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Nicht mein Zirkus - Geistlicher Impuls für den 31. Mai 2021

„Siehe, jetzt ist die willkommene Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“

(2. Korinther 6,2)

Wann, wenn nicht jetzt? Oder auch: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen! Der Aufruf jetzt zu handeln und Dinge nicht zu verschieben ist nicht neu. Man liest ihn in jedem Ratgeber, im Zweifelsfall haben es Eltern oder Großeltern schon gesagt und selbst in jetzt so in Mode gekommenen Achtsamkeitstrainings sind mindestens Elemente davon vorhanden: mache es jetzt und nicht irgendwann später.

Aber so einfach ist es nicht, zumindest nicht für mich. Denn das bedeutet auch zu wissen, was ich denn direkt machen soll und was später. Denn ich kann ja nicht alles gleichzeitig jetzt tun. Und da fängt bei mir das Problem an? Manchmal schaue ich erstaunt auf Menschen, die so eindeutig wissen, was ihre Bestimmung ist. Was jetzt gerade dran ist und wie sie dementsprechend ihre Prioritäten setzen. Bei mir war das nie so. Ich konnte mir schon als kleines Kind  vorstellen Ballettänzerin oder Tierärztin zu werden. Und später schwankte ich zwischen Professorin und Verkäuferin. Und auch heute, wo ich beruflich ganz zufrieden bin mit dem was ich tue, kann ich mir berufliche Alternativen vorstellen, die wenig bis gar nichts damit zu tun haben, was ich jetzt tue. Was also tun? Ab heute etwas ganz Neues beginnen? Und dann gibt es ja auch Dinge neben dem Beruf, die getan werden wollen: Hobbys, Familie, Verpflichtungen, Sport, Freundschaften pflegen. Was davon mache ich heute? Was morgen? Was gar nicht? Ich finde solche Entscheidungen schwierig. Aber vielleicht fange ich so an, wie die „Alten Bekannten“, die in einem ihrer neueren Lieder singen:

Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen

Die werden ihren Kram schon ohne mich schaffen

Nicht meine Baustelle, nicht mein Haus

Darum halt ich mich da raus.

Das fällt mir zwar auch schwer, aber zu bestimmen, was jetzt nicht erledigt werden muss, zumindest nicht durch mich, ist für mich einfacher als positiv zu bestimmen, was jetzt dran ist. Denn sich für alles und jedes zuständig (und kompetent) zu fühlen ist auch eine Form der Hybris. Und niemand ist unersetzlich (auch ich nicht). 

Also fange ich heute an es auszuprobieren: bevor ich etwas tue stelle ich mir im Juni die Frage, „ist das mein Zirkus, sind das meine Affen“? Mal schauen wo mich das hinführt ...

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin der Abteilung Öffentlichkeit & Fundraising im ELM)

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Der Sprung in der Schüssel - Geistlicher Impuls für den 28. Mai 2021

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: “Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.” Die alte Frau lächelte. “Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?” “Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen.

Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.” (Verfasser unbekannt)

Welch eine schöne Geschichte. So ist es doch auch bei uns Menschen. Wir haben auch so manche Macke oder Sprünge, die uns und unser Leben zu etwas ganz Besonderem machen. So dürfen wir auch unsere Mitmenschen sehen und sie so nehmen wie sie sind und das Gute und Wertvolle in ihnen sehn.
(Ein Impuls von Kornelia Pufal, Teamassistentin Globale Gemeinde im ELM)

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Gott schaut mich an - Geistlicher Impuls für den 27. Mai 2021

"Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht." (1. Mose 16,13)

Hagar, eine Slavin, wird von dem Ehepaar Sara und Abraham in die Leihmutterschaft gezwungen. Sie ist in einer unterprivilegierten Situation und flieht schwanger vor den Demütigungen der eifersüchtigen Sara in die Wüste.

Ein Engel findet sie dort und spricht sie mit ihrem Namen an. Er hört sie an und bedeutet ihr, dass sie zurückkehren soll. Sie soll sich unter der Hand ihrer Herrin demütigen, doch sie bekommt eine Verheißung mit auf den Weg. Ihr Kind soll der Erste von zahlreichen Nachkommen sein, die wie die Sterne am Himmel nicht zu zählen sind. Es soll Ismael heißen: Gott hat gehört.

Gott hat gehört! Gott hat ihr Leiden und ihre Rufe gehört. Und Hagar erkennt dies als einen Wendepunkt. Sie weiß nun: „Gott sieht mich! Gott schaut mich an. Gott schaut nicht weg. Gott sieht mich, eine Slavin, die zum Beischlaf und zur Leihmutterschaft gezwungen wurde, die kein Recht über ihren eigenen Körper hat, und sieht mich dennoch an. Der Engel erzählt mir von dem Versprechen, dass es für mich mehr gibt als dieses Leiden jetzt.“

Auch Hagar ist geschaffen nach dem Ebenbild Gottes. Auch für sie gilt die Zusage Gottes geliebtes Kind zu sein. Gott schaut sie an.

Lebendiger Gott,
der du für uns wie Vater und Mutter bist,
Du hast uns nach Deinem Ebenbild geschaffen,
männlich und weiblich,
intersexuell und transident,
lesbisch und schwul.
Du hast uns geschaffen mit vielen Schattierungen
in der Farbe unserer Hände und unserer Haare.
Du hast uns geschaffen,
jung und alt, groß und klein,
dick und dünn, kompliziert und einfach.
Du hast uns geschaffen
So wie du auch bist.
Trotz unendlich vieler Namen
Können wir nicht alle deine Gesichter beschreiben.
Du bist Vielfalt, die Fülle lebt in dir.
Lebendiger Gott, Gott der Güte und der Liebe
segne uns.
Du schaust tiefer als alle anderen.
Du schaust mich an.
Segne mich.

