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„… denn sie wissen nicht, was sie tun!“ - Geistlicher Impuls für den 31. März 2021

Schlagartig kam mir und kommt sicher auch manchen unter den Mitlesenden der Filmklassiker: „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ mit James Dean in der Hauptrolle in den Sinn. Als Rebell, der um Liebe und Anerkennung ringt, spricht James Dean in diesem 1950er-Jahre-Drama für das Lebensgefühl und die Sehnsucht einer ganzen Generation nach dem „wahren Leben“, für die man sich auch aufzuopfern bereit ist. Der Filmtitel geht zurück auf den Aufschrei Jesu am Kreuz und sein „Opfer“: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lk 23,34) lautet sein Ruf, den er unter höchsten Schmerzen ausgestoßen haben muss. Dies gilt als das erste seiner „sieben letzten Worte am Kreuz“, die sämtlich aus den vier neutestamentlichen Evangelien stammen. 

Diese Aussprüche wurden in frühchristlicher Zeit so aneinander gereiht, dass sie die Abfolge des Kreuzigungsgeschehens widerspiegeln. Die christliche Tradition markiert mit ihnen nicht nur die zeitliche Abfolge der Passionsgeschichte. Sie möchte eine tiefere Deutung des Geschehens an die Hand geben und ins Herz legen. Es sollen Weisungen aus Jesu Mund sein, die nicht nur den Jüngern, sondern der gesamten Christenheit gelten. Theologisch gesprochen redet hier der auferstandene Christus, der sich selbst durch den Heiligen Geist erschließen möchte. 

Worauf bezieht er sich? Auf das größte Unrecht, das ihm jemals angetan wurde. Unrecht, mit dem seinem Leben und allen Hoffnungen, die Menschen persönlich mit ihm und seiner Botschaft von der Erneuerung des Lebens verbanden, ein grausames Ende gesetzt wurde. 

Handelte es sich mit dem Todesurteil, das Pilatus im Einklang mit dem jüdischen Sanhedrin und letztlich nur vermeintlich durch eine Abstimmung im Volk fällen ließ, nicht um eine „Fehlentscheidung historischen Ausmaßes und mit größter Tragweite für die Menschheit?“„Natürlich, so war es!“, höre ich mich selbst, wütend werdend, antworten. Seine „Mission“ war somit lächerlich gemacht, er erniedrigt und seine Predigt als erfolglos erwiesen, oder? Soziale und theologisch weitblickende ReformerInnen mögen gestöhnt haben: „Die Chance zur Erneuerung der Welt vertan“!, oder: „Ein Unrechtsurteil, das nach einem korrupten Verfahren zum Todesstoß führen musste!“ Zyniker sagen: „Die Kreuzigung: Ein religiöser Rohrkrepierer, politisch motiviert!“

Jesus betet hier aber dagegen: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Er plädiert für „Vergebung“ und begründet das in zweierlei Weise: Vordergründig sagt er: „Diese Entscheider hatten bei ihrer Abstimmung doch inhaltlich überhaupt keine Ahnung von dem und auch kein echtes Interesse an dem, über das sie befanden!“ Hier kommt seine Wut, seine Verzweiflung in der Sache zum Ausdruck. Doch er bleibt nicht dabei stehen. Eingeweiht durch Gott, seinen Vater in dessen „Plan“ oder „ewigen Ratschluss“ weiß er, dass die Gegner paradoxer Weise mit ihrem Abstimmungsverhalten genau das Gegenteil von dem bewirkten, das sie erzielen wollen: Ihn mit seiner Mission und seiner Predigt vom nahenden Reich Gottes zu stoppen. 

Durch den Tod am Kreuz hindurch und mit der Botschaft der Auferstehung wird das Gottesreich erst in seiner wahren Fülle kundgetan. Jesus hält, allen Widernissen zum Trotz, an Gottes Mission und an seiner eigenen, ihm aufgetragenen messianischen Vision fest. Mit ihr behält er sehnsüchtig das „wahre Leben“ fest im Blick.

Amen.
(Ein Impuls von Prof. Dr. Moritz Fischer, Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) in Hermannsburg)

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Ein Stück Himmel - Geistlicher Impuls für den 30. März 2021

Für die Karwoche (Palmsonntag bis Ostersamstag) hat der NDR interessante Morgenandachten eingestellt, die ihr hier nachhören könnt. Das Manuskript für alle Sendungen könnt ihr hier lesen:

https://www.ndr.de/kirche/weber468.pdf

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"There's a crack in everything / That's how the light gets in"  (Leonhard Cohen) - Geistlicher Impuls für den 29. März 2021

Die Kanzlerin und die Ministerpräsident*innen müssen derzeit schwierige Entscheidungen bei großer Unsicherheit und unter hohem öffentlichen Druck treffen. Diese Entscheidungen mag man unterschiedlich beurteilen. Was mich erstaunt ist, wie gnadenlos die Urteile mancher Zeitgenoss*innen sind und wie perfektionistisch der Anspruch Vieler an diejenigen ist, die derzeit handeln und entscheiden müssen.

Wir haben Perfektion fest in unserer Kultur und unserem Denken verankert. Aber Perfektion gibt es nicht. Menschen sind nicht perfekt, sie sind nicht fehlerlos und nicht allwissend. Und auch die  Schöpfung ist nicht perfekt. 

Ich tendiere dazu, zu denken „Gott sei Dank nicht“ und zitiere einen 2012 geschriebenen Beitrag  von Rolf Krüger auf aufnkaffee.net/2012/08/coffee-to-go-xv-gott-macht-nichts-perfekt/:
„Perfektion ist ein Gedanke aus der griechischen Philosophie. Perfektion ist ein Zustand. Sie ist statisch. Sie lässt keinerlei Spielraum und lässt kein Wachstum zu. Denn nichts kann besser werden, wenn es einmal perfekt ist. […] Aber das Streben nach Perfektion ist trügerisch. 

Perfektion ist kalt. Hoffnungslos. Eng.

Das hebräische Denken kennt keine Perfektion. Es gibt nicht einmal eine Vokabel dafür. Die Schöpfung war (und ist) gemäß Schöpfungsbericht nicht perfekt. Sie war (und ist) „sehr gut“. Mit Raum zum Wachstum. Zur Veränderung. Zum Besserwerden. Zur Adaption an die Gegebenheiten der Zeit.

Wer „Perfektion“ denkt, der gießt alles in unabänderliche, feste Strukturen […]. Wer „Güte“ denkt, der lässt Luft zum Atmen, zur Veränderung, zur Adaption, zu einem immer wieder neuen und doch jedes Mal anderen „sehr gut“.“

Das würde ich mir wünschen: dass die, die jetzt so hart urteilen im Blick behalten, dass die Menschen, die jetzt entscheiden nicht perfekt sind, sondern dass auch sie (anders als Maschinen) Risse und Brüche in ihrem Wesen haben, die verhindern, dass sie nur die eine richtige Lösung kennen.
(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising im ELM)

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Sonne der Gerechtigkeit - Geistlicher Impuls für den 26. März 2021

Mit Corona stellen sich Gerechtigkeitsfragen ein. Manche neu, manche verschärft, manche so aktuell wie eh und je. Mir fällt das Lied „Sonne der Gerechtigkeit“ ein. Hier ein Versuch, den Gedanken im Kopf nachzugehen:

1. Strophe

Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit;
Maleachi 3,20, Licht, Wärme, gutes Gefühl, „zu unserer Zeit“ wurde häufig mit politischer Zielsetzung gesungen, zum Beispiel bei den Friedensgebeten für die Demokratisierung der DDR bzw. die Einheit Deutschlands, Impfgerechtigkeit, wer darf reisen, Zugang zu Bildung, wie viele Kinder finden den Anschluss nicht an die Schule?, Abrutschen in die Kinderarbeit…
brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann.
Handeln für Gerechtigkeit, Benachteiligung, Theology from the Margins, Zoom Sitzung, Miro Board, Padlet, technische Ausstattung, soziale Medien, Advocacy und Lobbying, Solidarität…
Erbarm Dich, Herr!

