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white privilege - Geistlicher Impuls für den 26. Februar 2021

1. in an world that has
many worlds,
a disintegrated world,
my skin is like a shield
those in power look at me
and don’t see a dangerous person
or a criminal
and
though they don’t know me,
they keep their guns in
their holsters
their voices friendly.

2. someone I love and I were both
arrested as teenagers
I was carefully shepherded back
to the
right path
while he and his Black skin
confirmed their suspicions
and he was tossed
down a
different
pipeline

this phenomenon is called white privilege
a strange term to describe
a seemingly more palatable
form of hatred

3. the fires of justice are burning
and won’t stop
until
every place is level
every human
known as worthy
of gentleness
respect
and restoration
but until then
I think about this privileged skin
I am in

I didn’t ask for it
I hate the ugliness of this system
no poetry in it at all
but maybe privilege is like money
if i hold onto it
hoard it
it will corrupt me
it will own me
but
if I spend it
if I open my hands and throw it
in great bucketfuls
if I use it
to be beautiful rabble
to cause holy trouble
to dive into the hope of the scrum

to make a sign
a poem
a life that says
Black Lives Matter
and because they do
we all do
we can’t have some of us
but not all of us
that is how it works
in God’s fierce
creation

4. —isn’t it the most electrifying thing
when people use
whatever power is in their possession
to change the game
to open the door
to step in the way?
Frodo at Mount Doom
Harriet Tubman going back once more
to set more people free
William Wallace
John Brown
Jesus

I am not fooling myself
perhaps there is no great need for me
in this world
but I don’t want to be
corrupted
I have my life
my love
and my skin

and until the color of my skin
no longer matters
I will endeavor to
spend it.

Übersetzung:

1. in einer Welt, der
vielen Welten,
einer zerfallenen Welt,
ist meine Haut wie ein Schutzschild
die Mächtigen sehen mich an
und sehen keine gefährliche Person
oder eine Kriminelle
und
obwohl sie mich nicht kennen,
behalten sie ihre Pistolen in
in ihren Halftern.
ihre Stimmen freundlich.

2. Jemand, den ich liebe, und ich wurden beide
als Teenager verhaftet
Ich wurde behutsam zurückgeschleust
auf den
richtigen Weg
während er und seine schwarze Haut
ihre Verdächtigungen bestätigte
und er wurde geworfen
auf eine
andere
Pipeline

Dieses Phänomen nennt man "weißes Privileg".
ein seltsamer Begriff zur Beschreibung
eine scheinbar schmackhaftere
Form des Hasses

3. Die Feuer der Gerechtigkeit brennen
und werden nicht aufhören
bis
jeder Ort geebnet ist
jeder Mensch
als würdig erkannt wird
der Sanftmut
Respekt
und Wiederherstellung
aber bis dahin
denke ich an diese privilegierte Haut
in der ich stecke

Ich habe nicht darum gebeten.
Ich hasse die Hässlichkeit dieses Systems
Es hat überhaupt keine Poesie.
Aber vielleicht ist Privileg wie Geld.
wenn ich es behalte
es horte
wird es mich korrumpieren.
Es wird mich besitzen.
aber
wenn ich es ausgebe
wenn ich meine Hände öffne und es
eimerweise benutze
um schönen Unrat zu stiften
um heiligen Ärger zu verursachen
um in die Hoffnung des Gedränges einzutauchen

um ein Zeichen zu setzen
ein Gedicht
ein Leben, das sagt
Black Lives Matter
und weil sie es tun
tun wir das alle
einige von uns können nicht
aber nicht alle von uns
So funktioniert es
in Gottes leidenschaftlicher
Schöpfung

4. —Ist es nicht das Elektrisierendste
wenn Menschen die
welche Macht auch immer in ihrem Besitz haben
um das Spiel zu verändern
um die Tür zu öffnen
in den Weg zu treten?
Frodo am Schicksalsberg
Harriet Tubman geht noch einmal zurück
um mehr Menschen zu befreien
William Wallace
John Brown
Jesus

Ich mache mir nichts vor
vielleicht gibt es keine große Notwendigkeit für mich
in dieser Welt
aber ich will nicht
korrumpiert werden
Ich habe mein Leben
meine Liebe
und meine Haut

und bis die Farbe meiner Haut
nicht mehr zählt
werde ich mich bemühen,
sie zu verwenden.

Rachel Devenish Ford -
http://www.journeymama.com/blog/spend-it-a-poem

(Ein Impuls von Verena Berndt, Referentin Internationale Partnerschaften im ELM. Verena hat dieses Gedicht einer Bekannten im Internet gefunden und für uns übersetzt.) 

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Endlich! - Geistlicher Impuls für den 25. Februar 2021

Frühling, Sonne, Hoffnungsschimmer.
Stellt die Musik laut und tanzt. Dieser Tag könnte schön werden ...

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Das Leben in Fülle - Geistlicher Impuls für den 24. Februar 2021

„Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.“ (3. Mose 26,5)

Zu schön, um wahr zu sein. Und ja, ich kann mich des Gedankens nicht verwehren, dass Gott hier den Mund zu voll genommen hat. Oder eben die Verfasserin dieser Zusage.

Denn dieses Versprechen ist für Israel bis heute nicht eingelöst worden. Das Brot hat Israel in Fülle. Aber die Sicherheit? Israel hat bis heute nie sicher gelebt.

Und nehmen wir einmal an, dieses Versprechen der Fülle in Brot und Sicherheit gelte nicht nur Israel, sondern den Völkern dieser Erde, dann mag ich an dieser Stelle nur enttäuscht sagen: Mission verfehlt. Es sind leere Versprechen.

Und in Zeiten wie Corona wird dies noch einmal deutlich vor Augen geführt: die Menschheit als Ganzes ist nicht mehr sicher. Plötzlich steht das Leben auf dem Spiel. Und es hat bislang 2,5 Millionen Menschen weltweit das Leben gekostet.

Angesichts einer solchen Situation mag ich nur klagen und fragen: Gott, wo bist du mit deinem Versprechen, dass wir in Sicherheit leben dürfen? Warum hast du den Mund so voll genommen und lässt Menschen in ihrem Vertrauen, dass du das Leben in Fülle geben willst, an dir zerbrechen?