Amen
(Ein Impuls von Gabriele De Bona, Referentin Gender International und Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien im ELM)

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Alles hat seine Zeit - Geistlicher Impuls für den 26. Mai 2021

„Alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun.“ (Prediger 3,14)

Es scheint, als sei dem Menschen die Mitbestimmung genommen. Am Lauf der Welt kann ich nichts ändern. Mein Leben ist von mir nicht beeinflussbar. Also, Mensch, ergib dich deinem Schicksal. Du bist eine Marionette!

So kann die heutige Losung gelesen werden. Ich hingegen lese sie als eine große Befreiung, die mich befähigt, das Leben mit seinen Möglichkeiten und Begrenzungen anzunehmen.

Die Losung steht im Kontext der „großen Predigt“ von der Zeit. Alles hat seine Zeit… Lachen hat seine Zeit und Weinen hat seine Zeit…Pflanzen hat seine Zeit und Ausreißen hat seine Zeit…

Kein Zustand hält ewig an. Nicht die guten Zustände und nicht die zerstörenden. Auch keine Pandemie hält ewig an. Das ist für mich eine Zusage der Hoffnung.

Wenn ich mit Menschen über den Kreislauf der Natur zu sprechen komme, dann ist jedem sofort nachvollziehbar, dass es Sommer und Winter gibt. Die Natur steht in voller Blüte, und sie zieht sich zur Erholung zurück, um neue Kräfte zu sammeln.

So ist es auch mit den verschiedenen Phasen in eines Menschen Zeit. Sich dagegen zu wehren, ist eine Vergeudung von Kräften. Aber Ja sagen zu dem, was das Leben jetzt für mich bereit hält, lässt mich ganz in der Gegenwart sein. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, die Zukunft nicht beeinflussen. Aber im Hier und Jetzt leben und diesen Augenblick gestalten, das kann ich. Und genau darum geht es in der Losung. Sie will mich zu einem Gegenwartsmenschen machen. Nicht verbittert in die Vergangenheit schauen und nicht ängstlich in die Zukunft. Jetzt leben und diesen Augenblick genießen – oder ihn auch aushalten und dabei vertrauen, dass Gott mit seinem Segen gegenwärtig ist.
(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globale Gemeinde im ELM)

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Die Sache mit dem Wind - Geistlicher Impuls für den 25. Mai 2021

 "Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen." (Apg 2,1-2)

Wenn ich an Wind denke, wird mir klar, dass ich Wind erleben und erfahren kann. Wind als Luft, als Atem, als Sturm kann säuseln, pusten, wehen, rauschen brausen.  Wir sehen ihn nicht, wir sehen, was er tut.

Bei einem kleinen Erdbeben in Duisburg erlebte ich vorher eine Windstille. Das war unheimlich und fühlt sich bedrohlich an…..“die Ruhe vor dem Sturm“.

Atem bedeutet Leben. Zum Beipiel: den Atem einhauchen. Damit kann Leben gerettet werden. Ohne Atem wären wir unfähig zu riechen oder Schwingungen zu hören. Die Samen könnten sich in der Pflanzenwelt nicht verteilen.

Der Wind ist in vielen Kulturen Gottes Atem, die Kommunikationsform Gottes mit den Menschen. Im Alten Testament wird von Gottes Geist als „ruach“ gesprochen. „Ruach“ umfasst die Bedeutungen Wind-Sturm-Atem-Geist. Wind kann auf der einen Seite beleben aber auf der anderen Seite auch wenn er stark ist, zerstören.

So ist Gott spürbar, als sanftes Säuseln wie bei dem Propheten Elia oder als gewaltiger Sturm bei den Jüngern an Pfingsten.          

Ich denke, dass die Jünger dieses Zeichen des Geistes benötigten, um Kraft zu bekommen, selbstsicher und mutig genug zu sein, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Ein Zeichen dafür, dass Gottes Geist in der Welt weht. Wie der Wind Dinge in Bewegung bringt, so bringt der Geist Gottes die Menschen in Bewegung. Eine Kommunikationsform auch für mich. Ein Aufwind meines Lebens für ungeahnte Höhen oder wie ein angenehmer Rückenwind!

Also: Auf jeden Fall wieder den Wind um die Nase wehen lassen.
(Ein Impuls von Ute Penzel, Referentin Bildung International & Ökumenische Zusammenarbeit Indien im ELM)

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Es geschieht noch heute - Geistlicher Impuls für den 21. Mai 2021

Entflammt sein für etwas
Begeistert werden
Feuer und Flamme sein
Bewegt sein
Von etwas erfasst sein
Feuer fangen
Ohne Worte verstehen

In unserem Alltag gebrauchen wir Wortwendungen, die sich unmittelbar aus der Pfingsterfahrung der Jünger und Jüngerinnen in der Apostelgeschichte ableiten lassen. Dort wird von Gottes Bewegungstherapie für erstarrte Jünger und Jüngerinnen berichtet. Homöopathisch mit Nebenwirkungen. Die Welt wird verändert.

Menschen machen immer wieder die Erfahrung, dass sie etwas ansteckt – obwohl die äußeren Umstände oder die beteiligten Personen, das gar nicht erwarten lassen. Ich erinnere mich an einen Gottesdienst in Südafrika, der vier Stunden dauerte, in dem ich fast kein Wort verstand, der mich aber in Bewegung brachte, im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch im übertragenen. Es hat mich angerührt, wie diese Menschen ihren Glauben ausdrücken.