4. Strophe

Tu der Völker Türen auf; deines Himmelreiches Lauf
Ökumenische Verbundenheit, innere Erneuerung der Kirche, Partnerkirchenkonsultation, Dalit Solidarität, WhatsApp, Visum, Reisen, Online Seminare, Kreativität, Gespräch…
hemme keine List noch Macht. Schaffe Licht in dunkler Nacht!
Politischer Protest, Menschenrechte, Würde, Kinderschutz, Lieferkettengesetz? Equal pay, Quoten, Gebet, Traumabewältigung, Lieferando, Schokolade, Rotwein, Tulpen…
Erbarm Dich, Herr!

6.  Strophe

Lass uns deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit
Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Trost, Corona, „Tüten-Gottesdienst“, Treffen mit Freundinnen, Geduld…
und mit unsrer kleinen Kraft suchen, was den Frieden schafft.
Verbindung mit Gott, Jesaja 32,17, Online Petitionen, Gebet, Austausch, Engagement, interreligiöser Dialog, Gender, Diversität, F2go, Vorbilder, Casteless Collective, Vergebung…

Erbarm Dich, Herr!
Wort-Bedeutung: starke innere Anteilnahme am Leid oder an der Not anderer, verbunden mit dem Drang, ihnen zu helfen oder sie zu trösten: Neubeginn, Erneuerung, Segen, Schutz, Toleranz, Weite, Ostern…

(Ein Impuls von Ute Penzel, ELM-Referentin Bildung International, Ökumenische Zusammenarbeit Indien)

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Ich sehe Dich - Geistlicher Impuls für den 25. März 2021

Da hatte Sinah sich verschätzt. Schnell war sie an der Kletterwand für Kinder ihren Geschwistern hinterher geklettert. Immer höher. Die Augen dorthin, wo sie hinwollte.

Aber dann, in fünf, sechs Metern Höhe war sie am Ziel. Nun gab es nur noch einen Weg, den Weg zurück. Als sie den Blick nach unter senkte und den nächsten Vorsprung unter sich suchte, bekam sie Angst. Panisch klammerte sie sich fest und begann zu weinen. Kein noch so gut gemeinter Ratschlag und keine Beruhigung konnte sie erreichen.

Schließlich ging ich ganz dicht an die Mauer, stellte mich unter sie und sagte nur: „Ich sehe dich. Ich hab dich genau im Blick!“ 

Langsam hörte sie auf zu weinen und dann kletterte sie Stufe für Stufe tastend und den Fuß dort hinstellend hinunter. Unten angekommen, fiel sie in meine Arme und schnell war die Angst vergessen. „Du hast mich gesehen!“

Daran musste ich denken, als ich heute morgen Psalm 27,9 las:

"Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!"

Ich weiß nicht genau, was der Beter dieses Psalmes für eine Angst erlebt. Er steht unter Druck. Von Feinden ist da die Rede. Heutzutage höre ich die stammelnden Gebete von Menschen, die wegen der Pandemie ihr Einkommen verlieren, oder solchen, die auf der Intensivstation liegen, beatmet und ohne Bewusstsein. Oder ich denke an Politikerinnen und Politiker, die in den Runden Entscheidungen treffen müssen. Fallen sie hart aus, wird geschimpft, fallen sie leichter aus, wird auch geschimpft. Schnell kommt der Ruf: Der oder die muss gehen!

In solchen und ganz vielen anderen Situationen braucht es doch nur einen Blick des Vertrauens. Einen Blick, der signalisiert: „Ich bin für dich da!“ Dann kann ich mich fallen lassen und mit dem Psalmbeter singen: „Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“

Überall auf der Welt rufen und klagen Menschen heute zu ihrem Gott. Vielleicht bist Du einer oder eine von diesen. Ich wünsche die Erfahrung dieses Psalmes jeder und jedem: Gott ist da! Das ändert oft erst einmal gar nichts an der akuten Not. Aber es lässt mich nicht verzweifeln in Einsamkeit.

Gebet:

Gott, „ich bin da“ ist dein Name.
Lass es zur Erfahrung werden für jede und jeden,
die heute Angst hat.

Lass uns in dir zusammen stehen,
damit Hoffnung wurzelt und wir, wenn wir rufen:
Warum hast du mich vergessen?
deine Antwort hören:

„Ich bin da“ für dich. Immer.

Amen
(Ein Impuls von  Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Konfrontiert mit meiner Schuld - Geistlicher Impuls für den 24. März 2021

„Gott segnete Mann und Frau und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.“ 
(1. Mose 1,28)

Was für ein wunderbar gedachter Start in das Leben. Gott überträgt dem Menschen Schöpfungseigenschaften. Sie sollen fruchtbar sein und sich mehren. Die Erde dürfen sie kultivieren und aus ihr das gewinnen, was sie für das Leben brauchen.

Doch das Experiment Gottes ist schnell gescheitert. Der Mensch will mit seiner begrenzten Verantwortung nicht umgehen und greift nach mehr. Er will alles. Er will die volle Erkenntnis erlangen und greift zu der einen Frucht von dem Baum, von der Gott gesagt hatte „diese nicht“. Die Ignoranz des Menschen lässt Grenzen nicht zu. Und so muss er seine Nacktheit erkennen, die es von nun an zu schützen und zu verteidigen gilt.

Grenzenlose Gier und Erschöpfung der Erde sind die Folgen. Der von Gott gedachte Lebensraum ist vom Menschen und mit Menschen erstickt worden.

Nun mag man Strategien entwickeln, um das Ruder doch noch rumzureißen, um zu einer Erholung der Schöpfung und darum zu einem neuen Lebensraum für die Menschen zu kommen. Klimaschutzprogramme, Welternährungsstrategien, Abrüstung und und und. Das ist alles gut gemeint und gleichsam ein Zeichen unserer Verzweiflung. Doch all das wird uns nicht zu dem uns von Gott ursprünglichen zugedachten Lebensraum zurückführen.

Weil das eine fehlt: das Eingeständnis unserer Schuld. Wir sind schuldig geworden an Gott und der Freiheit, die er uns einst zur Verfügung gestellt hat.

Aber mit Schuld will ich nicht umgehen. Ich bin es doch nicht gewesen! Der andere hat angefangen. Und so beginnt der Kreislauf der Verteidigung und Rechtfertigung. Was im Paradies begonnen hat, wird bis in die Gegenwart hinein perfektioniert. Auf Kosten unzähliger Leben. Auf Kosten der gesamten Schöpfung.

Doch es wird keine Strategie geben, die mich aus meiner Schuld entlässt. Ich bin schuldig am Zustand der Welt.

Darum hat für mich Passionszeit einen so hohen Stellenwert: sie konfrontiert mich mit meiner Schuld. Diese Zeit lässt mich dabei nicht alleine. Sie verbindet mich mit Christus, der der Schuld nicht ausgewichen ist, sondern mit seiner Auferstehung wird er sie in ein neues Licht stellen: Siehe, ich mache alles neu. Werde ich mich dieser Verantwortung stellen, Teilhabe an diesem Neuen zu haben? Kann ich mich meiner Schuld stellen und gleichsam Schritte der Umkehr zu etwas Neuem gehen? Will ich mich in den Segen Gottes hineinstellen und mit der von Gott verfügten Begrenzung leben, die mich eben nicht einengt, sondern mir und anderen ausreichenden Lebensraum zugesteht? Ich werde es heute versuchen. Und morgen auch.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globale Gemeinde im ELM)

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Könn'n wir vorspul'n? - Geistlicher Impuls für den 23. März 2021

„Ich hab heute nichts zu tun
Und die Welt hat heute zu
Ich hau mich einfach wieder hin
Denn alles andre macht ja eh kein'n Sinn
Jaja, alles okay
Ich bin okay, aber ne, eigentlich nicht
Denn aus meiner Sicht reicht es langsam
Ich hab keine Lust mehr
Diese Gespräche nerven so sehr

Könn'n wir vorspul'n
Und so tun, als wär alles wieder gut?“

Sarah Connor – Bye Bye Lyrics | Genius Lyrics

So besingt Sarah Connor in ihrem Lied „Bey, bey“ die derzeitige Situation.

Wie oft haben wir vermutlich selber ähnlich gedacht und Gespräche geführt in denen es hieß: „Ich bin müde! .... Ich habe keine Energie mehr! … Wann wird es endlich wieder normal! ... Ich habe Angst mich anzustecken oder meine Eltern! …. Ich mache mir Sorgen, um die Bildung meiner Kinder! …. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dem Impfstoff vertrauen kann! …"

Doch: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7) „Was für passende Worte in diesen Tagen“, dachte ich, als ich die Losung für heute las.

