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Wir lassen uns nicht entmutigen - Geistlicher Impuls für den 10. Juli 2020

Die nachfolgende Andacht hat Gabriele De Bona von Pfarrer Alemu Berhanu von der Mekane Yesus Kirche aus Aira in Äthiopien (EECMY) erhalten und für uns übersetzt:

"Darum, da wir durch Gottes Barmherzigkeit diesen Dienst haben, verlieren wir nicht den Mut" (2. Kor 4,1).

Das Leben und Zeugnis des Paulus sind meiner Meinung nach sehr wichtig für jeden, der an Gottes Mission teilnimmt. Gottes Mission kann den Dienst am Evangelium und auch andere soziale Dienste einschließen. Paulus war von Herausforderungen umgeben. Er wurde "von allen Seiten bedrängt" (2. Korinther 4,8). Sowohl sein Dienst als auch sein Apostelamt wurden von "Gegnern" in Frage gestellt, die sich ihm in seinem Dienst entgegenstellten.

Unter vielen anderen möchte ich besonders zwei wichtige Aspekte zu Paulus ansprechen. Zum einen geht es darum, wie er seine Menschlichkeit versteht: Paulus beschreibt sich selbst als Einen, der ein schwacher Mensch ist und zerbrechlich wie "Ton". Und er könnte wie jeder andere auch "sterben". Nur durch die Barmherzigkeit Gottes kann er sein Amt erfüllen. Das zweite ist wie Paulus seine "Stärke" beschreibt. Er sagt: "Wir verlieren nicht den Mut". Die entsprechende griechische Übersetzung lautet: "Wir lassen uns nicht entmutigen", weil Christen (einschließlich Paulus) von Tag zu Tag durch die Kraft Gottes erneuert wurden und werden (siehe 2. Kor 4,7;16).  Warum eine solche Botschaft des Paulus wichtig sein könnte? Im heutigen Leben, insbesondere im Jahr 2020, scheinen sowohl die Missionsarbeit als auch andere soziale Dienste "von allen Seiten bedrängt" zu werden, nicht von Gegnern wie zur Zeit des Paulus, sondern höchstwahrscheinlich durch eine pandemische Krankheit. Die Pandemie wurde in der Tat zu einer globalen Furcht sowohl für Entwicklungs- als auch für Industrieländer. Es stimmt, dass die Welt mit sozialen, wirtschaftlichen, psychologischen und gesundheitlichen Problemen konfrontiert sein könnte.  Wie versteht die heutige Gesellschaft, die sich vielleicht über die Pandemie Sorgen macht, die Worte des Paulus: "Wir lassen uns nicht entmutigen" / "Wir lassen den Mut nicht sinken"? Lassen wir uns entmutigen und stellen unseren Dienst ein oder arbeiten wir trotz der wirklichen Herausforderungen weiter?  Ich möchte jeden von uns einladen, über dieses Thema nachzudenken.

Möge Gott auch weiterhin der leidenden Welt seine Barmherzigkeit erweisen!

Kurzes Gebet:

Gnädiger und barmherziger Gott - Schöpfer und Erhalter,
du bist unsere Hoffnung auch in der Zeit der Pandemie.
Herr, du hast Autorität im Himmel und oben auf der Erde.
Hilf uns, dir mehr zu vertrauen.

Wir bitten dich, gedenke derer, die an der Coronavirus-Krankheit und anderen chronischen Krankheiten leiden, und heile sie.
Lieber Herr, wir bitten Dich, dass Du besonders denjenigen, die eine geringe Immunität haben, Deine Kraft gibst, damit sie die gegenwärtige Pandemie überwinden können.
Wir bitten Dich, dass Du den Ärztinnen und Ärzten und anderem medizinischen und pflegerischen Personal mehr Weisheit und Wissen gibst, damit sie den Patienten wirksamer helfen können.

Gott, gedenke der Entwicklungsländer, die ein relativ geringes Potenzial haben, mit dem Jahr der Pandemie zu kämpfen.

Lass den Missionswerken und anderen Sozialarbeitern mehr Mut zukommen, damit sie wirksam deinem Menschenvolk in Liebe dienen.

Wir beten im Namen unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus.

Amen.

(ein Impuls von Pfarrer Alemu Berhanu aus der Mekane Yesus Kirche (EECMY) aus Aira in Äthiopien und Manager der Aster Ganno Literaturgesellschaft (AGLS). Übersetzung: Gabriele De Bona, ELM-Referentin Gender International, Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien)

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Wanderer zwischen den Welten - Geistlicher Impuls für den 9. Juli 2020

Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
1, Könige 19,7 – Monatsspruch für Juli 2020

Der Bibelvers für diesen Monat trifft mich diesmal besonders. Der Vers, besonders im Zusammenhang dieses wunderbar aussagekräftigen alttestamentlichen Kapitels, verdeutlicht, wie Gott mitten in einer verfahrenen, ja, die Existenz bedrohenden Situation, handelt, in der ein ehemals kühner „Held“ in arge Selbstzweifel verfallen ist.

Das Wort des Engels „Steh auf und iss!“ wird von diesem ja zweimal gesprochen (Verse 5 und 7) und trifft Elia in einer Situation völliger Verzweiflung, Todesangst und zugleich Todessehnsucht. Danach „ging [Elia] durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.“ (Vers 8) Hier denkt man unwillkürlich an Jesus, der ja ebenfalls 40 Tage in der Wüste zugebracht hat (Matthäus 4). Erstaunlicherweise tut Elia das, ohne dass sich seine äußere Lage geändert hätte noch, dass er seine Angst überwunden hätte: „… und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen.“ (wieder zweimal; Verse 10 und 14)

Aber ist es nicht so, dass Elia sich erschöpft am Ende eines langen – und in seinem Fall blutigen – Weges angekommen sieht? Spricht er doch resigniert: „Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter.“ (Vers 4) Und dennoch hat er nicht nur einen langen Weg hinter sich, sondern zugleich einen langen Weg vor sich, bevor Elia das (Propheten-)Amt an Elisa weitergeben kann und damit endlich, von Gott beauftragt, seinen Dienst nicht beendet, aber weiterreicht.