An eine andere Erfahrung kann ich mich auch in Deutschland erinnern. Buß– und Bettag. Überhaupt keine fröhliche Angelegenheit. Nach der Beichte lud ich die Menschen ein, nach vorn an den Altar zu kommen und sich Vergebung und Segen mit Handauflegung zusprechen zu lassen. Gegen meine Erwartung kam fast die ganze Gemeinde und es war eine ganz dichte Atmosphäre.

Schließlich muss ich auch an den Vater von vier Kindern denken, einen kräftigen Landwirt. Er stand nachdem wir lange im Kirchenvorstand über die Zulassung von Kindern zum Abendmahl diskutiert hatten, mit seinen vier Kindern das erste Mal beim Abendmahl und Tränen liefen ihm über das Gesicht. Er spürte eine tiefe Verbindung mit seinen Kindern und mit der Gemeinde in dieser Situation durch Christus, der uns an seinen Tisch geladen hat.

Es geschieht also auch noch heute: Gott wirkt unter uns. Wir benennen das als den Heiligen Geist, der wirkt. Und er wirkt, ohne dass wir das einplanen können. Aber manchmal auch mit und durch unsere Vorbereitung und Planung hindurch.

Es gibt genug Fragen, die wir im Moment nicht beantworten können. Ich frage mich zum Beispiel, wie das ELM nach der Pandemie mit seinen Partnern in Zukunft zusammen arbeiten wird. Wo und wie interkulturelle Theologie nach der Schließung der FIT in Deutschland akademisch weiter gelehrt werden kann und Menschen zu einer globalen, diversitätssensiblen Theologie ausgebildet werden können? Ob wir es als ELM schaffen, gemeinsam mit den Partnern immer wieder Zeichen gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zu setzen und so Menschen neue Hoffnung geben können? Wie wir die Gute Nachricht immer wieder so bezeugen, dass sie Menschen begeistert und so Kraft, Hoffnung und Mut für das Leben und ihr Engagement gibt?

Gott sei Dank lässt Gott uns mit diesen Aufgaben nicht allein zurück – Wie ich darauf komme? Der Leitvers zum Pfingstfest gibt mir die Zuversicht. Dort heißt es:

"Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth." (Sachaja 4,6b)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein bewegtes Pfingstfest. Bleiben Sie begeistert für Gottes Mission in unserer Welt. Er will Menschen wie Sie und mich gebrauchen.
(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Singen - genau mein Thema - Geistlicher Impuls für den 19. Mai 2021

"Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder." (Psalm 98, 1)
"Singt Gott dankbar in euren Herzen." (Kolosser 3,16)

„Singen – genau mein Thema“, das habe ich Frau Burmester geschrieben, als ich sah, dass noch niemand für diesen Tag, diese Andacht eingetragen war.

Singen kommt laut meiner Konkordanz zur Lutherbibel gut 100 mal in der Bibel vor und die Aufforderung, ein „neues Lied“ zu singen auch mehrmals. Singen kommt in der Bibel vom 2. Buch Mose bis zur Offenbarung vor (wo ebenfalls von einem neuen Lied die Rede ist). Merkwürdiger Weise ist im Neuen Testament aber eher weniger vom Singen die Rede.

Dass Singen an sich eine gute Sache ist, braucht man wohl nicht ausführlich zu begründen. Allerdings: für manche ist es nicht selbstverständlich (https://www.youtube.com/watch?v=MvV1ilsSFsI). Aber wer es selbst praktiziert – und wenn es nur unter der Dusche ist - , macht vielfältige gute Erfahrungen. Singen lenkt vom Alltag ab, es erleichtert auch psychisch. Die AOK schreibt: „Studien mit professionellen Sängern lassen darauf schließen, dass Menschen, die oft und viel singen, entspannter sind und sich insgesamt besser fühlen. Zum Beispiel haben schwedische Forscher herausgefunden, dass das „Kuschelhormon“ Oxytocin während des Singens vermehrt ausgeschüttet wird.“ Ich sag´s noch einfacher mit Worten, die ich mal irgendwo aufgeschnappt habe: Singen pustet den Staub von der Seele. Und davon sammelt sich ja immer eine ganze Menge an.

Was aber bedeutet die Aufforderung, ein „neues Lied“ zu singen? Sind Johann Sebastian Bach, Paul Gerhardt oder Matthias Claudius out? Müssen wir uns auf Shakira, Bushido und Mark Forster umstellen? Vielleicht … Nun muss ich aber doch auf die Begründung für das Singen kommen: „… denn er tut Wunder“. Das alte Lied der Menschheit: die Lieblosigkeit, die uns immer wieder befällt, der sich immer wieder zeigende Hass und Rassismus und die Neigung zur Bosheit sollen überwunden werden. Dazu ist nicht weniger als ein Wunder nötig. Gott hat dazu einen Anfang gemacht. In Jesus zeigt er uns den Weg, ja er ist selbst für uns der Weg, aus dem menschlichen Dunkel aufzusteigen an das Licht. Das ist der Grund für das neue Lied, das in der Menschheit schon lange immer wieder erklingt.