Worte, die ich mir am besten auf einer Karte in mein Homeoffice stellen sollte, in die Küche hängen, oder an einen anderen Platz an dem ich sie gut sehen kann, denn sie zeigen mir: Gott traut uns etwas zu! Er „hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Diese Worte machen nicht alles wieder gut. Sie sorgen nicht dafür, dass Corona verschwindet, aber sie zeigen uns, dass wir auch jetzt auf Gott vertrauen können, denn er schenkt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Er traut uns zu, uns nicht von Sorgen und Ängsten auffressen zu lassen und der Furcht das Feld zu überlassen, denn er hat uns mit dem Blick auf das Positive ausgerüstet. Alles was wir tun müssen, ist dem Positiven immer wieder Raum zu geben und uns an seine Worte, sein Zutrauen zu erinnern; grade in den dunklen Tagen.

Das ist oft schwer, doch wenn ich dann solche Worte höre oder lese, dann fällt es mir leichter den Blick auf das Positive zu lenken und erhobenen Hauptes in die Zukunft zu gehen, trotz der Widrigkeiten dieser Zeit, denn „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Amen.
(Ein Impuls von Indra Grasekamp, Referentin Weltweite Spiritualität im ELM)

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Eine Einladung Gottes - Geistlicher Impuls für den 22. März 2021

Phasen der Ratlosigkeit, der Verzweiflung, der Angst kennen wohl die meisten von uns in ihrem Leben. Dann sind die Tage grau, die Gedanken trübe, dann stürzt alles über dem Kopf zusammen und wir wollen alles andere, nur nicht aufstehen. Dann verharren wir sprichwörtlich in einer Schockstarre wie ein Kaninchen vor der Schlange, unfähig, aus Angst sich zu bewegen.

Auch ich kenne solche Situationen, in denen einfach alles zu viel wird und ich mich scheinbar in einer ausweglosen Situation befinde. Nichts will mir gelingen, der Kontakt zu meinem Umfeld ist gestört, die Verbindung zu mir selbst gekappt. Die Folge: Rückzug auf der ganzen Linie - in den Fernsehsessel, ins Bett, vor den Computer, dorthin, wo ich nicht reden, mich nicht konfrontieren muss mit den Problemen, die einer Lösung harren.

Schon gar nicht will ich dem so recht Glauben schenken, was uns der Psalm der heutigen Tageslosung offensichtlich vermitteln will: „Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.“ (Psalm 34,7) Warum sollte ich glauben, ich müsse nur rufen, und alle meine Sorgen wären verflogen? Wie soll das gehen? Aber, vielleicht ist es so auch gar nicht gemeint…

Man könnte den Psalm vielleicht auch anders lesen - und da kommt mir der Lehrtext gerade recht: „Wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ (Lukas 11,10) Wie eine Einladung kommt dieser Satz daher, wie ein Angebot, ein freundliches „Hab´ Vertrauen“ und er meint: „Komm doch, hab´ keine Angst, ich zwing dich zu nichts, aber wenn Du magst, nehme ich dich bei der Hand, stütze dich, so weit und so lang du mich brauchst.“

Vor vielen Jahren schenkte mir eines meiner Patenkinder einen kleinen knollennasigen Engel aus Ton – drollig anzusehen und doch mehr als nur eine lustige Figur oder eine nette Geste einer 14-Jährigen. Er steht auf dem Schreibtisch in meinem Büro. Seitdem gab es immer wieder Momente der Ratlosigkeit, der Verzweiflung, der Angst in meinem Leben. Aber auf eigentümliche Weise hat mich dieser kleine Engel immer wieder erinnert: „Komm doch, hab´ keine Angst…“ Und das zauberte mir so manches Mal ein Lächeln ins Gesicht. Vielleicht sollte ich die Einladung Gottes öfter einmal annehmen.
(Ein Impuls von Dirk Freudenthal, ELM-Chefredakteur)   

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Farbe bekennen - Geistlicher Impuls für den 19. März 2021

In Äthiopien hatten wir auf Reisen immer ein paar Handvoll geröstete Weizenkörner in der Jackentasche. Das war so etwas ähnliches wie hier ein kleiner Pausensnack: war überall zu bekommen, entsprach dem Geschmack der Menschen, war gesund - und: man durfte dem anderen auch mal in die Tasche greifen! 

Auf der anderen Seite war es natürlich so, dass der Weizen auch ausgesät werden musste, er musste in die Erde, damit es später auch eine Ernte gab! Sonst wären die Menschen verhungert! Aber: was heißt hier wären die Menschen verhungert …

Es gab in der Geschichte des Landes immer wieder Dürrezeiten, in denen nichts wuchs und entsprechend nichts geerntet werden konnte. Das war schon schlimm genug, aber in Folge war der Hunger oft so groß, dass die Menschen das Saat-Getreide für das kommende Jahr aufaßen.

Damit begannen dann die eigentlichen, die großen Hungersnöte! Das bedeutete ein Sterben der Menschen in vielen Landesteilen, gleich ob alt oder jung, Mann oder Frau, Eltern oder Kinder. Viele verloren ihre Zukunft, ihr Leben!

Der Weizen muss in die Erde:

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein;
wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht."
(Joh. 12,24)

Jesus hat von sich als dem Weizenkorn gesprochen. Es ist der, der stirbt!

Er hätte sich dem Tod am Kreuz vielleicht entziehen können, wäre er weniger deutlich gewesen in der Verkündigung des Evangeliums, wäre er einfach mitgeschwommen im Strom des „normalen“ religiösen Lebens. Er, das Lamm Gottes, wäre ungeschoren davon gekommen - hätte er nicht wirklich etwas gewagt und Farbe bekannt.

Wäre er davon gekommen, hätte das geheißen: die Menschen seiner Zeit hätten ihn erlebt, mit ihm gelebt, alle fröhlich und munter – bloß nicht zu sehr auffallen! Und irgendwann wäre er ganz normal gestorben, begraben, weg, aus und vorbei und vergessen.

Uns würde es heute als Christen nicht geben, er wäre uns gar nicht als Christus bekannt geworden. Ein Wissen um Gott würde bei uns gar nicht existieren, ein Wissen um Vergebung, um himmlische Zuflucht in höllischen Zeiten, um Hoffnung auf eine ewige Heimat am Ende unseres vergänglichen Lebens, … würde es nicht geben. Jesus wäre für die Menschen seiner Zeit ein geschmackvoller Pausensnack gewesen, nährreich, aber irgendwann weggemümmelt.

Es wäre nichts mehr nachgekommen, das ihren Hunger auf der Lebens-Reise gestillt hätte, nichts mehr nachgewachsen von der Guten Nachricht, wie Leben gelingen kann, trotz all der Herausforderungen.

Dass es für uns etwas gibt, jemanden gibt, der uns auf der Reise durch das Leben begleitet, hält, trägt, zur Seite steht, dem wir vertrauen können – wir hätten nicht die leiseste Ahnung davon!

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein;
wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht."

Wo bekennen wir als Christen eigentlich Farbe?
(Ein Impuls von Michael Schultheiß, ELM-Referent für Globale Kulturelle Vielfalt und Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland)) 

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Denn erstens kommt es anders ... - Geistlicher Impuls für den 18. März 2021

"Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt." (Sprüche 16,9)

"Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott." (2. Korinther 3,5)

Das haben wir alle sicher schon oft erlebt: Wir planen etwas – und dann kommt etwas dazwischen. Das Picknick wird durch den Regenschauer vereitelt, der Ausflug fällt aus weil das Auto streikt und zur Silberhochzeit des befreundeten Ehepaars ist man pünktlich krank. „Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Ganz aktuell: Gerade die Corona-Gegenwart erscheint uns als ein einziger Widerspruch von Wunsch und Wirklichkeit.

Natürlich gibt es auch die positive Variante dieser Erlebnisse: Ich hatte keine Lust, zu der Feier zu gehen, und habe mich dann hervorragend unterhalten. Eine unserer Töchter musste sehr überredet werden, sich beim schwimmen anzustrengen. Wir gebrauchten das Wort „überwinden“ und sie formte schließlich den Satz: „Sich überwinden macht Spaß.“ Was singt Bobby McFerrin: „No discipline seems pleasant at the time but painful – later on, however, it produces a harvest of righteousness and peace …”.