So sind auch wir Wanderer zwischen den Welten; wir haben einen Weg hinter uns, aber zugleich auch einen vor uns. Und selbst wenn wir feststellen, dass unser bisheriger Lebensweg uns in die Wüste geführt hat, so weist der Engel des HERRN uns doch einen Weg heraus, ermutigt und stärkt uns.

 (ein Impuls von Rainer Allmann, Archivar des ELM)

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Eine*r trage des Anderen Last - Geistlicher Impuls für den 8. Juli 2020

"Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen." Galater 6,2

Wer trägt schon gerne die Sachen anderer Menschen. Selbst die Taxifahrer bleiben heutzutage manchmal im Auto sitzen und kümmern sich nicht um das Gepäck. Jede und jeder hat doch genug mit sich selbst zu tun. Mir reichen meine eigenen Lasten, meine eigenen Sorgen.

Da wird schnell gesagt: „Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“.

Wie kommt der Apostel Paulus auf den Satz "Einer trage des Anderen Last"? Er ist Jesus begegnet. Der hat niemanden danach gefragt, ihm etwas abzunehmen. Er hat immer nur gefragt: Was willst du, dass ich für dich tue? Daran hat Paulus gemerkt, wie Gott für uns ist. Der legt uns keine Lasten auf, wie manche glauben, sondern, der will unser Leben leicht machen. Blinde sehen, Lahme gehen, Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündigt – so zitiert Matthäus im 11. Kapitel Jesus. Gott ist gegenwärtig und die Welt soll es merken.

Als unsere Partner von der Situation der Pandemie in Deutschland Anfang März hörten, meldeten sie sich sofort bei uns und haben uns ihrer Fürbitte versichert. Sie wollten unsere Sorge mittragen, vor Gott tragen. Heute sieht es fast so aus, als sei die Situation in Südafrika oder Brasilien, in Russland oder Indien weitaus schlimmer als bei uns. Gemeinsam könnten wir jetzt beten, um Lasten zu teilen und aktiv werden, um Sorgen zu lindern. Unsere Spenden machen Menschen bei unseren Partnern satt, weil sie Lebensmittelpakete und Hygieneartikel verteilen, um Menschen das Überleben zu ermöglichen. Eine*r trage des Anderen Last – manchmal ist es ganz einfach – wir müssen es nur tun.

Manchmal ist es eine unerwartete Erfahrung, weil jemand mir zuhört, mit anpackt, die Hände faltet, mitweint oder lacht, an meinem Bett sitzt oder mir etwas vorliest, für mich einkauft oder etwas Geld gibt. Zusammen ist das Leben leichter. In Gemeinschaft mit Gott nicht nur das, sondern mit Sinn erfüllt. Ein toller Tausch: meine Sorgen – seine Fürsorge. Meine Fragen – sein Sinn.

Gebet:

Guter Gott,
du bist an unserer Seite.
Immer für uns da, ohne Bedingung,
damit wir das Leben in Fülle haben.
Wir befehlen dir diesen Tag, alles was uns heute begegnet
alle, die uns heute brauchen,
jeden, auf dessen Hilfe wir hoffen.
Wir befehlen Dir die Menschen,
deren Leben bedroht ist:
Lass sie deinen Frieden erfahren,
zum Leben und zum Sterben.

Amen

(ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Kleine Anleitung zur Meditation - Geistlicher Impuls für den 7. Juli 2020

Bitte nehmen Sie Platz. Beginnen und beenden Sie die Meditationszeit mit einem Kreuzzeichen oder mit einer Verneigung, mit einem Ton (Klangschale oder Glocke) und/oder mit einem kurzen Gebet.

Sitzen Sie ruhig und aufrecht.

Legen Sie die Hände in den Schoß oder lassen Sie die Hände auf den Oberschenkeln ruhen.

Die Augen sollten nicht umherschweifen und beobachten. Sie sind nur ein wenig geöffnet oder aber geschlossen. Atmen Sie bewusst und ruhig ein und aus.

Der Atem geht ganz von selbst und soll so gehen, wie er gehen will. Versuchen Sie entspannt, gesammelt und aufmerksam da zu sein.

Sprechen Sie nun innerlich, ohne weiter darüber nachzudenken, einen einzigen kurzen Gebetssatz oder nur ein einziges Wort aus dem Gebetsschatz der geistlichen Tradition. – Die Tradition empfiehlt die biblischen Worte: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.“ oder „Mein Herr und mein Gott.“ oder ganz einfach nur „Jesus“, „Christus“ oder „Gott“. Sie können auch die alte urchristliche Gebetsformel „Maranatha" nehmen, die soviel bedeutet wie „Unser Herr, komm!" und sie betont langsam in sich wiederholen und erklingen lassen. – Wählen Sie selbst aus.

Während Sie gesammelt meditieren, versuchen Sie die Gedanken und inneren Bilder, die kommen und Sie bedrängen, nicht zu beachten. – Kehren Sie immer wieder zu Ihrem inneren Gebetswort oder -satz zurück und wiederholen Sie diesen.  Diese Worte sind wie ein Anker, an dem Sie sich festmachen können.

Versuchen Sie ganz ruhig und offen zu sein für das, was geschieht. Geben Sie der Stille Raum und lassen Sie sie immer mehr in sich ausbreiten.

Wenn Ihnen die Sammlung nicht gelingen sollte, geben Sie nicht gleich auf. Auch das Misslingen gehört zum Leben. Haben Sie Geduld.

Vertrauen Sie darauf, dass Gott mit Ihnen ist, Sie umfängt, trägt und hält. (Quelle: https://christliche-meditation.net/index.php/anleitung)

Ich will sitzen
und will schweigen
und will hören,
was Gott in mir redet.

Meister Eckehart (1260 – 1327)

(ein Impuls von Verena Berndt, ELM-Referentin Internationale Partnerschaften)

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Die Liebe bleibt der Auftrag - Geistlicher Impuls für den 6. Juli 2020

„Our Mission: ....“. Geht man in Südafrika in ein Krankenhaus, zu einer Behörde oder in ein Restaurant, so fällt in den meisten Fällen zunächst der Blick auf eine Tafel, die auf die Mission der Einrichtung hinweist. In einem Krankenhaus kann man zum Beispiel lesen: „Unsere Mission: Ihre Gesundheit wieder herstellen.“

Das Bekenntnis zur eigenen Mission ist in vielen Ländern selbstverständlich. Mission ist kein Wort, für das man sich schämt.