Es wäre ein Einfaches, den Glauben an Gott nun ad acta zu legen. Wäre da nicht dieser Jesus, der mir in meinem selbstgefälligen Denken einen Strich durch die Rechnung macht. Die Speisung der 5000, aus dem der Lehrtext stammt, ist dafür ein Sinnbild: „Sie saßen alle und wurden satt und sammelten auf, was an Brocken übrig blieb, zwölf Körbe voll.“ (Matthäus 14,20)

Das Wunder dieser Geschichte liegt in der Befähigung des Menschen zu teilen. Und damit bindet Jesus den Menschen ein in das Schöpfungswirken Gottes: Eine Welt zu gestalten, in der Leben möglich, auch ein Leben in Fülle.

Du, Mensch, bist befähigt eine Welt mit zu gestalten, in der Brot die Fülle vorhanden ist und Menschen sicher wohnen können. Eine größere Würdigung des Menschen durch Gott kann ich mir kaum vorstellen. Gott nimmt mich hinein in die Schaffung einer Lebensgrundlage, aus der Nahrung für alle Menschen erwächst. Sattwerdende Nahrung. Und eine Lebensgrundlage, in der sich jeder Mensch sicher fühlt. Aufgehoben. Geborgen. Ohne Angst. Also Teilhabe an seinem Schöpfungswirken.

Damit kehrt sich auch mein Zweifel um: ich zweifle nicht an Gott, sondern an mir selbst. Traue ich mir nicht zu, den Auftrag Gottes an mich anzunehmen? Habe ich Angst zu versagen? Oder habe ich womöglich Angst, dass ich am Ende zu kurz komme?

Diese Anfragen an mich selbst will ich nicht einfach ignorieren. Sie sind da. Prägen mich. Und dennoch werden die Anfragen nur dann eine Antwort finden, wenn ich einen Schritt nach vorne gehe. Meinen Teil dazu beitrage, dass alle Menschen Brot haben und sicher leben können. Indem ich den ersten Schritt tue, wird das Wunder nicht ausbleiben, dass Gott meine Schritte zum Erfolg führen wird. Nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen um mich herum.

(EIn Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globale Gemeinde im ELM)

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Die Vollmacht der Bittenden - Geistlicher Impuls für den 23. Februar 2021

„So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst Euch versöhnen mit Gott!“  (2. Kor 5,20)

Dieses Wort aus dem Losungsbuch für heute erinnert uns daran, wie Gott Menschenherzen in Bewegung versetzt. Christinnen und Christen sollen das Evangelium bezeugen in Wort und Tat. Aber ob und wie es wirkt, haben sie nicht in der Hand. Häufig kommt Gottes Macht auch erst zum Tragen, wenn wir riskieren unsere Klischees und Vorurteile gegenüber anderen zu verlassen. Etwa dort, wo wir Menschen um etwas bitten, was wir eigentlich gar nicht erwarten können. Wir liefern uns mit dem Risiko, ein Nein oder gar größeren Widerstand zu ernten, aus. Aber Gottes Geist gebraucht den Spielraum abseits unserer Blockaden und bewirkt gerade dort seine Wunder.  

Ein bewegendes Beispiel für diese Vollmacht des Bittens (welches ich in einer ems- Schrift entdeckte) erlebte vor ein paar Jahren die syrisch-maronitische Christin Leila Saleeby im Libanon: Nachdem ihr Bruder in Beirut von einem drusischen Mann aus Rachegefühlen gegenüber Christen erschossen wurde, bat sie ausgerechnet ihre drusischen Nachbarn im Heimatdorf, die Todesnachricht an ihren Vater weiterzugeben. Erst nachdem sie diesen Liebesdienst wie selbstverständlich erbeten hatte, fiel ihr auf, in welche Situation sie die drusisch-muslimischen Nachbarn da gebracht hatte. Sie würden nicht anders können, als selbst gegenüber ihrem Vater mit Demut aufzutreten oder eben diesen Gefallen verweigern. Diese aber lehnten die Bitte Leilas gerade nicht ab, sondern überbrachten die schlimme Nachricht mit Furcht und Zittern. Und sie erlebten im Haus ihres Vaters keine Rache, sondern vielmehr Gastfreundschaft in der gemeinsamen Trauer. Es hieß, dass Leila dann nach drei Tagen ihren Bruder zum Begräbnis ins Gebirge bringen konnte und dass viele Drusen dem Begräbnis beiwohnten. Sie schrieb später dazu: „Es war ein Druse, der einen aus unserer Familie umgebracht hatte, und es waren Drusen, die sich bei uns entschuldigt haben, sodass wir nie Hass gegenüber Drusen verspürten.“

Aus dieser Vollmacht der Bittenden schöpfte übrigens auch der am heutigen 23. Februar im ökumenischen Heiligenkalender erinnerte Bischof und Märtyrer Polykarp von Smyrna. Es heißt, dass Polykarp sogar den Häschern, die mit dem Auftrag zu ihm nach Hause geschickt wurden, um ihn der Untreue gegen den Staat wegen zu verhaften und zur Hinrichtung abzuholen, ein Gastmahl zubereiten ließ und ihnen die Hand der Versöhnung entgegen streckte.

Das bekannte Gebet aus der franziskanischen Tradition lädt ebenfalls dazu ein, sich auf die überraschenden Wege Christi zur Versöhnung mit Gott und den Menschen einzulassen. Ich lade dazu ein, heute neu damit zu beginnen und in dieses Gebet einzustimmen.

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt.
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen

(EIn Impuls von Wilhelm Richebächer, Direktor der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) in Hermannsburg)  

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Wieder ein Kind sein - Geistlicher Impuls für den 22. Februar 2021

„Jesus sprach: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ (Markus 10,14)

Ich nahm an einer Online-Veranstaltung teil. An einer der vielen, die im Jahr 2020 auf einmal zu etwas ganz normalem geworden sind – ich kann mir meinen Alltag ohne Online-Seminaren, -Treffen, -Sitzungen, -Kursen etc. jetzt nicht mehr vorstellen.

Darüber wollte ich heute aber gar nicht sprechen. Sondern ich wollte euch von einem Erlebnis und meinen Gedanken dazu erzählen. Es war also bei einer Online-Veranstaltung. Über ein ernstes Thema, mit ernsten Teilnehmenden. Es gab einen Input über ein Problem und eine Diskussion wie damit umzugehen ist. Und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich heimlich grinsen musste. Nur heimlich natürlich, das wäre sonst womöglich falsch verstanden.