Jetzt bin ich gedanklich vielleicht sehr abgewichen. In unserer Losung geht es ja nicht um oben genannte Alltagserfahrungen. Was aber dann? Neuer Ansatz:

Ich denke bei dieser Losung an Bertolt Brecht. Er verfremdet den aus dem Bibelzitat hervorgegangenen volkstümlichen Spruch „Der Mensch denkt, Gott lenkt“ zu „Der Mensch denkt: Gott lenkt“ mit der Erweiterung „keine Red´ davon“. Mit einem kleinen Satzzeichen kehrt er die Bedeutung des Satzes in sein glattes Gegenteil um. Phantastische Wendung.

Was aber ist eigentlich an dem originalen Zitat auszusetzen? Natürlich, zunächst muss man anerkennen, dass es Gott überhaupt gibt, um etwas mit dem Satz anfangen zu können. Sonst macht die ganze Übung keinen Sinn. Aber ich bin mir nicht sicher, dass das der eigentliche Kritikpunkt für Brecht war. Die Abkürzung und knappe Fassung verführt nämlich sehr schnell zu einer fatalistischen Haltung: Es ist völlig egal, was der Mensch tut, wir sind ja doch nur Marionetten Gottes. Unfrei, gefangen. Auch das kritisiert Brecht. Zurecht.

Mit den verschiedenen Deutungsmöglichkeiten erscheint mir das Sprichwort wie ein Kaleidoskop: Wenn man es dreht erscheinen immer wieder andere Muster aus den Bestandteilen „freier Mensch“ und „allmächtiger Gott“. Und aus dem Satz kann blanker Fatalismus sprechen (was ich auch für Gottlosigkeit halte) oder schierer Unglaube (an Gott). Meiner Meinung nach gibt es auch eine differenzierte Betrachtungsweise: Rechne bei deinen Plänen mit Gott. Beziehe die ganze Wirklichkeit mit ein. Gott hat die Macht, deine Pläne zu segnen oder aber sie zu hintertreiben. Ich hoffe, mit einem Dreh am Kaleidoskop finde ich immer wieder die richtige Einstellung.

Übrigens: Auf die Frage nach dem für ihn wichtigsten Buch der Weltliteratur antwortete Bertolt Brecht: „Sie werden lachen, die Bibel!“
(Ein Impuls von Detlef Kohrs, Geschäftsführer des ELM)

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Bilder, die ich sehe - Geistlicher Impuls für den 17. März 2021

Ich erlebe das jedes Jahr. Wenn ich im Winter an einem grauen schneelosen Tag im Wald spazieren gehe oder im Auto auf einer bewaldeten Landstraße unterwegs bin und links und rechts von mir den mit getrocknetem Laub bedeckten Boden sehe, kommt mir immer unwillkürlich derselbe Gedanke: Niemals wird es dem jungen Grün möglich sein, diese dicke, aus mehreren Schichten bestehende und durch den Regen und den Schnee festgewordene braun-graue Decke aus Blättern zu durchdringen, niemals, no way!

Wenn ich dann im Sommer an derselben Stelle unterwegs bin und um mich herum nur das saftige Grün, hier und da bunt gesprenkelt mit Blumen, sehe, erinnere ich mich an meine Wintergedanken und empfinde eine tiefe Bewunderung, eine Ehrfurcht vor der Kraft der Natur, des Lebens. Gleichzeitig weiß ich, dass ich im Winter dieses Gefühl des Unglaubens wieder haben werde. Ich ordne die Bilder, die ich mit meinen Augen sehe unbewusst nach mir bekannten Mustern ein: Ein dünner Grashalm, ein zierlicher Krokus können doch unmöglich diese dicke Blätterschicht durchbrechen? Ein zarter Löwenzahn oder das zierliche wilde Stiefmütterchen werden sich ja nicht einen Weg zwischen den Gehplatten oder in Asphaltspalten oder an anderen undenkbaren Stellen bahnen und dabei glücklich blühen können? Sie sind doch zu klein, zu schwach dafür. Einer robusten gestachelten Rose könnte man so etwas eher zutrauen – so, wie sie aussieht, ist sie sicherlich stark und widerstandsfähig.

Und doch ist die Wirklichkeit eine andere, sie entspricht nicht immer unseren Regeln, unserer Vorstellung vom Möglichen und Unmöglichen. Unser Sehsinn kann uns täuschen, bei unseren Schlussfolgerungen dürfen wir uns nicht nur auf die äußeren Bilder verlassen.

Bei Gedanken oder Ereignissen, die mich besonders bewegen (sowohl gute wie auch die, auf die ich am liebsten verzichtet hätte), versuche ich sie zu analysieren: Welche Botschaft ist da für mich? Warum ist es mir passiert? Was lerne ich daraus?

Und ohne pathetisch sein zu wollen, hilft mir der Gedanke, dass es in diesem Fall eine mutmachende Botschaft ist: wenn wir uns schwach fühlen oder uns eine Aufgabe unmöglich erscheint, sollen wir vielleicht an den Grashalm denken, der sich im Frühling durch die dicke Blätterschicht kämpft (und siegt) und der sich wieder aufrichtet, wenn ein Tier- oder Menschenfuß ihn zu Boden drückt. Oder an den Löwenzahn, der es sich manchmal an ungeeignetsten Stellen, allen und allem zum Trotz, „gemütlich macht“.

Die Stärke ist oft nicht sichtbar. Der Glaube daran ist wichtig, der Wille, die Geduld. Dann überraschen wir uns selbst und die anderen, weil wir Dinge erreichen, die für uns zunächst unmöglich schienen, die uns nicht zugetraut wurden – ob im Sport, im Beruf oder bei der Bewältigung von Lebenskrisen. Wir müssen nur das Ziel vor Augen haben (und diesem Bild dürfen wir vertrauen;))

„Wenn ich schwach bin, bin ich stark“ (2. Korinther,12)

(Ein Impuls von Marina Gruel-Dovner, Teamassistentin Internationale kirchliche Zusammenarbeit im ELM) 

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Hiobs Protest gegen Gott - Geistlicher Impuls für den 16. März 2021

Am kommenden Sonntag wird in unseren Kirchen ein Predigttext im Mittelpunkt stehen, der es in sich hat. Es handelt sich um einen Text aus dem Buch Hiob, konkret um den Abschnitt Hi 19,19-27. Schauen Sie ruhig mal in diesen Text hinein und stöbern sie auch ein wenig mehr im Kontext herum. Sie werden etwas befremdet sein. 

Dass Hiob allen Grund zur Klage hat, ist ebenso bekannt wie der Umstand, dass er sich von allen Menschen, das schließt auch seine Familie ein, ausgegrenzt, verraten und verstoßen fühlt. Allerdings legt das Buch hier noch einen drauf. Es gehört zur Strategie des gesamten Buches, dass Hiob sich in seinem Furor mit Verve immer wieder gegen den wendet, den er für sein Unglück verantwortlich hält: Gott. 

Es ist nicht so, dass sich dieser Gedanke Hiobs, letztlich sei Gott schuld an seiner Misere, so leicht beiseite schieben lässt. Der Protest und die Klage gegen Gott über erlittenes Unrecht gehören zu den Grundtönen der Hebräischen Bibel. Im Judentum ist der Gedanke, sich klagend und protestierend an und gegen Gott zu wenden, nie aufgegeben worden. Bei uns Evangelischen ist es leider etwas anders. Wir sind da etwas weichgespülter geworden. 

Über das Hiobbuch könnte man als Exeget und Theologe sein ganzes Leben verbringen. Es wird immer mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Ein Satz aus unserem Text hat es tatsächlich zur Berühmtheit geschafft: 

"Ich weiß, dass mein Erlöser lebt." Wahrscheinlich ist hier gemeint, dass Hiob trotz allem und gegen seine Erfahrungen hofft, Gott werde denen, die ihm jetzt so übel mitspielen, noch eine Lehre erteilen. 

Am Ende des Buches Hiob wird alles gut. Also, fast zumindest. So richtig eine Antwort auf die Frage, warum all der ganze Schlamassel immer wieder passiert, bekommen Leser und Leserin nicht. Dass Hiob am Ende all das zurückbekommt, was er verloren hat, ist bekannt. Viel wichtiger ist aber noch ein anderer Aspekt. Nachdem Gott sich Hiob ordentlich zur Brust genommen und ihm die Leviten gelesen hat, fällt noch der Satz, dass Hiob mit seinen Vorwürfen nicht ganz im Unrecht gewesen ist. Die Freunde Hiobs müssen sich anhören:

„Ihr habt nämlich nichts Richtiges über mich gesagt, so wie es mein Knecht Hiob getan hat.“ (Hi 42,8).

