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Über das Helfen - Geistlicher Impuls für den 29. Januar 2021

Ich hatte eine Autopanne Mitten im Nirgendwo Südafrikas. Wie froh war ich, als das erste Auto, das sich mir näherte, anhielt und der Fahrer seine Hilfe anbot. Die habe ich natürlich angenommen.

Nicht einfach weiterfahren oder weitergehen, wenn jemand offensichtlich Hilfe braucht. Anhalten und fragen, ob meine Unterstützung gewünscht ist. Das habe ich von dieser einen Situation gelernt – und halte mich leider nicht immer daran!

Wenn es zur alltäglichen Hilfe kommt, dann nimmt diese wohl jede*r gerne an. Wie sieht es aber aus, wenn wir uns anmaßen, Helfer für die Menschen in Afrika zu sein? Entsteht dann nicht ein Gefälle von oben nach unten? Laufen wir nicht Gefahr, es als westliche und reiche Menschen besser zu wissen? Werden wir nicht zum Retter, der das Gegenüber als hilflos ansieht?

So jedenfalls meint es der Spiegel in einem Bericht letzter Woche, in dem er behauptet, „weiße Retter sind out“. Natürlich hat der Autor recht. Und bei den genannten Beispielen steigt mir die Schamesröte ins Gesicht. Und doch lässt er sich zu einem allgemeingültigen Urteil hinreißen, das in dieser pauschalen Form einfach falsch ist.

Ich will niemanden retten in Afrika. Schon gar nicht als Deutscher auf einem Kontinent, auf dem meine Vorfahren so viel Unheil angerichtet haben. Aber ich will meine Hilfe dem nicht versagen, der mich zur Unterstützung einlädt. Und das ist der springende Punkt: ich will dort Menschen helfend zur Seite stehen, wo ich gefragt werde. Nicht als der Wissende, sondern als Dialogpartner. Als Fragender, wie ich am besten unterstützen kann. Zuhören, Reden, Handeln. In dieser Reihenfolge. Und erkennen, wann mein Gegenüber mich nicht mehr braucht und mich zurückziehen.

Ist daran etwas falsch? Nein. Genau so will ich es machen. Genau so versteht sich der Auftrag des Missionswerkes. Oder sollten wir unsere Hilfe versagen, wo gerade in der Coronapandemie unsere Partnerkirchen unsere Unterstützung angefragt haben? Das wäre fahrlässig. Anders ausgedrückt: Wir hätten Schuld auf uns geladen.

Ja, ich will helfen. Mit dem einen Ziel: „Dass wir einander zu Gehilfen der Freude werden.“ (1. Korinther 1,24). Nicht ich verhelfe dir zur Freude. Und Du verhilfst mir nicht zur Freude. Nicht jeder getrennt in diesem Bemühen. Sondern gemeinsam. So geht’s.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter Globale Gemeinde im ELM)

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Geweinschaft - Geistlicher Impuls für den 28. Januar 2021

Als ich meinen kleinen Sohn letzte Woche abends zum Zähneputzen schickte, sagte er zu mir: „Komm doch bitte mit! Du weißt, ich mag es lieber in Geweinschaft!“ Was er natürlich eigentlich meinte war Gemeinschaft. Für Samuel nur ein kleiner, unbedeutender Versprecher, für mich eine Wortkreation, die mich noch länger beschäftigte. Geweinschaft – gemeinsam weinen. Vielleicht auch deshalb, weil Joe an diesem Tag eine Trauerfeier durchführen musste, die aufgrund der Coronaregeln nur von 50 Leuten besucht werden durfte. Dazu muss man wissen, dass Beerdigungen im Zulukontext hier in Durban eigentlich von viel mehr Menschen besucht werden. Zum Trauern und Abschiednehmen gehören außerdem Besuche der verschiedenen leagues (Gruppen in der Gemeinde) bei der Trauerfamilie. Eigentlich wird eine ganze Woche lang jeden Abend miteinander getrauert, gesungen und durch persönliche Erfahrungen und Bibelworte getröstet und in Gemeinschaft geweint – Geweinschaft! Wie viel schwerer ist die Trauer, wenn man kaum Gelegenheit hat, mit anderen zu weinen. In der Erfahrung christlichen Gemeinschaft liegt viel Trost, Kraft und auch Hoffnung.

Kein Mensch ist eine Insel, niemand lebt für sich allein oder isoliert, sondern ist eingebunden in die Begegnungen und Beziehungen mit anderen (sei es in der Familie, mit Freunden, in der Schule, an der Arbeit, beim Sport oder in der Gemeinde ...). Das was wir können, was uns ausmacht, was an uns so wertvoll ist und uns auch vom anderen unterscheidet, wird in der Gemeinschaft mit anderen Menschen erfahrbar.

Und nun, im Januar 2021, mitten in der zweiten Coronawelle, erleben wir sowohl in Südafrika, als auch in Deutschland (schmerzlich), wie sehr sich die Möglichkeiten, Gemeinschaft zu erleben, verändert haben. Persönliche Begegnungen (sei es in der Familie, mit Freunden, in der Schule, an der Arbeit, beim Sport oder in der Gemeinde ...) sind nur eingeschränkt möglich, manches darf gar nicht stattfinden. Und vieles findet anders statt, bewusster. So wie diese Andacht hier, die nicht länger im Pausenraum des ELM stattfindet (stattfinden kann), sondern nun online Menschen erreicht und dadurch auch über Kontinente hinweg verbindet. All diese anderen, neuen, meist digitalen Wege, Begegnung zu ermöglichen, ersetzen nicht im persönlichen Miteinander erlebte Gemeinschaft, aber sie können die Botschaft aussenden „du bist (mir) wichtig, du bist wertvoll.“

Gott selbst verleiht dem Menschen – jedem Menschen - das Prädikat „wertvoll“ – sehr gut (1. Mose 1,31). Er ruft den Menschen ins Leben und gibt Hilfen, um mit dem Leben zurecht zu kommen und will unterstützend da sein.  Für und vor Gott wertvoll zu sein, kann man im Unterwegssein mit Gott erfahren. Und die Bibel ist voller solcher Erfahrungsgeschichten.