Wenn ich in bestimmten Kreisen erzähle, dass ich in einem Missionswerk arbeite, dann ernte ich allermeist Unverständnis. Sofort werde ich damit konfrontiert, was die Mission in der Vergangenheit an Schaden angerichtet hat. Als wüsste ich das nicht!

Ich drehe den Spieß um: „Wenn du einen Menschen liebst, zum Beispiel dein Kind, was möchtest du dann gerne erreichen?“ „Nun, ich will, dass sich mein Kind bei mir geborgen fühlt. Es soll mir vertrauen und immer zu mir kommen können, wenn es etwas auf dem Herzen hat.“ „Und gelingt dir das immer.“ „Natürlich nicht. Manchmal läuft es richtig schief.“

So ist es mit der Mission. Das Ziel Gottes mit uns Menschen will das Gute: Frieden, Gerechtigkeit, Verminderung des Hungers, ein würdevolles Leben für alle Menschen. Und noch viel mehr will Gott dem Menschen Gutes tun. Als Gottes Bodenpersonal können wir von vielen Erfolgen berichten. Und gleichzeitig scheitern wir auch immer mal wieder. Nicht nur in der Vergangenheit. Auch heute noch.

Doch deswegen lassen wir von Gottes gutem Ziel mit uns nicht ab und setzen uns weiterhin dafür ein. Wer würde denn sein Kind nicht mehr lieben, nur weil es auch mal schief geht in der Beziehung! Die Liebe bleibt der Auftrag. Sie ist die Mission in der Erziehung und in jeder Form einer Beziehung zu einem Menschen.

Für die Ziele Gottes mit uns Menschen will ich mich einsetzen. Das ist seine Mission, mit der er mich beauftragt. Hier, wo ich lebe und arbeite. Und in der Zusammenarbeit in der weltweiten Kirche. „Darum schäme ich mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht.“ (Römer 1,16)

(ein Impuls von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

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Vielfalt als Geschenk - Geistlicher Impuls für den 3. Juli 2020

Deine Hände haben mich gemacht und bereitet. Unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne. Psalm 119, 73

Unsere Zeit steht auf Individualität. Meine Kleidung, mein Auto, meine Frisur, mein Beruf – an vielen Stellen möchten wir unverwechselbar sein und einen eigenen Weg gehen.

Andererseits gibt es den Wunsch nach Gemeinschaft. Geborgenheit, Sicherheit. In der Familie, in der Clique, vielleicht sogar am Arbeitsplatz oder im Chor, in der Sportgruppe. Etwas, das uns gemeinsam ist, verbindet uns. Beide Gefühle können in Spannung zu einander stehen.

Die Losung von heute redet von Gott, dem Schöpfer, der uns das Leben geschenkt hat. Ganz individuell, sehr unterschiedlich in unseren Möglichkeiten, Rahmenbedingungen, Aussehen, Begabungen, ... Aber immer mit gleicher Sorgfalt, Hingabe und Liebe macht er uns. Er ist ein persönlicher Gott. Die Beziehung zum Schöpfer ist immer individuell. Darum benutzen wir unterschiedliche Bilder und Worte, wenn wir von ihm reden.

Unsere Partner in Afrika, Asien oder Lateinamerika nutzen andere Bilder von Gott, haben andere Erfahrungen, und dennoch ist es der gleiche. Gott, der uns individuell gewollt und geschaffen hat. Mit anderer Sprache, anderer Haarfarbe, anderer Größe und unterschiedlichem Geschlecht. Der uns musikalisch oder schauspielerisch begabt, als Forscherin oder Banker, als ruhigen oder extrovertierten Menschen geschaffen hat.

Ich freue mich an der Vielfalt der Menschen. Eine Vielfalt, die sich in der Welt und in unserem unmittelbaren Umfeld abbildet. Eine Vielfalt, die uns reich macht, weil sie mich mit meinen Talenten und Begabungen ergänzt um all das, was außerdem noch für das Leben wichtig ist.

Dieses Geschenk erlebe ich in der Begegnung mit den vielen Christen überall auf der Welt auch in der Unterschiedlichkeit, den Glauben zu leben und zu feiern.

Gebet:

Gott, ich danke Dir, dass Du mich unverwechselbar und wunderbar gemacht hast.
Ich danke dir auch für die Menschen um mich herum in der Nähe und in der Ferne.
Lass uns gemeinsam danach fragen, wozu du uns gebrauchen willst –
Und gibt uns Kraft, Mut und Freude das zusammen zu tun.

Amen

(ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Reich beschenkt! - Geistlicher Impuls für den 2. Juli 2020

HERR, unser Herrscher,
wie herrlich ist dein Name in allen Landen.
Psalm 8,2

Ja, ich empfinde es schon als ein Privileg, als Referent mit Kirchen in anderen Ländern der Welt verbunden zu sein; genauer gesagt, mit Christen in Partnerkirchen des ELM! Sie besuchen zu dürfen, ihnen zu begegnen und damit ihrem Land, ihren Kulturen und Sprachen, ihren Traditionen, ihrem Glauben. Wenn ich mich wirklich (!) auf sie einlasse, dann lassen sie sich auf mich ein. Ich werde in ihre Familie hineingenommen, in ihr Denken und Handeln, ihre Sicht auf das Leben und auf Gott.

Da ist manches, das ist mir fremd. Da ist manches, das erschließt sich mir nicht ohne weiteres. Da ist manches, das würde ich aus meinem Blickwinkel für nicht richtig halten, hinterfragen, in seinem Sinn anzweifeln oder auch einfach nicht gut finden. Viele Dinge, die für uns in Deutschland, für Menschen der westlichen Welt von wesentlicher Bedeutung und Wichtigkeit sind, werden anders gesehen, werden nach unserem Verständnis falsch gehandhabt, inakzeptabel.