Paulus schreibt: "Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden." Und ich möchte hinzufügen: … und singt mit ihnen allen.
(Ein Impuls von Detlef Kohrs, Geschäftsführer des ELM)

Die ganze Geschichte ist voll von immer wieder neuen Liedern, die dem Herrn gesungen werden. Von der Gregorianik über die Renaissance, Barock, Klassik, Romantik bis zu den zahlreichen zeitgenössischen Musikstilen. Ich bin Chorsänger und liebe Bach, aber hier noch ein paar Anregungen, Jesu Botschaft auch mal anders zu hören: (eine völlig subjektive Mini-Auswahl nach meinem Geschmack)

  • Aretha Franklin, Are you sure (Ein mutmachender Zuspruch zum Gebet.)
  • Bobby McFerrin, The 23rd Psalm (Vertonung 23. Psalm, die vor allem auch feministischen Theolog*innen gefallen wird.)
  • Trombone Shorty, Get The Picture (Mahnung auf christlicher Grundlage – so höre ich es jedenfalls. Die Danksagungen auf der Platte beginnen mit: „Tank you God, Mom, Dad, …“)
  • Take 6, Come Unto Me (Vertonung Mattäus 11, 28 – 30.)

Für Jazz-Liebhaber seien noch die Sacred Concerts von Duke Ellington erwähnt, die es in zahlreichen Aufnahmen gibt.

Alle Genannten (und viele andere) machen natürlich auch sonst gute Musik – oder haben sie gemacht.

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Der Lockdown, eine gottgefällige Maßnahme - Geistlicher Impuls für den 18. Mai 2021

Das Covid-19-Corona-Virus, das in neuen Wellen die Welt überschwemmt, ist eine bedrohliche Situation mit hoher Gefährdung für das menschliche Leben. Viele Nationen haben Lockdowns und Ausgangssperren verhängt, um die Viruskette zu unterbrechen und Menschenleben zu retten. Nationen und Bürger, die sich ernsthaft an die Lockdowns und Covid-Protokolle gehalten haben, waren in der Lage, das Virus zu kontrollieren und haben es geschafft, seine Ausbreitung einzudämmen und damit die Todesrate zu kontrollieren. 
Im Gegensatz dazu gab es Länder, die es mit den Abriegelungen nicht so ernst meinten, so dass die Bürger sich auch weiterhin bei Massenveranstaltungen im Freien aufhielten und sich so verhielten, als gäbe es das Coronavirus gar nicht. Das neue Akronym SMS für Sanitization-Mask-Social Distance wurde von der Öffentlichkeit vernachlässigt. All dies geschah, während die Covid-Krieger an vorderster Front wie Ärzte, Polizei, Gemeinden, zivile lokale Verwaltungen, religiöse Institutionen und NGOs damit beschäftigt waren, im laufenden Betrieb zu unterstützen und Leben zu retten. 
Wir könnten aus dem Wort Gottes Licht bekommen, wie wir eine solche Mammutkrise, die von globalem Ausmaß ist, angehen können.
1.    Das Passahfest: "... Und keiner von euch gehe zu seiner Haustür heraus bis zum Morgen."  (Exod. 12,22) gibt uns ein Beispiel für einen Fall, in dem die Hebräer von Gott aufgefordert wurden, im Haus zu bleiben, um dem Tod zu entgehen. Gott ordnete einen Lockdown an. Die Hebräer folgten Gottes Anweisung und retteten ihr Leben.

2.    Die Sintflut: "Und er ging in die Arche mit seinen Söhnen, seiner Frau und den Frauen seiner Söhne vor den Wassern der Sintflut." (Gen.7,7). Als die Sintflut massenhaftes Sterben verursachte, hielten sich Noah und seine Familie gemäß Gottes Anweisungen im Innern der Arche auf. Noahs Einschluss für 40 Tage und 40 Nächte rettete das Leben der Familie und der anderen Geschöpfe.

3.    Der Tod: "Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden ...." (Johannes 20,19). Als der Tod draußen drohte, haben die Jünger Jesu ihr eigenes "Locked-In" festgelegt und sind drinnen geblieben, bis Jesus zu ihnen kam und sie von der Angst vor dem Tod und den Todesmächten befreite.

4.    Prophezeiung: "Geh hin, mein Volk, in deine Kammer und schließ die Tür hinter dir zu! Verbirg dich einen kleinen Augenblick, bis der Zorn vorübergehe." (Jes. 26,20). Der Prophet Jesaja rät dem Volk angesichts einer großen Drangsal, sich zu verschließen und sich zu retten.

Diese Beispiele aus dem Wort Gottes zeigen uns, wie Gott das Leben von Gottes Volk in jeder Lebensgefahr schützte. Gottes Volk folgte Gottes Führung und rettete sich aus jeder dieser Situationen, die ihr Leben bedrohten. 

Das United Theological College, in dem ich als Rektor diene, folgt nicht nur dem Lockdown gemäß dem Regierungsgesetz, sondern wir haben auch für uns selbst ein "Locked-In" festgelegt, d.h. wir bleiben in den Häusern, bis die Viruskette in der Gemeinde durchbrochen ist. Eine solche Disziplin ist erforderlich, bis die Viruskette durchbrochen ist und alle Bürger der Welt mit den zwei Dosen des Impfstoffs gegen dieses tödliche Covid 19 Corona Virus versorgt sind.

Möge Gottes Wort uns in diesen kritischen Zeiten dazu befähigen, die Abriegelung strikt zu befolgen und die Covid-Protokolle einzuhalten, um sicher zu bleiben und Leben zu schützen.
(Ein Impuls von Prof. Dr. Chilkuri Vasantha Rao, Rektor des United Theological College, Bengaluru, Indien)

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Gott sei Dank! - Geistlicher Impuls für den 17. Mai 2021

„Gott sei Dank!“ Wie oft im Leben ist mir dieser Satz schon entfahren. Als Ausruf der Erleichterung, weil etwas nicht eingetreten ist, dass mich aus der Fassung hätte bringen können: Eine Niederlage, Schmerz vielleicht oder eine Diagnose gar, die mich mit dem Tod konfrontiert hätte. „Glück gehabt!“, denke ich dann und atme tief durch.