Wo ist Gott? – „Ich bin da“ lautet die Übersetzung des Namens Gottes (Jahwe) im Alten Testament. Lasst uns Zuversicht schöpfen aus dieser Zusage und sie dann auch an andere weitergeben.

(Ein Impuls von Ingrid Lüdemann, die mit ihrer Familie in Durban lebt und dem ELM nicht nur durch ihren Ehemann Joe verbunden ist) 

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Die Bibel als Richtschnur des Lebens - Geistlicher Impuls für den 27. Januar 2021

Liebe Online-Gemeinde, ich grüße Euch im Namen unseres gemeinsamen Herrn Jesus Christus! Der Dreh- und Angelpunkt der heutigen Andacht soll der sogenannte Dritte Text sein, der Losung und Lehrtext aufnimmt und interpretiert. Während die Losung (Jesaja 29,24) und der Lehrtext (Jakobus 1,5) um „Verstand“ bzw. „Weisheit“ kreisen, wendet der Text Helmut Gollwitzers (1908-1993) den Blick direkt auf unseren HERRN und seine allumfassende Gegenwart, die unser Gestern, Heute und Morgen umfängt. Von IHM empfangen wir Klarheit und Wahrheit, die in dem täglichen Auf und Ab Geborgenheit schenken:

Wenn die Vergangenheit wie eine Last auf uns liegt,
wenn die Gegenwart uns bedrängt,
wenn die Zukunft uns Angst macht,
dann heben wir unsere Augen auf zu dir.
Gib uns, Herr, Zeichen deiner Gegenwart mitten in der Verwirrung der Welt und unseres Lebens! Wir bitten, dass du deine Verheißungen uns in unser Herz drückst zur Stärkung und Weisung jeden Tag.

Wir stehen mitten in einer globalen Verunsicherung, die unsere Überzeugungen erschüttert, gesellschaftlich, politisch und ganz aktuell durch die Pandemie. Eben noch durch die Fridays for future-Bewegung herausgefordert, heißt es jetzt: Abstand halten. Wobei der Klimawandel nicht ausgeschaltet ist, auch wenn seit Monaten Corona die Schlagzeilen dominiert … Es ist eine schnelllebige, krisengeschüttelte Zeit, die vor allem ein Problem hat: dass lange für richtig angenommene Grundsätze zumindest in Frage gestellt, häufig aber auch gleich umgeschmissen werden. Ein gottgefälliges Leben? Dazu müsste man sich erst einmal darauf einigen, wer oder was Gott ist und ob es den oder die überhaupt gibt. Eindeutigkeit und Gewissheit wären auch schön, aber gibt es die überhaupt diesseits der AfD? Für mich ist die Bibel Richtschnur meines Lebens, immer eingeleitet von den Worten aus Psalm 31: Du stellst meine Füße auf weiten Raum. So habe ich die nötige Freiheit, aber auch einen festen Boden, auf dem ich meine individuellen Entscheidungen treffen kann. Es bleibt ein Ringen in Einzelfragen, ein Abwägen und auch Tasten und Suchen, aber stets getröstet von einem, der größer ist als ich: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebräer 13,8)

HERR, wir bitten Dich um Stärkung und Weisung,
auf dass wir nicht irren und straucheln,
sondern getrost und zielbewusst durchs Leben gehen können!
Sei Du Mitte und Ziel unseres Lebens!
Segne uns und alle, denen wir begegnen!
Dir allein sei Lob, Preis und Ehre!
In Jesus Christus, Amen.

(Ein Impuls von Rainer Allmann, Archivar des ELM)

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Lasst uns kreativ sein - Geistlicher Impuls für den 26. Januar 2021

Ich weiß nicht, wie es Ihnen damit geht, heute, jetzt gerade. Mir kommt es so vor, jeder Tag wird von Corona dominiert und ich wünsche mir eine AUSzeit.

Schon morgens beim Frühstücksbrot, wenn ich im Radio die ersten Nachrichten höre, fängt es mit den jüngsten Entwicklungen zu Corona an. Die Fallzahlen werden aktualisiert. Ich höre von Auseinandersetzungen, wie Maßnahmen zum Schutz gegen das Virus umgesetzt werden sollen. Ich höre von noch mehr Todesfällen. Der Lockdown soll noch schärfer werden.

Das klingt fürchterlich. Zum fürchten. Will ich das eigentlich hören? Möchte ich nicht am liebsten gleich auf den Ausschaltknopf drücken?
Die beunruhigenden Nachrichten wegdrücken?
Doch nein, ich möchte informiert sein. Und ja, ich halte Präventionsmaßnahmen für sinnvoll. Ja, ich möchte Rücksicht üben und achtsam sein, um mich und andere zu schützen.
Das ist eine vernünftige Methode, um mit der Pandemie einen guten Umgang zu finden.
Aber das hilft wenig gegen die Angst, die sich unerwünscht in mein Herz schleicht und lindert auch nicht das Gefühl von Einsamkeit.
Der Mensch lebt eben nicht nur vom Brot allein. Der Mensch braucht Liebe, Nähe und Begegnung  zum Leben dazu. Und auch ich brauche mehr als Homeoffice und reduziert zu sein auf digitale Kontakte. Ich möchte das Leben feiern. Das Leben, das was lebt und das was lebendig macht. Und das jeden Tag!
Das heißt für mich nicht Party feiern, aber Begegnungen sind essentiell. Ich möchte meine weiter weg wohnenden Familienangehörigen wiedersehen. Ich möchte meine alten Eltern in den Arm nehmen. Danach sehne ich mich. Ich möchte ihnen in die Augen sehen können, so dass Kontakt und Nähe, Vertrauen entsteht.
Jetzt geht das nicht. Abstand halten. Das ist vernünftig. Aber es ist auch Schmerz.