Das ist das Schöne und Faszinierende an diesem Buch: Der vor Gott protestierende Mensch mag sicher etwas querulantisch und wirrköpfig daherkommen. Dennoch: Gott scheint einen gewissen Gefallen an dergleichen Typen gefunden haben.

(Ein Impuls von Dr. Andreas Kunz-Lübcke, Professor an der  Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) in Hermannsburg)

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Die Ankunft der Kraniche - Geistlicher Impuls für den 15. März 2021

"Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch." (Matthäus 6,25 und 26)

Als ich in den letzten Tagen auf die Geräusche draußen geachtet habe, habe ich mit großer Freude festgestellt, dass die ersten Kraniche zurückkommen. Das mag ich am beginnenden Frühling ganz besonders gerne. Ist es doch ein Zeichen, dass der Winter vorbei ist und das Leben neu erwacht. Die ersten Frühlingsboten stecken ihre Köpfe aus dem Boden und so manch eine Hummel ist auch schon unterwegs. Sie fliegen einfach wohin sie wollen ohne auf irgendetwas Rücksicht nehmen zu müssen oder sich um irgend etwas Sorgen zu machen. Manchmal denke ich, dass ich auch gerne einmal so unbeschwert durch die Gegend fliegen möchte. Gerade in der Zeit der Pandemie, in der wir nicht reisen sollen, keine Freundinnen und Freunde treffen können und vor allem die Familie, die weiter weg wohnt, nicht besuchen dürfen, möchte ich gerne einmal fliegen können. Mir fehlen die Besuche der Familie, eine richtig knuddelige Umarmung, der kurze Schnack mit den Kolleg*innen, wenn ich durch die Flure des Missionswerkes gehe und der normale Arbeitsablauf mit allen Kolleg*innen. Ich bin traurig, dass die Kinder und Jugendlichen in ihren Zimmern hocken, überhäuft sind mit Schularbeiten, diese  unermüdlich erledigen müssen, kaum freie Zeit haben und ihre Freunde*innen nicht treffen können. Und doch bin ich trotz alledem nicht undankbar. Ich freue mich, dass wir gesund sind, den Frühling genießen können und über soziale Netzwerke miteinander verbunden sind. Toll, dass wir diese Möglichkeit haben. Dank und Freude überwiegt doch mehr als die Traurigkeit und es bleibt ja vor allem auch die Hoffnung, dass alles eines Tages, wenn auch vielleicht anders als gewohnt, wieder möglich sein wird. Bis dahin sollten wir die Zeit nutzen um vielleicht auch mal etwas Neues auszuprobieren, was bisher nicht auf unserer „To do Liste“ stand. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Ideen und einen gesegneten Tag.

(Ein Impuls von Konni Pufal, Teamassistentin Globale Gemeinde im ELM)

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Jesus kommt mir ganz nah - Geistlicher Impuls für den 12. März 2021

Nur sein Gesicht ist zu sehen. Seine Augen ruhen auf meinen mit einem klaren Blick. Ich kann diesen Augen nicht ausweichen. Er schaut mich an. Fordernd. Barmherzig. Mitleidend. Ich kann diesen Blick nicht wirklich deuten.

Szenenwechsel: die Darsteller in dem Film „Das neue Evangelium“ von Milo Rau proben eine andere Einstellung.

Jesus wird gespielt von Yvan Sagnet, einem Migranten in Italien, der 2008 aus Kamerun geflüchtet ist.

Gedreht wird der Film in Matera, dem größten Flüchtlingslager in Italien. Dort, wo auch Pasolini 1964 seinen Jesusfilm aufgenommen hat. Und auch wie bei ihm sind in dem Film von Milo Rau alle Darsteller*innen Laien, der Großteil von ihnen Migrant*innen.

Sie finden sich in Jesus von Nazareth wieder. Verkörpern seine Botschaft in einer Brutalität von Klarheit, die ich kaum aushalten kann. Sie dürfen das, denn auch Jesus war ein Flüchtling und war nicht gewollt in dieser Welt. Seine Geschichte wird ihre Geschichte.

Der Film endet mit Jesu Tod am Kreuz. Kein Hinweis auf seine Auferstehung, aber mit der Aufforderung, die Menschen alles zu lehren, was er ihnen verkündigt hat. Darin ereignet sich Auferstehung für die Menschen.

Den Film habe ich am Mittwoch gesehen. Heute, Donnerstag, an dem ich diesen Text schreibe, steht in der Losung:„Du sollst den Fremden lieben wie dich selbst.“ (3. Mose 19,34). Diese Losung ist Teil der Auferstehungsbotschaft Jesu in der heutigen Zeit. Er sagt sie mir ins Gesicht. Dabei weicht sein Blick nicht von mir. Er durchbohrt mich mit der Frage: lebst du das? Liebst du den Fremdling und nimmst du ihn bei dir auf?

Mitten in der Passionszeit werde ich von diesem Film gestört. Nein, nicht von dem Film. Von Jesus selbst. Es ist eine göttliche Störung, die meine menschliche Antwort erwartet.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter Globale Gemeinde im ELM) 

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Setz Dich doch - Geistlicher Impuls für den 11. März 2021

Ich kenne das noch von meiner Oma: immer wenn jemand vorbei kam, sagte sie: „setz Dich doch“, kramte einen Hocker hervor und dann gab es eine Limo, einen Kaffee, ein Stück Kuchen oder was sonst gerade greifbar war.
Von Zentralafrika habe ich neulich durch einen Text von Rahel Kühne erfahren, dass mit der Aufforderung „setz Dich doch“ sehr viel weitgehendere Konsequenzen verbunden sind: „Man ist bereit, sich auf Gäste einzulassen und sich auf ihr Bleiben einzustellen. Ein Gast ist willkommen. Willkommen um zu bleiben - auch für länger. Beieinandersitzen als Mit-Leben und miteinander sein.“ schreibt sie. Bei jemandem zu sitzen könne genauso bedeuten, für einen kleinen Plausch beieinander zu sein, als auch bei jemandem zu wohnen. „Gäste sind Menschen in unserem Haus um die wir uns gern kümmern, damit sie sich wohlfühlen und bleiben mögen. Ein Gast macht nicht nur Arbeit, sondern bringt sich in die Hausgemeinschaft ein, bereichert sie, beehrt sie, bringt neue Anregungen und frische Gedanken ins Haus. Also tun wir alles dafür, ihn (oder sie) bei uns zu behalten“ erklärt Rahel Kühne die schöne Tradition.

So sollte man es wohl sehen, denke ich. Sich anregen und erfrischen lassen von Menschen, die als Gäste nicht ständig meine Welt teilen. Nun kann ich nicht behaupten, dass ich alles dafür tun würde, dass Gäste länger bleiben als 2-3 Tage. In meiner Welt sind aber sogar die Momente selten, in denen ich mir die Zeit nehme, alles stehen und liegen zu lassen um zu Nachbarn oder Bekannten zu sagen „Setz Dich doch“. Vielleicht werde ich das im Sommer üben. Getreu dem biblischen Motto:"Übt Gastfreundschaft"(Römer 12,13)

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising im ELM)

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Pech? Glück? Wer weiß? - Geistlicher Impuls für den 10. März 2021

Im Februar haben wir im Team Jugendarbeit und Globales Lernen unseren Süd-Nord-Freiwilligen aus Südafrika verabschiedet, der ein Jahr in unserem Arbeitsbereich eingesetzt war. Sein Einsatz lief durch die Corona-Pandemie, die kurz nach seinem Eintreffen in Deutschland u.a. mit strengen Kontaktbeschränkungen einherging, alles andere als geplant. Geplant gewesen waren ursprünglich viele Konfirmand*innen-Freizeiten und Workshoptage, die wir gemeinsam durchführen wollten – die mussten ausfallen. Auch der persönliche Kontakt zwischen uns als Einsatzstelle und ihm war kaum möglich. So hatten wir alle uns das nicht vorgestellt und blickten bei einem virtuellen Abschiedstreffen zurück auf ein Jahr, in dem so gut wie kein richtiges zusammen Arbeiten stattgefunden hat, wie es in einem Jahr Freiwilligenprogramm vorgesehen gewesen wäre. Wirklich schade für beide Seiten.