Seit ich mich mit Gesundheitssport beschäftige, achte ich automatisch auf Menschen – auf ihre Körperhaltung, ihre Bewegungen. Und so habe ich während dieser Online-Veranstaltung etwas gesehen, dass mich gefreut und für einen Moment vom Thema der Diskussion abgelenkt hat: An diesem Zoom-Treffen nahmen mehrere junge Leute teil – Studierende, Auszubildende. Und im Laufe der Diskussion poppte nach und nach neben mehreren jungen Gesichtern auf dem Bildschirm ein Knie auf. Ich fand es toll! Die jungen Leute haben diese Sitzposition völlig selbstverständlich eingenommen, weil sie nun mal bequem ist und es ist anstrengend (und auch nicht gut für die Gesundheit) in derselben Sitzposition eineinhalb oder zwei Stunden, oder wie lange auch immer, vor dem Computer zu verharren.

Ja, werdet ihr sagen, die jungen Leute, die können so sitzen (ich gehe jetzt nur auf dieses Argument ein, nicht auf die vielleicht auch greifenden Benimmregeln). Wir sind ja schon alt, wir können das gar nicht mehr. Und das ist genau der Punkt, zu dem ich kommen wollte. Wir können nämlich viele Dinge nicht mehr nicht weil wir alt geworden sind, sondern weil wir sie nicht mehr machen! Unser schlauer Körper hat einfach die Dinge, die er nicht machen muss (weil wir es von ihm nicht fordern), aus seinem „Programm“ gestrichen, so, wie wir unseren Kleiderschrank ausmisten – passt nicht mehr, gefällt nicht mehr, habe ich doppelt, ist nicht mehr in Mode... – weg damit! Kein Wunder also, dass wir im Alter steif und träge – und oft deswegen krank – werden. Und Schuld daran ist, wie gesagt, nicht das Alter selbst, sondern, dass wir unseren Körper nicht fordern, ihn zu wenig oder nur einseitig bewegen.

Ich hoffe, die jungen Leute von der Online-Veranstaltung werden noch in 20 Jahren so sitzen können, wie sie Lust haben – im Schneidersitz, mit einem aufgestellten Bein mit Knie an der Schulter, auf den Knien oder wie es ihnen sonst gerade bequem erscheint.

Und dann gab es da noch diesen Kollegen, der mir mit Begeisterung von einem Park erzählte, in dem es Schaukeln extra für Erwachsene gab. Und von dem tollen Gefühl, nach Jahrzenten wieder wie ein Kind auf einer Schaukel zu schwingen!

Man hört und liest überall die Empfehlungen der Psycholog*innen, dass wir zu unserem „inneren Kind“ zurückkehren sollen – gegen Stress und Depressionen und wenn man auf der Suche nach Glück oder nach sich selbst ist.

Ich möchte euch ermutigen, an euch als Kinder zu erinnern – sicherlich habt ihr gerne im Kinderzimmer auf dem Teppich gespielt? Dann versucht jetzt beim Fernseherabend nicht auf dem Sofa, sondern daneben auf dem Boden (auf einem Kissen z.B.) zu sitzen oder hockt oder kniet euch zu euren Kindern/Enkelkindern hin und spielt mit ihnen gemeinsam. Die gute Nachricht ist eben – in unserem Körper gibt es Gedächtniszellen, wir haben nicht alles komplett „verlernt“, viele Bewegungen sind (wieder) möglich – mit etwas Training und Wiedergewöhnung.

Aber Achtung! Wenn ihr als Kind ein Salto konntet, probiert bitte nicht, ob es jetzt nach 40 Jahren Pause wieder klappt!

Wir haben das Glück in einem Land zu leben, wo wir uns so entfalten können, wie wir es wollen – unabhängig von Alter und Geschlecht. Das ist nicht überall so und das schätze ich sehr. Also wenn ihr z.B. als Kind Ballett tanzen wolltet, eure Eltern es sich aber nicht leisten konnten oder keine Ballettschule in der Nähe war, dann nur Mut – verwirklicht euren Kindheitstraum jetzt! Sicherlich findet ihr eine Möglichkeit (inzwischen sogar online). Ihr werdet vermutlich nicht mehr im Bolschoi tanzen, aber ihr werdet glücklich sein und euch gut fühlen! Und das ist es doch, wonach wir Erwachsene uns immer sehnen – nach dem Gefühl der Freiheit und des Glücks eines Kindes.

(Ein Impuls von Marina Gruel-Dovner, ELM-Teamassistentin der Abteilungen Internationale kirchliche Zusammenarbeit (IkZ))

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Altes hinter sich lassen und auf das Neue zugehen - Geistlicher Impuls für den 19. Februar 2021

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. 59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! 61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. 62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9)

Na, das ist ja mal ein Text für ein Missionswerk, ging mir durch den Kopf, als ich die fortlaufende Bibellese für heute aufschlug.  Wie oft haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ELM, weil sie Jesus mit ganzer Kraft dienen wollten, alles hinter sich gelassen, haben sich ausbilden lassen als Missionar oder Krankenschwester oder kamen als Tischler, Erzieherin oder Ärztin und sind losgezogen. Nicht wenige haben manchmal die Erfahrung gemacht, dass da kein Haus bereitet ist, kein Bett, wo man einfach seinen Kopf niederlegen konnte. Manche haben sich vielleicht an die Worte Jesu erinnert und waren ernüchtert über die Realität der Jesusnachfolge.

Jesus beschreibt hier eine Radikalität, die mich befremdet. Wenn ich Berichte von Missionarsfamilien und ihren Kindern lese, in denen die Kinder beschreiben, wie die Eltern alles dem Dienst untergeordnet haben, dann werde ich unsicher, ob Jesus solche Radikalität hier gemeint hat.

An vielen anderen Stellen ist Jesus doch so anders. Er ist bei den Menschen. Trauert mit ihnen, macht sich Sorgen um ihre Sorgen, hilft und heilt.

Was nehme ich mit in diesen Tag? Der Blick nach vorne. Nicht zurückschauen und hängenbleiben an dem, was war. Jesus will herausfordern etwas Neues zu wagen. Auch uns als Missionswerk. Das Neue wird manchmal erst erkennbar, wenn ich aufbreche und auf dem Weg bin. Nur wenn ich losgehe, kann ich am Ende sehen, was hinter dem Horizont, hinter einer Kurve oder hinter den Bergen ist.

