobel. „Man bringe mir Wein und Wild!“ liegt nahe. Aber niemand da, der das sagen, der das brauche würde. Auch niemand, der es brächte. Ich war versucht, mich weiter in die Bühne hinein zu begeben, zwischen die mächtigen Säulen. Und je näher ich kam, desto mehr wurde auch sichtbar, was eigentlich jeder weiß: Fassade! Pappmache´. Bemalte Leinwand. Großartiger Schein, aber eben Schein – nicht Sein!

Wie lebe ich? Im Schein oder im Sein? Wo lebe ich? In der realen Welt mit ihren unerwarteten Höhen und Tiefen, Herausforderungen und Freuden? Oder versuche ich mir durch Ideale, Ideologien, mit Geld und Wein und Wild eine Welt zu errichten, bei der am besten niemand hinter die Fassade blickt? Eine Welt, in der ich etwas vor-zeige, aber niemand dahinter-schauen darf?

Unser Leben dauert siebzig, vielleicht sogar achtzig Jahre.
Doch alles, worauf wir stolz sind, ist nur Mühe, viel Lärm um nichts!
Wie schnell eilen die Jahre vorüber! Wie rasch schwinden wir dahin!
(P
salm 90,10 (Hoffnung für alle))

Unser Leben, und so empfinden wir es oft, geht viel zu schnell vorüber. Aber was haben wir damit gemacht? Wie haben wir es gestaltet und gelebt? Haben wir gelebt, also Leben mit Frust und Freude, mit Leid und Lachen, mit Haut und Haar?

Heute. Ich habe gerade ein paar von den in diesen Tagen so notwendigen Nase-Mund-Masken bekommen. Liebe Menschen, die sie nähen können, haben sie gemacht. Nicht um Geld zu verdienen, sondern weil sie merkten, wie wichtig für unser Miteinander diese kleinen Stückchen Stoff in diesen Tagen sind. Und ich bin ihnen dankbar. Ich merke, dass ich selber gefragt bin, für andere da zu sein, nachzufragen, ob ich helfen kann. Auch bei Menschen, die ich vorher nur gegrüßt habe, aber sonst nicht weiter kannte. Ich sehe Bilder von Menschen, die an Leinen leere Körbe vom Balkon herunter lassen und Menschen, die diese Körbe mit Lebensmittel befüllen. Eine zusätzlich gekochte Mahlzeit für die alte Dame im dritten Stock in der Altbausiedlung, die nicht mehr herunter kann und zu der niemand hinauf darf.

Ich freue mich, wenn ich das sehe! Und ich bin nicht alleine damit; nicht mit dem Nehmen, nicht mit dem Geben, nicht mit dem Freuen! Wir entdecken unser Miteinander neu, wir gestalten es zum Teil wie vor vielen Jahren und dabei doch ganz anders, ganz neu. Und es tut gut zu erfahren: Das bin ich, der/dem geholfen wird. Das bin ich, die/der helfen kann und mit so viel Freude und Dank belohnt wird. Das bin ich, die oder der für andere plötzlich wertvoll ist und das Leben reich macht! Leben tut gut!

Es tut gut zu erfahren, wie sehr wir bereit sind, füreinander da zu sein. Keine stolze Fassade, hinter die besser niemand blickt! Mein Leben geht schnell genug dahin. Ich will es gar nicht füllen mit vermeintlichem Stolz auf …, mit Mühe um irgendetwas und viel Lärm um nichts, wie der Psalm ermahnt. Nein, ich will Leben wie Gott es mir gibt, auch mit Frust und Freude, mit Leid und Lachen, mit Haut und Haar. Dass ich das darf, dafür bin ich Gott dankbar!

(ein geistlicher Impuls von Michael Schultheiß, Referent für Globale Kulturelle Vielfalt; Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

Mir fehlt etwas - Geistlicher Impuls für den 12. Mai 2020

Mir fehlt etwas (von H.J. Eckstein)

Wenn uns die Zuversicht ausgeht
und wir keine mehr sehen,
dann fehlen uns in Wahrheit
auch Glaube und Liebe.

Wenn wir
niemandem mehr
glauben können
das Vertrauen fehlt,
dann ist das zugleich
ein Anzeichen
für einen Mangel an
Liebe und Hoffnung.

Denn wenn wir uns
geliebt wissen,
dann können wir
auch hoffen,
und wenn wir lieben,
dann sind wir
voll Vertrauen.

Quelle: „Himmlisch menschlich – Von der Stärke der Schwachheit“, Hans-Joachim Eckstein, 2007, Hänssler Verlag

(gefunden von H. Rose, Referentin Armut und Friedensarbeit international; Ökumenische Zusammenarbeit Zentralafrikanische Republik) 

Aufbruch mit Gottes Segen - Geistlicher Impuls für den 11. Mai 2020

In der letzten Woche war der Geburtstag von Ludwig Harms, dem Gründer der Hermannsburger Mission. ELM- Direktor Michael Thiel erinnert daran und zeigt, wie der Aufbruch von damals heute Mut macht (mp3 - ca. 1:30 Min).

Schaut die Lilien auf dem Feld an - Geistlicher Impuls für den 8. Mai 2020

Lilien erinnern mich oft an Momente in Äthiopien, in denen ich an stillen, einsamen Orten ganz unvermittelt vor ihnen stand. Die letzten Lilien, die mir sehr in Erinnerung geblieben sind, standen in Südafrika, in einem Gästehaus in Kapstadt. Ein grün-weiß-orangerotes Farbspiel, grazil, majestätisch, ... irgendwie faszinierend.

Und jetzt – habe ich meine aktuelle Dienstreise absagen müssen wegen Corona. Natürlich frage ich mich: wann sehe ich die Geschwister in Südafrika wieder? Eigentlich wollte ich doch Projekte besprechen, wollte mir die Herausforderungen, mit denen viele leben müssen, genauer ansehen, … Und jetzt bin ich herausgefordert. Zu warten. Abzuwarten. Geduld zu haben. Einzusehen, ich kann nur sehr bedingt handeln. Nicht nur in Bezug auf Südafrika, sondern auch in meinem Alltag hier in Deutschland. Ich würde gerne … so manches auf den Weg bringen und es geht nicht!

Und dann fallen mir die Lilien wieder ein:
Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: 
Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 
Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit 
nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. (Matthäus 6,28)

Ich würde gerne …, aber vielleicht muss ich gar nicht! Vielleicht ist es einfach gut, auch einmal wahrzunehmen, dass Gott seinen Teil dazu beiträgt, dass mein Leben gelingt. Nein, das Wort redet nicht von Faulheit und Hände in den Schoß legen! Aber es redet von Vertrauen! Von dem Vertrauen in Gott, der mir sagt: Nicht alles hängt von Dir ab! Du bist nicht für alles verantwortlich! Die Grundlage Deines Lebens ist gelegt mit meinem, Gottes Wort und Handeln! Und da heraus kann sich Unglaubliches entwickeln!

Die Lilien sind nicht faul. Sie tun einfach das, was sie können. Sie stärken sich an dem, was Gott ihnen zukommen lässt, sie entfalten sich in aller Stille und werden zu einer ungeahnten Pracht, sie sind Zeichen für Gottes Handeln!

Vielleicht ist jetzt auch für mich die Zeit, nicht alles im Griff zu haben, sondern mich halten zu lassen, mich getragen zu wissen, die Sicherheit im Vertrauen auf Gott neu zu entdecken. Vielleicht ist jetzt die Zeit in Gebet, Andacht und brieflichem Austausch mit den Geschwistern gemeinsam zu entdecken: Letztlich sind wir Gottes Geschöpfe. Niemand besser, niemand schlechter. Wir haben die gleiches Basis, die uns stärkt und verbindet. Und jetzt schauen wir, wie wir im Vertrauen auf ihn neue Ideen entwickeln können, einander an Gottes Güte teilhaben zu lassen.

Gebet:
Herr schenke uns Vertrauen, Geduld und Weisheit zur rechten Zeit in guter Weise wieder zu handeln. AMEN.

(ein geistlicher Impuls von Michael Schultheiß, Referent für Globale Kulturelle Vielfalt; Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

Leben nach Ostern - geistlicher Impuls für den 7. Mai 2020

Als die ersten Christen sich nach der Entdeckung des leeren Grabes gefasst hatten und der Botschaft der Engel Vertrauen schenkten, da „blieben sie beständig beieinander in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und Gebet“ (Apostelgeschichte 2, 42).

Das ist eine normale Reaktion. Wenn wir verunsichert sind, Trauer oder Freude teilen wollen, Ermutigung suchen oder einfach leben wollen, dann kommen wir mit anderen Menschen zusammen. Vor allem in der Familie, aber auch in der Gemeinde, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz.

In diesen Tagen ist das oft nicht möglich. Wir sollen Abstand halten, um der Gefahr einer Ansteckung zu entgehen, oder andere selbst nicht an zu stecken. Obwohl ja gerade in solchen Situationen Menschen normalerweise zusammen kommen würde. Jetzt heißt es Hilfe durch Abstand.

Allerdings entstehen ganz neue Begegnungen. Da wird telefoniert, Gottesdienste und Andachten per Video übertragen, Nachbarn helfen sich beim Einkaufen und vielleicht werden sogar wieder Briefe geschrieben.

Im Büro sehen wir uns im Moment auch weniger. Und das, obwohl wir Anfang März gerade in der Gesamtklausur einen guten gemeinsamen Start für gemeinsame Arbeit in Zukunft gemacht haben.

Was können wir nun „zusammen“ machen. Neben unserer Arbeit, die ja nach wie vor arbeitsteilig, manchmal von zu Hause, erledigt wird, lohnt es sich miteinander zu sprechen, wo immer das geht. Aber wir können auch zusammen bleiben, indem wir für uns und für unsere Arbeit, die Partner und Projekte beten. Diese tun das auch für uns, wie wir aus vielen Mails erfahren. So sind wir, wie die ersten Christen, auf besondere Art miteinander verbunden. Wir sind durch Christus verbunden, der für uns HERR ist, Herr dieser Situation, Herr, der uns beauftragt und sendet. Herr, der uns Kraft und Freude gibt, Phantasie für ein Zusammen sein, bei gleichzeitig physischer Distanz.

Auch davon finden wir Berichte im Neuen Testament, wenn der Apostel Paulus zum Beispiel an Timotheus im 2. Brief schreibt:
„Ich danke Gott, dem ich diene von meinen Vorfahren her mit reinem Gewissen, wenn ich ohne Unterlass deiner gedenke in meinem Gebet, Tag und Nacht.  Und wenn ich an deine Tränen denke, verlangt mich, dich zu sehen, damit ich mit Freude erfüllt werde“.

Sehr schön drückt diese Verbindung über Entfernung dieses Abendlied aus:

Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen
und wird vom Dunkel überweht;
am Morgen hast du Lob empfangen,
zu dir steigt unser Nachtgebet.

Die Erde sieht dem Tag entgegen,
wir ruhen aus in dieser Nacht
und danken dir, wenn wir uns legen,
für deine treue Hut und Wacht.

Denn unermüdlich, wie der Schimmer
des Morgens und die Erde geht,
ist immer ein Gebet und immer
ein Loblied wach, das vor dir steht.

Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben
den Menschen überm Meer das Licht;
und immer wird ein Mund sich üben,
der Dank für deine Taten spricht.

Gebet:

Gott allen Lebens überall auf der Welt,
durch dich sind wir verbunden in der Hoffnung auf einen neuen Tag.
Dir befehlen wir alle Kolleginnen und Kollegen an, die heute zu Hause und im Büro ihre Arbeit tun.
Wir bringen dir die Gedanken und Überlegungen der Verantwortungsträger in Gesellschaft, Politik und Kirche überall auf den Kontinenten und bitten Dich: Gibt Mut, Kraft zur Entscheidung, Liebe zu den Menschen und Phantasie für Lösungen.
In Dir sind wir geborgen, überall.
Amen.