Das Leben feiern, aber auch bewahren und schützen, dazu hat Gott uns ins Leben gerufen!
In schwierigen Momenten meines Lebens habe ich mich immer wieder von dem Psalm leiten lassen, den viele von Ihnen sicherlich seit ihrer Konfirmationszeit kennen.

Psalm 23. Ich lasse mich dann von diesem Bild, was dort gezeichnet wird, leiten und trösten.

Guter Gott, du bist mein Hirte. Du leitest mich. Ich habe von allem genug. Du gibst mir das, was ich brauche, wonach meine Seele ruft. Ich werde keinen Mangel haben. Du möchtest, dass ich wie auf einer frischen saftig grünen Wiese wandle, die zum Grasen einlädt. Du zeigst mir die Stellen, wo frisches Wasser fließt und ich davon trinken kann. Du erfrischst meine Seele. Du zeigst mir den richtigen Weg, denn du bist mein Hirte. Jetzt gehe ich gerade durch dunkle Stunden und Tage. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt und ich fühle mich wie auf dem Boden eines Tales umgeben von unüberwindlich erscheinenden hohen Mauern wie Felswände. Doch du bist bei mir. Du begleitest mich. Also habe ich keine Angst. Und ich fühle mich getröstet, darin, dass du mich leitest. Sogar im Angesicht meiner größten Gegner, stehst du mir bei und zeichnest mich sogar aus. Du zeigst mir, dass auch dann das Leben zu feiern ist und schenkst mir voll aus dem Becher des Lebens ein. Ich erkenne die Überfülle des Lebens. Wo die Chancen in jedem herausforderndem Lebensmoment liegen.

Also suche ich die Lichtpunkte oder sogar Lichtstrahlen in den Schattenmomenten, wenn die Gedanken trübe werden und sich im Kreise drehen. Ich suche das Licht an diesen grauen Tagen im Winter. Ich gehe auf Spurensuche, wo sich das Leben auch im Winter- trotz Corona- zeigt. Und es zeigt sich! Durch die Knospen, die schon erkennbar sind. Oder durch den Gesang eines Vogels. Oder auch in dem Lächeln im Vorbeigehen, was mir ganz unerwartet geschenkt wird.

Also lassen Sie uns kreativ sein, wie wir das in diesen pandemischen Zeiten tun können. Ich gebe die Vorstellung nicht auf, dass wir geborgen sind in der Liebe und Gnade Gottes. Wir können nicht tiefer fallen als in seine Hände.

Amen

(Ein Impuls von Gabriele De Bona, ELM-Referentin Gender International und Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien)

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Und dann das... - Geistlicher Impuls für den 25. Januar 2021

Ganz ehrlich? Ich habe keine Lust mehr auf mein tägliches „Ich habe keine Lust mehr!“ Wie ein Mantra bete ich mittlerweile im Stillen mein „Ich mag nicht mehr!“ herunter und werde dabei immer müder, mürrischer und ängstlicher. Fast schon paranoid sehe ich in jedem Menschen, der mir begegnet, einen potenziellen Virusträger und nicht den Nachbarn, die Kollegin, den Freund, die Verwandte, die eigene Tochter oder den eigenen Sohn. Immer öfter schaue ich auf das, was ich seit Monaten nicht mehr habe oder nicht mehr zu haben glaube. Und es macht mich mutlos, nichts tun zu können, als im gefühlt ewigen Lockdown zu verharren. Der Rücken schmerzt seit zwei Wochen, die Nerven liegen blank. Ich mag nicht mehr!

Und dann das:

[...]„Die neue Morgendämmerung erblüht, wenn wir sie befreien.
Denn es gibt immer Licht,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.“

Da reißt mich eine 23-Jährige* mit ein paar Worten aus meiner Mitfünfziger-Lethargie und ich denke: „Wow, was geht da ab?“ Eine Rede, eigentlich ein Gedicht, aus gegebenem Anlass, mit einer ganz eigenen selbstwussten poetischen Kraft. Ein Präsident wird feierlich in sein Amt eingeführt, doch was gesagt werden muss, kommt aus ihrem Mund. Ein flammender Appell an den Gemeinsinn in einem gespaltenen Land. Sie redet nichts schön, von einem Berg, der zu erklimmen sei, und versprüht doch mitreißende jugendliche Zuversicht. Gebannt starre ich auf den Monitor und spüre Tränen in den Augen.

Für den Moment hält mein Zaudern inne. Und an diesen Moment erinnere ich mich seit dem Tag dieser Rede immer wieder. „Denn es gibt immer Licht,
wenn wir nur mutig genug sind, zu sehen,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.“

„Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet“, heißt es in Römer 12,12. Ob mir das gelingen wird in diesen Tagen, weiß ich nicht. Doch dass mein Rücken seit ein paar Tagen nicht mehr schmerzt, nehme ich jetzt mal als nachdenkenswerten Hinweis und auf „Ich habe keine Lust mehr!“ habe ich jetzt erst recht keine Lust mehr!

(Ein Impuls von Dirk Freudenthal)

*Die Rede ist von Amanda Gorman, einer afroamerikanischen Dichterin und Aktivistin gegen Rassismus, deren beeindruckende Ansprache anlässlich der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris weltweit Beachtung gefunden hat.  

 

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Ich will – was Gott will ?!- Geistlicher Impuls für den 22. Januar 2021

"Gott ist´s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen." (Philipper 2,13)

Kennen Sie das? Kurz vor der Kasse im Supermarkt liegt ein Kind auf dem Boden, strampelt und schreit: „Ich will aber .... !“ Den Eltern wird es warm bei diesen Gelegenheiten. Beobachter der Szene lächeln gutmütig oder regen sich auf: „Können Sie Ihr Kind nicht erziehen?“ Die Temperatur der Eltern steigt.

Sachlich erklärt eine Psychologin oder ein Erzieher: Das ist nicht ungewöhnlich. Das Kind entwickelt seine eigene Persönlichkeit. Es stellt fest, wo seine Bedürfnisse sind und wie es sie durchsetzen kann.