Also gehen wir heute aufs Neue los. Dahin, wo ER uns braucht. Dazu muss ich nicht unbedingt mein Haus verlassen – nur die eingefahrenen Gleise, die Ausrichtung an der Vergangenheit, den Wunsch, dass alles so bleibt, wie es ist.

Lied EG 395

Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Text: Klaus Peter Hertzsch 1989
Melodie: Heinz Martin Lonquich

(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Wer bin ich? - Geistlicher Impuls für den 18. Februar 2021

Wer bin ich? Hier könnte die Antwort sein: Ich bin ein Mensch, ein Erwachsener, ein Jugendlicher, ein Kind. Ich bin die Steffi, der Heiko oder die Insa.
Wer bin ich? Ich könnte mein Geschlecht angeben: Ich bin eine Frau, ein Mann, ein Junge, ein Mädchen. Ich bin intergeschlechtlich.
Wer bin ich? Hier könnte ich auch mit meinem Beruf antworten. Könnte von dem reden was ich gelernt habe und noch immer lerne.
Aber ist das alles?

Nein! Spätestens die Generation „Optionenvielfalt“ weiß, wie unterschiedlich, vielfältig und einzigartig wir Menschen sind. Doch wer bin ich? Bin ich gut oder böse? Jung oder Alt? Fröhlich oder traurig? Optimistin oder Pessimist? Fest steht: Ich bin wandelbar. Meine Gefühle verändern sich, meine Meinung unterliegt Schwankungen, selbst auf gleiche Situationen reagiere ich unterschiedlich. Mal bin ich so und mal wieder so. Fest steht auch: Im Austausch mit Menschen aus anderen Kulturen sind meine sicher geglaubten Antworten auf die Frage „Wer bin ich“ auf einmal gar nicht mehr so sicher. In manchen Kontexten bin die Unpünktliche, in anderen die Pünktliche. Mal gelte ich als arme Studentin, dann wieder als reiche Europäerin. Ja, wer bin ich denn jetzt? Bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Oder bin ich die, für den die anderen mich halten? Fragen über Fragen.

Als Jugendreferentin erlebe ich, dass die Frage nach der Identität für Heranwachsende eine besondere Bedeutung hat. „Wer bin ich?“ Hier könnte die Antwort einer Konfirmandin lauten: „Nicht Fisch, nicht Fleisch“. Unsicher, wo sie im Leben steht.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Auswirkungen der Pandemie auf die Identitätssuche von Jugendlichen umso schwerer. Was macht es mit jungen Menschen in ihrer Identität, wenn Handlungs- und Bewegungsräume beschnitten werden? Wie finden Jugendliche Antworten auf die Frage „Wer bin ich?“, wenn sie zu Zeiten von Corona als nicht wichtig oder Belastung wahrgenommen werden? 

Auch Dietrich Bonhoeffer geht dem „Wer bin ich“ nach und bringt dies in einem Gedicht zum Ausdruck:

Wer bin ich?

So schwierig die Frage nach Identität auch ist, Bonhhoeffer schließt sein Gedicht mit der Gewissheit zu Gott zu gehören. Mut machende Worte, die nicht nur Jugendlichen in dieser unsicheren Zeit in ihrer Identitätssuche Orientierung, Sinn und Hoffnung geben können.

Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, o Gott

(Ein Impuls von Insa Brudy, ELM-Referentin Jugendarbeit & Globales Lernen)

 

 

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…ist alles vorbei? - Geistlicher Impuls für den 17. Februar 2021

Heute ist Aschermittwoch. Die fröhliche Zeit des Frohsinns ist vorbei. Auch wenn dieses Jahr alles anders ist und selbst die Rheinländer*innen in Corona-Zeiten auf Home Fastelovend ausweichen mussten. „Der Humor stirbt zuletzt“ so hieß es auch in diesem Jahr, wenn auch mit einem Tränchen im Auge. Die Lieder werden gesungen, die von so viel Gemeinschaft erzählen und man singt „am Aschermittwoch bin ich geboren, am Aschermittwoch ist alles vorbei.“

Katholisch aufgewachsen, habe ich mich als Kind auf den morgendlichen Gottesdienst gefreut, wo mir das Aschekreuz auf die Stirn gemalt wurde. Und ich war stolz darauf, es zu tragen. Morgens, wenn ich mein Gesicht gewaschen habe, habe ich drumherum gewischt. Es sollte möglichst lange halten.

Ich frage mich heute, warum mir und uns, denn meinen katholischen Freundinnen ging es genauso, das damals so wichtig war. Ich glaube, es tat uns gut, gezeichnet zu sein und ich glaube auch, dass Kinder einen tiefen Respekt vor dem Geheimnis des Todes haben. Da werden sie häufig unterschätzt und ganz fatal ist es, wenn gutmeinende Eltern oder Familienangehörige das Thema in der Familie tabuisieren.

Als Christen und Christinnen glauben wir an die Auferstehung. Und das wusste ich auch schon damals, als ich das Aschekreuz auf meiner Haut fühlte. Ich fühlte, wenn ich darüberstrich, du wirst einmal sterben und gruselte mich ein bisschen. Doch ich merkte ja jeden Tag, dass sich die Asche, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Behutsamkeit, erst verwischte und dann immer weniger wurde. So wusste ich und fühlte es: dies ist eine vorübergehende Zeit.

Es ist eben nicht alles vorbei! Auch wenn es sich im Kölner Karneval noch so gut dabei schunkeln lässt. Es kommt etwas danach. Ich vermute, dass die Jecken, die dieses Lied singen und dabei so schön schunkeln, das auch wissen und deshalb dabei auch so fröhlich sein können.

Wir können den Tod und das Leid nicht leugnen. Wir sollten es auch nicht. Es ist da. Doch das ist nicht das Ende. Es ist der Anfang.

Auferstehung!  

(Ein Impuls von Gabriele De Bona, ELM-Referentin Gender International und Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien)

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Spielraum! – Sieben Wochen ohne Blockaden - Geistlicher Impuls für den 16. Februar 2021

Spielraum! – Sieben Wochen ohne Blockaden
Dies ist das Motto, das die Evangelische Kirche für die diesjährige Fastenzeit (vom 17. Februar bis 3. April) vorgeschlagen hat.