Aber was ist ihr Verständnis? Warum handelt mein christliches Gegenüber, wie es das macht? Warum hat er oder sie ein bestimmtes Verständnis? Sie werden es mir genauso wenig gleich erzählen, wie wir ihnen sofort erzählen würden, vor welchem Hintergrund wir bestimmte Ansichten entwickelt haben. Das braucht Zeit, Geduld, offene Ohren und ein offenes Herz. Es braucht nicht die Feststellung von vermeintlich richtig oder falsch! Es braucht Vertrauen! Und das muss als Vorschuss gewährt werden! Anders geht es nicht!

Ich habe es mir angewöhnt, grundsätzlich erstmal meinem Gegenüber zu vertrauen, selbst wenn es Hinweise gibt, dass er oder sie nicht vertrauenswürdig sein könnte. Mein erstes und ehrliches Interesse ist, zu lernen: wer bist Du? Was macht dich zu der Person, die Du bist? Was hat Dich geprägt. Oft werde ich dann gefragt, wer ich bin, was mich ausmacht, … Und dann sind wir im Gespräch über Dinge, die wir z.T. völlig kontrovers sehen. Vieles, eigentlich fast alles, hat nachvollziehbare Gründe, ist in dem jeweiligen Kontext sinnvoll – auch wenn wir dadurch noch nicht einer Meinung sind! Wir beide lernen, voneinander, miteinander. Ich merke: Ich werde reich beschenkt! Mir erschließen sich neue Sichtweisen, neue Ansätze, neue Gestaltungsmöglichkeiten des Miteinanders, … Auch Gott und Gottes Wort erschließen sich mir neu! Ein unglaublicher Reichtum!

Selbst jetzt, während der Corona-Krise, in der ich nicht zu meinen Schwestern und Brüdern in den Partnerkirchen reisen kann, bin ich mit ihnen verbunden. Immer mal wieder kommt eine WhatsApp „How are you doing? How about your family?“, eine kurze e-mail „We are getting along! God helps us!”, in den Statusmeldungen von WhatsApp lese ich, wie dankbar sie sind trotz des Leides, das Corona über sie bringt. Und ich kann darauf reagieren, Anteil nehmen an ihrem Leben wie sie an meinem. Bei allem, was unterschiedlich ist – und vielleicht auch bleiben wird. Nein, Klagen höre und lese ich kaum. Aber viel Glaubensgewissheit, auch in diesen schwierigen Zeiten. Es spielt keine Rolle, ob es jemand aus Südafrika ist oder aus Botswana oder aus Äthiopien oder ... Gott trägt uns. Er verbindet uns. Er vereint uns in all unserer Verschiedenheit, in all dem Reichtum und der Vielfalt, die er uns mitgegeben hat! Ja, es ist schon HERRlich, was ich von Gott und durch ihn erleben und lernen kann. Ich bin reich beschenkt!

Oder, wie Maria es in Bezug auf Gottes Geschenk an sie im Lehrtext für heute sagt:
Er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
AMEN!

(ein Impuls von Michael Schultheiß, Referent für Globale Kulturelle Vielfalt; Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

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Seelentraining ist kein Sonntagsspaziergang - Geistlicher Impuls für den 1. Juli 2020

"Ein kurzes Atemholen mit guten Gedanken", will Kirche im WDR 3 sein, "hilfreich und aufbauend. Das Richtige für den Start in einen neuen Tag - mit Gottes Hilfe." Ich höre da ab und zu mal rein. Wie neulich als Diakon Claudius Rosenthal über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Körpertraining und Seelentraining gesprochen hat. Diese und andere geistliche Impulse zum download findet ihr unter: kirche-im-wdr.de

(Ein Fundstück von Anette Makus, ELM, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising)

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Ja, aber ... - Geistlicher Impuls für den 30. Juni 2020

„Ja, aber...“ Mein Gegenüber erklärt mir etwas. Legt ihren Standpunkt dar. Will mich etwas verstehen lassen. Ich stimme zu. „Ja, aber...“.

Ich stimme zu und schränke meine Zustimmung gleich wieder ein. Wenn mir ein „Ja, aber...“ gesagt wird, kann das sehr demotivierend sein, weil ich das Gefühl habe, nicht wirklich gehört und wertgeschätzt zu werden. Geht es meinem Gegenüber auch so, wenn nach meinem zustimmenden Ja gleich das aber folgt?

Ja, das hast du sehr gut gemacht. Aber wenn du dich ein wenig mehr anstrengst, könnte dein Zeugnis noch besser sein. Und schon hat das kleine Wort aber die anfängliche Wertschätzung zunichte gemacht. Für die Entwicklung von Kindern pädagogisch nicht besonders wertvoll.

Will ich also mit meinem aber unbedingt Recht behalten? Will ich demonstrieren, dass ich es besser weiß? Steckt in dem kleinen Wort aber vielleicht eine Machtdemonstration? Sei es bei Erwachsenen oder bei der Begleitung von Kindern.

Ich besuche gerne Quäkerandachten. In ihnen wird nur geschwiegen. Und wenn jemand etwas sagt, dann bleibt es unkommentiert stehen. Das, was gesagt wird, hat Gewicht, denn es ist ein Ergebnis des Schweigens vor Gott.

Mir kommt Gottes Schöpfungswort in den Sinn: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte. Und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31). Kein aber. Keine Einschränkung. Ich bin sehr gut. Ich nehme das so an. Gottes Ja zu mir ist von ihm selbst gesprochen. Dieses uneingeschränkte Ja macht mir Mut. Dieser Zusage will ich Raum geben in meinem Leben. Es im Schweigen ganz nah an mich heranlassen.

Daraus will ich lernen. Lernen, meinem Gegenüber mit einem Ja zu begegnen. Und bei Diskussionen erst einmal innehalten und das Gehörte würdigen. Und dann ohne ein aber weiter diskutieren. Eine herausfordernde Übung, die die Qualität eines Gespräches positiv verändern wird. Für mich und für mein Gegenüber. Das geht. Denn wir sind sehr gut.