Vielleicht aber ist auch ein Projekt zu einem glücklichen Ende gekommen, das ich mir vorgenommen hatte und zu scheitern drohte. Gott sei Dank ist es anders gekommen — und schon wieder hat Gott scheinbar seine Hand im Spiel. Hat er?

In der Josefs-Geschichte im Alten Testament ist das so. „Der Herr war mit Josef, und was er tat, dazu gab der Herr Glück.“ 1. Mose 39,23

Trotz widriger Umstände in der Gefangenschaft kann sich der Sklave Josef auf das bewahrende Eingreifen Gottes verlassen: Mit seiner Hilfe gelingt Josef alles, was er im Haus seines ägyptischen Herren an Diensten zu erfüllen hat. Das bringt ihm Anerkennung, Vertrauen und ein vergleichsweise gutes Leben ein.

Und selbst, als er aufgrund einer falschen Verdächtigung, die Ehefrau seines Herren vergewaltigt zu haben, ins Gefängnis kommt, bleibt er von der schwersten Strafe, die ihm für eine solche Tat gedroht hätte, verschont: dem Tod. „Gott sei Dank!“ Josef hatte allen Grund, dies zu sagen, ganz bewusst und mit vollem Vertrauen auf Gott.

Und ich? Wie schnell kommt mir dieser Ausruf über die Lippen, meist unbedacht, weil man das eben so sagt, wenn etwas noch einmal gut gegangen ist. Aber glaube ich auch daran, dass Gott seinen Anteil an meinem Glück hatte? Und warum sollte ausgerechnet mir Gottes Eingreifen gelten, ich habe ihn nicht darum gebeten! Und was ist mit den Momenten, in denen Gott zu fehlen, er nicht die schützende Hand über Menschen zu halten scheint? Menschen, die Opfer wurden und sind, denen Unrecht geschieht, die schutzlos sind gegenüber offener Gewalt, unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und fliehen müssen, und und und. Das nährt Zweifel…

Dennoch: Gern hätte ich öfter die Zuversicht, die Gewissheit, das schier unerschütterliche Gottvertrauen von Menschen wie Josef. Denn immerhin könnte es ja sein, dass Gott trotz meiner Zweifel, meiner Ängste und meines Kleinglaubens viel stärker in mein Leben eingreift als ich es wahrhaben will. Menschen wie Josef sind sich dessen sicher. Das hilft ihnen in der Not und über so manche prekäre Situation hinweg und lässt sie sagen: „Gott sei Dank!“   

(Ein Impuls von Dirk Freudenthal, ELM-Chefredakteur)

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Der Himmel steht (uns) offen! - Geistlicher Impuls für den 12. - 16. Mai 2021

Himmelhochjauchzend – himmlisches Vergnügen – der Himmel auf Erden – das schmeckt himmlisch – ich fühle mich wie im 7. Himmel. Ich kenne keine „himmlische“ Umschreibung, die negativ besetzt ist. Das Himmlische ist positiv, setzt freudige Energie in mir frei. Dadurch werde ich in die Weite geführt, weil sich mir ein Horizont eröffnet.

Genau das hat die Himmelfahrt Jesu zum Ziel: der Himmel wird geöffnet und ich werde in die Weite geführt.

Noch bin ich auf dieser Erde. Herausforderungen umgeben mich, die sich wie eine Last auf meinen Schultern anfühlen können. Das Weltklima, Corona, das neue entflammte Aufrüsten der Weltmächte. Das sind nur wenige Schlagworte. Schnell kann ich dabei die Orientierung verlieren. Ich fühle mich klein und überfordert. Ja, das ist so. Schnelle und effektive Lösungen sind nicht in Sicht.

Die Himmelfahrt Jesu ist für mich in solchen Situation ein Trostereignis geworden. Denn Jesus hat sich nicht aus dem Staub gemacht und überlässt uns Menschen jetzt das ganze Schlamassel. Sondern er hat den Himmel geöffnet. Und ihn nicht wieder verschlossen! Er bleibt geöffnet. Dabei lädt er mich ein, meiner Blickrichtung eine neue Perspektive zu geben: du bist nicht alleine gelassen. Ich habe dich im Blick. Ich habe die Welt im Blick. Und von meinem himmlischen Thron will ich dich leiten, damit du mit all den Herausforderungen noch frei atmen kannst und eine Idee bekommst, wie es besser werden kann. Besser für dich und besser für die Welt.

Die Frage ist nur, ob ich bereit bin, meine Blickrichtung zu ändern und mich vom Himmel inspirieren lasse? Dabei kann nur Gutes herauskommen. Denn zum Himmel gibt es keine negative Verbindung.