Nun schließlich ist den Eltern endgültig heiß. Sie wollen nicht dabei beobachtet werden oder sich Kommentare anhören, wie sie ihr Kind auf diesem Weg zur eigenen Persönlichkeit begleiten können/sollen/sollten/müssen.

Am Ende ist unstrittig, dass ein Mensch wissen muss, was er will und wie er das anderen kommuniziert. Das ist ein wichtiges Lernfeld für das Zusammenleben von Menschen. International wissen wir, dass es dazu in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Techniken gibt, die tradiert und erlernt werden.

Und dann kommt Paulus im Brief an die Gemeinde in Philippi mit diesem Satz aus dem Lehrtext heute. Gott ist es, der unser Wollen und unser Handeln bestimmt. Bin ich dann nur eine Marionette? Entbindet mich dieser Glaubenssatz von aller Verantwortung? – Nein, das kann ich nicht glauben. Aber worauf will Paulus mit dieser Bemerkung dann hinaus?

Im ganzen Bibelabschnitt beschreibt Paulus das Leben der Christen in Philippi. Sie sollen sich von Gottes Liebe inspiriert würdig erweisen, Kinder Gottes zu sein. Den Impuls, den die Liebe Gottes in das Leben dieser Menschen und auch unser Leben haben kann, muss man mitdenken. Von Gottes Liebe erfasst, bewegt sich unser Leben in eine bestimmte Richtung. In die Richtung, die Gottes liebende Augen für uns sehen. Ob ich mich von Gott ansprechen lassen, bleibt meine Entscheidung. Ob ich transparent werden will für seine Liebe, liegt bei mir. Aber wenn ich mich dafür entscheide, dann beeinflusst mich mein HERR und mein Gott.

Diese Erfahrungen machen Menschen überall auf der Welt, Wenn sie anfangen Gott zu glauben, ihm zu vertrauen. Sie machen die Erfahrung: Es lohnt sich auf ihn zu hören. Er meint es gut mit mir!

In diesem Sinn machen Sie sich mit Freude an Ihre Arbeit heute.

(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor im ELM)

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Wenn ich mir was wünschen dürfte - Geistlicher Impuls für den 21. Januar 2021

Zur heutigen Andacht grüße ich Sie/Euch mit den Worten von Max Ehrmann (1872-1945). Besonders in dieser schwierigen Zeit des Lockdowns haben mich seine Gedanken und Worte sehr angesprochen und zum Nachdenken angeregt.

Desiderata*

Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast und denke daran, welcher Friede in der Stille sein mag.
Soweit wie möglich, versuche mit allen Menschen auszukommen, ohne Dich zu unterwerfen.
Sprich Deine Wahrheit ruhig klar und höre anderen zu, auch den Dummen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte.
Vermeide laute, aggressive Menschen, sie sind eine Plage für die Seele.
Wenn Du Dich mit anderen vergleichst, magst Du eitel oder bitter werden, denn es gibt immer größere und geringere Menschen als Dich.
Freue Dich über Deine Erfolge und Pläne.
Nimm eine Arbeit ernst aber bleibe bescheiden, es ist ein wirklicher Besitz in den wechselnden Geschicken des Lebens.
Sei vorsichtig mit geschäftlichen Dingen, denn die Welt ist voller Listen. Aber sei nicht blind für das Gute.
Sei du selbst. Besonders heuchle keine Zärtlichkeit.
Sei aber nicht zynisch in Bezug auf die Liebe, denn angesichts aller Trockenheit und Entzauberung ist sie wiederkehrend wie das Gras.
Nimm gütig den Rat der Jahre an und lass mit Anmut die Dinge der Jugend hinter Dir.
Nähre die Stärke der Seele, um in plötzlichem Unglück nicht schutzlos zu sein. Aber beunruhige Dich nicht mit Grübeleien.
Abgesehen von einer gesunden Disziplin, sei milde mit Dir selbst.
Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne. Du hast ein Recht, hier zu sein. Und, ob es Dir klar ist oder nicht, kein Zweifel, das Universums entfaltet sich, wie es soll.
Deshalb sei in Frieden mit Gott, wie immer Du ihn Dir auch vorstellst und was immer Deine Ziele und Mühen sein mögen, in der lärmenden Verwirrtheit des Lebens, halte Frieden mit Deiner Seele. Mit all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen, ist es doch eine schöne Welt.
Sei achtsam und versuche glücklich zu werden.

*Desiderata bedeutet ersehnen, wünschen
(Ein Fundstück von Konni Pufal, ELM-Teamassistentin Globale Gemeinde. Der Text ist frei von Urheberrechten)

 

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Freiheit - Geistlicher Impuls für den 20. Januar 2021

"Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit" (2. Kor. 3,17)

"Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ Bei diesem Satz aus der Bibel fällt mir ein Wort sofort auf: Freiheit. Der größte Traum, die größte Sehnsucht der Menschen. Frei zu sein! Ich schaue von meinem Home Office Arbeitsplatz in eine Suppe von grauem Himmel. Freiheit. Die Freiheit, Frank in der Provence zu besuchen, die Freiheit mit Malathi ein Curry zu essen, die Freiheit die Hochzeit von Katharina und Aaron mit einem großen Fest zu feiern. Meine - zurzeit - vermisste Freiheit …

Und wahrscheinlich ist auf unserer Erde um nichts öfter und leidenschaftlicher und auch erbarmungsloser gekämpft worden, als um Freiheit. Und dieser Kampf hört in unserer Zeit nicht auf. Ganze Völker kämpfen, manchmal gewaltsam, um ihre Unabhängigkeit. Die USA, die Zentralafrikanische Republik, Indien usw.: Menschen stellen sich mit Demonstrationen und Protesten gegen egoistische Machtapparate.

Letzten November konnten wir wieder dem Fall der Mauer gedenken. Eine wunderbare Erfahrung. „Wir sind das Volk“, höre ich jetzt auch Menschen rufen bei den Querdenker-Demonstration. Das fällt mir schwer und macht mich wütend, diesen Ausspruch der friedlichen Revolution zu „be-nutzen“.