 

(ein Impuls von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

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Die Krise ist schuld! - Geistlicher Impuls für den 29. Juni 2020

Die nachfolgende Andacht hat Kurt Herrera von Pfarrer Dr. Mauro de Souza, 2. Vizepräsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB), bekommen und für uns übersetzt:

„Ihr Israeliten, ihr Nachkommen von Jakob, denkt immer daran: Ich habe euch geschaffen, ihr gehört zu mir und seid meine Diener! Niemals werde ich euch vergessen.“ Jesaja 44,21

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich hoffe, dass es Ihnen in diesem intensiven Moment, den wir erleben, gut geht. In dieser weit verbreiteten Krise, die durch eine schwere Pandemie verursacht wurde. Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch so geht, aber von klein auf höre ich das Wort Krise. Jahr für Jahr, taucht immer wieder das Wort Krise auf.  Ich denke, das Wort wird missbraucht, um irgendetwas zu rechtfertigen. Es gibt immer eine Krise, weil das hilft, die Absurditäten der Realität zu erklären.

Es wird allgemein von einer Wirtschaftskrise gesprochen. Der Börsencrash 1929, dann 2000, 2008, jetzt wieder. Die Ölkrise, die Stahlkrise, die Krise der Agrarindustrie. Die Krise von diesem und jenem. Aber es gab auch humanitäre Krisen: Erdbeben in Haiti und Nepal, Tsunamis in Thailand und Japan. Die Spanische Grippe, die Krankheiten im Zusammenhang mit HIV-Aids, Ebola in Afrika. Es gab auch den Völkermord der Nazis und andere Völkermorde, wie den der Tutsi in Ruanda.

Heute dreht sich die Wirtschaftskrise um Fragen der Gesundheit: das neue Coronavirus ist an allem schuld! Die Wirtschaft lief doch ausgezeichnet, alles war gut. Wir haben ein wunderbares Niveau an Gerechtigkeit und sozialer Gleichheit erreicht. Wow! Wir waren fast am Ziel: Milliardäre gab es nicht mehr, stattdessen einen globalen Mindestlohn, der weltweite Hunger war nahezu überwunden. Die Abgeordneten und Senatoren hatten eine Null hinter ihren Gehältern gekürzt, die Fußballspieler hatten zwei Nullen gekürzt. Krankenhäuser und Schulen waren qualitativ hochwertig und kostenlos. Alles lief gut.

Und da musste dieses neue Coronavirus auftauchen, um alles zu ruinieren. Unglaublich, nicht wahr? Schuld ist nur das neue Coronavirus!

Ich denke, dass man fast jedes Mal, wenn man das Wort „Krise“ hört, es durch „Projekt“ ersetzen kann. Die Krise ist ein Projekt der Ungleichheit, der Ungerechtigkeit. Das neue Coronavirus hat keine Krise gebracht, es hat die Schande der Ungerechtigkeit nur sichtbar gemacht. Aber wenn man weiterhin alles auf die Krise schiebt, trägt das dazu bei, die Barbarei zu rechtfertigen. Die Menschen in Krisenbereitschaft zu halten, ist ein wirtschaftliches Projekt, eines der profitabelsten. Jede Art von Maßnahme ist gerechtfertigt, wenn es eine Krise gibt – und die Menschen glauben, dass sie sich wirklich opfern müssen. Im Namen der Wirtschaft müssen Menschenleben geopfert werden. Es gibt kein Bett mehr auf der Intensivstation für alle, die es brauchen; klar, die Krise ist schuld. Wegen der Krise können wir nicht mehr Krankenhäuser und mehr Betten bauen. Lasst die alten Menschen sterben, schließlich hatten sie ihre Chance zu leben und verursachen nun nur noch Kosten.

Wir haben den Tiefpunkt erreicht. Wenn wir denken, dass die Alten es nicht verdienen zu leben, weil sie den Jungen Platz machen müssen, dann sind wir am Tiefpunkt angelangt. Entschuldigen Sie den Pessimismus. Aber dieses Mal, glaube ich, haben wir tatsächlich eine andere Ebene erreicht: Wir können das Sterben an Covid-19 heute live und mit Daten verfolgen.

Dieser Moment hat eine der großen Fragen der Menschheit erneuert: die Frage nach dem Wert des Lebens, letztlich nach dem Sinn des Lebens. Wir stehen heute, wie vielleicht niemals vorher, vor einer Krise, die nach dem Sinn des Lebens fragt.

Auf der einen Seite: Krise des Lebenssinns. Auf der anderen Seite: ein Projekt der völligen Verachtung des Lebens. Mitten dazwischen stehen wir!

In diesen drei Monaten, die wir unter Quarantäne stehen, ist schon viel gesagt worden.  Sicherlich haben Sie täglich Stürme des Zweifels, der Unsicherheit, der Furcht und der Angst erlebt. Und hier stehen wir nun. Wir wollen uns gegenseitig dabei unterstützen, dem Leben zu dienen. Wo wird die Hilfe herkommen? Sie kann nur von Gott kommen.

Ich habe dich geschaffen, du bist mein Diener, du bist meine Dienerin; niemals werde ich dich vergessen.

Liebe Schwestern, Brüder, Kolleginnen und Kollegen:

Das Leben geht weiter. Ich kann nicht sagen, dass wir den Hafen schon direkt vor uns sehen können.  Ich kann nicht sagen, dass die Dinge bald leichter werden. Aber genau hier sind wir herausgefordert. Gerade in diesem Sturm ist die Kirche aufgerufen, präsent zu sein. Wir sind die Kirche! Wir glauben an die Verheißung; wir haben Hoffnung; wir glauben an die Auferstehung.

Wir sind das Volk der Verheißung,
wir sind das Volk der Hoffnung,
wir sind das Volk der Auferstehung.

Wir können für viele Menschen die Verheißung sein, die Hoffnung, die Auferstehung. Gott schafft uns, befähigt uns und vergisst uns nicht. Amen.

(ein Impuls von Pfarrer Dr. Mauro de Souza, 2. Vizepräsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB). Übersetzung: Kurt Herrera, ELM-Referent Kirchenentwicklung International, Ökumenische Zusammenarbeit mit Brasilien und Peru)

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Wenn aus Hoffnung Zukunft wird - Geistlicher Impuls für den 26. Juni 2020

Das ist das Thema, das wir an diesem Wochenende für das Missionsfest ausgesucht hatten. Leider wird es ja nicht stattfinden können, dem Thema möchte ich mich an diesem Freitagmittag aber trotzdem widmen, wenn auch in etwas kleinerem Rahmen und mit kleinerem Fokus.