(geistlicher Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

Ein Angebot der Entspannung - Geistlicher Impuls für den 6. Mai 2020

Den folgenden Text von Sarah Young hat H. Rose entdeckt und uns zur Veröffentlichung auf dieser Seite vorgeschlagen:

Halte meine Hand und gehe fröhlich mit mir durch diesen Tag. Gemeinsam werden wir die Freuden genießen und die Schwierigkeiten ertragen, der er bringt. Halte Ausschau nach allem, was ich für dich vorbereitet habe: faszinierende Landschaften, aufregende Abenteuer, gemütliche Nischen zum Ausruhen wenn du müde bist, und vieles mehr. Ich führe dich den Weg entlang und bin gleichzeitig dein ständiger Begleiter. Ich kenne jeden Schritt des Weges, der vor dir liegt, die ganze Strecke bis zum Himmel.

Du musst dich nicht entscheiden, ob du nahe bei mir oder auf dem Weg bleibst. Da ich der Weg bin, bleibst du auf dem Weg, wenn du nahe bei mir bleibst. Wenn du deine Gedanken auf mich richtest, werde ich dich liebevoll durch das Heute führen. Mach dir keine Sorgen darüber, was hinter der nächsten Ecke auf dich wartet. Konzentriere dich einfach darauf, meine Gegenwart zu genießen und in meinem Tempo voranzugehen.

Quelle: „Ich bin bei dir – 366 Liebesbriefe von Jesus“, Sarah Young, 2004, Verlag Gerth Medien.

(H. Rose, Referentin Armut und Friedensarbeit international; Ökumenische Zusammenarbeit Zentralafrikanische Republik) 

Zurück zur Normalität. Oder doch nicht? - Geistlicher Impuls für den 5. Mai 2020

Zurück zur Normalität. Diesen Seufzer haben in den letzten Wochen viele Menschen in sich gespürt. Wann wird das Leben wieder normal? In die Normalität des Hochgeschwindigkeits-Lebens wurde wie in einem Räderwerk, das immer schneller lief, eine schwere Eisenstange geworfen – und das Räderwerk kam zum Stillstand.

Bei den Fridays for future Demonstrationen vor einem Jahr hätte sich niemand in den kühnsten Träumen auszumalen gewagt, dass heute die Lagune von Venedig wieder klar ist und Fische sichtbar geworden sind. Das Meer am Strand von Mallorca schillert karibikblau. In Neu-Delhi und vielen anderen luftverschmutzten Städten dieser Welt kann man wieder einen blauen Himmel sehen. Der Flugverkehr ist um über 90% eingebrochen. Der CO2-Ausstoß ist deutlich reduziert. Die Wirtschaft auch. Vor COVID-19 stöhnte und ächzte der Planet. Die Natur hat nun eine überfällige Pause erhalten. Dafür ächzt jetzt die Wirtschaft. Damit sorgen sich nun alle, die von der Normalität der Wirtschaft ein manchmal gutes, aber leider oft genug ein eher schmales Einkommen erarbeiten.

Manche Kinder, die ihren Papa oder ihre Mama überwiegend von kurzen Guten-Morgen-Grüßen kennen, konnten in den letzten Wochen ganz neues Familienleben kennenlernen. Manche Kinder leiden schlimm, weil ihre Fluchträume geschlossen sind und sie zu Hause unbeobachtet den älteren Familienmitgliedern ausgeliefert sind. Es sind die Schwächsten in der Welt, die am stärksten unter der Krise zu leiden haben. Eine große soziale Ungerechtigkeit.

Welche Normalität wird also gewünscht? Zu welcher „Normalität“ will ich zurückkehren?

Alle nutzen die Zwangsfreizeit der letzten Wochen auf eigene Weise. Man kann ja nirgendwo hin am Feierabend und Wochenende. Die Pianistin Helène Grimaud hat auf die Frage, wie sie ihre Zeit nutze geantwortet: „I am working on becoming a human being as opposed to a „human doing“.“ Das ist gut genutzte Zeit, finde ich. Ich habe diese Zeit genutzt, um darüber nachzudenken, was im Leben letztendlich wichtig ist. Dabei habe ich das Buch der Sprüche im Alten Testament wiederentdeckt. Diese Jahrtausende alte Weisheit ist deutlich mehr als eine „Weisheit für Dummies-Sammlung“. Weisheit ist ein Baum des Lebens für diejenigen, die sie erfassen (Sprüche 3,18). Und leben wollen wir doch, oder? Deswegen halten sich die meisten sehr gefügig an die Abstandsregeln und nehmen große Einschränkungen ihrer Grundrechte in Kauf.

Gott hat den Menschen eine Wahl und eine Forderung gestellt. Die Wahl zwischen Leben und Tod. Die Wahl zwischen Segen und Fluch. Seine Forderung ist: Wählt das Leben, damit ihr und eure Nachkommen am Leben bleiben. Entschließt euch dem Herrn, euren Gott zu lieben und ihm zu gehorchen und euch ihm ganz anzuvertrauen, denn er ist unser Leben. (vgl. 5. Mose 30,19+20 NLB)

Gottes Wunsch ist eigentlich einfach: Wir sollen die Schöpfung achten und bewahren. Wir sollen Gott vertrauen, ihm die Autorität im persönlichen Leben zugestehen und ihn lieben. Daraus fließt dann die Fähigkeit die Schöpfung zu lieben, andere zu lieben und uns selbst. Das ist gut für mich selbst, für den Planeten und für eine soziale Gerechtigkeit. Meine These ist, dass je mehr Menschen diese Weisheit als „Baum des Lebens“ zur Grundlage ihrer alltäglichen Verhaltensentscheidungen in einer neuen Normalität machen, desto besser geht es dem Planeten und der Gerechtigkeit in der Welt.

(ein geistlicher Impuls von H. Rose, Referentin Armut und Friedensarbeit international; Ökumenische Zusammenarbeit Zentralafrikanische Republik) 

"Ganz neu" - Geistlicher Impuls für den 4. Mai 2020

Die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden:
die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.
       (Psalm 107,3.8)

Es ist schon eine ungewöhnliche Zeit, in der wir leben. Wir haben Kontaktsperren – auch wenn sie nach und nach aufgehoben werden. Und wir sehnen uns nach Kontakt, nach dem/der anderen.

Dabei schien es diese Sehnsucht vor Corona gar nicht so auffällig zu geben. Wir gingen auf der Straße grußlos aneinander vorüber, oft auch an Nachbarn. Gegenwärtig grüßen wir und werden gegrüßt. Die Kassierer*innen und Mitarbeitenden in den Supermärkten wurden kaum wahrgenommen. Heute verabschieden wir uns mit „Bleiben Sie gesund!“. Viele Schüler*innen gingen, mit Blick fest aufs Smartphone gerichtet, nebeneinander her auf dem Schulhof, heute stehen sie – mittlerweile mit Mundschutz – unter den Laternen und vor Hauseingängen und finden in ihren Gesprächen kaum ein Ende. Ich freue mich an dem Gegenüber, das mir Aufmerksamkeit schenkt, mich fragt, wie ich umgehe mit dieser fremden Situation. Und ich schenke meinem Gegenüber Aufmerksamkeit. Wie kommt er oder sie mit dieser Situation zurecht?

Wir alle stellen fest: das Leben ist anders geworden, nicht in Randbereichen, sondern in der Mitte. Es fordert uns heraus, es geht zum Teil „ans Eingemachte“, an die Substanz. Und wir merken, wir brauchen einander. Wir können einander helfen. Das tut gut! Ich muss gar nicht alles alleine meistern! Da steht mir jemand zur Seite und zeigt, dass ich auch ihm zur Seite stehen kann.

Wir beginnen ganz neu, uns der Welt, in der wir leben, bewusst zu werden. Wir entdecken unsere eigenen  und die Gefühle der anderen neu. Wir sorgen uns um die Seelen der Kinder, die Entfaltung der Schülerinnen und Schüler, und uns wird auf einmal bewusst, wie sehr wir auch sie achten sollten, damit sie gut durch schwere Zeiten kommen. Wir sorgen uns um die Schwächeren in der Gesellschaft und merken, wie sehr wir mit ihnen verbunden sind. Wir lesen einander Geschichten vor, singen -  verbunden über moderne Medien - Lieder miteinander, feiern sogar miteinander auf 500 Meter und auch auf 500 km Entfernung.

Ja, es stimmt, diese Zeit fordert uns heraus. Und: Ja, es stimmt, ich fühle mich, trotz alledem, ganz neu beschenkt! Was entdecke ich alles im Gesicht meines Gegenübers, in den Reaktionen des Nachbarn. Wie deutlich höre ich, auf einem der sonst seltenen Spaziergänge, das Zwitschern der Vögel, höre das Aufbrechen der Zapfen an den Bäumen in der Wärme der ersten kräftigen Sonnenstrahlen. Was hat Gott da alles um mich herum geschaffen! Was hat Gott mir alles auf den Weg durch das Leben gegeben! Wie viel Güte und Freude begegnet mir in den Menschen, an denen ich vor wenigen Monaten noch achtlos vorübergegangen bin!

Und ich freue mich auf die Zeit, in der wir wieder direkt zusammenkommen, einander in den Arm nehmen und an den Händen halten können! Welch ein Geschenk!

Ich hoffe, ich kann mir viel von den Entdeckungen dieser Zeit  bewahren für die Zeit, in der das Haus Gottes, mein Haus, die Orte des Lebens wieder voll werden.

AMEN.

(ein geistlicher Impuls von Michael Schultheiß, Referent für Globale Kulturelle Vielfalt; Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

„Wir waschen die Hände in Liebe“ - Schmunzel-Impuls für den 3. Mai 2020

Die Liedstrophe des Grafen Nikolaus Ludwig von Zinzendorf „Herz und Herz vereint zusammen“ (EG 251) gilt manchen als die Hymne der Brüdergemeinde der Herrnhuter. Mitten in der Corona-Krise hat June Edwards mit Schwestern und Brüder in Nordamerika die Liedstrophe umgedichtet und neu gesungen.

Mit einer Anmeldung auf Facebook können Sie sie hören: https://www.facebook.com/MoravianBCM/videos/236454457441156/?v=236454457441156

Ansonsten hier der Text im englischen Original und einer deutschen Übersetzung:

Christian Hands In Love We’re Washing
A Pandemic Hymn For Holy Humor Sunday
By June Edwards

Christian hands in love we’re washing
We’re adorned with mask and glove
Social distance is required
To proclaim the Savior’s love.
Learning Zoom & Skype & Morse code
Sharing blogs and twittered memes
Help us all to feel connected
While we COVID quarantine.

Separated yet united
By faith in our risen Lord
May we learn God’s grace and bounty.
Isn’t ours to take and hoard.
Whether it be food or favor
Medicine or new vaccine,
May we share what you provide us
To survive COVID 19.

 

Christ*innen, wir waschen die Hände in Liebe
Eine Pandemie-Hymne für den heiligen Sonntag des Humors
(1. Sonntag nach Ostern) von June Edwards

Wir waschen die christlichen Hände in Liebe
Wir sind geschmückt mit Maske und Handschuh
Soziale Distanz wird benötigt
Um die Liebe des Heilands zu verkünden
Wir lernen Zoom & Skype & Morsealphabet
Teilen Blogs und twittern Memes (lustige Anspielungen)
Hilf uns allen, uns verbunden zu fühlen
Während wir in COVID-Quarantäne sind.

Getrennt und doch vereint
durch den Glauben an unseren auferstandenen Gott
können wir Gottes Gnade und Großzügigkeit lernen.
Es ist nicht unsere Art, zu raffen und zu horten;
seien es Essen oder Gefälligkeiten,
Medizin oder ein neuer Impfstoff.
Mögen wir teilen, was Du uns bereitstellst,
um COVID-19 zu überleben.