Dafür sollen wir Zeugen sein (Lukas 24,48).
(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globale Gemeinde im ELM)

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Ich mache mir Gottes Verheißung zu eigen - Geistlicher Impuls für den 11. Mai 2021

"Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest." (Psalm 91,11 und 12)

Der 11. Mai ist für mich ein besonderer Gedenktag, weil Gott mich an einem 11. Mai im Jahre 2000 auf besondere Weise behütet und vor Schlimmem bewahrt hat. Als es passierte, kamen mir diese Psalmworte sofort in den Sinn. Ja, ich weiß, dass sie für Jesus geschrieben und gemeint waren (auch wenn der Feind sie gegen ihn benutzte). Aber ich, als Kind meines himmlischen Vaters, darf sie auch annehmen. Was war geschehen? Ich stieg in meinem Hof auf eine nicht richtig gefestigte Leiter, um auf eine Art offenen Boden zu steigen, der zum Aufbewahren vieler Dinge dient (in Peru gibt es keine Keller und Böden). Als ich meinen einen Fuß schon dort aufgesetzt hatte, gab die Leiter unter mir nach, und ich fiel 2,40 m runter, und zwar rücklings, wie ein Sack auf den Zementboden. Ich hätte tot sein können oder, was noch schlimmer gewesen wäre, querschnittsgelähmt. Mein Mann lebte ja schon jahrelang im Rollstuhl! Aber ich blieb behütet und kann es mir nur so erklären, dass ein Engel seine Hände unter mich gehalten und mich aufgefangen hat. Ja, ich mache mir Gottes Verheißungen zu eigen. Ich lese sie jeden Morgen seit vielen Jahren in Spurgeons „Kleinoden göttlicher Verheißungen“. Da ist auch der 11. Mai besonders markiert, weil ich nie aufhören will und darf, meinem Gott für diese Bewahrung zu danken.
(Ein Impuls von Sylke Llanos, Lutherische Kirche Cristo Rey, Lima/Peru. Die Gemeinde „Cristo Rey“ wurde in den 1980er Jahren von dem Hermannsburger Missionar Hans-Werner Mehnert gegründet; Frau Llanos gehörte zu den Gründungsmitgliedern und war zeitweise auch Präsidentin der Gemeinde.)

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Unter Gottes Schutz - Geistlicher Impuls für den 10. Mai 2021

"Er wird dich mit seinen Fittichen decken, / und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild," (Psalm 91,4)  

In meiner Heimat habe ich Hühner gesehen, die Eier legten aus denen Küken schlüpften. Manchmal konnten wir sogar 10 bis 15 geschlüpfte Küken sehen. Die Henne pflegte die Küken so zu lenken, dass sie Futter finden konnten. Plötzlich schaut sie auf, macht ein anderes Geräusch und alle Küken rennen auf einmal auf die Henne zu, lassen ihr Futter zurück und erreichen die Seite der Henne. Die Henne breitet beide Flügel aus. Sie kann sogar 10 oder 15 Küken mit ihren Flügeln bedecken (um sie vor dem Adler zu schützen). Die Küken können so von außen nicht gesehen werden.

Die Henne macht ein Geräusch, sobald Gefahr droht. Die Henne schützt die Küken, indem sie sie mit ihren Flügeln bedeckt und schützt: So kann die Gefahr durch den Adler sie nicht berühren.

Einfach so beschützt Gott dich auch unter seinen Flügeln. Wie wunderbar ist Gottes Liebe? Gott bleibt Tag und Nacht wach und schützt dich vor jeglichem Schaden (Psalm 121).

Wenn sich eine Pandemiesituation oder eine Gefahr oder ein Kampf nähert. Er ist der Gott, der uns unter seinen Flügeln beschützen wird, damit keine Gefahr uns berühren kann. Er wird dich mit seinen Federn bedecken.

Glaube an Gott und sage es jeden Tag, du wirst uns mit deinen Flügeln bedecken, und wir werden Zuflucht unter deinen Flügeln finden. Vielen Dank für deine Liebe, die mich und meine Familie unter deinen Flügeln schützt. Amen.
(Ein Impuls von Esther Srinivasan, Süd-Nord-Freiwillige 2017/18 aus Indien)

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Kampf gegen Windmühlen? - Geistlicher Impuls für den 7. Mai 2021

Im Zuge der Überarbeitung einiger Seminarinhalte beschäftige ich mich zurzeit viel mit dem Regenwald, der Klimakrise und damit, wie zerstörerisch sich unsere Lebensweise beispielweise in Deutschland auf Menschen, Tiere und Natur in der ganzen Welt auswirkt. Wenn ich mir diverse Zahlen, Fakten und Zustände vor Augen führe, überkommt mich ehrlich gesagt manchmal eine gewisse Ohnmacht. Systeme, Infrastrukturen und Denkweisen des Egozentrismus sind so tief eingegraben in unsere Welt, in unsere Gesellschaft, in mein persönliches Leben – werden wir jemals zu einem Lebensstil kommen, der die Natur, Tiere und Menschen nicht ausbeutet, keinen Schaden anrichtet und den kommenden Generationen eine schöne und gesunde Erde hinterlässt?

Natürlich gibt es unzählige wunderbare Beispiele, viele Lebensphilosophien, einige Gesellschaften, die nachhaltige, gesunde, faire und gerechte Ideen umsetzen und die zeigen: ja, es geht anders! Wir können anders leben! Jede und jeder kann damit anfangen. Der Kern des Globalen Lernens und unserer Seminare ist es, von einem Problembewusstsein hin zu der Fähigkeit zu kommen, die Welt als Weltbürger*in aktiv mitzugestalten und positive Gesellschaftsentwürfe und Visionen zu fördern.

Dennoch kommt es mir manchmal wie ein Kampf gegen Windmühlen vor, da bin ich heute mal ganz ehrlich. Auf einer Fortbildung habe ich eine wunderbare Methode kennen gelernt, die genau an dem Punkt der Ohnmacht angesichts einer Krise oder eines Problems ansetzt und eine andere Art zu denken fördern möchte: In einem Elfchen wird ein Problem aufgenommen und zum Ende des kurzen Gedichts soll es eine positive Wendung nehmen. Das habe ich angesichts meiner oben beschriebenen Gedanken noch einmal versucht:

Ohnmacht
unsere Lebensweise
zerstört die Erde
Gib uns ein neues Herz
Leben

Gebet:

Die Erde, die du schufst, ist dein.
Lass sie uns nicht zerstören
und endlich wach und willig sein,
auf dein Gebot zu hören.