Auf der Suche nach passenden und segnenden Worten zum Abschied bin ich auf die folgende Geschichte gestoßen. Sie hat mich angesprochen, weil mir die Botschaft ein Stück Frieden und Trost vermittelt in den Umständen, die wir nicht in der Hand haben, in Plänen, die sich zerschlagen - in meinem eigenen Leben und im Leben der Menschen, mit denen ich privat und im Missionswerk unterwegs bin. Vielleicht ermutigt diese Geschichte auch andere:

„Eine chinesische Geschichte erzählte von einem alten Bauern, der ein altes Pferd für die Feldarbeit hatte. Eines Tages entfloh das Pferd in die Berge. Als alle Nachbarn des Bauern sein Pech bedauerten, antwortete der Bauer: „Pech? Glück? Wer weiß?“

Eine Woche später kehrte das Pferd mit einer Herde Wildpferden aus den Bergen zurück. Diesmal gratulierten die Nachbarn dem Bauern wegen seines Glücks. Seine Antwort hieß: „Glück? Pech? Wer weiß?“

Als der Sohn des Bauern versuchte, eines der Wildpferde zu zähmen, fiel er vom Rücken des Pferdes und brach sich ein Bein. Jeder hielt das für ein großes Pech. Nicht jedoch der Bauer, der nur sagte: „Pech? Glück? Wer weiß?“

Ein paar Wochen später marschierte die Armee ins Dorf und zog jeden tauglichen Mann ein, den sie finden konnten. Als sie den Bauernsohn mit seinem gebrochenen Bein sahen, ließen sie ihn zurück. War das nun Glück? Pech? Wer weiß?

Was an der Oberfläche wie etwas Schlechtes, Nachteiliges aussieht, kann sich bald als etwas Gutes erweisen. Und alles, was an der Oberfläche gut erscheint, kann in Wirklichkeit etwas Böses sein. Wir sind dann weise, wenn wir Gott die Entscheidung überlassen, was Glück und was Unglück ist; wenn wir ihm danken, dass für jene, die ihn lieben, alles zum Besten gedeiht.“

(Ein Impuls von Annika Drieschner, ELM-Referentin Jugendarbeit & Globales Lernen, die Geschichte von Anthony de Mello hat sie in dem Buch „Vom Duft der Rosenblüte und andere Geschichten“ hgg. von Cornelia Haverkamp gefunden)

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Jesus weint - Geistlicher Impuls für den 9. März 2021

Liebe Schwestern und Brüder,

ich begrüße Sie aus der wunderschönen Stadt Kapstadt und dem sonnigen Südafrika.

Schön ist es hier. Jedoch bringt die Pandemie viele Herausforderungen mit sich. Mehr als ein Jahr ist vergangen seit der COVID-19 Virus sich  hier bemerkbar gemacht hat. Die Folgen der Pandemie sind gravierend. Aber das sind nicht die einzigen Herausforderungen mit denen wir zu kämpfen haben. Wirtschaftlich, sozial und politisch wird es schwieriger.

Südafrika versteht sich als ein christliches Land. Mehr als 75% der Bevölkerung bezeichnen sich als Christen und Christinnen. Die Frage ist, ob sich das bemerkbar macht. Schaut man die Statistik, die von der Polizei vor eine Woche herausgegeben wurde an, dann stellt es dieses in Frage. Die Kriminalität nimmt stark zu; die Korruption steigt; das Rechtsystem wird missachtet oder einfach ignoriert; die Politiker sind sich uneinig in der eigenen Partei. – Die Liste geht weiter, trotz der honen Anzahl der Christen.

Mitten in dieser Situation lese ich die fortlaufende Lesung aus dem Evangelium nach Lukas 19. „41 Als Jesus die Stadt Jerusalem vor sich liegen sah, weinte er über sie.“ (HfA) – Jesus weint! Ich bin überzeugt, dass Er über unser Land weint. 75% der Bevölkerung sind seine Kinder und Erben seines Reiches - so sagen wir selbst bei der Umfrage und wie geht das bei uns zu!

Bestimmt sind es nicht nur die 25%, die nicht Christen sind, die Schuld am Chaos haben. Es sind nicht nur die anderen, sondern auch Christen die sich durch Korruption und Diebstahl bereichern; die kriminell tätig sind; die unehrlich Geschäft treiben; die zur steigenden Rate von Mord beitragen. „Jesus weinte über sie.“

Und die Kirche? Schweigt sie? Redet sie nur leise, fast flüsternd, sich dagegen aus? Nein, sie spricht laut und deutlich durch die ökumenische Stimme.

Die Frage ist: findet sie ihre prophetische Stimme wieder? Die Stimme war deutlich zu hören zur Zeit der Apartheid. Auch jetzt ist sie zu hören, denn es schmerzt wenn Ungerechtigkeit und nicht Recht und Gerechtigkeit siegen. Wir dürfen und können nicht schweigen. Und auch wir weinen.
Lukas berichtet, dass Jesus weint, denn der Unfriede herrscht und die Menschen leiden. Jesus sagt: „42 »Wenn doch auch du heute erkannt hättest, was dir Frieden bringt!«,“ – Wie kommen wir zum Frieden in unserem Land?

So weitermachen wie bisher, bringt keinen Frieden, sondern nur noch mehr Ungerechtigkeit, Armut, Hunger und steigende Kriminalität. Frieden finden wir bei Gott. Darum: Umkehr, zurückkehren zum Vater, der uns aus Gnaden zu seine Kinder und Erben seinen Reiches macht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.  

(Ein Impuls von Bischof Gilbert Filter, ELKSA Kapkirche)

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Der barmherzige Samariter 202.1 - Geistlicher Impuls für den 8. März 2021

Auch in der Andacht heute möchte ich noch einmal das Thema Barmherzigkeit aufgreifen. Am 9.2. hatte ich ja den Gedanken, „liebevoll drauf zu sein“ als Vorsatz fürs neue Jahr vorgeschlagen. Aber wie kann Barmherzigkeit aussehen? Vermutlich kennen wir alle die Geschichte vom barmherzigen Samariter. In diesem Gleichnis geht es vorrangig um die Frage, wie ein Leben aussieht, das Gott gefällt und die Antwort Jesu ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, die ich heute ins Zentrum der Andacht stellen möchte und die ich auf eine aktuelle Situation umgeschrieben habe (blauer Text). Der Bibeltext ist der Lutherbibel 84 entnommen:

25 Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18). Er aber sprach zu ihm: 28 Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. 29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30 Da antwortete Jesus und sprach:

An dieser Stelle folgt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter:

Aber vielleicht würde Jesus die Geschichte heute so erzählen:

Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.

 

 

 

Es war ein Mensch, der ging von Malakal im Südsudan hinab nach Europa – geplant war Deutschland – und fiel mehrfach unter die Verbrecher:  Mit dem Ersparten seiner ganzen Familie wagte er seinen ersten Fluchtversuch über das Mittelmeer in einem Holzboot. Dabei wurde er von lybischen Söldnern, die sich Küstenwache nennen und von der EU kofinanziert werden, zurück nach Syrien in ein Folterlager gebracht. Ihm gelang wie durch ein Wunder die Flucht aus diesem völkerrechtswidrigen Lager. Ein zweites Mal schaffte er es, Schlepper zu bezahlen, die ihm einen Platz auf einem der Schlauchboote zusicherten.

Schlepper, denen es egal ist, wer und wie viele Menschen die Küsten Europas tatsächlich erreichen.

Schlauchboote, die nicht für den Einsatz auf dem Mittelmehr gedacht sind.

31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.

Es traf sich aber, dass Politiker*innen in Europa alle diese Vorgänge sehr genau mitbekamen, aber tatenlos zusahen, wie täglich internationales Recht gebrochen wird.

32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

 

Desgleichen auch vereinzelte Kirchen-Vertreter*innen Deutschlands, die sagten, dass es nicht Aufgabe der Kirche ist, Menschen aus Seenot zu retten oder dass die Rettungsaktionen Symbolpolitik seien oder dass solche Rettungsaktionen Schlepperbanden ermutigen, weiterhin Menschen über das Mittelmehr zu schleusen.

33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;

34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.