„Und da er sie sah …“ – Impuls für den 30. April 2020

Die zehn Aussätzigen (Lukas 17, 11-14): „Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.“

Jesus sieht die aussätzigen Männer und „da er sie sah“ gibt er ihnen einen Auftrag. Es ist eigentlich nur ein Augenblick. Jürgen Werner beschreibt in seinem Buch „Tagesrationen“ den Augenblick, der immer zwei Seiten hat: das Schauen und das Angeschaut werden. Beides gehört zum Blick, macht ihn erst vollständig. Wir begreifen mit den Augen. Wenn wir einen Gegenstand oder einen Menschen betrachten, erschließt er sich uns. Und indem er sich uns erschließt, fordert er unsere ganze Aufmerksamkeit. In diesem Prozess fallen Aktiv und Passiv zusammen, ohne dass es möglich wäre, das eine vom anderen genau zu unterscheiden.

Davon handelt die Begegnung Jesu mit den aussätzigen Menschen. Ein „Augenblick“ des Erkennens. Er überwindet Distanz und Ausgrenzung. Ein Augenblick, der eine Beziehung stiftet und Leben verändert. Jesus sieht einen Menschen an. Auch heute, jede und jeden von uns.

Singen Sie gerne noch aus dem Lied von Wolfgang Schulz-Pagel (vgl. Freitöne 136):
1. Du siehst mich, wo ich lebe. Du hörst mich, wo ich singe.
Du liebst mich, schenkst mir Freude. Ich danke dir dafür.
2. Du siehst mich, wo ich fehle. Du hörst mich, wo ich schweige.
Du liebst mich, schenkst mir Nähe. Ich danke dir dafür.
3. Du siehst mich, wo ich helfe. Du hörst mich, wo ich bete.
Du liebst mich, schenkst mir Weite. Ich danke dir dafür.

Achten Sie auf die „Augenblicke“ heute.
Und wenn Sie mögen, schreiben Sie uns davon!
(direktorat(at)elm-mission.net)

(Gedanken von Michael Thiel, ELM-Direktor)

 

Buchtipp: Jürgen Werner, Tagesrationen – Ein Alphabet des Lebens, Frankfurt/Main 2014 Tertium Datur Verlag
„Nicht die Anschauung allein, sondern auch deren Erwiderung: angeschaut zu werden, umschreiben den Blick erst vollständig. Zur Empfindsamkeit des Sehens gehört, dass es sich beeindrucken lässt. Es lohnt, hier weniger konstruktivistisch zu denken. Im selben Maße, wie wir mit unseren Augen einen Gegenstand ergreifen, scheint er sich uns zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise erzwingt er die ganze Aufmerksamkeit, so dass wir anders als beim flüchtigen, schweifenden Erfassen für Zeitbruchteile nicht anders können als uns in schönster Einseitigkeit hinzuwenden. Etwas verlangt, dass wir uns konzentrieren. Hier fallen Aktiv und Passiv zusammen, ohne dass es möglich wäre, genau zu unterscheiden. Der Augenblick ist jener Moment, in dem sich die Frage nicht mehr stellt, wer angefangen hat, weil in ihm ein Einverständnis darüber herrscht, dass es richtig ist, sich nur um das zu kümmern, was sich unmittelbar offeriert und bestenfalls offenbart.“

„Befreit vom Ich“ – Geistlicher Impuls für den 29. April 2020

O Lord, my God, when I in awesome wonder
consider all the worlds Thy Hands have made
I see the stars, I hear the rolling thunder
Thy power throughout the universe displayed:
Then sings my soul, my Saviour God, to Thee
How great Thou art, how great Thou art
Then sings my soul, my Saviour God, to Thee
How great Thou art, how great Thou art.

(Oh Herr, mein Gott, wenn ich ehrfurchtsvoll all die Welten bewundere, / die deine Hände geschaffen haben, / wenn ich die Sterne sehe, den rollenden Donner höre, / und deine Macht im ganzen Universum gegenwärtig ist, / dann singt meine Seele, mein Erlöser, zu Dir: / Wie großartig Du bist, wie großartig Du bist.)

Keinen Gottesdienst in Südafrika habe ich gehalten, ohne dieses Lied zu singen. Es ist mein Favorit. Und sein Refrain ist mir fast wie ein Herzschlag geworden.

Ich habe mich drangemacht, Tomaten selbst zu ziehen. Aus den kleinen Samen sind bereits Pflanzen geworden. Wenn alles gut geht, dann werde ich in einigen Wochen meine eigenen Tomaten ernten können. Sie sind bereits in dem einen Samenkorn enthalten. Für mich ein unglaubliches Wunder. Ein ganzes Tomatenuniversum ist in dem trockenen Korn enthalten. Wie großartig hat Gott das angelegt!

Immer wieder hatten wir in den letzten Wochen sternenklare Nächte. Ich sitze auf meiner Terrasse und schaue einfach nur in den dunklen und doch hellen Himmel. Unendliche Weiten umgeben mich. Lichtjahre entfernt sind die Sterne. Unfassbar für mich. Nichts bin ich angesichts der Größe und Weite des Universums. Und doch bin ich da. Lebe. Habe einen Herzschlag. Darf mein Leben gestalten. Ich habe einen Namen. Bin gerufen worden in das Leben von Gott.

Das kleine Korn voller Leben. Das unendliche Universum, in dem ich leben darf. Angesichts solcher Wunder kann ich nur still werden, demütig sein. Und dankbar sein. Dankbar, dass am Ende das Leben nicht von mir abhängt. Das Leben wird sich immer wieder durchsetzen. Vielleicht anders, als ich es gewohnt bin. Aber ich glaube, dass ich in all dem nicht auf mich alleine gestellt bin, sondern eingebunden bin in das große Lebenswerk dessen, den ich als Schöpfergott anerkenne. Eine größere Freiheit kann ich mir nicht vorstellen, denn ich bin befreit von mir selbst. Befreit für das Leben. „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (Psalm 8,4.5).

(Gedanken von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

Zum Hineinhören:



Umgang mit erwarteter Trauer nach der Abriegelung – ein geistlicher Impuls für den 28. April 2020

„Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“ (Psalm 34,19)

Kürzlich erreichte uns ein Text von Johan Robyn, Programmbereichsleiter und Seelsorger der Outreach Foundation (LCOF) in Hillbrow/Südafrika. Wir teilen ihn an dieser Stelle mit Ihnen:

Das Corona-Virus (COVID-19) diskriminiert nicht, es kann jeden befallen. Die Auswirkungen des COVID-19-Virus auf die Menschheit werden in allen Bereichen der Gesellschaft immens spürbar sein. Am stärksten wird sich meiner Meinung nach die psychische Gesundheit darauf auswirken, wie wir als globale Gesellschaft effektiv mit unserer Trauer umgehen. Auf globaler Ebene liegt der Schwerpunkt jetzt auf der physischen Abschottung, der Abflachung der Infektionskurve und der Rettung der Volkswirtschaften, aber in Gesellschaften nach der Abschottung schätze ich, dass bei der gegenwärtig hohen Sterblichkeitsrate die größte Herausforderung global darin bestehen wird, wie wir als Welt und Gesellschaft mit unserer erwarteten Trauer geistig umgehen.
Die Art und Weise, wie wir mit unserer zu erwartenden Trauer umgehen, hängt davon ab, wie mental stark wir als globale und lokale Gesellschaft sind.

Als Symbol der Trauer um ihren Tod würdigte die chinesische Regierung öffentlich die über 3.000 Todesfälle, die sie erlebt hat. Mit diesem Akt wurde auch die Trauer der Bürger und des Landes gewürdigt. Irgendwie war dies öffentlich ein Schritt in die richtige Richtung im Umgang mit der Trauer, aber wie steht es damit, dass der Einzelne nach Hause geht in diesen leeren Raum, der einst von einem geliebten Menschen bewohnt wurde, der gestorben ist?

Weltweit sind bereits über 200.000 Menschen an diesem Virus gestorben. Man mag denken, dass der Prozentsatz im Vergleich zu den Zahlen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, nicht so hoch ist, aber wenn man die psychischen Auswirkungen berücksichtigt, die es für die mehr als 200.000 Familien hat, wenn man nicht trauert und sich mit seiner Trauer auseinandersetzt, wird einem klar, welche direkten Auswirkungen dies auf eine ohnehin schon verkrüppelte Arbeitnehmerschaft in den krisengeschüttelten Volkswirtschaften weltweit haben wird.

Während meines Deutschlandbesuchs 2014 besuchte ich das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Nähe von Hermannsburg. Der Reiseleiter erwähnte in seinem vorhersehbaren und vorgeschriebenen Skript, dass Tausende von Menschen in nicht gekennzeichneten Gräbern begraben sind. Dennoch konnte ich in seiner Stimme die unbehagliche Anteilnahme der Trauer und des Kummers hören, auf die nicht angemessen reagiert wurde. Eine Trauer, die die jüdische Nation regelmäßig besucht und mit der sie auch heute noch zu kämpfen hat.
In ähnlicher Weise verbergen sich hinter den Museen und den kalten Steinstatuen zum Gedenken an den Völkermord in Ruanda 1994, bei dem Millionen Menschen brutal getötet wurden, Gefühle der Trauer, die von den Zurückgebliebenen nicht verarbeitet wurden. Dasselbe gilt für den Tsunami vor einigen Jahren, der Millionen von Menschen tötete, oder auch für den Ausbruch der Ebola. Die Liste kann leider noch länger fortgesetzt werden.

Wie gehen wir also mit der erwarteten Trauer um?
Elizabeth Kübler-Ross hat uns in ihrem tiefgründigen Werk „Tod und Sterben“ mit ihrer Theorie der fünf Phasen der Trauer, nämlich Leugnen, Wut, Depression, Verhandeln/Entscheiden und Akzeptieren, auf eine Reise der Trauer geführt. Obwohl ihre Sterbephasen kein strenger Prozess sind, der zur Akzeptanz führt, kann man sie auch als einen Auf- und Abwärtsprozess sehen.

Auf globaler und lokaler Ebene werden die Welt und unsere Gemeinschaften in der Zeit nach dem COVID-19-Virus mit Depressionen und Verhandlungen zu kämpfen haben.
Dies wird zum einen auf die zwei Meter soziale Distanzierung zurückzuführen sein, für die wir sorgen mussten und die dazu geführt hat, dass wir die emotionale Berührung und Präsenz verloren haben, die im Umgang mit dem Tod so entscheidend sind, und zum anderen auf den Verlust unserer traditionellen Trauerrituale. Es sind diese Rituale, die uns durch Kübler-Ross' Todesstadien und schließlich zur öffentlichen Akzeptanz führen.

In den Nachrichten wurde zum Beispiel Anfang April erwähnt, dass in Ecuador täglich 30 Menschen sterben. Die örtliche Leichenhalle hat keinen Platz für die Verstorbenen, so dass die Regierung Todeslager für 2.500 bis 3.000 Leichen errichten musste. Das ist äußerst traurig, und ich bin sicher, dass die Familien darum kämpfen werden, mit dem Tod ihrer Angehörigen fertig zu werden.

Da wir nicht in der Lage sind, mit der zu erwartenden Trauer wirksam umzugehen, wird sich unsere ohnehin schon zerrissene moralische Faser weiter in ein irreversibles Stadium unserer geistigen Schwäche aufspalten.
Es ist kompliziert und schwierig, die Zahl der Menschen vorherzusagen, die an den Folgen dieses Virus sterben werden, aber bei den derzeitigen Infektionsraten, die wir bisher erlebt haben, kann man meiner Meinung nach mit Sicherheit sagen, dass das Schlimmste noch vor uns liegt. Und weltweit werden nach der Abriegelung unsere größten Herausforderungen nicht nur die verursachten wirtschaftlichen Turbulenzen sein, sondern auch, wie wir mental mit der Trauer umgehen. Rund drei Millionen Menschen sind bisher mit dem COVID-19-Virus infiziert, und Hunderttausende sind, da bin ich mir sicher, von den durch das Virus verursachten Todesfällen betroffen.

Die Gedanken der Outreach Foundation sind bei allen unseren Nutznießer*innen, Partner*innen und Sponsor*innen. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft gute Gesundheit.
Denken Sie daran: Bleiben Sie sicher, halten Sie Abstand und waschen Sie sich regelmäßig die Hände!