Es war auf unserer Gesamtklausur bei der Vorstellungsrunde. Wir sollten uns anhand unserer Schlüssel besser kennenlernen. Ihr erinnert euch sicherlich noch. An meinem Schlüsselbund befindet sich, das hatte ich fast vergessen, dieser kleine Schlüssel mit der Aufschrift „hope“ – Hoffnung. Ihn habe ich damals in Edmonton bei einer Team-Building-Veranstaltung bekommen. Hier ging es darum, was für Wünsche und Hoffnung wir haben, um als Team zu funktionieren und gut in die Zukunft zu gehen.

Hoffnung, denke ich, ein Thema, das auch auf unserer Klausur eine Rolle gespielt hat und noch immer spielt. Was sind unsere Hoffnungen und Wünsche für das ELM, für unser Miteinander? Was ist unsere Vision? Welche Ziele verfolgen wir? Wohin soll es mal gehen? Wie kann eine gute Zukunft aussehen?
Diese und viele weitere Fragen haben wir in diesen drei Tagen miteinander angeschaut, diskutiert und die Vorstellungen des je anderen dabei besser kennengelernt.
Doch wenn aus Hoffnung auch Zukunft werden soll, dann darf es nicht beim bloßen Austausch stehen bleiben, dann müssen Taten folgen. Die Hoffnung ist der Anfang, doch dann muss es weitergehen.

Eine Form, der Taten folgen können, sind wohl die Projektgruppen, die sich während dieser Tage gebildet haben. Hier haben wir aus Hoffnungen und Wünschen, Ziele formuliert, die verfolgt werden und in der Zukunft real werden sollen.
Wenn aus Hoffnung Zukunft werden soll, muss halt immer Aktion dazukommen, sonst bleibt sie im bloßen Wünschen und Träumen. Erst wenn Männer und Frauen vereint anpacken, kann eine Zukunft entstehen.

Grundlegend ist allerdings: Egal, welche Hoffnungen und Visionen wir für uns, für das ELM, für unsere Partner*innen, für die Welt haben, es ist immer wichtig bei uns selber anzufangen.

Als biblischen Vers hatten wir Matthäus 25,40 für Samstag ausgesucht: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan.“

Am Samstag hätten wir die weltweite Perspektive in den Blick genommen und an unsere Projekte gedacht und unsere Partnerkirchen in der Welt. Heute Mittag möchte ich bei uns bleiben, denn auch da stimmt dieser Satz und trägt zu einer guten Zukunft bei. „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan.“

Für mich geht es in der Geschichte, die dieser Aussage voran geht darum, die Bedürfnisse meiner Mitmenschen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Wenn es heißt: „ihr habt mir zu essen gegeben […], ihr habt mir zu trinken gegeben, […] ihr habt mich als Gast aufgenommen, […] ihr habt mir Kleider gegeben, […] ihr habt euch um mich gekümmert, […] und ihr habt mich besucht“ (Mt 25, 35f i.A.), dann höre ich eine Liste, die wir mit vielen anderen für uns alltäglichen Lebenssituationen noch erweitern könnten.

Hier könnte auch noch stehen: „ihr habt mir zugehört, als ich jemanden zum Reden brauchte; ihr habt mich unterstützt, als ich nicht weitergekommen bin; ihr habt euch mit mir Gedanken gemacht, als ich keine Idee hatte; ihr habt Zeit gehabt, als ich Gesellschaft brauchte; und ihr habt mir vertraut, als das Misstrauen umging“. Diese Liste könnte wohl eine jede und ein jeder von uns noch beliebig fortführen, wenn ihr an euren Arbeitsalltag denkt, an den Sportverein, den Gang zum Supermarkt oder an eure Familien und Freunde.

Alle diese Sätze beschreiben Situationen in denen wir aufeinander angewiesen sind, in denen wir Unterstützung brauchen. Und ich glaube wir alle wissen, dass wir uns auf beiden Seiten dieses Satzes wiederfinden. Mal als diejenige, die geben kann und mal als derjenige, der empfängt.
Eine Geschichte in der es darum geht, wahrzunehmen was ein andere braucht und dann darauf zu reagieren.

„Wenn aus Hoffnung Zukunft wird“, fängt bei uns an. Nur wenn wir im Kleinen unsere Mitmenschen so behandeln, als wäre es Gott selbst, dem wir gegenüberstehen, nur dann strahlt dieses Bewusstsein auch in die Welt aus.

Nur, wenn wir hier bei uns im Werk bei der Arbeit, ja in unserem alltäglichen Leben diesen Satz ernst nehmen, dann können wir auch für andere etwas bewirken; nur dann kann aus Hoffnung Zukunft werden; Zukunft hier bei uns im ELM mit allen Wünschen und Visionen und auf der Welt. Also packen wir es an!

(ein Impuls von Indra Grasekamp ELM-Referentin Weltweite Spiritualität) 

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Glaube! - Geistlicher Impuls für den 25. Juni 2020

Die Tageslosung für heute ist aus dem 60. Kapitel des Prophetenbuches Jesaja.

Das Kapitel beginnt mit der Aufforderung, „mache Dich auf, werde licht“ (werde hell) und der Feststellung, dass Finsternis das Erdreich bedeckt während der HERR und seine Herrlichkeit über dir erscheint. Es hat vermutlich nicht nur für mich den Klang des Weihnachtlichen, hängt an der kalten, dunklen Jahreszeit, die das Kommen Gottes in Jesus Christus in ein vertrautes Bild fasst. Irgendwie schön, angenehm, weihnachtlich wohlig. Und nicht selten genau deshalb als weltfern und für das Leben irrelevant kritisiert.

Die Tageslosung selbst steht mitten in diesem Kapitel, Vers 16:

Ich, der HERR, bin dein Heiland, und ich, der Mächtige, dein Erlöser.