Sieben Wochen ohne Blockaden?

Zuerst fokussierten sich meine Gedanken lediglich auf diesen Teil der Überschrift. Blockaden – ja, die habe ich durchaus. Aber kann ich diese Blockaden überhaupt beeinflussen oder steuern? Kann ich überhaupt etwas verändern, wenn sich in mir etwas sträubt, ich blockiert bin, ich etwas überhaupt nicht ertrage?

Aber da steht noch ein Wort davor: „Spielraum“

Dieses Wort macht frei. Es gibt Raum, Luft zum Atmen, Mut um Dinge anders zu machen.

Kürzlich habe ich einen Text von Susanne Niemeyer wieder gelesen, der in dem Fasten-Wegweiser 2019 mit dem Titel "Wandeln" erschienen ist (Hg.: Verlag Andere Zeiten e.V.). Er gefällt mir sehr gut und ich möchte ihn heute gerne teilen. Er gibt Spielraum.

Wertvoll

Als Eva und Adam im Paradies einzogen, lernten sie Dinge kennen: den Regen und den Basstölpel, den Geschmack von Granatäpfeln, die länger werdenden Schatten am Abend. Alles war da, aber sie bewerteten es nicht. Die Wertung war noch nicht erfunden. Wenn es regnete, dachten sie: "Oh, es regnet" und nicht "oh nein, mein Wildlederschutz ist ruiniert". So jedenfalls stelle ich es mir vor. Das Leben ohne Bewertung ist einfach Leben. Keine Schuldgefühle, keine Schuldzuweisungen. Keine Urteile.

Jenseits des Paradieses ist das Leben ambivalent. Wahrscheinlich haben wir uns deshalb angewöhnt, alles zu bewerten und vieles persönlich zu nehmen. Wir verteilen Likes und schreiben Urteile über das Schnitzel im Gasthof und den Hausarzt um die Ecke. Das erweckt zumindest den Anschein, als hätten wir die Dinge im Griff.

Ich stelle mir vor, wie es wäre, mal nicht zu werten. Einen Tag lang nur wahrzunehmen. Der Wecker, das Müsli, ein Anruf, ein Kribbeln am linken Arm, die Hose, die am Bauch kneift, das Gefühl von Freude (oder Wut), der Schrei eines Kindes, die Zahl auf dem Kontoauszug, Kohlgeruch im Treppenhaus, das Gefühl von Müdigkeit am späten Nachmittag. Nichts davon ist eine persönliche Botschaft an mich. Ich glaube, das könnte befreiend sein.

"Gott sah alles an, was er gemacht hatte: es war sehr gut." (1. Mose 31)

(Ein Fundstück von Ulrike Burmester, Assistentin Direktorat des ELM) 

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Über die Buße - Geistlicher Impuls für den 15. Februar 2021

"Die Israeliten sprachen zum HERRN: Wir haben gesündigt, mache du es mit uns, wie dir´s gefällt; nur errette uns heute!" (Richter 10,15)

Texte aus dem sog. Alten (oder: Ersten) Testament sind uns oft sehr fremd, und das trifft auch auf die heutige Losung zu. Ein Vers, aus dem Zusammenhang gerissen, aus einer vermeintlich anderen Welt. Mir hilft zum Verständnis der Ausschnitt einer Predigt, der das Ganze für mich in einen verstehbaren Zusammenhang bringt:

https://ubfheidelberg.org/2009/11/15/predigt-richter-106-1215/
dort Teil 1: Gottes Strafe und Kummer (10,6-16)
Quelle: Universität-Bibel-Freundschaft Heidelberg e.V.

Der Lehrtext für heute lautet übrigens:

"So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen." (Lukas 15,7)

Ich hoffe auf dieses Happy End.

(Ein Impuls von Detlef Kohrs, Geschäftsführer des ELM)

 

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Zwei Ratschläge bei Ungewissheit - Geistlicher Impuls für den 12. Februar 2021

"Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den Herrn, und weiche vom Bösen." (Sprüche 3,7)
"Ein jeder prüfe sein eigenes Werk." (Galater 6,4)

Corona, Corona, Corona – ob Zeitung, Nachrichten oder „Social Media“ – man kommt einfach nicht davon weg. Und gerade wo wir dachten, dass wir die Sache in den Griff bekommen, mutiert das Ding, und die lang ersehnten Impfstoffe müssen angepasst werden, damit sie greifen.

Da passt es gut, wenn man ab und zu mal so richtig auf die Wissenschaftler*innen, Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen schimpfen kann, die es ja hätten besser wissen müssen, schneller reagieren können, dies oder das tun oder lassen sollen. Und das, was sie jetzt verordnen – Lockdown verschärfen/lockern ist auf jeden Fall falsch.

Ich kann mich nicht erinnern, je so eine Zeit der weltweiten Unsicherheit und rasant sich ändernden Erkenntnisse erlebt zu haben. Da haben es die Verschwörungstheoretiker leichter: Der Feind ist identifiziert, die Lösungen einfach und jeder Widerspruch gegen ihre Meinung ein Beweis dafür, dass sie recht haben.

In diese Zeit hinein spricht die Losung von heute – schon vor drei Jahren gelost, als wir von Corona nichts wussten. Von Weisheit spricht sie, die ich mir zurzeit sehr wünsche. Doch die Losung sagt nicht, wie wir zur Weisheit kommen, sondern gibt uns zwei Ratschläge:

Fürchte den Herrn – anders gesagt: Erkenne, dass der Herr, Gott, unendlich viel größer ist, als wir mit unserem Wissen ahnen können. Von diesem unendlich Großen hat Jesus dann gesagt, dass wir ihn Vati, Papa, Abba, nennen dürfen. In dieser Zeit der Ungewissheit, Ratlosigkeit, Angstmacherei darf ich mich einfach mal zu ihm setzen und seufzen: Vati, schau doch mal! Was sollen wir da bloß machen?