„#andratuttobene# - Alles wird gut“ – Geistliche Gedanken zum 27. April 2020

Während der schwersten Zeit in der Corona-Krise, als Tausende auf den Intensivstationen um ihr Leben kämpften, verbreiten die Italiener diesen Slogan in den sozialen Netzwerken.
Auch hier bei uns ist dieser Satz oft zu hören. Manchmal ist er nur so daher gesagt. Manchmal sprechen wir uns damit Mut zu.

In Benevento in der Nähe von Neapel steht ein Mann mit seiner Tochter auf dem Balkon seiner Wohnung. Er mit einer Handtrommel, sie mit einem Tamburin. In der Straße gehen andere Balkontüren auf, Nachbarn holen ebenfalls Schlaginstrumente raus und beginnen mitzusingen. So ist es auf YouTube zu sehen.
Am Ende bejubeln sie sich alle gegenseitig für ihr spontanes Balkonkonzert gegen häusliche Einsamkeit in Zeiten des Corona-Virus.

Es ist eines von vielen Beispielen, wie die Italiener versuchen, der derzeitigen Ausgangssperre mit Humor und Kreativität zu trotzen.
„Alles wird gut“ ist auch als Slogan auf Zetteln an Wohnungstüren zu sehen und auf von Kindern bunt bemalten Bettlaken, die über Balkongittern hängen.

Wird alles gut?
Angesichts der täglichen Meldungen in auf allen den Medien kann ich das nicht wirklich glauben. Worte wie Reproduktionsrate, Maskenpflicht und Rezession schwirren in meinem Kopf umher und machen mir Angst.
Ich will daran glauben, dass alles wieder gut wird, weil es so viele Zeichen der Hoffnung gibt, so viele Beispiele, wo Menschen füreinander sorgen, sich um andere kümmern. Nur mit dieser Hoffnung im Herzen ist es mir möglich weiterzumachen, den täglichen Herausforderungen zu begegnen.

Mir helfen die Menschen, die auf den Balkonen musizieren. Auch in meiner Nachbarschaft gibt es sie. Jeden Abend freue ich mich darauf. Und manchmal stimme ich mit ein und singe (vgl. EG 482,7):

So legt euch denn ihr Brüder (Schwestern)
in Gottes Namen nieder,
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns Gott mit Strafen
und lass uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbarn auch.

(Ein Impuls von Ulrike Burmester, Teamassistentin im ELM-Direktorat)

„Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“ – Geistlicher Impuls für den 24. April 2020

Angst regiert die Welt, so scheint es mir in diesen Tagen. Und sie trägt einen Namen: COVID-19. Sie führt Regie in der Politik, in der Wirtschaft, im sozialen Miteinander der Gesellschaft. Sie bestimmt das Verhalten der Menschen, bringt sie auf Abstand, schürt Verunsicherung bis hinein in die Familien: Wie schütze ich meinen greisen Vater, die hochbetagte Großmutter, die krebskranke Tochter, den asthmatischen Sohn vor Ansteckung, schwerer Erkrankung und womöglich Tod?

Wir müssen sie schützen, heißt es, darum sei es nötig, sie fernzuhalten von den potenziellen Virusträger*innen, denn sie seien besonders verletzbar, und ein Ausbruch der Krankheit in einem Senior*innenheim kann verheerende Folgen haben, wie wir mittlerweile wissen. Aber eben auch die Angst davor. Sie schafft Isolation, Vereinsamung, Depression. Fast scheint es, als wolle man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Ein echtes Dilemma!

Mein Verstand sagt „Ja!“ zu all den Maßnahmen, die jetzt ergriffen wurden. Und wer will ernsthaft widersprechen, wenn es um den Schutz der besonders zu schützenden Risikogruppen geht. Was liegt da näher, als sie von dem fitten, vermeintlich weit weniger gefährdeten Teil der Bevölkerung zu isolieren, damit dieser tun kann, was zum Erhalt von Existenzen und unseres Wohlstands nötig ist, ohne das Leben der Alten und Kranken zu gefährden. Und doch, mir blutet das Herz!

Wie sehr fehlt es mir, meinen 93-jährigen Vater besuchen zu dürfen, ihn zu berühren, die Hand zu halten, Trost zu spenden und zu empfangen. Und manchmal beschleicht mich die Frage, was mehr wiege, das Recht auf physische oder auf psychische Unversehrtheit. Aber darf ich das überhaupt gegeneinander stellen, zumal ich weiß, mein Vater will, trotz aller Schicksalsschläge, leben! Wo hört echte Fürsorge auf und fängt egoistischer Wunsch an? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht! Und manchmal fehlt mir schlicht der Glaube, diesen Zwiespalt zu ertragen!

Wie sehr hätte ich da gerne die Zuversicht und das Gottvertrauen eines guten Freundes, Mitte 50, Blutdruckpatient, Diabetiker, berufstätig und eben – Risikokandidat, sollte es ihn erwischen. „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“, sagt er mir lächelnd, und ich habe keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass er glaubt, was er sagt. Und er hat es nicht nur einmal gesagt. Immer öfter denke ich in diesen Wochen an diesen Satz, der aus einem Kirchenlied (EG 533) stammt  und irgendwie Raum greift und wirken will. Er löst meinen Zwiespalt nicht, doch hilft vielleicht, mit ihm umzugehen. Und so will ich glauben, was in dem Kirchenlied von Arno Pötzsch aus dem Jahr 1941 steht:

Du kannst nicht tiefer fallen
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unserer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit.

(Ein Impuls von Dirk Freudenthal, ELM, Chefredaktion Mitteilen)

„Jeder Mensch braucht die Gemeinschaft anderer Menschen“ – Geistlicher Impuls für den 23. April 2020

Besondere Zeiten in denen wir leben. Jede Zusammenkunft wird darauf befragt, dürfen wir das? Mit wem hast Du Kontakt gehabt? Bist Du gesund?

Keine banalen Fragen. Wichtig, um mit dem COVID-19-Virus umzugehen und ihn in Schach zu halten. Aber Fragen, die für unser Menschsein so grundlegend wichtige Erfahrungen anzweifeln. Ist es besser allein als in Gemeinschaft? Nein! Jeder Mensch braucht die Gemeinschaft anderer Menschen, die Berührung, das Gespräch, das gemeinsame Lachen und Weinen.

Mich erinnert unsere Situation an eine Erzählung aus der Bibel (Lukas 17, 11-16): „Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.“

Warum denke ich an diese Geschichte in diesen Tagen? Schon damals, zur Zeit Jesu wurden Menschen ausgegrenzt, die erkrankt waren. So sollte die Krankheit händelbar bleiben. Schon damals hatten die Menschen den Wunsch wieder gemeinschaftsfähig, also gesund zu werden. Und Jesus stellt die heilende Gemeinschaft wieder her. Er will, dass Menschen das Leben und volle Genüge haben (Johannes 10, 10).

Heute heißt das für mich: Um der Gemeinschaft wieder Kraft und Gesundheit zu geben, muss ich mich eine Zeitlang fernhalten von anderen. Aber die Erfahrung, was mir damit auch fehlt, die soll mitgehen in die Zukunft. Ich will nicht vergessen wie schön das ist, mit anderen das Leben zu teilen; und meine ganze Kraft aufwenden, dass das gelingt.

Gebet:
Einsam bin ich klein, Gott,
aber gemeinsam mit anderen werde ich
Anwältin und Anwalt deines Lebens sein.
Gib uns die Ausdauer, in diesen Tagen das Richtige zu tun,
gib uns die Geduld, wenn wir auf uns verzichten müssen,
schenke uns die Phantasie und Kreativität, einander nah zu bleiben
und lass uns darauf vertrauen: Du bist da, immer.
Amen.

(Gedanken zum Tag von Pastor Michael Thiel, ELM, Direktor)

Wirken in Zeit, wo Menschen ratlos sind – Geistliche Gedanken zum 22. April 2020

„Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.“ – Käthe Kollwitz*

Am heutigen Mittwoch jährt sich der Todestag der berühmten deutschen Lithographin und Bildhauerin Käthe Kollwitz zum 75. Mal. Manche/r mag sich fragen, warum wir ihren Namen im evangelischen Gedenk- und Vorbilderkalender für den 22. April eingetragen finden, da sie doch eher als Sozialkritikerin und Sozialistin (wenn auch als parteilose) galt und nicht durch besondere „christliche Bekenntnisakte“ hervorgetreten ist. –

Ich freue mich besonders darüber, dass wir Namen wie den von Käthe Kollwitz in unserem „Heiligenkalender“ (im besten Sinne des Wortes für Protestant*innen) finden. Denn diese Frau konnte wie eine Prophetin wachrütteln und erschüttern, wenn Menschen gegenüber sozialem und kriegerischem Elend stumpf und taub geworden waren. Ergreifend sind z. B. ihre Lithographie „Brot!“, welches eine authentische Szene in Zeiten des Krieges in einer Großstadt wie Berlin zeigt: Eine Mutter wird dadurch gebeugt, dass an ihr zwei ihrer Kinder vorn und hinten betteln und reißen, weil sie vor Hunger verzweifelt sind. Und die Mutter verhüllt ihr Gesicht, da sie nichts für sie hat. … Oder man schaue sich die Plastik „Mutter mit totem Sohn“ an, durch welche sie ihren Schmerz über ihren jung im 1. Weltkrieg gefallenen Sohn Peter dokumentiert und gleichzeitig (Groß-)Müttern, Ehefrauen und Freundinnen der Gefallenen in den grausamen Kriegen aus dem Herzen spricht. – - Jenseits und diesseits der normalen menschlichen Kommentare wird das Kreuz des Menschenlebens sichtbar in ihrer Kunst; aber meistens auch eine klare Hoffnung auf das Auferstehen menschlicher Würde und Lebensfreude. Das überzeugt mich als Mensch, Christ und Theologe an Käthe Kollwitz‘ Kunst.

*Zitat aus https://beruhmte-zitate.de/autoren/kathe-kollwitz/

(Geistlicher Impuls von Prof. Dr. Wilhelm Richebächer, Rektor der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg)

Mutworte mit ELM-Mitarbeiter Dr. Joe Lüdemann (Südafrika) - für den 21. April 2020



„All eure Sorgen werft auf IHN ...“ – Geistlicher Impuls für den 20. April 2020

„All eure Sorgen werft auf IHN. Denn ER sorgt für euch.“  (1.Petrus 5,7)

Alle Sorgen auf Gott werfen. ER wird für mich sorgen. In guten Zeiten fällt mir das leicht. Ich lebe in einem System, in dem auch in schwierigsten Situationen der Sozialstaat mir materiell mindestens das zur Verfügung stellt, was ich zum Leben brauche. Mir geht es gut. Ich habe allen Grund zum Danken. Und vergesse es doch so häufig. Vergesse, dass nichts selbstverständlich ist. Leben und gut leben ist ein Geschenk. Gottes Geschenk für mich. Mir geht es gut. Und doch frage ich nach der Zukunft, ob es mir auch weiterhin gut gehen wird. Was muss ich dafür tun? Brauche ich vielleicht doch noch eine Versicherung? Ich blicke in die Zukunft und vergesse zu oft das Leben in der Gegenwart. Sie mit Freuden annehmen. Lachen. Dankbar sein. Alle meine Sorgen auf Gott werfen.

Während ich über all das immer wieder nachdenke, schickt eine Freundin mir einen Videoclip aus einem Township in Südafrika. Eine Christin, deren Name ich leider nicht verstehe, zeigt ihr kleines Einzimmerhaus. Voller Freude. Mit Stolz. Mit einem breiten Lachen. Dort lebt sie mit ihren drei Kindern und einem Enkelkind.