Sie spricht hinein in einen Alltag, der sich für viele verdunkelt hat, sei es nur subjektiv wahrgenommen oder auch tatsächlich. Gerade habe ich eine Reportage gehört über an Demenz Erkrankte, für die Berührungen, vertraute Begegnungen und Abläufe das Leben hell und angenehm machen – und die jetzt „unberührbar“ mit Tagesverläufen und Lebensrhythmen, die ihnen fremd sind, in eine Art tiefe Dunkelheit fallen. Da sind die dieser Tage so sehr gestiegenen Zahlen der Corona-Erkrankten in der Fleischverarbeitung. Sie werden von vielen, die vom Lockdown genervt sind, für ihre Krankheit verurteilt, obwohl sie nicht die Verursacher ihrer Lebens- und Arbeitsumstände sind – die Erkrankten erleben sich in ihrer Quarantäne als eingesperrt, entwürdigt und ausgeschlossen vom Leben. Da sind diejenigen, die um ihre Jobs, ihren Betrieb, ihr Auskommen fürchten, weil der Lockdown, der so viel Schlimmeres verhindert hat, eben auch wichtige Dinge des Alltags verhindert hat.

Wer hat in dieser Zeit eigentlich das Sagen, wer hat den Überblick, auf wen kann ich mich verlassen, ohne das Gefühl zu haben, verlassen zu sein? Die Wissenschaftler? Die Politik? Die Wirtschaft? Die Mediziner? Allein die Aufzählung macht schon deutlich: in unserem Leben und Alltag gibt es nicht die eine Autorität, an der ich mich orientieren kann und dann ist alles Wesentliche geklärt! Das wäre auch zu schön, das wäre ja beinahe Gott-gleich! Tja, wenn es Gott gäbe, dann …

Was, wenn es Gott gibt? Also mehr als den weihnachtlich heimeligen Wohlfühl-Gott! Das Bild am Anfang des Kapitels passt recht gut auf unseren gegenwärtigen Alltag. Für viele ist der Alltag nicht nur kalt, er ist auch dunkel geworden. Der Himmel hat sich verdunkelt, nicht nur mein persönlicher, sondern weltweit, für alle! Und dann die Zusage: „der Herr und seine Herrlichkeit erscheint …“ und die Aufforderung „werde licht!“.

Genau hier hinein spricht die Losung:

Ich, der HERR,

Gott meldet sich zu Wort: ICH! Ich bin der HERR! Mit anderen Worten: ich habe das Sagen, ich bin die Autorität! Ich bin bereit, mich einzusetzen für dich, auch in diesen Zeiten!

bin dein Heiland,

Ich bin der Heiland, derjenige, der das Beschädigte des Lebens, das Kaputte im Leben, heil machen will! Nein, nicht so, wie es mal war, anders. Aber so, dass du damit leben kannst!

und ich, der Mächtige,

Ja, ich habe Macht! Nein, ich meine nicht militärische, nicht politische, nicht wissenschaftliche, nicht medizinische Macht. Aber die Macht der Liebe, die Macht der Zuwendung, die Macht des Dich-ernst-Nehmens, die dir auch jetzt - trotz Schutzmaske und Quarantäne - Luft zum Atmen und Raum zum Leben gibt.

dein Erlöser.

Das bin ich, sagt Gott: ich bin derjenige, der dich losmacht. Ich bin der, der dir hilft deine Ängste loszulassen, dich zu lösen von Vorstellungen dessen wie es sein müsste und dir die Freiheit gibt, zu erkennen, wie es sein kann, wie dein Leben sein kann, grundsätzlich und auch jetzt in dieser Zeit der Herausforderungen. Ich nehme diese Herausforderungen zusammen mit dir an! Werde licht! Ich bin der HERR! Glaube mir!

Wenn dann der Lehrtext (Röm. 8,35) sagt: Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?

… dann glaube ich an diese eine Autorität, an der ich mich orientieren kann – und sage: niemand!

AMEN

(ein Impuls von Michael Schultheiß, Referent für Globale Kulturelle Vielfalt; Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

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Denk ich an Amerika in der Nacht - Geistlicher Impuls für den 24. Juni 2020

Neulich bin ich an einem Text aus der "Christ & Welt" hängengeblieben, der mich nachhaltig beschäftigt und den ich gern mit Ihnen teilen möchte. Die Autorin Miriam Gross ist Pfarrerin und Polizeiseelsorgerin in New York.

Ich zitiere ihren Text etwas gekürzt:

Zögerlich gleiten meine Finger über die Tastatur des Computers. Immer wieder stocke ich, während einzelne Wörter vor mir auf dem Bildschirm zaghaft Gestalt annehmen. Wieder und wieder lösche ich neue Wortkombinationen, die nur selten meine wirkliche Zustimmung erhalten. Ständig nehme ich neuen Anlauf. Ich muss den digitalen Gottesdienst zum Trinitatisfest vorbereiten, es fällt mir sehr schwer. Es ist, als ob ein tiefer Riss direkt durch mich hindurchläuft und die Dreieinigkeit, die wir feiern wollen, in mir keinen Raum nehmen kann. Die letzten Wochen nagen zu sehr an mir.

New York, die Stadt, in der ich seit sechs Jahren lebe, steckt tief in einer Krise, einer der größten Krisen, die diese Stadt jemals ereilt hat. Seit mehreren Wochen gleicht New York wegen der Ausgangssperre einer Gespensterstadt.

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd hat die Stadt schließlich zum Brennen und Explodieren gebracht. Meine Gemeinde liegt im Stadtteil Chelsea. Trete ich heute vor meine Kirche, kann ich sehen, wie sehr sich diese Stadt bereits verändert hat. An den Wänden der Gebäude stehen die Klagen: »blacklivesmatter«, »we must unite«.

Die gegenwärtige Situation erfordert sehr viel von mir als Seelsorgerin. Die Pandemie verlangte eine rasend schnelle Digitalisierung des Pfarramtes und eine intensivierte Seelsorge. Ich wirke an einer jüdischen Tafel mit, die seit der Pandemie einer ständig wachsenden Zahl von Immigranten ohne Papiere zu helfen versucht. Ich leiste Friedensarbeit, weil die Zahl der antisemitischen Übergriffe in der Stadt wieder ansteigt. Ich bin aber eben auch die örtliche Polizeiseelsorgerin. Es ist alles andere als einfach, die Seelsorgerin eines Ordnungsorgans zu sein, das unter massiver Kritik steht. Polizeiseelsorge ist ein dienstliches Minenfeld.