Freiheit hat ja nicht nur etwas mit politischen Systemen zu tun. Aber sind wir nun deshalb frei? Ich will frei sein von allem, was mich und mein Leben einschränkt. Ich möchte unabhängig sein von moralischen Zwängen und den Erwartungen anderer. Meinen Alltag möchte ich bestimmen, ohne äußere Einflüsse mit Selbstbestimmung im Denken und Tun.

Und dann schaue ich genau hin. Umso mehr ich um meine eigene persönliche Freiheit kämpfe, umso mehr komme ich in Abhängigkeiten. Und ich stelle fest, ich benötige Anstöße und Impulse von außen. Und so kommt der Impuls

„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“

Unfreiheit in mir, der Geist Gottes redet davon, was es schwierig macht: Hoffnungslosigkeit, Krankheit, Einsamkeit, Ängste usw..

Ich bin nicht allein mit der Unfreiheit. Ich bekomme göttliche Wertschätzung. Das gibt mir Kraft. Ich darf vertrauen. Und dann kommt die innere Freiheit. Immer wieder neu. Freiheit, Weite, Unbeschwertheit. Das klingt doch sehr erstrebenswert!

(Ein Impuls von Ute Penzel, ELM-Referentin Bildung International und Ökumenische Zusammenarbeit Indien)

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Wie wird man selig? - Geistlicher Impuls für den 19. Januar 2021

„Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ (Mt. 5,4)

Schon spannend, was da passiert in der Predigt auf dem Berg:
Als selig werden die bezeichnet, die in der menschlichen Nomenklatur nicht gerade zu den Gewinnern gehören: geistlich Arme, Leidtragende, Sanftmütige, nach Gerechtigkeit Hungernde, Barmherzige, Aufrichtige, Friedfertige und Verfolgte.

Kein Wunder, dass es in der heutigen Zeit in Deutschland nicht mehr allzu viele Menschen gibt, die an diese Aussagen glauben mögen. Die Erfahrung zeigt ja häufig etwas anderes. Gefeiert werden die Brillianten, die Gewinner, die Kämpfer, die, die auch mal Härte zeigen können. Gesellschaftlich vermittelt wird, jede*r könne zu dieser Art Gewinner gehören, wenn er/sie sich nur genügend anstrenge, gefördert werde und hart genug an sich arbeite.

Gehört man dann zu den Gewinnern, sagen einem die Seligpreisungen, dass man es gerade dann schwer haben wird, Erlösung zu finden.  Das empfinden die „self-made-men/women“ als ungerecht. Warum könnte die These/Prophezeiung trotzdem stimmen?

Eben weil sie ihre Position ausschließlich der eigenen Leistung zuschreiben, auf die sie Stolz sind.  

Trägt man Leid, ist man unglücklich. Der Rat, gegen dieses Unglück anzukämpfen, sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen und gefälligst wieder gut drauf zu sein, hilft einem da nicht viel. Was hilft, ist diese Situation anzunehmen, auszuhalten und darauf zu vertrauen, dass sie sich wieder ändern wird. Wahrscheinlich wird das Leid für immer Spuren im eigenen Leben hinterlassen, aber es wird wieder eine Zeit geben, in der man froh sein kann. Denn das sagt die Erfahrung auch: auf einmal ist es wieder gut, ohne dass man sagen kann warum, ohne dass man etwas bestimmtes getan oder gelassen hat, manchmal, ohne dass man den Übergang richtig gemerkt hätte.

Das zuzulassen fällt den Kämpfern schwer. Es ist Gnade und die ist vom eigenen Zutun unabhängig.

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising im ELM)

P.S.: Bei der Vorbereitung dieser Andacht bin ich über ein Zitat gestolpert, das ich euch nicht vorenthalten möchte:
„Zeit haben nur diejenigen, die es zu nichts gebracht haben. Und damit haben sie es weiter gebracht als alle anderen.“ (Giovannino Guareschi, Autor von „Don Camillo und Peppone“)

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Zwischen frei sein und gefangen sein - Geistlicher Impuls für den 18. Januar 2021

Ein Blick auf das Gedicht „Wer bin ich?“ von Dietrich Bonhoeffer

Wer bin ich?
(…)
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
(…)
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

(Aus: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, München 1961, 242-243)

Dietrich Bonhoeffer würde am 4. Februar 115 Jahre alt. Der Todestag im Jahr 1945 ist 75 Jahre her. Seine Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft 1943 – 1945 entstanden in einer schwierigen Situation. Seit April 1943 war er im Gefängnis. Das Gedicht „Wer bin ich?“ spiegelt diese unsichere Lage zwischen Hoffen auf einen gelingenden Umsturz und Bangen vor Verrat und Entdeckung wider. Bonhoeffer fühlte sich auch als Seelsorger der Mitgefangenen, die seine unmittelbaren „Nächsten“ sind. Sie ‚sprechen‘ über ihn: Mit ihnen teilt er die Unfreiheit der Gefängnishaft „wie ein Vogel im Käfig“. Man müsste meinen, dieses Gedicht „Wer bin ich?“ sei so sehr auf seine Lage im Gefängnis zugeschnitten, dass es kaum verallgemeinerbar ist.

Dennoch hat es in Krisenzeiten wie der Nachkriegszeit rasante Verbreitung erfahren. Die Frage „Wer bin ich?“ stelle auch ich mir – nicht zuletzt angesichts des andauernden „Lock-Downs“. Nicht wenige Menschen erfahren diesen als „Gefangenschaft“.

Manche denken neu über ihr Leben insgesamt nach. Wir erkennen, dass unser Ich auf diese Frage „Wer bin ich“ gerade zwischen den Polen „Freisein“ und „gefangen zu sein“ keine abschließende Antwort geben kann. Andere sind womöglich viel mehr als ich von den Einschränkungen direkt oder indirekt betroffen oder gar an Covid erkrankt. Wir erfahren, dass wir zwischen innerer Freiheit und äußerer Einschränkung hin- und herpendeln.