Sie wird gefragt, wo ihre Dusche ist. Lachend zeigt sie auf die Plastikwanne. Da hinein stellt sie sich und wäscht sich. Das ist ihre Dusche. Ob sie auch einen Garten hat? Sie zeigt auf ihre einzige Topfblume im Haus. „Das ist mein Garten…Unser Haus ist so cool. Ich danke Gott dafür.“

Und dann fährt sie fort: „Jedem, der sich Sorgen macht, der sich wirklich Sorgen macht, möchte  ich ermutigen: sorgt euch nicht. Gott wird für euch sorgen. Er tut es wirklich. Selbst für mich persönlich. Ich bin eine alleinerziehende Mutter. Ich schlafe niemals ein ohne Essen in meinem Haus. Gott sorgt für mich wahnsinnig gut (like crazy). Ich vertraue Gott. Ich bin nicht abhängig von meinem Lohn. Ich bin abhängig von den Händen Gottes. Ich ermutige euch, dass ihr euch nicht sorgt. Gottes Versorgung (economy) ist stets gut. Seine Versorgung wird niemals aufhören, niemals. Er ist immer gut. Sei stark und vertraue Gott. Er wird dich versorgen. Selbst wenn er es nicht tut, bleibt er Gott. Er weiß, was er tut. Er weiß, was das Beste ist. In seinem Herzen weiß er das für uns. Er weiß, was wir brauchen, noch bevor wir ihn bitten.“

Die unbekannte Christin aus Südafrika berührt mich. Ihr Lachen steckt mich an. Sie wird für den Augenblick, und hoffentlich länger, zu meinem Vorbild. Sie lädt mich ein, dankbar zu sein. Jedenfalls für heute. Und morgen schaue ich mir den Clip noch einmal an.

(Gedanken von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

Ansteckende Zuversicht einer südafrikanischen Christin:



Grüße aus Partnerkirchen als Gedanken für den 17. April 2020

„Ostern ist doch schon vorbei“ - Die österliche Botschaft aber bleibt bestehen und ist gerade jetzt wichtig.

Pastorin Sylvia Genz, Präsidentin der IECLB (Brasilien), beschreibt die Osterbotschaft so:
„Wir haben die Sicherheit, dass Christus mit uns ist.
An jedem Tag bis ans Ende der Zeit.
Und das wir alle Dinge durch Christus tun, der uns stärkt.

Wir leben durch die Gnade Gottes.
Und so wird - obwohl es schwer ist - die Bürde zum Licht.
Vor allem, haben wir in Christus die neue Realität erfahren, die Ostern bringt:
Das Leben wird triumphieren.
Fröhliche Ostern!“

Bischof Alexander Scheiermann grüßt aus der sibirischen Partnerkirche (ELKUSFO):

Für unsere Partnerkirche in Äthiopien ist Ostern übrigens auch keineswegs vorbei:

Die diesjährige Osterkarte der Äthiopischen Evangelischen Kirche Mekane Yesus haben wir als Anhang einer E-Mail von Präsident Pastor Yonas Yigezu erhalten, denn – so schreibt er -: „Die COVID-19 Einschränkungen machen es  ein wenig schwierig, viel herumzukommen.“ Er wünscht uns allen frohe Ostern:

„Frohe Ostern!
Wir wissen, dass die meisten von euch schon Ostern gefeiert haben, aber einige von euch, die hier in Äthiopien sind, feiern die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus mit uns am kommenden Sonntag.
Euch allen und mit euch allen wollen wir verkünden: ,Er ist auferstanden!‘ “

Gott ist gegenwärtig - Geistlicher Impuls für den 16. April 2020

(Lesen oder Singen Sie hierzu gerne Strophen aus dem Lied „Gott ist gegenwärtig“ (Evangelisches Gesangbuch, Nr. 165)

 

Gott ist gegenwärtig

Die kürzeste Andacht der Welt
Innehalten
aus dem Strudel der Ereignisse.
Die Corona-Krise in diesem Moment
weit weg.
Nur ich
und Gott.

Gott ist gegenwärtig

Ich halte ein Zwiegespräch
mit Gott.
Ich lese in der Bibel meine Lieblingspsalmen.
Ich schaue nach innen.
Was bewegt mich?
Ich schaue nach Außen.
Was bedrückt mich? Um welche Menschen sorge ich mich?

Gott ist gegenwärtig

Gott,
was antwortest du mir?
Ich lausche nach innen.
Mir fallen Menschen ein, die jetzt auf einen Besuch hoffen,
die es nicht tröstet, eine Video-Botschaft zu bekommen,
die nicht verstehen, was gerade passiert.
Mir fallen Menschen in Äthiopien ein, die mir berichten,
dass sie ohnehin schon Angst hatten, ihr Haus zu verlassen
wegen der vielen Schießereien.
Jetzt kommt die Angst vor dem Virus dazu.
Eine unsichtbare Gefahr,
deren Auswirkungen sie noch schlechter
einschätzen können.
Mitgefühl
Ich bitte und bete für die Menschen,
die sich einsam fühlen,
oder deren Angst und ihre Verunsicherung ihre Freude überschattet.

Gott ist gegenwärtig

Gott,
du antwortest mir
auf mein Mitgefühl.
Es gibt Resonanz
für hoffnungsvolle Stimmen.
Menschen in meinem Umfeld,
die mit vielen kreativen Ideen versuchen
die soziale Distanz
zu überwinden.
Unsere Partner in Äthiopien,
in der Mekane Yesus Kirche,
die uns Worte der Ermutigung zusprechen,
die mit uns beten,
die ganzheitlich ihren Glauben leben,
und daher den Gebeten
Taten folgen lassen
und daher den Bedürftigsten helfen,
die sich allein nicht selbst helfen können
wie den Menschen in den Gefängnissen
in Ambo und Adama.

Gott ist gegenwärtig

Wir sind nicht allein.
Wir beten gemeinsam
in deinem Namen.
Wir helfen uns gemeinsam
in Jesus Christus
in deinem Geist.

Amen.

(Ein geistlicher Impuls von Gabriele De Bona, Referentin Gender International & Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien)

 

„Von allen Seiten umgibst du mich ...“ - Gedanken zum 15. April 2020

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139,5)

Dieser Spruch begleitet mich nun schon seit dem 16. Mai 1982. Es ist mein Konfirmationsspruch. Aussuchen durfte ich ihn mir nicht selbst, das hat unser damaliger Pfarrer für alle seine Konfirmandinnen (wir waren nur fünf Mädchen) gemacht.

Ich bin ihm so dankbar, dass ich diesen Vers aus Psalm 139 bekommen habe. Was für eine Aussage steckt doch in diesen Worten. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Daran möchte ich mich in diesen schweren Zeiten festhalten, wo doch eines ganz gewiss ist, dass unser Gott mich und auch Sie/euch von allen Seiten umgibt und seine Hand über uns hält.

Bleiben Sie, bleibt ihr behütet und gesund
Konni Pufal, Teamassistentin Globale Gemeinde 

Mit Zuversicht nach vorn schauen! - Geistlicher Impuls zum 14. April 2020

In diesen „Corona-Virus“-Zeiten fallen mir oft die Worte ein, mit denen der Apostel Paulus dem noch sehr jungen Kollegen Timotheus Mut für einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft machte:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim. 1, 7)

Furcht und Ungewissheit haben in diesen Wochen fast alle Menschen: Was wird mit unserer Gesundheit? Mit unserer Arbeit? Können wir die Pläne verwirklichen, die uns gestern noch leicht vorkamen? Reicht unser Einkommen noch? u.s.w.

Wir sind kräftig aus dem Tritt gekommen, aus der Maschinerie des Alltags gerutscht. Die machten zwar viel Stress, gaben aber irgendwie auch „Halt“. Nun zählen die Kraftakte, die wir sonst allein und mit anderen vollbringen, nicht mehr so. Es kommt wieder auf innere Kräfte, auf ruhige Gangart, auf viel geduldiges Warten an. Die Kraft, die Gott geben möge, ist eine der Ausdauer und der Enthaltung von Ängsten und Sorgen.

Unsere Beziehungen zu anderen Menschen sind ausgedünnt. Wohl dem Mann, der Frau, dem Kind, die mit ihren Liebsten zusammen sind. Und wie groß muss die Einsamkeit derer sein, die eine Zuwendung vermissen, gerade vielleicht die kleinen freundlichen Worte. Und wie schwer muss ein Sterben sein, wenn nicht nur die Lunge versagt, sondern auch eine Berührung mit einem liebsten Menschen nicht mehr möglich ist…?! Gott gebe Liebe, die dankbar ist für die kleinste respektvolle Achtung durch die Nächsten. Und Liebe, die in aller Einsamkeit weiß: Diesen Schatz kann mir keine Not, kein Tod mehr nehmen.

Und Besonnenheit ist gefragt. Das zeigen Verantwortliche in Medizin und Politik, aber auch in ganz wichtigen alltäglichen Service-Diensten, ja sogar alle gemeinsam in unserem Land: Machen, was wirklich geht, mit Leidenschaft und konsequent. Und: Lassen, was töricht ist. Einem Hobby-Bastler mussten jetzt in Australien zwei ineinander verkeilte Magneten aus der Nase operiert werden. Er hatte – erfindungsreich, aber unbesonnen – in der Langeweile seiner Quarantäne versucht, ein Gerät zu basteln, welches verhindert, dass seine Träger sich selbst ins Gesicht fassen … 
Nochmal gut gegangen. Passen Sie auf sich und andere auf!

Ich schließe mit dem (vollständigen) Gelassenheitsgebet, welches mal dem theosophischen Altvater Friedrich Oetinger, mal dem amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zugeschrieben wird – und wünsche Ihnen: Bleiben Sie behütet!

„Gott, gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. Gott, gebe mir die Geduld, mit Veränderungen, die ihre Zeit brauchen, und Wertschätzung für alles, was ich habe.“

(Geistlicher Impuls von Prof. Dr. Wilhelm Richebächer, Rektor der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg)

Auferstehungshoffnung in Goldgelb - Ostern 2020

Osterbotschaft von ELM-Direktor Michael Thiel.


Hören Sie gerne auch den Choral "Christ ist erstanden", gespielt vom Posaunenchor der St.-Peter-Paul-Gemeinde Hermannsburg (u.a. mit ELM-Direktor Michael Thiel).


Download des Ostergrußes als pdf zum Nachlesen, Weitergeben - oder Ausdrucken ... 

„Ostern fällt nicht aus!“ – ein geistlicher Zwischenruf am Ostersamstag, 11. April 2020

Jetzt, in diesen Tagen, nähern wir uns dem Osterfest in einer ungewohnten Situation. Die Corona-Krise hat ihre Auswirkungen. Sie will die Welt in einem lebensbedrohlichen Griff halten. Und - zweifellos - wir alle müssen darauf in angemessener Weise reagieren. Die Regierungen sagen uns, wir sollen zu Hause bleiben. Kirchenleitungen raten dringend davon ab, in unseren Gemeinden Ostergottesdienste zu feiern. Das irritiert uns. Ich kann mich nicht an eine Osterzeit ohne Ostergottesdienste erinnern. Ohne dass wir als Mütter und Väter, Brüder und Schwestern zusammenzukommen und dieses Fest vom Karfreitag bis zur Auferstehung zu feiern. Aber dieses Ostern gibt es in diesem Jahr nicht!

Wird Ostern abgesagt? Weltweit abgesagt? Nein! Das nicht! Aber wir sind herausgefordert, Ostern neu zu gestalten, in einer Weise, die zu unserer gegenwärtigen Lebenssituation passt. Und das gilt überall, egal, wo wir uns befinden, im Norden, Süden, Osten oder Westen auf dieser Welt.

Nein, ich glaube nicht, dass Ostern abgesagt wird, nur weil wir zu Hause bleiben müssen! Ostern ist dadurch nicht begrenzt! Die Auferstehung wird nicht aufgehoben! Gott hat nicht gesagt: Mein Sohn ist tot, ich habe Grenzen, ich weiß nicht, wie es weitergehen soll! Stattdessen hat er gesagt: Ich werde die Grenzen überwinden, ich werde die Grenzen von Leben und Tod überschreiten, ich werde weitergehen, wo niemand einen Weg sieht! Und so tat er es! Es war genau das Gegenteil von Absage! Wo niemand auch nur eine kleine Chance für das Leben erwartet hatte, begann das ewige Leben! Niemand, nicht Sie, nicht ich, nicht einmal eine Krankheit wie Corona kann das Leben aufhalten durch irgendwelche Grenzen. Nichts kann das ewige Leben aufhalten. Als menschliche Wesen sind wir begrenzt, als Kinder Gottes ist uns zugesagt, eines Tages das ewige Leben zu erfahren. Wegen Ostern, wegen der Auferstehung Christi!