Lob sei dir, Vater, Sohn und Geist,
du wirst uns Beistand geben.
Der du den Weg zum Guten weist,
du liebst und bist das Leben.
(Detlev Block)
(Ein Impuls von Annika Drieschner, Referentin Jugendarbeit & Globales Lernen im ELM)

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Vertrauen, das die Welt umspannt - Geistlicher Impuls für den 6. Mai 2021

Es war meine erste Reise nach Indien. Kaum angekommen besuchten wir viele Menschen, die sich auf uns freuten und uns nicht nur mit Blumengirlanden an der Haustür begrüßten. Immer wurden wir auch zum Essen eingeladen. Oft gab es neben vielen verschiedenen Currys vor allem Reis. Nach kurzer Zeit konnte ich nicht mehr. Mein Bauch fühlte sich an, wie eine Kugel. Ich bekam einfach keinen Bissen mehr herunter. Nun kam ich in einen Konflikt. Zu Hause habe ich gelernt, der Teller wird leer gegessen! Außerdem wollte ich den Gastgeberinnen gegenüber höflich sein und das Essen, das sie über offenem Feuer extra für uns gekocht hatten, nicht ablehnen. Aber es ging nicht mehr. So habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen nicht leer gegessenen Teller wieder auf den Tisch gestellt.

Überraschend war die Reaktion: freundliche Gesichter. Es kam mir vor, als dachten sie: Den haben wir satt bekommen. Ja, das stimmte. Ich war pappsatt.

Als ich heute Morgen die Losung aus dem Psalm 145 las, fiel mir diese kleine Szene ein.

"Aller Augen warten auf Dich und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen." 15f.

Gott wird hier angesprochen und der Psalmbeter redet von einer Speise, nicht nur den Leib satt macht – aber den auch. Der Psalmvers ist in meiner Familie zum Tischgebet geworden. Gesungen kenne ich ihn auch. Er drückt Vertrauen aus. Vertrauen, das die Welt umspannt. Gott sorgt für seine Menschen, Pflanzen und Tiere, wo immer sie sind. Was immer sie zu essen gewohnt sind. Wie immer sie ihr Wohlbefinden ausdrücken und beschreiben. Sie vertrauen: Gott sorgt für uns.

Wie hören wir diese Zuversicht und Hoffnung auf dem Hintergrund unseres aktuellen Lebens. Ich denke an einen Kollegen in Südafrika, der nüchtern feststellt: Geimpft werde ich wohl nie! – Es gibt zu wenig Serum. Aber er war nicht unruhig, sondern getrost.

Ich denke an eine Kollegin, deren Arbeitsplatz wegfällt, die erzählt mit Ruhe: Ich suche etwas anderes, fange früh an. Irgendetwas wird sich auftun. Und dann sind da noch die Schülerinnen und Schüler, deren Schulabschlüsse unter Coronabedingungen zustande kommen müssen. Sie fragen sich: Werde ich studieren können, eine Ausbildungschance haben? Manche können nicht mehr schlafen, aber vielleicht betet auch jemand: Meine Augen sehen auf dich Gott. Du leitest mich dorthin, wo ich mich ausprobieren kann, so wie es dir wohl gefällt. Und ob diese Beterin in Deutschland oder in Asien, Afrika oder Amerika lebt, wenn sie so betet zu ihrem Gott, spüren wir ein tiefes Vertrauen aus dem Kraft wächst, ihren Weg zu gehen.

In Indien ging es natürlich auch um viel mehr als Essen und Trinken. Was uns herzlich verbunden hat, war das Wissen, wir sind geborgen in Gott, dem wir vertrauen.
(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Über die Sanftmut - Geistlicher Impuls für den 5. Mai 2021

"Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen." (Matthäus 5,5)

Dieser heutige Lehrtext steht in einem gegensätzlichen Verhältnis zur Tageslosung, wo es im Buch des Propheten Jeremia im 27. Kapitel im Vers 5 heißt: „Ich habe die Erde gemacht und Menschen und Tiere, die auf Erden sind, durch meine große Kraft und meinen ausgereckten Arm und gebe sie, wem ich will.“ Während mir hier schnell das Bild eines allmächtigen, starken Supermann-Gott-Helden aufsteigt, stellt Matthäus dem Hörenden oder dem Lesenden das Bild und die Mächtigkeit eines sanftmütigen Wesens gegenüber.

Mich ärgert sofort, dass hier wieder von den Gestalter*innen der Tageslosungen der vermeintliche Gegensatz zwischen „Altem“ und „Neuem“ Testament aufgemacht wird. Wie so oft muss die hebräische Bibel als Beleg für die gewaltstrotzenden Texte des „Alten“ Bundes herhalten, um im Gegenzug die Textstellen innerhalb der griechisch-hebräisch-aramäischen Bibel umso friedlicher wirken zu lassen.

In der Zürcher Bibel wird dieser Vers übersetzt mit: „Selig die Gewaltlosen - sie werden das Land erben.“ Mir stellt sich die Frage, wer ist eigentlich gemeint? Die Herrschenden oder die Beherrschten? Appelliert der Vers an die Leitenden, die auf dem Thron sitzen, die für das Wohlergehen von vielen ihnen Untergeordneten zuständig sind? Oder ist gemeint, dass die Entrechteten auf ihre Situation, die vielleicht eine unheillose Unrechtssituation ist, mit Mäßigung, mit Milde, gewaltlos reagieren? Ein Aufruf auszuharren, das Kreuz zu tragen, dann kommt irgendwann für sie die Zeit, wo Gerechtigkeit herrscht?