35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Ein breites Bündnis aus Privatleuten, Institutionen und Firmen aber, die eigentlich was ganz anderes auf ihrer Agenda haben, bekamen mit, dass seit 2014 über 20.000 Menschen im Mittelmehr ertrunken sind und als sie es sahen, jammerte es sie, weil sie in jedem ertrunkenen Menschen ein Versagen der Politik erkennen und merken, dass kluge Argumente Menschen nicht vor dem Ertrinken retten. Und weil sie auf dem Standpunkt stehen: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

Sie kauften ein Schiff, zogen viele Flüchtlinge aus dem Wasser und versuchten, sie in sichere Häfen zu bringen.

 

36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

AMEN

(Ein Impuls von Niels von Türk, ELM-Referent Internationale Freiwilligendienste Freiwillige Nord-Süd) 

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Nachahmung in Wort und Tat - Geistlicher Impuls für den 5. März 2021

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,
ich grüße Sie alle im Namen unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus. 
Wir befinden uns in der Fastenzeit. In der Adventszeit ist der Schwerpunkt, dass der Herr gekommen ist, um den Menschen zu begegnen. In der Fastenzeit ist es genau umgekehrt: es ist eine Zeit für die Menschen, um dem Herrn zu begegnen. 
In Indien halten viele Christen Fastenzeiten ein und vermeiden es, Fleisch zu essen und Alkohol zu trinken. Einige gehen auf Pilgerfahrt. Das tun sie, weil sie das Opfer unseres Herrn nachvollziehen möchten. Mit anderen Worten, sie versuchen, Jesus Christus in ihrem Leben nachzuahmen. 
Im heutigen Text (Epheser 5, 1-8) ermahnt der heilige Paulus "So ahmt nun Gott nach"
Paulus sagt, Gott nachzuahmen heißt, in der Liebe zu wandeln. Jesus ist ein Gott der Liebe. Wir sehen den liebenden Gott durch Jesus Christus. Er liebte die Sünder und sogar die Feinde. 
In der tamilischen Literatur mit dem Namen Thirukurral, geschrieben von dem Dichter Thiruvalluvar, heißt es:
"Tue denen Gutes, die in Schwierigkeiten sind".
Jesus nachzuahmen bedeutet, anderen bedingungslose Liebe zu zeigen, besonders den Armen und Bedürftigen. Seine Liebe ist jenseits von Kaste, Rasse, Glaube, Religion und Sprachen. Er lehrt es uns, das zu tun.
Im Brief an die Philipper Kapitel 2,5 sagt Paulus, 
Seid so unter euch gesinnt, wie Christus Jesus gesinnt war. Das heißt, dass unser Denken, unsere Einstellung und unsere Perspektive mit dem Geist Jesu Christi übereinstimmen müssen. Während seines Wirkens trat er gegen die Ungerechtigkeiten in der jüdischen Gesellschaft auf. Er konfrontierte die Pharisäer und die römischen Autoritäten mit ihrer Ausbeutung und Diskriminierung. Er stellte sich auf die Seite der Stimmlosen, Ausgegrenzten und Unterprivilegierten. Der liebende und barmherzige Gott hat sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt. 
Wenn Paulus sagt, seid Nachahmer Gottes, dann ist das nicht nur eine Aufforderung zur Nachahmung in Worten, sondern auch in Taten. Es ist ein Aufruf zum Handeln. 
Gleichzeitig erinnert uns Paulus in Vers 8 daran, dass wir in Jesus Christus neu geschaffen sind, aufgerufen sein Licht in unserem Leben beispielhaft zu zeigen und als Kinder des Lichts zu wandeln.
Möge der Herr, der Allmächtige, mit Ihnen sein und Sie befähigen, sein Licht in dieser Welt nachzuahmen und widerzuspiegeln. 
(Ein Impuls von Rev. I. M.Charles Isaac Raj, bis vor Kurzem Ökumenischer Mitarbeiter des ELM) 
 

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Zukunft aus Hoffnung - Geistlicher Impuls für den 4. März 2021

„Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung“ (Jeremia 29,11)

Das heutige Losungswort ist mir durch eine Erfahrung am Anfang dieser Woche sehr direkt und erfahrbar geworden, hat mir Zuversicht gegeben auch über manche Fragen und Sorgen dieser Zeit hinaus. Gott ist uns so nahegekommen, dass er uns in seine Gedanken hineinschauen lässt. Am vergangenen Sonntag nahm ich in Bergen am Gottesdienst teil, der durch den ägyptischen evangelischen Pastor Francis Abdelmassieh gehalten wurde, der dort zurzeit Vikar der Hannoversche Landeskirche ist. Er lebt mit seiner Familie in Hermannsburg und war vor mehreren Jahren Magister-Student an der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT), worauf seine Promotion in Wuppertal folgte. Schon in der Hermannsburger Zeit hatte er arabischsprachige Menschen in Celle und Soltau gesammelt. Dazu kam dann aber auch eine Bitte seiner ägyptischen Kirche, die den Wunsch aussprach, dass sich eine Kirche in Deutschland dazu öffnen möge, dass er sich neben einem regulären Gemeindedienst auch um die wachsende Zahl arabisch-sprachiger Menschen in der Region kümmern könne. Dazu zeigte sich Hannover offen und nahm ihn mit guter Unterstützung in die hiesige Vorbereitung auf.

Seine Predigt über die Geschichte vom Weinberg aus dem Jesaja-Buch (5) begann mit einem arabisch gesungenen Musikstück der Christus-Verehrung, und dann beschrieb er die Erfahrung nicht lange vor seinem Studium in Deutschland, als radikal-islamische Jugendliche seine Kirche am Unterlauf des Nils total zerstörten - Gedanken des Leides. Immer wieder vorher hatte er mit einer Gruppe von Christen Gespräche des auf Frieden ausgerichteten Dialogs mit Muslimen geführt, und zwar sehr erfolgreich für den Ort. Nun ist er mit der konkreten Beauftragung zur Ausführung der Gedanken unseres Gottes zum Frieden zu uns gesandt, zu einer Zukunft für den Frieden Gottes in der Unruhe der gegenwärtigen Welt. Das kann uns aus der Gemeinschaft des Missionswerkes nur mit Dankbarkeit erfüllen; denn dadurch wird die Ausführung der Mission im Auftrag Christi durch den erweiterten Brückenbau bereichert. Schon seit mehreren Jahren ist ja die Bereicherung durch ökumenische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Süden zu der Arbeit des ELM hinzugekommen, kamen uns bedrängende Themen der Menschheit ganz nahe. Darum war ich so erfreut über den Gottesdienst mit Pastor Francis in Bergen; denn dadurch wurden für mich und hoffentlich für viele andere die Gedanken unseres lebendigen Gottes erfahrbar – Gedanken des Friedens für Zukunft aus Hoffnung!

(Ein Impuls von Ernst-August Lüdemann, ELM-Direktor im Ruhestand)

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Ausgesetzt . . . – Angenommen! - Geistlicher Impuls für den 3. März 2021

Am Ende des Winters sind wir doch nicht heraus aus der Pandemie. Bald kommt zartes Grün, aber unsere inneren Lebensgefühle sind noch ganz auf Vorsicht, Schutz und Überleben eingestellt. Wir fühlen uns latent ausgesetzt: dem Virus (auch wenn es, hoffentlich, weit von uns wegbleibt), dem gleichförmigen Tagesablauf, Zuhause-Büro, den immerselben Nachrichten am Abend. Ein wenig wie Gäste im eigenen Leben, wo „vor Corona“ alles so automatisch zugänglich und verfügbar erschien. 