Wer bin ich, der ich mich innerlich so „ab-hängig“ erfahre von äußeren Bedingungen? Das Gegeneinander zwischen der Selbsterfahrung und dem, was andere über uns an Positivem ausdrücken, bleibt bestehen. Unsere „Identitätsgewissheit“ scheint inmitten aller Fragen „aufgerissen“ und in Zweifel gezogen. Ein klares „Bewusstsein“ ist aber besonders in Zeiten von Ausgangssperre unter Pandemie-Bedingungen gefragt.

Bonhoeffer hat einen entscheidenden Punkt: „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“ – Wenn ich mich selbst nicht mehr erkennen und verstehen sollte: ‚Gott‘ kennt, erkennt, liebt mich. Wir sind immer sündig und gerechtfertigt zugleich, nie nur heilig und nie nur böse. Und: Dieses innere Spannungsfeld ist aufgehoben in Gott. Doch was heißt das? Ist das nicht auch eine zu schnelle, zu leichte Antwort, die angesichts innerer Konflikte die religiöse Gewissheit als Kategorie des ganz Anderen ausfluchtartig ins Spiel bringt? Wollen wir uns selbst damit etwa mit der anderen Wirklichkeit vertrösten?

Nein! Dem ist nicht so, wenn uns klar wird, dass dieser Gott sich so weit und so tief auf uns ein-lässt, dass all die Spannungen und Risse, die unser Leben aushalten muss, auch durch ihn selbst, „in Jesus Christus“ hindurchgehen. Mögen wir uns auch nicht zu sehr abhängig machen von Freiheiten, die wir – manchmal allzu selbstverständlich – genießen. Inmitten aller Unfreiheit kennt uns Gott und bleiben wir sein!

(Ein Impuls von Moritz Fischer, Professor an der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) in Hermannburg)

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Grenzerfahrungen - Geistlicher Impuls für den 15. Januar 2021

„Die Frau nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.“ (1. Mose 3,6)

Israel befindet sich im Exil. Es fragt sich, warum es zu dieser Gefangenschaft gekommen ist. Überhaupt fragt es sich, wie es zu all dem Leid kommen konnte! Bis heute ist diese Frage aktuell. Wie kommt es zu den Naturkatastrophen, Kriegen und zur mutwilligen Zerstörung unseres Lebensraumes? Wer ist schuld: Gott, die anderen, oder womöglich ich selbst?

Israel sucht nach Erklärungen und ringt um Antworten. Niedergeschrieben sind sie unter anderem in der Geschichte vom Sündenfall mit dem berühmten Apfel.

Gott hat uns Menschen Grenzen gesetzt. Euch ist alles erlaubt – was ja ein großer Vertrauensvorschuss ist – nur von der Frucht dieses einen Baumes sollt ihr nicht essen. Und solltet ihr es doch tun, dann sind die Folgen für euch kaum zu ertragen.

Und vielleicht muss man Gott auch gar nicht ins Spiel bringen. Der reine Menschenverstand sagt uns, dass Grenzen sinnvoll sind. Sie nicht zu beachten, kann tödliche Folgen haben. Oder ist uns wirklich nicht klar, dass die grenzenlose Ausbeutung der Natur am Ende unseren Lebensraum und uns selbst zerstört? Wir wissen doch, dass Autofahren unter Alkoholeinfluss tödlich Folgen haben kann! Wir wissen doch um die möglichen Folgen einer Ungleichbehandlung von Menschen: die Unterdrückten werden sich gegen uns erheben und mit Gewalt ihr Recht einfordern.

Wir wissen doch. Und doch stellen wir uns unwissend. Überschreiten wie blöde die von Gott – oder von der Natur – gesetzten Grenzen. Am Ende des Chaos und der Zerstörung stellen wir uns dumm und behaupten, wir hätten es nicht gewusst und nicht gewollt.

Die Frau nahm die Frucht, gab sie dem Mann und beide aßen. Und plötzlich bricht das Leid über sie herein. Die Folgen ihres Verhaltens waren ihnen bekannt. Also stellt euch nicht dumm, sondern steht zu eurer Verantwortung. Mach nicht Gott für das Unheil in dieser Welt verantwortlich. Auch nicht die anderen. Du alleine bist verantwortlich. Ich.

Israel sucht nach Erklärungen. In ihnen geht es nicht um Moral. Nicht um Schuld. Sondern sie sind ein Weckruf, es in Zukunft besser zu machen. Für uns und für andere. Werde ich es 2021 besser machen? Die Antwort liegt bei mir. Nicht alleine, aber auch.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globale Gemeinde des ELM)

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Jubel? Jetzt? - Geistlicher Impuls für den 14. Januar 2021

Ich lese wie meistens, die Losung und den Lehrtext für diesen Tag und bin – wie so manches Mal – überrascht:
"Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Denn der HERR ist ein großer Gott." (Psalm 95,2-3)

"Dem König aller Könige und Herrn aller Herren, der allein Unsterblichkeit hat, der da wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat noch sehen kann, dem sei Ehre und ewige Macht! Amen." (1. Timotheus 6,15-16)

Auf solchen überschwänglichen Jubel und Freude und Dank bin ich eigentlich gar nicht eingestellt. Nicht, dass ich generell undankbar wäre. Ich kann mich durchaus auch an Kleinigkeiten erfreuen, das Leben hat ja auch seine schönen Seiten – aber DAS? Und das auch noch zur Hoch-Zeit von Corona?

Wenn man den ganzen Psalm liest, bekommt man eine Ahnung, woher dieser Ausbruch an positiven Gefühlen kommt.