Der zweite Ratschlag ist dann sehr interessant: Weiche vom Bösen. Gerne hätte ich gehört: Tue dies oder das. Stattdessen kommt: Weiche vom Bösen. Anders gesagt: Was immer du tust, prüfe, dass es nicht böse ist. Da passt dann der Lehrtext aus dem Neuen Testament genau hin: Ein jeder prüfe sein eigenes Werk. Statt auf die anderen zu schimpfen, einfach mal fragen: Wie sieht es bei mir aus? Bin ich dabei, anderen zu schaden? In einer Zeit, wo keiner so richtig weiß, was das richtige Verhalten ist, ist dieser „Negativtest“ meiner Taten hilfreich: Ob es das Beste ist, was ich tue, weiß ich nicht – aber wenn ich merke, dass es schadet, will ich es lassen!

Es gibt Zeiten, wo klar ist, was gut ist. In solch einer Zeit leben wir gerade nicht. Vieles, was gestern gut erschien, entpuppt sich heute als schädlich. Darum ist dies ein guter Rat: Einfach immer wieder zu prüfen, ob das, was ich gestern vertrat, heute vielleicht nicht mehr zu empfehlen ist.

Dieses sind nicht gerade ermutigende Worte. Oder doch? Doch ja – diese Einladung, bei Vati zu seufzen, einfach mal in seiner Nähe zu sein, – das kann mich doch beruhigen und etwas gelassener machen!

Ach Vater, sieh doch das Chaos, in dem wir uns befinden.
Hilf uns da durch.
Hilf mir, dass ich das Chaos nicht schlimmer mache,
sondern ein guter Einfluß sein darf!

Amen

(Ein Impuls von Horst Müller, Bischof der NELCSA, Pretoria, Südafrika) 

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Nicht einfach zu geben, nicht billig zu haben ... - Geistlicher Impuls für den 11. Februar 2021

"Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!" (Micha 7,18)

Na, da hab´ ich mir aber was eingehandelt! „Schreibst Du die Andacht für den 11. Februar?“ „Klar, mach ich doch“, tippe ich gedankenverloren in meine Antwortmail. „Worüber denn?“ „Über die Tageslosung, einen etwas sperrigen Text aus dem Alten Testament!“ Die Tage verstreichen und mein Verdrängungsmechanismus arbeitet störungsfrei, um so mehr als mich die Stelle nach dem ersten flüchtigen Lesen beginnt, anzufressen …

„…denn er hat Gefallen an Gnade!“  Aha, denke ich, wie herablassend. Wenn es ihm gefällt, dann schaut er mal eben darüber hinweg, was der Mensch verbrochen hat. Nun gut, klar, er kann das wohl, Gnade vor Recht walten lassen, er ist ja Gott. Also, wenn jemand mir etwas Schlimmes angetan hätte, so billig käme er bei mir wohl nicht davon, da wäre ich möglicherweise sehr nachtragend. Das vergäße ich nicht, wenn er mich belogen, sie mich hintergangen, er mich verleumdet und man mir so übel mitgespielt hätte, dass es fast meinen Ruf, vielleicht sogar mein Leben zerstört hätte.

Es gibt Dinge, über die kann man doch nicht hinwegsehen, als könne man mit einem Gnadenakt Verletzungen oder gar Verbrechen ungeschehen machen. Wohin dann mit meinem Zorn, mit meinem Wunsch nach Vergeltung, zumindest nach Wiedergutmachung. Darauf verzichten zu sollen, ist eine Zumutung. Das wirkt langsam wie ein schleichendes Gift, Rachegefühle nehmen mich gefangen, verschaffen sich Zugang zu meinem Herzen und am Ende zerfrisst Hass meine Seele.

Blut fordert Blut lautet das Gesetz der Vendetta, der Blutrache, wie sie z. B. in Süditalien oder in den Bergregionen Albaniens noch Realität ist. Sie kann über Generationen hinweg eine endlose Todesspirale von Ehrenmorden nach sich ziehen. Gnadenlos, scheinbar ausweglos! Und plötzlich schwant mir, warum Gott Gefallen haben könnte an Gnade, warum er nicht ewig festhält an seinem Zorn. Vielleicht muss ich mir manchmal selbst Einhalt gebieten und „Stopp“ sagen, „es reicht“! Ich bin mir sicher, es wird mir nicht immer gelingen. So bleibt der Text dieses Tages sperrig! Gnade ist eben nicht einfach zu geben und nicht billig zu haben – Na, Gott, da hab´ ich mir aber was eingehandelt! 

(Ein Impuls von Dirk Freudenthal, ELM Chefredakteur)   

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Über das Ewige Leben - Geistlicher Impuls für den 10. Februar 2021

Der Wunsch nach einem ewig Leben
ist gar nicht jedermanns Bestreben.
Die meisten wollen heute handeln
und nicht in Himmelshöhen wandeln.

Für Christen ist  - von hohem Rang -  
das ewig‘ Leben von Belang.
Der Glaube braucht das ewig‘ Leben
so wie der Weinstock seine Reben.

Doch fragt so mancher gute Christ,
was wohl das ewig‘ Leben ist. 
Versprochen ist‘s, das weiß man schon,
doch gibt’s kein klares Bild davon.

Oft ist ein falsches Bild vorhanden,
gar oft wird „ewig“ missverstanden,
oft wird mit Absicht so getan
als fing es erst im Jenseits an.

Vor der Beschreibung sei geklärt,
wie lange Ewigkeit wohl währt.
Will man sie denn in Jahre fassen,
Millionen Jahre dauern lassen?

Millionenfaches Jahr um Jahr
ist schlechterdings nicht vorstellbar.
Ist immer alles ewig gleich,
langweilt sogar das Himmelreich.

Das lange Dauern führt nicht weit.
Das „ewig“ gilt für diese Zeit! 
Das „ewig“ meint von früh bis spät 
besondre Lebensqualität.

Das vierte Evangelium
das sagt uns laut, es bleibt nicht stumm:
Wer diesem Jesus glaubt, der hat
das ew‘ge Leben schon parat.

An Jesus glauben heißt wohl klar
ihm nachzufolgen, das ist wahr. 
Der Maßstab sei: Die Jesus-Taten,
dann kann das Leben wohl geraten.

Nicht Häusle bauen, wühlen, schaffen,
nicht möglichst viel zusammenraffen,
bei Jesus kann es nicht drum gehen, 
stets selbst als Größter dazustehen. 

Wir sollen Salz der Erde sein.
Salz bringt in alles Würze rein.
Wir sollen sein das Licht der Welt,
das alle Dunkelheit erhellt. 