Wäre das nicht ein Akt des Vertröstens?

Unter Wiktionary finde ich unter den Bedeutungen von Sanftmut, dass es eine „ausgeglichene, ruhige, geduldige und wohlwollende Gesinnung (ist), die einen Menschen selbst bei Kränkungen nicht in Zorn geraten lässt, sondern ein besonnenes Verhalten hervorbringt, das die Mitmenschen positiv beeinflusst.“

Die Sanftmut gilt als eine Charaktereigenschaft. Sie galt als Tugend für Menschen mit Macht- bei den alten Griechen und im monarchischen Europa. Verschiedene deutsche Herrscher trugen den Beinamen „der Sanftmütige“. Die Sanftmut steht den Temperamenten „Jähzorn“ und „Rache“ gegenüber.

An verschiedenen biblischen Stellen wird auch Jesus als sanftmütig bezeichnet. Er fordert seine Jünger*innen auf, ebenfalls dieser Gemütsart nachzustreben.

Eine Herausforderung!

Ich schaue nach Äthiopien, nach Tigray oder Oromia. Auch Menschen werden in Konflikte hineingezogen, die wenig dazu beigetragen haben. Es gibt unvorstellbare Gewalt. Kann ich noch sanftmütig sein, wenn meine Tochter vergewaltigt wurde, wenn mein Ehemann massakriert wurde? Schreit es in mir nicht nach Vergeltung?

Und doch höre ich von einer betroffenen Frau, dass sie den Menschen dankbar ist, die ihr auf der Flucht geholfen haben. Diese Menschen, die ihr zu essen gaben, kannte sie vorher nicht. Sie ist voller Dankbarkeit, dass sie ihre Tochter und ihre Mutter wiedergefunden hat, und dass sie jetzt alle drei eine notdürftige Unterkunft haben. Ich höre nichts von Vergeltung.

Die Sanftmut ist machtvoll. Sie kommt vielleicht leise und unauffällig, aber wirksam.

Ich wünsche und bete, dass die Machthaber*innen in Äthiopien sich von der Sanftmut leiten lassen, dass sie von der Gewalt ablassen, dass sie Niemanden zur Gewalt anstiften und wieder Dialoge führen.

Die Sanftmütigen, sie sind es, die das Land ererben. Amen
(Ein Impuls von Gabriele De Bona, Referentin Gender International, Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien im ELM)

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Der Himmel geht über allen auf - Geistlicher Impuls für den 4. Mai 2021

Der Himmel geht
über allen auf
auf alle über
über allen auf

Es ist über alle derselbe Herr
reich für alle, die ihn anrufen

Der Himmel geht
über allen auf
auf alle über
über allen auf

Wenn ich Dich, Gott, anrufe
so erhörst Du mich
und gibst meiner Seele große Kraft

Der Himmel geht
über allen auf
auf alle über
über allen auf

(Eine Textcollage von Anette Makus, ELM aus den heutigen Losungstexten und dem Text von Wilhelm Willms 1974, (EG), Nr. 611 Der Himmel geht über allen auf)

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Dankbarkeit - Geistlicher Impuls für den 3. Mai 2021

"Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht was er dir Gutes  getan hat.“ (Ps. 103,2)

Über der Eingangstür unseres Hauses stehen diese Worte aus dem Psalter. Mehrfach passiere ich sie täglich, ohne bewußt darauf zu achten. Und doch fallen immer wieder einmal meine Blicke auf sie und lassen mich innehalten. Was hat Gott mir Gutes getan? Dann kommen mir unterschiedlichste Dinge in den Sinn und verbinden sich mit  Erinnerungen an viele Menschen, die mein Leben positiv beeinflußt haben, mich auf- und erzogen, forderten und förderten, anleiteten und lehrten, beschützten, beschenkten, Raum ließen zur Entfaltung und für Erfahrungen, Vorbild waren, Freunde wurden, mich liebten und mich lieben ließen, mir Versäumnisse nachsahen und herzlich vergaben, wenn ich an ihnen schuldig geworden war. All das sind aber nicht nur Erfahrungen, Erinnerungen und Erlebnisse der Vergangenheit, sondern sie ereignen sich tagtäglich wieder, in unterschiedlichen Situationen, an verschiedenen Orten und bei vielfältigen menschlichen Begegnungen. Und mir wird bewußt, was für ein reich beschenkter und gesegneter Mensch ich bin und sein darf.

In all dem sehe ich Gottes Handeln und Umgang mit mir und es tut mir gut, all dies immer wieder in Erinnerung zu rufen und nicht zu vergessen. Und dann danke und lobe ich Gott, still im Gebet und/oder mit einem Lied. Danke, lobe und singe doch heute mit:

Anbetung, Ehre, Preis und Ruhm, sei unserem Gott im Heiligtum, der Tag für Tag uns segnet, 
dem Gott, der Lasten auf uns legt, doch uns mit unsern Lasten trägt und uns mit Huld begegnet.
Sollt ihm, dem Herrn der Herrlichkeit, dem Gott vollkommner Seligkeit, 
nicht Ruhm und Ehr gebühren? 
Er kann, er will, er wird in Not, vom Tode selbst und durch den Tod 
uns zu dem Leben führen.
(EG 281,3    Matthias Jorissen)
(Ein Impuls von Horst Hinken, Referent Ausstellungen & Veranstaltungen im ELM)

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