Ein Auszug: „(7) ... Wenn ihr doch heute auf seine Stimme hören wolltet: (8)Verstocket euer Herz nicht, wie zu Meriba geschah, wie zu Massa in der Wüste, (9)wo mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch mein Werk gesehen. (10)Vierzig Jahre war dies Volk mir zuwider, dass ich sprach: Es sind Leute, deren Herz immer den Irrweg will und die meine Wege nicht lernen wollen, (11)so dass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht zu meiner Ruhe kommen.“

Im Hintergrund steht also eine etwas schwierigere Phase in der Geschichte zwischen Gott und seinem Volk. Eine große Chance war vertan worden, als das Volk Israel nach langer Wüstenwanderung quasi „vor den Toren“ des Gelobten Landes stand und dann aus Angst und mangelndem Vertrauen auf Gott einen Rückzieher machte: Lieber noch mal in die Wüste, als eine Auseinandersetzung mit den Bewohnern des Landes, die zu übermächtig und feindselig erscheinen. Das hat Gott seinem Volk übel genommen: 40 Jahre Wüstenzeit war die Folge. Ende der Rückblende.

Jetzt steht die Gemeinde im Tempel. Die Geschichte hat sich wieder einmal gedreht. Gott hat eine zweite Chance gewährt, und die haben sie ergriffen. Der Tempel, in dem dieser Gesang erklingt, ist nun Ausdruck der Tatsache, dass es nur einen Gott gibt und dass dieser alle Bereiche des Lebens in seiner Hand hat, die bisher anderen Gottheiten vorbehalten waren. Wenn das – ein gütiger Gott und eine zweite (und diesmal genutzte) Chance nicht Gründe zur Freude sind …

Ich leide sehr darunter, dass man derzeit überhaupt nicht zusammen singen kann. Also ist die Aufforderung im Moment eher eine Überforderung? Kein Jauchzen, also kein Dank? Nein, so nicht. Unser Dank für alles Gute, das wir von Gott empfangen (und das wir im Moment vielleicht etwas genauer suchen müssen als sonst) kann auf vielfältige Art ausgedrückt werden. Auch im stillen Gebet. Und singen unter der Dusche ist ja auch nicht verboten.

Was ich für heute und für das Jahr mitnehmen möchte: Corona hat nicht das letzte Wort – und alle anderen Zumutungen des Lebens auch nicht. Gott hat das letzte Wort – und wir sollten genau hinhören, was er uns zu sagen hat. Aber auch dies: Gott gibt eine zweite Chance. In diesem Bewusstsein sollten wir alle noch vor uns liegenden Herausforderungen annehmen. Wie befreiend! Halleluja!

(Ein Impuls von Detlef Kohrs, Geschäftsführer des ELM)

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Die zwei Söhne sind in meiner Brust - Geistlicher Impuls für den 13. Januar 2021

Heute früh las ich eine Predigt, die mir gut gefallen hat. Es geht um das Gleichnis von den ungleichen Söhnen, das heute der Lehrtext ist. 

https://www.ktf.uni-bonn.de/Einrichtungen/neutestamentliches-seminar/Team/prof.-dr.-martin-ebner/predigten-1/die-zwei-soehne-sind-in-meiner-brust

(Ein Fundstück von Anette Makus, Öffentlichkeitsarbeit & Fundraisng ELM. Der Predigttext ist von der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn aus dem Team um Prof. Dr. Martin Ebner)

 

 

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Die Reise ins Neue Jahr - Geistlicher Impuls für den 12. Januar 2021

Oft beginnt man das neue Jahr, indem man Pläne schmiedet und gute Vorsätze fasst, die man im neuen Jahr verwirklichen will. Traditionell gehört die Urlaubsplanung als wichtiger Baustein dazu. Momentan können wir nicht konkret planen, sondern höchstens hoffen und träumen. Auch ich sitze im home office und arbeite mit Zoom wie viele von Ihnen auch. Ich lade Sie ein auf eine virtuelle Reise – „Eine Reise ins neue Jahr“ und der indische Künstler, Theologe und lutherische Pfarrer Solomon Raj aus Vijiyawada in Südindien hat zu seiner Batik folgendes geschrieben:

Führe mich zur Wahrheit, zum Licht und zum Leben.
Wie der Lotus möge sich meine Seele erheben zum ewigen Licht
Wie der Lotus aus dem dunklen Schlamm
aus dem todesähnlichen Gefängnis sich zu Wahrheit, Licht und Leben emporschwingt,
So möge sich meine Seele erheben.

Lotusblüten stehen in Indien für Reinheit, Heiligkeit, Neubeginn und zwar im Hinduismus und im Buddhismus gleichermaßen. Die hinduistische Göttin Lakshmi, die für Wohlergehen, Gesundheit, Schönheit und Wohlstand steht, sitzt oder steht auf einer Lotusblüte. Im Buddhismus steht oder sitzt der Buddha selbst auf einer Lotusblüte. So verwundert es nicht als Ende des 19. Jahrhunderts indische Christen ihren Glauben mit indischen Symbolen ausdrücken wollten, die Lotusblüte auserkoren wurde als Sitz von Jesus – er ist genauso rein wie Buddha und Lakshmi. Außerdem wurde die Lotusblüte, die im Schlamm von Seen etc. wächst und wie ein Phönix aus der Asche hervorkommt, ein Symbol des Neuanfangs, des Neubeginns und der Auferstehung. Solomon Raj hat in diversen Holzschnitten und Batiken Jesus auf der Lotusblüte dargestellt.