Wie Sauerteig den Teig durchdringt
und Lockerheit ins Brot reinzwingt,
so sollen wir die Welt durchmischen,  
durch Lieb‘ und Güte sie erfrischen.

Zu leben, wie es Jesus tat,
das ist für viele mühsam, fad; 
sie wollen sich narzisstisch sehen
und stets im Mittelpunkte stehen. 

Doch wer es schafft, hier rauszukommen, 
und dann als Mitchrist angenommen,
der nähert sich, trotz Leid und Streit,
trotz Zweifel, der Geborgenheit.

Wer Liebe und Gerechtigkeit
verkörpert in der heut’gen Zeit,
wer immer mehr dem Jesus gleicht,
hat’s ew’ge Leben fast erreicht.

Wer hier erfüllt von Jesu Geist,
wer ihn mit seinem Leben preist, 
der kann auch in der Todesnot
vertrauen auf den treuen Gott.

(Ein Impuls von Werner Gebert, Pfr. i.R., der dieses Gedicht Tobias Schäfer-Sell für unsere Andachtsreihe zur Verfügung gestellt hat, Tobias Schäfer-Sell ist Referent für Advocacy International und Öklumenische Zusammenarbeit Malawi im ELM)

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Barmherzigkeit? - Geistlicher Impuls für den 9. Februar 2021

Im Freiwilligenprogramm senden wir all unseren ehemaligen Freiwilligen zum Jahreswechsel immer einen Rundbrief, in dem wir über die Geschehnisse des letzten Jahrs berichten und einen Ausblick auf das neue Jahr werfen. Diesem Brief geht meist eine kleine Betrachtung über die Jahreslosung voraus, die ich heute mit Euch teilen möchte. Wenn Du an dieser Stelle jetzt ein weites Herz hast und nicht sauer auf mich bist, weil ich eine „alte“ Andacht hervorhole, hast Du schon im sehr Kleinen das praktiziert, was die Jahreslosung für das Jahr 2021 fordert: Jesus Christus spricht: "Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!" (Lukas 6,36).

Ich glaube, ein (Image-)Problem der Kirche heute ist, zumindest in der Wahrnehmung von vielen Leuten, die „mit Kirche nichts am Hut haben“, dass sie sich immer wieder einer altmodischen Sprache bedient bzw. Worte benutzt, die ohne Übersetzung etwas ungriffig daherkommen. M. E. ist das Wort Barmherzigkeit ein solches Wort. Kurzes Experiment: nimm einen Stift und eine Uhr und stopp die Zeit die Du brauchst, um fünf Dinge aufzuschreiben, die Du mit Barmherzigkeit verbindest.

1. ________________________

2. ________________________

3. ________________________

4. ________________________

5. ________________________

So, wie war‘s, was hast Du auf dem Zettel stehen? Außer dem barmherzigen Samariter sonst noch was? Auch wenn es schwer ist, auf die Schnelle Assoziationen für ein altes Wort zu finden, hat vielleicht doch jede*r eine Idee, was mit Barmherzigkeit gemeint ist. Im letzten Jahr gab es ein Zitat, das für mich das Wort Barmherzigkeit sehr gut füllt, und das kommt – Surprise! – von unserem amtierenden Gesundheitsminister Spahn, der im Frühjahr sagte: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ Ohne hier in irgendeiner Weise den Verdacht einer Parteinahme nähren zu wollen, muss ich sagen, dass ich das richtig gut fand. Menschen verlieren aktuell ihre Jobs und damit evtl. auch ihre Existenzgrundlage. Uns allen ist es verwehrt, soziale Kontakte zu pflegen und die, die da am meisten drunter leiden sind die Kinder. Auch wenn Deutschland verglichen mit anderen Ländern der Welt noch recht gut mit den Auswirkungen der Corona- Pandemie fertig wird, gibt es auch hier massive Einschnitte, die viele Trümmer hinterlassen werden. Populist*innen wären nicht Populist*innen, wenn sie aus dieser Situation nicht Kapital für sich (und für niemanden sonst!!!) schlagen würden und ihren Zuhörer*innen und Anhänger*innen einreden, dass Hass und Aggression gegen die, die diese einschneidenden Entscheidungen getroffen haben, die einzigen angemessenen Reaktionen sind.

Die Jahreslosung weist auf einen anderen Weg und ist damit so punktgenau und hochaktuell, obwohl ein altes Wort benutzt wird und das Zitat aus Lukas ja nun auch schon knapp 2000 Jahre alt ist. Barmherzigkeit ist eben viel mehr als ein Überkleistern im Sinne von „Ach, nicht so schlimm, Schwamm drüber, schon vergessen!“. Das Konzept der Barmherzigkeit rechnet bereits mit einer Fehlentscheidung, hört aber beim Fehler nicht auf zu lieben.

Hin und wieder, wenn mir in einem Bibeltext ein sperriges Wort begegnet, schau ich mal in die Volksbibel, die manchmal ein „bisschen drüber ist“, andererseits auch eine neue Perspektive eröffnen kann. Da heißt es bei Lukas 6,36: „Ihr müsst so liebevoll drauf sein wie Gott, euer Vater.“

Barmherzigkeit tut uns und unserer Welt gut – davon bin ich überzeugt. Neben all den Fehlern, die unsere Bundesregierung momentan auch macht oder gemacht hat und denen man nur mit Barmherzigkeit begegnen kann, gibt es sooo viele Bereiche, in denen ein Quäntchen „liebevoll drauf sein“ schon fette Wunder wirken würde. Einerseits in großen, globalen Zusammenhängen, andererseits auch im Privaten und Du selbst weißt am Besten, ob und wo das auch auf Dein Leben zutrifft.

Und auch wenn der Januar schon rum ist, findet sich hier für all diejenigen, die keinen guten Vorsatz für‘s neue Jahr hatten, eine Idee: barmherzig, oder ein (bisschen) liebevoll drauf sein!

(Ein Impuls von Niels von Türk, ELM-Referent Internationale Freiwilligendienste Freiwillige Nord-Süd)

 

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Die Sonne geht auf - Geistlicher Impuls für den 8. Februar 2021

„Die Gott lieben werden sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht!“ (Richter, 5,31)

Du hast jeden Raum
Mit Sonne geflutet
Hast jeden Verdruss
Ins Gegenteil verkehrt.“

So heißt es in einem Lied von Herbert Grönemeyer auf seinem Album "Mensch". Er hat den Text im Andenken an seine verstorbene Frau geschrieben.