Hier sind wir begrenzt. Na und? Ein Problem? Nein! Eine Herausforderung, aus der eine Chance werden kann! Ostern 2020 wird etwas Besonderes sein. Es kommt darauf an, wie wir es feiern. Lassen Sie uns Ostern neu, anders, feiern, ein österlicher Neuanfang.

Und wie? Was kann das heißen? Ich weiß es nicht. Ich denke, das müssen wir alle selbst herausfinden. Welche Möglichkeiten haben wir, es zu feiern? Wie können wir die Freude miteinander teilen, das Besondere, gerettete Kinder Gottes zu sein? Wir sind durch Gottes Handeln gemeint, jeder / jede Einzelne von uns! Lassen Sie uns danach handeln, jeder / jede Einzelne von uns!

In diesen Tagen applaudieren die Menschen an vielen Orten Krankenpfleger*innen und Ärzt*innen für ihre lebensrettenden Dienste, die sie für uns alle leisten. Wir können am Sonntagmorgen nach dem Familienfrühstück vor unsere Türen treten oder an unsere offenen Fenster und Gott für die Auferstehung Jesu applaudieren. Für das ewige Leben! Wir können ein Loblied singen und es so wie einen singenden Reigen von Haus zu Haus durch die Straßen unseres Dorfes oder unserer Stadt weiterreichen. Wir können es auch laut zu den Nachbar*innen oder in die Gärten rufen, damit jeder es hören kann: Jesus ist auferstanden! Er ist wirklich auferstanden! Gott sei Dank! Vielleicht haben wir andere Ideen und drücken es auf eine andere Art und Weise aus. Wie auch immer! Es wird gut sein! Ostern wird nicht abgesagt! Die Auferstehung wird nicht abgesagt! Lassen Sie uns dem überall auf der Welt gerecht werden - und in unserer Nachbarschaft!

Jesus erschien den Elf, als sie gerade aßen. Er sprach fest zu ihnen, weil sie keinen Glauben hatten. Sie wollten denen nicht glauben, die ihn gesehen hatten, nach seiner Auferstehung von den Toten. Er sagte zu ihnen: „Geht in die ganze Welt. Gebt die gute Nachricht weiter an alle Menschen.“ (Nach Markus 16, 14f)

Gesegnete Ostertage Ihnen allen, fern und nah!

(Geistlicher Impuls von Michael Schultheiß, Pastor und ELM-Referent Globale Kulturelle Vielfalt und Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini)

„Herr des Tanzes“ - Geistliches Wort zum Karfreitag, 10. April 2020

I danced on a Friday when the sky turned black.
It's hard to dance with the devil on your back.
They buried my body and they thought I'd gone,
but I am the Dance, and I still go on.

(Ich tanzte am Freitag, als der Himmel sich schwarz färbte.
Es ist hart zu tanzen wenn der Teufel dir im Nacken sitzt.
Sie haben meinen Körper begraben und dachten, ich sei nun weg.
Aber ich bin immer noch der Tanz (des Lebens) und ich werde weitermachen.)

Lord oft the dance / Herr des Tanzes. Es ist eines meiner Lieblingslieder. Ich habe es zum ersten Mal in einer irischen Kneipe gehört. Begleitet von Musiker, Tanzen und Klatschen. Wie es eben in irischen Gaststätten am Abend so zugeht. Ein Lied über das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu. An einem solchen Ort. Meine christliche Prägung widersprach dem. Zunächst. Und dann ahnte es mir: Gott ist genau dort, wo er immer sein wollte. Mitten im Leben.

Es mag ein wenig irritierend sein, Tanzen und den Karfreitag in Verbindung zu bringen, zumal es noch immer gesellschaftlicher Konsens ist, dass am Karfreitag keine öffentlichen Tanzveranstaltungen durchgeführt werden. Es ist ein Tag der Trauer – zumindest für Christen und Christinnen.

Doch in dem Lied steht das Tanzen nicht im Fokus. Alles, was das Leben verhöhnen will, wird in seine Schranken gewiesen. Darum geht es. Dafür steht der „Teufel in meinem Nacken“. So scheint manchmal der Tod stärker zu sein als das Leben. Doch dem trotze ich. Ich werde tanzen und damit den Teufel der Lächerlichkeit preisgeben. Ich trotze dem, was mein Leben verhöhnen und beeinträchtigen will.

„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ So schreibt der Apostel Paulus im 1. Korintherbrief 15,55.

Vielleicht sind die Balkonkonzerte in Italien angesichts Hunderter Tode durch das Corona Virus ein solches Trotzen. Es sind Konzerte des vorweggenommen Sieges. Tod, du wirst nicht das letzte Wort haben. Das liegt bei Gott. Und er ist da. Trotzdem. Mitten im Leben – und im Sterben.

Wir können anfangen die Tanzschritte des Lebens, vielleicht neu oder zum ersten Mal, zu üben. Auch dann, wenn es anfangs noch behäbig sein wird. Der Takt und der Rhythmus werden sich einstellen. The Lord of the Dance wird den Tanz anführen.

Zum Reinhören „Lord of the Dance“: Link zu Youtube

(Gedanken zum Karfreitag von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

Vermächtnis für schwere Zeiten - Gebet für Gründonnerstag, 9. April 2020

In Zeiten der Angst wegen des weltweit alle Menschen bedrohenden Corona-Virus hören wir das Vermächtnis Jesu und bitten:

Jesus:
Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ (Joh.14,19)

Ich/wir:
Du Lebendiger,
es ist schwer zu leben in Angst und Krankheit und Tod.
Zeig uns, wie wir weiterleben können in dieser Zeit!
Du bist die Auferstehung und das Leben heute und für immer!

Jesus:
„Meinen  Frieden gebe ich euch… Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!“
(Joh. 14,27)

Ich/wir:
Du Friedensbringer,
gib uns deinen Frieden in unsere Angst,
dass unsere Herzen nicht erschrecken.
Du bist doch unser Friede heute und allezeit!

Jesus:
„Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt wie ich euch geliebt habe.“ (Joh. 15,12)

Ich/wir:
Du Liebhaber,
Deine Liebe fordert uns aus der Ohnmacht heraus
und ruft uns zum Miteinander in deinem Namen.
Erinnere uns, dass wir in der Liebe bleiben.

Jesus:
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt,
dass ihr hingeht und Frucht bringt.“
(Joh. 15,16)

Ich/wir:
Du Ermutigender,
Du hast uns erwählt,
hinauszugehen, hinzusehen, mitzugehen,
aufzustehen für Gerechtigkeit und Wahrheit.
Feuere uns an, dir auf deinem Weg zu folgen!

Jesus:
„In dieser Welt müsst ihr Leid und Schmerz aushalten.
Aber verliert nicht den Mut:
Ich habe die Welt besiegt.
“ (Joh.16,33)

Ich/wir:
Du Überwinder,
ans Herz legen wir dir
die schreienden Kinder auf der Flucht,
die Ohnmächtigen in der Heuschreckenplage in Ostafrika,
die vielen Toten durch das Virus in der Welt.
Wann  wirst du Leid und Schmerz besiegen?
Wie können wir DIR helfen?

Jesus:
„Ihr leidet jetzt Qualen, aber ich werde wieder bei euch sein
und euer Herz wird sich freuen.“
(Joh.16,22)

Ich/wir:
Du Kommender,
Öffne deine Ohren 
für  das Seufzen der bis zur Erschöpfung für andere Sorgenden!
Höre wie die Kranken nach Luft ringen!
In deine Arme nimm die, die sich von ihren Verstorbenen nicht verabschieden dürfen.
Wann wird sich unser Herz wieder freuen?  
Komm, sei wieder unser Freudenbringer!

Jesus bittet Gott für uns Menschen:
„Verwandle sie durch die Wahrheit in Menschen, die zu dir gehören.
Dein Wort ist die Wahrheit.
Der Glaube soll sie zusammenhalten.“
(Joh.17, 17 und 21)

Ich/wir:
Du Auferstandener,
Du betest für uns auf Gottes Erde.
Das gibt uns mutige Hoffnung mitten im Leben.
Dein Versprechen macht uns stark,
durchzuhalten und füreinander einzustehen.
Dank sei DIR!

Amen.

(Geistlicher Impuls von Lydia Laucht, Konvent Evangelischer Theologinnen in der BRD e. V.)

Weisheit zu unterscheiden – Geistlicher Impuls zum 8. April 2020

Und sie sollen mein Volk lehren, dass es zu unterscheiden wisse ...“ (Hesekiel 44,23)

Was für ein schöner Tag. Das Wetter ist frühsommerlich. Ich liege im Garten und sehe meinen erwachsenen Kindern zu, wie sie Volleyball spielen. Eine Blaumeise landet auf Armeslänge neben meinem Stuhl. Was habe ich für ein Glück. Unverdientes Glück. Und in Zeiten in denen es sehr vielen Menschen zum Teil viel schlechter geht, fast schon schambesetztes Glück.

Wenn ich ehrlich bin, vergesse ich manchmal die Pandemie. Und dann fällt sie mir wieder ein, wenn die Pflegerin meiner dementen Mutter auf WhatsApp schreibt, dass sie seit gestern kein Heizöl mehr haben und nicht mehr warm duschen können. Gut, das hat jetzt nicht unmittelbar mit Corona zu tun. Aber es holt mich aus meiner Heile-Welt-Idylle und wirft Fragen auf: Die Pflegerin kommt aus Bulgarien. Im Sommer macht sie sechs Wochen Urlaub. Bisher kam für sie eine Vertretungskraft – auch aus Bulgarien. Wird das dieses Jahr auch so sein? Wird „die Neue“ einreisen dürfen? Vielleicht darf die jetzige Pflegerin ja gar nicht ausreisen? Dann hätte ich „Glück“ gehabt. Aber was heißt das dann? Urlaub nehmen muss sie ja, soll sie dann in Deutschland Urlaub machen, während die eigene Familie in Bulgarien auf sie wartet? Und was heißt es für mich? Muss ich dann sechs Wochen zu meiner Mutter nach Süddeutschland, um sie zu pflegen?

Ich muss mich tatsächlich zwingen, das Gedankenkarussell zu unterbrechen. Okay, ich muss die Heizölfrage regeln. Alles andere kann ich jetzt nicht sinnvoll klären. Ich hoffe, dass sich Dinge fügen werden. In meinem Leben haben sich schon oft Dinge gefügt: Ich habe bei meinem alten Arbeitgeber gekündigt. Ins Blaue hinein. Weil wir uns in der weiteren Ausrichtung des Unternehmens in Bezug auf Öffentlichkeitsarbeit nicht einig waren. Da war meine Mutter schon dement und die Betreuungsfrage ungeklärt. In der Zeit der Arbeitslosigkeit hatte ich Zeit, Dinge zu regeln, sie lange zu besuchen und zu überlegen, was ein guter Weg für sie (und für mich) sein könnte. Und ich glaube, dass wir bis jetzt einen guten Weg gefunden haben. Ob das so bleibt? Das werde ich sehen – zu seiner Zeit.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.      (Reinhold Niebuhr)

(Gedanken von Anette Makus, ELM, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising)

„Wir haben die Ewigkeit vor uns“ - Gedanken zum 7. April 2020

So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Römer 6,24)

Wir gehen auf Ostern zu – das wurde mir bei einem Telefonat mit einem älteren Pastor und gutem Missionsfreund noch einmal sehr bewusst: „Ich freue mich an täglichen Spaziergängen. Corona macht mir keine Angst. Das Sterben hat man mit der Taufe doch bereits hinter sich. Wir haben die Ewigkeit vor uns!“.