Aber halt: Haben wir nicht schon einmal – nämlich als Gäste in den 1990ern für viele Jahre in Ostafrika – Ähnliches erlebt? So fragten Jutta,meine Frau, und ich uns gegenseitig vor ein paar Wochen. Auch wenn wir uns mit 30 Jahren und einer gehörigen Portion jugendlichen Mutes an die wunderbare Aufgabe machten, in Tansania mit Menschen und von Menschen zu lernen und den Glauben in seiner Ausstrahlung ins Leben neu zu buchstabieren, war der Alltag doch auch geprägt von vielen Vorsichten: Alles Trinkwasser (besonders das für die Babynahrung) filtern und abkochen, morgens und besonders abends in der Dämmerung Kleidung an den freien Hautpassagen an Arm und Bein verdichten wegen der Anopheles (Malariamücken, ein veritabler Plural!), ständig den Rasen ums Haus kurzhalten wegen etwaiger Reptilien, die Hände (insbesondere der krabbelnden Kids) mal öfter waschen, sich wegen des Stromausfalls früh und spät um die Autobatterie am kleinen Solarpanel auf unserem Dach kümmern, ggf. bei schwachem (eben nicht erst bei hohem) Fieber und echten Schwächezeichen von Klein und Groß ein ‚blood-slide‘ nehmen und damit 30 km in ein Labor fahren, um die Malaria auszuschließen und nicht unnötig zu medikamentieren… 

Sicher war das ein Leben mit sehr bewussten Hygieneregeln, Gefahren ausgesetzt, die es „zuhause in Deutschland" so ja nicht gab… . Aber auch ein Leben in der Solidarität mit afrikanischen und asiatischen und amerikanischen Nachbarn. Wir halfen uns mit gegenseitiger Achtsamkeit und der Dauerbereitschaft, die/den anderen und sein/ihr Kind eben schnell in die Klinik bringen zu müssen… Oder bei einer der nicht seltenen Beerdigungen (der ganze Campus bzw. das ganze Dorf war selbstverständlich dort!): Die Fragen nach „AIDS oder nicht?“ standen zwar manchmal in den Gesichtern, aber nicht entscheidend zwischen den Menschen…. Denn, von sicher vorhandenen wirtschaftlichen Unterschieden abgesehen, verband alle eine stetige bewusste Lebenshygiene, Dankbarkeit für die Frische am Morgen und das gesund erlebte Zirpen am Abend, wie auch die beruhigende Sicherheit (gewährt auch durch Wächter…) in der Nacht.

Wir lebten ausgesetzt – ähnlich wie in den Pandemiemonaten 2020/21, daueralarmiert – ähnlich wie jetzt, hungrig nach Gemeinschaft, damals aber täglich gesättigt durch immer präsente Nachbarn, Hausmitarbeitende, Kinder, Tiere – und doch manchmal verzwickt halbdistanziert, ähnlich wie in den Pandemiemonaten. Ausgesetzt – aber durch die Geschwisterschaft im Glauben an den heilenden Bruder und Herrn Jesus Christus immer schon als Angenommene, Anerkannte, Gewürdigte, weil er dieses Leben mit allen Schatten und Lichtern angenommen hat und uns dazu verhilft, es auch zu tun.

„Dennoch bleibe ich stets an dir, Gott;
Denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.
Du leitest mich nach deinem Rat
Und nimmst mich am Ende mit Ehren an.“
(Ps. 73,23)                 
Amen.

(Ein Impuls von Prof. Dr.  Wilhelm Richebächer, Rektor der Fachhochschule für Interkulturelle TheoIogie FIT)

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Schau nach vorne - Geistlicher Impuls für den 2. März 2021

Katastrophen gab es in der Geschichte der Menschheit immer wieder; auch in der Geschichte des Volkes Israel. Eine der größten war die Zerstörung Jerusalems und die Deportation der Führungsschicht nach Babylonien. Im Exil blickten die Verbannten sehnsüchtig zurück. Sie träumten von der Rückkehr in ihr Land, der Rückkehr zur Normalität. Aber Gott schickt ihnen eine Botschaft durch einen Brief des Propheten Jeremia. Darin steht:

„Baut Häuser und lasst euch darin nieder! Legt Gärten an und esst, was dort wächst! Heiratet und zeugt Söhne und Töchter! ... Suchet der Stadt Bestes, in die ich euch verbannt habe und betet für sie zum Herrn.“ (Jeremia 29,5-7)

In Zeiten der Not liegt es nahe, dass wir zurückblicken und uns nach dem sehnen, was vorher war. Als wir noch gesund waren. Als wir noch als Paar zusammen waren. Der sehnsüchtige Blick zurück hilft aber nicht weiter.

Wann können wir endlich wieder normal leben wie vorher? Wann ist dieser blöde Lockdown endlich vorbei? Es ist verständlich, wenn Menschen so fragen; gerade solche, die unter der psychischen oder wirtschaftlichen Belastung besonders leiden.

Die Israeliten im Exil fordert Gott auf: Schaut nicht wehmütig zurück. Stellt euch auf die neue Lage ein und blickt nach vorne. „Suchet der Stadt Bestes!“ Fragt euch: was ist jetzt, in dieser neuen Lage, an Gutem zu tun? Was ist jetzt von Gott her dran? Welche neuen Chancen gilt es zu ergreifen?

Zwei Beispiele für solche neuen Chancen:

  • Mancherorts rückt die Nachbarschaft enger zusammen. Man nimmt sich bewusster wahr als vorher, achtet aufeinander, fragt nach, unterstützt sich.
  • Mit manchen Christen aus anderen Ländern hat sich der Austausch vertieft. Wir treffen uns jetzt häufig in einer Videokonferenz, erzählen von unserem Ergehen, beraten über unsere jeweiligen Herausforderungen, beten miteinander.

Das war alles vorher schon so möglich. Aber wir haben es nicht so wahrgenommen.

Was ist jetzt von Gott her dran? Ich will meinen Blick nicht auf geschlossene Türen fixieren, sondern will auf die neuen oder neu wahrgenommenen Möglichkeiten achten, die offen vor uns stehen.

(Ein Impuls von Kurt Herrera, ELM-Referent Kirchenentwicklung International; Ökumenische Zusammenarbeit mit Brasilien und Peru)

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Ohne diesen Glauben könnte ich nicht leben - Geistlicher Impuls für den 1. März 2021

Jakob Israel sagt zu Josef: „Geh hin und sieh, ob´s gut steht um deine Brüder und um das Vieh.“ (1. Mose 37,14)

Paulus schreibt an die Christen in Philippi: "Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient." (Philipper 2,4)

So alte Texte und so aktuell, denke ich spontan, als ich die Losung für heute lese. Der erste erzählt die Geschichte von Josef und seinen Brüdern. Der Vater zieht Josef den anderen vor. Deshalb wird er von den Brüdern beneidet.

Eine Geschichte von Neid, die fast mit Totschlag endet. Schließlich wird der Tod vorgetäuscht und Joseph als Sklave verkauft.

Aber die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung. Er wird Minister beim ägyptischen König und kann seine Brüder und deren Familien vor dem Verhungern bewahren. Zunächst wird er dabei von ihnen nicht erkannt, aber am Ende wird Versöhnung gefeiert.

Neid – das könnte auch das Stichwort für den zweiten Text sein, der uns in eine Situation am Anfang der Christentumsgeschichte nach Philippi entführt.

Die aktuelle Diskussion um Impfpässe und Freiheiten für geimpfte Menschen, die Frage, wer wann ein Anrecht auf eine Impfung hat, wer für welchen Nachteil durch die Pandemie welche Unterstützung vom Staat bekommt, warum die einen ihr Geschäft aufmachen dürfen, aber die anderen nicht, ... wie würde diese Diskussion eigentlich geführt werden, wenn wir nicht nur auf uns sehen, sondern die anderen im Blick behielten. Nicht nur danach fragten, was mir nützt, sondern auch danach, was für andere nützlich ist?

Wie führen wir die Diskussion mit den armen Ländern im Blick auf die Verfügbarkeit von Impfseren und deren Verteilung? Wir merken, wie schwer es schon in Europa fällt, eine gemeinsame Linie zu finden. Aufeinander zu warten. Miteinander Nachteile auszubalancieren.

Wo Neid ins Spiel kommt, geht es oft um Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist ein Thema, das immer auch mit den anderen zu tun hat. Gerechtigkeit gibt es nicht nur einseitig, sondern nur als gemeinsam empfundene Gerechtigkeit. Sie ist nicht absolut, sondern oft auch ein Kompromiss.

Bei unserer Arbeit im Haus, bei der Verteilung der Mittel, bei der Planung von Projekten mit den Partnern, bei der Setzung von Themen, bei Entscheidungen zur Arbeitszeit und zu Arbeitsmitteln ... Wir merken es gibt unendlich viele Erfahrungsebenen zu unseren Losungstexten. Der Appell, den anderen oder die andere im Blick zu behalten, weiß sehr wohl, dass es um ein richtig schwieriges Thema geht. Das betrifft das Persönliche, die Arbeit und die weite Welt. Aber die Geschichte von Josef und der Appell des Paulus sind nicht denkbar ohne einen Gott, der da ist. Der mitgeht. Auch mit denen, die den Kürzeren ziehen.

Ohne diesen Glauben könnte ich nicht leben.

(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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