In dieser schweren Zeit, wo das Virus unser Leben zu beherrschen scheint, ist es gut sich im Glauben auf eine Reise zu begeben zu den Menschen, die uns lieb sind. Wenn wir auch nicht tatsächlich reisen können, so können wir doch gedanklich reisen und in vielfältiger Weise Menschen, die uns etwas bedeuten, zeigen: wir schätzen Dich. So werde ich viele dicke Briefumschläge packen mit kleinen Geschenken, mit Büchern, Zeitschriften, Süßigkeiten etc. Das außer Mode gekommene Briefe schreiben ist wieder in, besonders wenn die Empfänger ältere Menschen sind, an die Bekannten in Altersheimen denke ich besonders. Wenn es auch mit dem Besuch nicht klappt, das Telefon ist ein ganz guter Ersatz. An einige, die nicht gut zu Fuß sind, stelle ich zum Geburtstag ein Päckchen mit leckeren Lebensmitteln vor die Tür oder schicke es mit der Post. Mit den „Moderneren“ kann ich mich im Zoom treffen. Ich habe noch nie so viel Post bekommen wie jetzt und habe Kontakt zu so vielen. Jede Begegnung stößt ein neu Werden an, öffnet eine Lotusblüte. Statt zu bejammern, was ich jetzt alles nicht kann, reise ich im neuen Jahr in Gedanken zu vielen Menschen, die in meinem Leben wichtig waren und sind, die heute über viele Länder verstreut leben.  Sich mit ihnen erneut zu vernetzen, gibt neue Kraft und Lebensmut im Glauben. Als Jesus am Kreuz starb, verloren die Jünger den Mut und versteckten sich. Die Frauen hatten den Mut, dem toten Jesus die letzten Ehren zu erweisen. Dafür bedankte sich der auferstandene Jesus, dass er zuerst diesen Frauen erschien.

Um Veränderung, Neuanfang zu erfahren muss ich mitwirken in verschiedenster Weise und Nächstenliebe üben nicht nur an denen, die mir bekannt sind, sondern auch an Menschen, die ich nicht kenne, aber die der Hilfe bedürfen wie in den Partnerkirchen des ELM.

Der berühmte deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe formulierte es so:

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück, denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Ich wünsche Ihnen im neuen Jahr, dass Sie danach handeln und das Glück erfahren, statt in Depressionen zu verfallen. Was auch immer Sie machen, etwas an einen Gabenzaun spenden, für jemanden in Quarantäne einkaufen, mit anderen kommunizieren, das sind alles Neubeginne, wo die knospenartige Lotusblüte voll aufblüht und sich entfaltet in voller Pracht, damit die Schmetterlinge sie besuchen können.

Seien Sie gesegnet, damit sie zum Segen werden.

(Ein Impuls von Pfarrerin Dr. Gudrun Löwner, derzeit im homeoffice in Deutschland, sonst in Indien als Professorin in Bangalore)

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Gottes Echo - Geistlicher Impuls für den 11. Januar 2021

 

"Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder." (Römer 8, 14)

Niemand von uns ist gerne getrieben. Das fühlt sich nicht frei und selbstbestimmt an. Da haben wir eher die Assoziation, ich werde gedrängt – gegen meinen Willen. Ich sehe vor meinem inneren Auge Schnucken in der Heide, die von dem Hütehund getrieben werden.

Ist das ein Bild für die Gottesbeziehung? Etwas tun müssen, was ich eigentlich nicht will?

In meinem Kopf meldet sich das andere Pauluswort: "Zur Freiheit seid ihr berufen." (Galater 5).

Paulus will hier deutlich machen, wer eigentlich Gottes Kind ist. Das sind die, zu denen Gott sich bekennt. So wie zu Jesus in der Taufe: „Dies ist mein lieber Sohn.“
In unserer Taufe ist uns dasselbe zugesprochen: „Du bist meine liebe Tochter, du bist mein lieber Sohn. Du gehörst nun zur Familie!“

Jede Familie hat ihre eigenen Gewohnheiten, hat ihren eigenen Geist. Da gibt es Familien, in denen wird viel musiziert, andere spielen gerne, bei manchen gehört das Tischgebet selbstverständlich dazu und so fort. Das Klima in einer Familie wird von dem bestimmt, was als wichtig angesehen wird. Worauf eine Familie wert legt.

Darauf spielt Paulus an. In der Familie der Gotteskinder lassen wir uns von seinem Geist bestimmen. Die Jahreslosung ergänzt, was diesen Geist prägt: Barmherzigkeit. Darum formuliert sie auch: "Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist." (Lukas 6, 36)

Eigenes Tun und Handeln wird hier also immer als Echo auf die Gotteserfahrung beschrieben, nicht als Bedingung für die Zuwendung Gottes. Meine Erfahrung sagt: Wo wir Gutes erfahren, haben wir auch selbst eine große Bereitschaft gut zu handeln. Das führt zwangsläufig zu der Frage: Erfahre ich Gutes von Gott?

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, immer wieder bewusst darüber nachzudenken und davon auch zu sprechen: Das erlebe ich als Gottes gute Begleitung in meinem Leben. Viele sind eingeladen, sich von diesem Geist leiten zu lassen. Vielleicht ändert das unser Bewusstsein und unser Sein, als Arbeitsgemeinschaft im ELM, aber auch als Weltgemeinschaft in der Auseinandersetzung mit Ungerechtigkeiten und ganz aktuell mit der Pandemie.

(Ein Impuls von Michael Thiel. Direktor des ELM)

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Verbunden in Christus - Geistlicher Impuls für den 10. Januar 2021

„Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst." (Römer 12,1).

COVID-19, eine Pandemie, die die Welt erschüttert hat. Ein kleiner, unsichtbarer Virus, der seit Monaten das Leben auf der Erde diktiert. Kein Land wurde verschont. Firmen durften nicht mehr arbeiten, Unterhaltungs- und Sportveranstaltungen wurden untersagt. Der Besuch von Freund*innen und Familie wurde verboten und auch unsere Kirchen und Gotteshäuser mussten viele Wochen lang ihre Türen geschlossen halten. Und was nun? YouTube, Facebook, Twitter und andere technische Mittel konnten dazu beitragen, hinauszugehen und das Evangelium zu den Menschen zu bringen. Telefonanrufe oder WhatsApp-Nachrichten sorgten dafür, die Botschaft der Liebe und Hoffnung in einer Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit in die Welt zu bringen. Kirche ist hier aktiv neue Wege gegangen, ihren Auftrag zu erfüllen. Was aber ist eigentlich wahrer Gottesdienst?

Weiterlesen in der Hausandacht von Pastorin Elke Carrihill (Südafrika) für den 1. Sonntag nach Epiphanias.

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