Erst hat mich das verwundert – und dann dachte ich: Dieser Mensch hat Ostern verstanden. Genau diese Gewissheit will Ostern uns vermitteln – der Herr ist auferstanden. Er hat dem Tod die Macht genommen. Ganz leicht fällt diese Gewissheit sicher nicht; besonders in solchen Zeiten wir gerade. Aber genau darin liegen ja die Hoffnung und der Trost, die Christ*innen nicht verzweifeln lassen.

Das Telefonat erinnerte mich auch an eine Begegnung im letzten Jahr mit einem jungen sibirischen Pastor, der noch von einer Operation wegen eines Hirntumors gezeichnet war: „Mein Krankheit hat mich gelehrt, dass das Leben endlich ist. Doch was macht das? Als Christ*innen haben wir doch die Auferstehung!“

In ähnlicher Form hat mein Vater diese Haltung vor seinem Tod vor einigen Wochen ausgedrückt: „Ich bin so gespannt, endlich zu sehen, was ich mein Leben lang geglaubt habe.“ Das ändert dann nichts daran, dass Menschen traurig zurückbleiben. Zugleich weist das aber auf die Hoffnung, die Trost spendet und neue Zuversicht gibt, nach vorne zu schauen.

Wie schön wäre es, wenn wir alle diese Gewissheit und Vorfreude haben würden. Ich wünsche Ihnen das – auch angesichts der Unsicherheit und Bedrohung durch einen Virus, der das Leben so sehr verändert. Gerade in diesen Tagen vor Ostern sollte das aber nicht den Blick verrücken: Krankheit und Leid gehören zum Leben dazu. Sie treffen aber auf eine frohe und gewisse Osterbotschaft, dass der Tod nicht das letzte sein wird – denn Christus ist auferweckt von den Toten.

(Gedanken von Stephan Liebner, Pastor und Fundraiser im ELM) 

„Kein Mensch soll zurückbleiben“ - Gedanken zum 6. April 2020

Leave no one behind – kein Mensch soll zurückbleiben: das steht als Leitidee hinter den 17 Zielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und dem Anspruch, nachhaltig zu sein. Dabei geht es um weltweite Solidarität und der gemeinsamen Anstrengung, ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen zu erreichen. Ob die Bekämpfung von Armut und Hunger, der Zugang zu medizinischer Versorgung oder die gerechte Verteilung existenzieller menschlicher Bedürfnisse, die Coronakrise zeigt die Dringlichkeit dieser Ziele auf.

Von Anfang an unterstützt das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) diese Ziele, denn es erkennt in ihnen den Auftrag Gottes. Und so heißt es in Matthäus 25: „Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.“ All das gipfelt in dem Satz: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

In diesem Bewusstsein setzen wir uns zusammen mit unseren Partnerkirchen in Afrika, Indien und Lateinamerika dafür ein, dass kein Mensch vergessen wird, wenn es um seine Rechte und Würde geht als Frau, als Mann, als Kind oder alter Mensch, ob gesund oder krank.

Und darum unterstützt das ELM die Kampagne des Deutschen Komitees des World University Services (Informationsstelle Bildungsauftrag Nord-Süd), die gerade jetzt in der Corona-Krise mit einer ungewöhnlichen Idee an diese Ziele erinnert. Dafür ist dieser Beitrag auf Plattdeutsch gedacht. 

(Dirk Freudenthal, ELM, Chefredaktion Mitteilen)

Gebet:
Ich war fremd, und Du hast mich zu Dir eingeladen, Herr. Egal, wo ich auf diesem Globus stehe, ich stehe immer in Deinem Vorgarten, lieber himmlischer Vater. Danke.

Ich bitte Dich, Gott: Lass mich nie vergessen, dass jede Fremde hier neben mir Zuhause ist, denn sie ist Dein Kind, genau wie ich.

Lass mich mutig aufschreien, wenn einem Deiner Kinder das Hausrecht verwehrt wird, nur weil es auf einem anderen Kontinent geboren wurde oder die Sprache dieser Gegend nicht kennt.

(Klaus Hampe)

„Stell dir vor es ist Gottesdienst und keiner geht hin!“ - Gedanken für den 5. April 2020

Tja, da brauchen wir gar keine Vorstellungskraft mehr, denn das ist bittere Realität geworden. Bereits den vierten Sonntag in Folge bleiben die Kirchentüren verschlossen und die Sitzbänke leer. 
Viele Digitalangebote sind jetzt im Internet zu finden. Von Andachten, über Gottesdienste im Livestream hin zu Gebetsketten und vielem mehr. Das Angebot ist groß.

Doch was fehlt, ist das gemeinsame Sitzen auf der Holzbank, der Kirchenkaffee im Anschluss, die guten Gespräche und vor allem die Nähe zum Mitmenschen. Es fehlt der kräftige Händedruck, das In-den-Arm-Nehmen oder einem mal sacht über den Rücken streichen. Ja, das fehlt uns, und das stellen wir in den letzten Tagen schmerzlich fest.

Diese Woche beginnt mit dem Palmsonntag und führt über Karfreitag zu Ostern. Eine der wichtigsten Wochen für uns Christinnen und Christen weltweit. Doch sie wird in diesem Jahr ganz anders aussehen als sonst. 
Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn“ (Markus 11,9), so ertönen die Jubelrufe, als Jesus in Jerusalem einzieht. Das Volk hatte sich versammelt, um ihm mit Palmwedeln und Kleidung auf dem Boden den Weg zu ebnen, um ihn zu begrüßen. Doch schon rasch nach seiner Ankunft verklingen die Jubelrufe und es werden Anschuldigungen laut. Sie enden in den Rufen „Kreuzige ihn!“ (Markus 15,13).

Diese Woche, mit Blick auf alles, was kommen wird, steht in einer Spannung zwischen Freude und Trauer: Jubel über den Sohn Gottes der in die Stadt einzieht, Trauer über seinen Tod und die vorsichtige Freude über seine Auferstehung.
Vielleicht ein Gefühl, dass wir gerade in diesen Tagen gut nachvollziehen können. Oft habe ich den Eindruck, dass auch wir hin- und hergerissen sind zwischen unseren Gefühlen. Jubel und Vertrauen auf Gott, der uns in dieser schwierigen Zeit zur Seite steht. Erstaunen darüber, wo Menschen neue Wege finden und neu zusammenfinden - und Freude, dass der Glaube wieder neu in den Fokus gerät.

Auf der anderen Seite aber steht die Angst. Die Angst vor dem Alleinsein; vor dem was noch kommen mag, die Angst vor dem Tod. Ein Gefühl von Verlassenheit stellt sich ein. Verlassen von den Mitmenschen, verlassen von Gott.
Hin- und hergerissen mögen wir sein zwischen diesen beiden Polen. Hin- und Hergerissen zwischen Hoffnung und Angst.

Eines aber wird uns diese vor uns liegende Woche zeigen: Am Ende siegt die Hoffnung, die Auferstehung und das Leben. Aber eben erst am Ende.

Am Palmsonntag blicken wir auf Ostern am Sonntag darauf, einen Tag für den Aufbruch von etwas Neuem, einen Tag von Auferstehung und Hoffnung auf ewiges Leben; doch bevor wir bei Ostern ankommen, müssen wir erst Karfreitag überstehen.

Nach dem Leiden kommt die Auferstehung. So war es damals und so wird es auch heute sein.

Am Palmsonntag in diesem Jahr stehen wir gedanklich mit den Menschen an der Straße und ehren Gott in dem Wissen, dass der Karfreitag, dass der Höhepunkt der Epidemie erst noch vor uns liegt; an diesem Palmsonntag hoffen wir mehr noch als in anderen Jahren darauf, dass Ostern bald anbricht.

So stimmen wir ein, denn Gott ist unsere einzige Hoffnung in alledem was noch kommen mag: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn. Hosianna!

(Ein Impuls von ELM-Pastorin Indra Grasekamp)

„... auferstehen unverweslich“ - Geistliches Wort zum 4. April 2020

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ (1.Korinther 15,42)

Treffender kann ein Monatsspruch in diesen Zeiten wohl kaum sein. Unser Leben ist angreifbar geworden. Unberechenbar. Betroffen sind nicht einzelne Volkgruppen oder Staaten. Die gesamte Menschheit ist mit einem Fragezeichen versehen, wie ihre Zukunft aussehen wird.

Eine Zukunft wird es geben. Das ist sicher. Darin ist sich der christliche Glaube mit den anderen Weltreligionen einig. So erscheint mir der Monatsspruch für April wie eine Fanfare für eine Zukunft, die in der Gegenwart beginnt: Mensch, begreife deine eigene Existenz nicht als das Wichtigste in diesem Leben. Du bist endlich. Verweslich. Doch darin musst du nicht verzweifeln. Du darfst vielmehr erwachen und dein Bewusstsein erweitern: das Leben wird weitergehen und bietet dir immer neue Chancen an.

Und genau darum wird es in diesen Tagen und Wochen gehen: Welche Chancen ziehen wir aus dieser unberechenbaren Situation? Werden wir zu einer solidarischen Gemeinschaft, in der sich der Einzelne nicht für das Non plus Ultra hält? Werden wir begriffen haben, was Bedrohung des Lebens bedeutet und werden wir darum mit denen barmherzig umgehen, deren Leben schon seit Jahren bedroht ist und ihre Länder fluchtartig verlassen? Die sich schließlich bei uns als Geflüchtete eine Zukunft erhoffen, in der sie keine Angst haben müssen?

Werden wir gelernt haben, mit weniger auszukommen und Begrenzungen auch als Chance zu sehen? Werde ich dankbar sein für das, was ich habe, und nicht meinen oft unerfüllbaren Träumen hinterher jagen?

Der Monatsspruch ist genommen aus dem Auferstehungsevangelium, das an den Gräbern gesprochen wird. Nicht nur gesprochen für die Toten, sondern vor allem für die Lebenden. Angesichts der Endlichkeit beginnt mein Leben jetzt. Wie werde ich es weiterführen? Gezeichnet von dem Wissen um meine Verweslichkeit gehe ich weiter. Der Verweslichkeit zum Trotz. Trotzdem.

Ich kann Spuren hinterlassen, die nicht vom nächsten Wind verwischt werden. Ich kann eine neue Verantwortung für die Schöpfung und die Menschen wahrnehmen, die dauerhaft eine menschliche Zukunft gestaltet. Ich kann das. Wir können das. Die Frage ist nur, ob ich es auch will? Will ich mich für eine unverwesliche Zukunft einspannen lassen? Will ich, im besten Sinn, mich in die Nachfolge des auferstandenen Jesus Christus begeben? Denn eines glaube ich noch immer: Er ist bei uns, bis ans Ende der Welt. Darin liegt unsere Chance.

(Gedanken zum Tag von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde) 

„Jetzt ist die Zeit, langsam zu sein“ - Impuls zum 3. April 2020

Ich habe neulich ein Gedicht im Radio gehört und fand es sehr schön und passend zu der jetzigen Situation. Deshalb möchte ich es mit Euch teilen.
(Marina Gruel-Dovner, Teamassistenz Internationale kirchliche Zusammenarbeit)

This is the time to be slow,
Lie low to the wall
Until the bitter weather passes.

Try, as best you can, not to let
The wire brush of doubt
Scrape from your heart
All sense of yourself
And your hesitant light.

If you remain generous,
Time will come good;
And you will find your feet
Again on fresh pastures of promise,
Where the air will be kind
And blushed with beginning.”

John O'Donohue, To Bless the Space Between Us: A Book of Blessings

Jetzt ist die Zeit, langsam zu sein,
leg dich tief an die Wand
bis das bittere Wetter vorüberzieht.

Versuche, so gut Du kannst,
nicht die Drahtbürste des Zweifels
an Deinem Herzen schaben zu lassen
All Dein Gefühl für Dich selbst
Und Dein zögerndes Licht.

Wenn Du großzügig bleibst
Wird die Zeit gut werden;
Und Du wirst Deine Füße
Wieder auf den frischen Weiden der Verheißung antreffen,
wo die Luft mild sein wird
und errötend vor Beginn.