An vielen Tagen fühle mich so, als ob ein Riss mitten durch mein Herz geht. Doch es gilt, diese Spannungen aus- und durchzuhalten, um in Fürsorge für unseren Nächsten da zu sein und einer gerechteren Welt den Weg zu bahnen. Auch wenn das schwer ist.

Tausende von Menschen gehen Tag für Tag auf die Straßen. Seit der Ermordung von George Floyd liegen die Spannungen um die Polizeigewalt in diesem Land wieder bloß. George Floyd kam aufgrund eines vermeintlich falschen 20-Dollar-Scheines durch die Tat eines Polizisten grundlos zu Tode. Diese Tat hat eine unbändige Trauer und Wut ausgelöst über ein zutiefst ungerechtes System. Es entlädt sich gerade ein heiliger Zorn, den ich gut nachvollziehen kann.

Zahlreiche Demonstrationen versuchen nun landesweit auf den in den USA immer noch vorherrschenden Rassismus hinzuweisen. [...]

Doch Rassismus ist nicht nur hier ein Thema, sondern in vielen Ländern dieser Welt, auch in Deutschland, dem Land, aus dem ich hierhergekommen bin.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir uns aufgrund der engen geschichtlichen und wirtschaftlichen Verbindung der USA und Deutschlands der grundlegenden und beunruhigenden Nähe von Rassismus und Antisemitismus bewusst werden. Beide sind gefährliche Irrlehren, die zutiefst der christlichen Botschaft widersprechen. Sie sind ideologische Zwillinge, die nicht nur Hass verbreiten, sondern auch Menschenleben kosten.

Unvergesslich bleibt mir dabei ein Seminar, das ich im Rahmen meines Zusatzstudiums bei Beverly Mitchell, Professorin am Wesley Theological Seminary, Washington, D.C., besuchen durfte. Sie stellte uns ihre Arbeit zum systemischen Vergleich von Konzentrationslagern und Sklavenplantagen vor. Die zum Himmel schreienden systemischen Analogien öffneten mir die Augen und ließen mich verstehen, warum sie bei Rassismus und Antisemitismus von »Zwillingen des Hasses« sprach. Diese tödlichen Irrlehren haben ihre Wurzeln in der grundlegenden Ideologie, bestimmte Gruppen unter Verwendung von Ausschlussgesetzen, wirtschaftlicher Ausbeutung, Sklaverei, Mord und anderen Formen der Ungerechtigkeit auszuschließen und niederzudrücken. [...].

Rassismus und Antisemitismus sind ideologische Zwillinge, die ihre Wurzeln in einer nährenden Grundlage haben: im Hass gegen andere, in der Ausgrenzung, Ausbeutung und sogar Tötung. Sie sind Irrlehren, die die von Gott geschenkte Gottebenbildlichkeit verletzen und mit dem uns von Jesus gebotenen Doppelgebot der Liebe brechen.

Mögen wir mutig gegen diese Vorurteile aufstehen, Farbe bekennen und vorgehen! Eine besondere Verantwortung tragen vor allem gesellschaftliche Führungspersonen. Nach meiner Meinung müssen daher diesseits und jenseits des Atlantiks deutliche Zeichen gesetzt werden.

Aber auch wir als Einzelne müssen uns unserer eigenen Verantwortlichkeit bewusst sein. Niemand Geringeres als Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu weiß um die Wichtigkeit jedes Einzelnen und dessen Handlung, die Gottes Gerechtigkeit in dieser Welt Raum verschaffen kann.

Mögen seine Worte Mahnung und Ansporn zugleich sein, damit wir uns gegen Antisemitismus und Rassismus aufbäumen und den Bogen des moralischen Universums in Richtung Gerechtigkeit beugen: »Lass dich von niemandem davon überzeugen, dass du nicht wichtig genug, groß genug oder klug genug bis, um etwas zu bewirken. Du bist mehr als genug. Nimm den Bogen und biege ihn in Richtung Gerechtigkeit.«

Lukas 10,27: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«

(ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Farbenblind?! - Geistlicher Impuls für den 23. Juni 2020

Schwarz – coloured – weiß: Hautfarbe habe ich nicht mehr wahrgenommen. Für mich zählte der Mensch. Zufrieden war ich mit dieser Erkenntnis und wähnte mich im multikulturellen Südafrika angekommen. Als ich diese Erkenntnis mit ein wenig Stolz teilte, fühlte sich die Reaktion wie ein Schlag ins Gesicht an: „Du bist nicht blind für Hautfarben, sondern du bist blind für deinen eigenen Rassismus.“ Das saß.

Wenn du keine Hautfarbe mehr sieht, dann bist du auch schnell blind für das unermessliche Leid, das People of Colour (PoC) durchgemacht haben und noch immer durchmachen. Sie haben bis heute nicht die gleichen Lebensmöglichkeiten in Freiheit und Würde wie weiße Menschen. Nicht in Südafrika, nicht in den USA, nicht in Deutschland. Sie werden nicht nur angefeindet wie letzte Woche in einer Rossmann-Filiale, sondern sie werden brutal ermordet. George Floyd steht hierbei für unzählige solcher Fälle. Dies passiert Menschen mit weißer Hautfarbe auch, aber aus ganz anderen Gründen. PoC widerfährt das wegen ihrer Hautfarbe. Darum ist es wichtig, nicht farbenblind zu sein, sondern die Hautfarbe deutlicher denn je zu sehen, damit das Bewusstsein für Ungerechtigkeit und Leid geschärft wird und mein Eintreten dagegen entschiedener wird.

Geht es Jesus in dem Gleichnis des verlorenen Schafes nicht genau darum (Lukas 15,3-7): Unbestritten sind ihm alle Schafe wichtig (all lives matter), doch die Konzentration liegt jetzt auf dem einen Schaf, dessen Leben ohne die anderen und ohne den Hirten schutzlos den Gefahren ausgeliefert wird. Die 99 Schafe scheinen für sich selbst sorgen zu können. Nun geht es ausschließlich um das eine Schaf, das meinen Schutz, meine Solidarität und meinen Einsatz fordert. Darum heißt es für mich als Christen #blacklivematters.

Diese Lektion musste ich lernen. Lerne sie täglich neu.

(ein Impuls von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

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