(Übersetzung A. Makus)

Pause - Geistliches Wort zum 2. April 2020

Was geschieht, wenn nichts geschieht? Bei dieser reflexiven Spitzfindigkeit muss man ansetzen, um zu verstehen, was es mit der Pause auf sich hat. Sie ist bestimmt als eine Zwischenphase. Halbzeitpausen, Taktpausen, Gesprächspausen, Aufführungspausen, Sommerpausen, Atempausen, sie stehen nicht für sich, sondern beziehen sich auf das, was sie zuweilen heilsam unterbrechen. Die Pause ist nicht nichts. Aber sie ist auch nicht etwas. Sie ist, indem sie sich verhält. Bestimmt als Einschnitt, charakterisiert aber über jenes andere, das sie ablöst und von dem sie selber wieder abgelöst wird, führt sie kein Eigenleben. Keine Pause, die nicht einen festgeschriebenen Anfang und ein erwartetes Ende hatte. Auf dass sich eine Sache nicht erschöpft, bevor sie nicht ausgeschöpft ist, schafft die Pause wieder eine zeitliche Kongruenz: Sie verhindert die Langeweile, verändert das Tempo, vermittelt zwischen der Geschwindigkeit einer Wahrnehmung und der einer Darstellung, damit die Bindung zwischen ihnen nicht verloren geht.

Wenn nichts geschieht, gewinnt etwas Struktur. Das ist der dramaturgische Sinn der Pause: einer Rede, einer Melodie, einem Spiel überhaupt erst durch deren partieller Negation einen Aufbau zu geben. Ohne Pause wurde sich alles im Einerlei verlieren. Sie ist der Ort der beabsichtigten Distanz zu dem, was sie gewährt. So erzeugt sie Spannung oder sorgt für Beruhigung, ordnet Kräfte neu. In der Pause bekommt etwas die Gelegenheit, noch einmal einen Anfang zu setzen. Wie nichts sonst erscheint sie daher als Raum der Freiheit. Man kann an der Welt nur teilhaben, wenn man nicht gezwungen ist, dauernd an ihr teilzunehmen.
Aus: Werner, Jürgen: Tagesrationen. Ein Alphabet des Lebens. Frankfurt/M. 2014, S. 196.

Nachdem Jesus Kranke geheilt und 5000 gespeist hatte, erzählt Johannes: „Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.“ (Johannes 6,15)

Er brauchte eine Pause. So wie viele von uns nun ungeplant eine Pause haben. Denken wir an Menschen überall auf der Welt, die erkrankt sind und auch um ihr Leben kämpfen, an die, die durch diese Zwangspause ihr Einkommen verlieren, an die, die ganz viel arbeiten müssen um Leben zu ermöglichen, an die, die die Situation noch nicht ernst nehmen wollen, an die, die um ihren Schulabschluss bangen … und auch an die, deren Sorgen nur wir kennen und nehmen sie alle mit in die Pause, wenn wir sie mit Jesus zum Gebet nutzen.

Lied und Gebet

Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unseren Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen. (2x)

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten. (2x)

Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen. (2x)

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen. (2x)

EG Lied 171 (Text: Eugen Eckert (1985) 1987; Melodie: Anders Ruuth (um 1968) 1984 „La paz del señor“ vgl. https://kirchenlieder.fandom.com/de/wiki/Bewahre_uns,_Gott

(Gedanken zum Tag von Pastor Michael Thiel, ELM, Direktor) 

Geistlicher Impuls aus Südafrika, 1. April 2020

Videobotschaft von Bischof Horst Müller (NELCSA).



Wenn der Süden für den Norden betet … - Geistliches Wort zum 31. März 2020

„… höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet.“ Epheser 1,16

Es fühlt sich ungewohnt an: das Ev.-luth. Missionswerk (ELM) bekommt derzeit von den Partnerkirchen des globalen Südens Trost und Zuspruch. So versichert unsere Partnerkirchen in Indien (TELC) dem ELM solidarisch „in dieser Zeit der Prüfung beizustehen und an Sie zu denken. In unseren wildesten Fantasien hätte sich keiner von uns ausmalen können, was gerade bei und um uns geschieht. Insbesondere um Sie, unsere Partner in Mission, sind wir besorgt, Ihre Sicherheit und die Auswirkungen des Ausbrechens der Pandemie in den kommenden Monaten und Jahren. Wir beten für die Partner aus Deutschland.“

Ähnliche Reaktionen bekommen wir aus Russland, Äthiopien, Südafrika, Malawi, Brasilien, der Zentralafrikanischen Republik. Aus Malawi schreibt uns die Direktorin eines vom ELM unterstützten Projekts: „Menschen leben in Angst und wir können nur beten, dass der Herr, unser Gott, uns leitet wenn wir Antworten auf die schwierige Situation finden müssen, zumal es sehr sicher ist, dass das Schlimmste noch kommt. Seien Sie so gut und überbringen Sie unsere besten Wünsche für eine schnelle Überwindung dieser globalen Epidemie. Wir sind besorgter um euch, Brüder und Schwestern in Deutschland, als um uns.“

Das ist ungewohnt. Gewohnt ist, dass wir uns um die Anderen Sorgen machen, sie trösten und unterstützen. Jetzt gilt die Sorge auf einmal uns. Ist Deutschland ein Land, um das man sich Sorgen machen muss? Können wir Gebete aus Ländern annehmen, deren Sorgen und Nöte wir zwar vermittelt über die Tagesnachrichten kurz wahrnehmen aber auch schnell wieder verdrängen? Wie fühlt es sich an von Anderen als verletzlich wahrgenommen und getröstet zu werden? Auf einmal sind wir nicht mehr die Geber, sondern die Empfänger.

Unsere Partnerkirchen haben Gesundheitssysteme sowie bauliche und hygienische Voraussetzungen, die deutlich schlechter sind als bei uns. Trotzdem denken sie voller Mitgefühl und Sorge an Deutschland. Wir als ELM freuen uns über die solidarischen Bekundungen des Mitgefühls und die Verbindung im gemeinsamen Glauben und wir lernen, dass zu gelebter Partnerschaft auch gehört, Mitgefühl auszuhalten. Plötzlich verändern sich die Perspektiven!

(Gedanken von Anette Makus, ELM, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising)

„Herr, wohin sollen wir gehen?“ - Geistliches Wort zum 30. März 2020

„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Heilige Gottes.“ (Johannes 6,68.69)

Keine Ahnung, warum mir diese Tage mein Konfirmationsspruch immer wieder in meine Gedanken kommt. Liegt es daran, dass ich jeden Tag für eineinhalb Stunden auf meinem Weg durch den Wald bin? Woanders darf ich ja nicht hin. Eben noch zu Edeka oder zu Netto. Auf dem Weg. Alleine. Jeden Tag seit über einer Woche. Corona hat mir nicht nur Home Office beschert. Es hat mir auch die Möglichkeit gegeben, mit bewusster Zeit zu nehmen. Zeit für mich. Zeit zum Sortieren der Gedanken.

Oder kommt mir mein Konfirmationsspruch in den Sinn, weil die Nachrichten mich jeden Tag mit neuen Zahlen und Bildern konfrontiert. Mehr infizierte Menschen. Mehr Tote. Eine Sporthalle in Spanien gefüllt mir Särgen. Woanders ist kein Platz für die Toten.

Dann erwische ich mich bei der Frage, wohin ich gehen werde? Weiter unter den Lebenden? Verschont von dem Virus? Eine Garantie gibt es in diesen Zeiten nicht. Auch nicht für mich als Christen.

Mein Glaube hat sich im Laufe meines Lebens sehr verändert. Christ bin ich geworden, weil mir gepredigt wurde, dass ich in der Hölle landen würde, wenn ich mich nicht bekehre. Also tat ich es. Doch ich habe gelernt und erlebt, dass Angst immer ein schlechter Ratgeber ist. Angst führt nicht in die Weite, sondern macht eng. Davon habe ich mich frei gemacht – mein veränderter Glaube hat mich frei gemacht.

Heute lebe ich einen Glauben an einen Jesus, der in den Krisen der Menschen immer gegenwärtig war und blieb: Mitten im Sturm war er bei den Jüngern; den von Aussatz befallen Menschen hat er sich untergemischt; den Hunger hat er zu Stillen gewusst. Es gibt noch viele Beispiele in der Bibel, die zeigen, dass Jesus stets bei den Menschen war. In ihren Ängsten an ihrer Seite. In ihrem Stolpern durch das Leben hat er Steine aus dem Weg geräumt. Angesichts des Todes hat er um Lazarus geweint – und ihn in das Leben zurückgeholt.

Ein Jesus, der mit mir in meiner Lebenssituation steht. Ein Jesus, der bei den Menschen ist. Für die Menschen. Mit den Menschen. Der manchmal keine Antwort auf meine Fragen hat. Aber da ist. Neben mir. Mit mir schweigend und betend. Ein Jesus, der mir nicht mit der Hölle droht. So ganz anders als der Jesus, der mir zu Beginn meines Glaubens vor 43 Jahren gepredigt wurde.

Diesem Jesus will ich glauben, dass er für mich ewige Worte hat, die hier und heute gültig sind und meinem Leben den Weg weisen – wozu auch das Einhalten der Vorsichtsmaßnahmen zählt. Auch und gerade in diesen Tagen und Wochen kann sich mein Glaube als stark erweisen trotz aller Bedrohung.

Amen. 

(Gedanken zum Tag von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

Miteinander verbunden

Eigentlich ist es genau dieses Bild, das zeigt was uns Menschen antreibt, was uns wichtig ist. Wir wollen miteinander im Kontakt sein, unsere Beziehungen pflegen und einander nahe sein. 

Doch genau das ist es, was jetzt nicht geht. Körperlich Nähe wird zur Gefahr. 
Das heißt aber nicht, dass wir nicht miteinander verbunden sind.

Für uns im Missionswerk eine Herausforderung, der wir uns im Kontakt mit unseren Partner*innen auf der ganzen Welt immer wieder stellen müssen. Wie sind wir miteinander in Beziehung, ohne uns persönlich zu begegnen?
Eine Form ist das Gebet. Im Wissen, dass wir miteinander und füreinander beten, werden unsere Beziehungen gestärkt und wir sind verbunden.

Was also über den ganzen Globus funktioniert, das funktioniert auch von Haus zu Haus. So lassen sie uns miteinander und füreinander beten, für unsere Nachbar*innen und die Menschen an weiter entfernten Orten:

Barmherziger Gott, 
in diesen Tagen merken wir einmal mehr, dass wir sterblich sind.
Die Angst vor der Infektion ist allgegenwärtig.
Viele von uns haben mit den Auswirkungen des Corona-Virus zu kämpfen, hier bei uns in Deutschland aber auch auf der ganzen Welt.

Wir bitten dich, Gott, stärke du uns in dieser schwierigen Zeit und lass uns auch an die Menschen denken, die in anderen Ländern leben und mit dem Virus mindestens genauso zu kämpfen haben wie wir.

Wir denken an Brüder und Schwestern in den europäischen Nachbarländern, besonders in Italien.
Wir denken an die Menschen in Afrika, Asien und Australien, sowie die Menschen in Nord- und Südamerika.
Komm du mit deinem Geist der Heilung in diese Welt und hilf uns, die richtigen Wege zu gehen.

Zeig du uns, die Verbundenheit mit Brüdern und Schwestern in einer Zeit, in der alles auf Distanz geht.
Verbinde du uns im Glauben zu einer großen weltweiten Gemeinschaft.

Von deinem Geist gestärkt, Herr, und in der Verbundenheit aller Christen weltweit beten wir gemeinsam, ein jeder und eine jede von seinem und ihrem Platz aus.
Wir beten in dem Wissen, dass wir nicht alleine sind, sondern im Geist vereint, egal wo wir sind.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. 
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

(Ein Impuls von ELM-Pastorin Indra Grasekamp)

 

ELM Aktuell

Projekt

Verteilung von Hilfsgütern - Projekt des Monats

Ludwig- Harms-Haus

Ludwig-Harms-Haus in Hermannsburg

Fachhochschule

Fachhochschule für interkulturelle Theologie

ELM Service