Wie schön wäre es, wenn jemand nach dem Tod so etwas von einem selbst sagen könnte. Und immer gilt, dass jede und jeder von uns zu Lebzeiten dazu beitragen kann, was von uns bleibt. In der Art, wie wir unseren Mitmenschen begegnen. Neulich habe ich ein Zitat von Maja Angelou gelesen: „Ich habe gelernt, dass die Menschen vergessen werden, was Du gesagt und getan hast. Aber sie werden nie vergessen, wie sie sich deinetwegen gefühlt haben.“

Das ist aber nur ein Aspekt des Bibeltextes. Denn dort wird versprochen, dass alle, die Gott lieben, wie die aufgehende Sonne sein werden. Die Liebe zu Gott ist es, die den Unterschied macht. Wer sich auf Gott ausrichtet, muss damit rechnen, dass daraus etwas entsteht, das sich für andere Menschen anfühlt, als ob die Sonne aufgehen würde! Die Ausrichtung auf Gott führt dazu, dass wir einen Kompass haben, der uns unabhängig macht von Menschen, Anforderungen und Zuständen. Dieser Kompass bestimmt, welche Themen uns beschäftigen und wie wir agieren, was uns ängstigt und woher wir Kraft und Stärke ziehen.

Es geht darum, uns die Ausrichtung auf Gott zu bewahren. Denn die Orientierung an dem, was wir von Gott erfahren, führt dazu, dass wir für andere Zeichen der Hoffnung sein können: wir können der Sonnenaufgang sein, der den hellen Tag ankündigt.

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising im ELM)

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Kann denn Liebe Sünde sein? - Geistlicher Impuls für den 5. Februar 2021

„Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch liebe.“ (Johannes 15,12)

In unseren Stellenausschreibungen steht hinter der Stellenbeschreibung (m/w/d). Vor einiger Zeit wurde ich angesprochen, was das „D“ denn bedeutet. W steht für weiblich. Klar. M steht für männlich. Auch klar. Aber D? D steht für divers. Die Stelle kann also auch besetzt werden, mit einer Person, die sich selbst als schwul, lesbisch, bisexuell oder transsexuell definiert oder die sich überhaupt nicht über geschlechtliche Kategorien definieren lassen möchte.

Damit war mein Gesprächsgegenüber offensichtlich überfordert und es kam zu einer Bemerkung, die mich noch immer schmerzt: Hat das Missionswerk sich jetzt so sehr mit der Sünde verbündet?

Das dann folgende Gespräch ging mir noch lange nach und Gedanken kreisen in meinem Kopf:

Was ist denn daran Sünde, wenn wir einen Menschen anstellen, der eine gute Arbeit machen soll? Daran will ich die/den zukünftigen Kolleg*in messen. Ich glaube nicht, dass die Bibel ausschließlich sagt, dass sich nur ein Mann und eine Frau  lieben können. Ja, es gibt einige wenige Aussagen in der Bibel über das Verbot homosexueller Handlungen. Die Bibel sagt aber noch viel mehr. So sollen wir von unseren zwei Hemden eins dem geben, der keines hat. Wir sollen den Fremden in unsere Häuser aufnehmen. Ohne Wenn und Aber. Und wenn wir schon so genau sind, dann sollen die getötet werden, die eine homosexuelle Handlung vollziehen. So sagt es das 3. Buch Mose in Kapitel 20. Wer ist bereit, die Bibel so wörtlich zu nehmen und setzt die Anweisung in die Tat um?  Wohl kaum jemand will die Folgen in Kauf zu nehmen und sich anschließend der weltlichen Gerichtsbarkeit stellen. Und außerdem steht ja auch in der Bibel das Verbot zum Töten. An vielen Stellen lebe ich das Wort Gottes also nicht konsequent, und doch wird es oft von mir und von anderen in Fragen der Diversität verlangt. Ich sag es mal mit sanften Worten: das ist nicht fair. Wovor haben Menschen Angst, wenn es um das Thema Homosexualität geht? Ist es die Angst, wie ich sie mancherorts höre, dass am Ende keine Kinder mehr gezeugt werden und die Menschheit ausstirbt? Da kann ich jeden beruhigen. Wohl nicht mehr als 10% der Bevölkerung lebt divers. Die restlichen 90% werden Kinder zeugen. Vielleicht auch nur 80%. Für die Zukunft der Menschheit ist gesorgt. Und ich will niemandem zu nahe treten, aber was ist mit den heterosexuellen Paaren, die keine Kinder haben und damit nicht dem Fortpflanzungsauftrag Gottes nachkommen? Dafür mag es Gründe geben, über die ich nicht zu urteilen habe.

Gedanken, die während und nach dem Gespräch in meinem Kopf herumschwirren und die ich auch zur Sprache bringe. Am Ende unseres Gespräches bin ich auf die Liebe zu sprechen gekommen, dem höchsten Gebot, dass Jesus uns auf den Weg durch das Leben gegeben hat. Wie wäre es, wenn wir uns immer wieder der Liebe aussetzen würden? Der Liebe zu Menschen, die ihre sexuelle Identität so ganz anders leben als ich? Der Liebe zu einem Gesprächsgegenüber, das eine ganz andere Meinung hat ? Die Welt würde nicht mehr eingeteilt in schwarz und weiß oder grau. Sie wäre plötzlich bunt. Sie wäre divers. Eine tolle Vorstellung.

Nein, das Missionswerk hat sich nicht mit der Sünde verbündet. Es folgt dem Liebesgebot Jesu. Weil das so ist, arbeite ich gerne in diesem Missionswerk. Denn eines habe ich als divers lebender Mensch gelernt: Die Liebe lohnt sich. Immer.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globakle Gemeinde im ELM)

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Kaum zu ertragen - Geistlicher Impuls für den 4. Februar 2021

Mehr als 20 Millionen Afrikaner*innen wurden im Laufe der Geschichte deportiert, verkauft und versklavt. Die Sklav*innen waren ein wesentlicher Bestandteil des atlantische Dreieckshandel zwischen Europa, Afrika und Amerika. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts waren sie die physische Kraft, die die ökonomische, kulturelle und politische Globalisierung in der Moderne antrieben. Zunächst wurden Sklav*innen für den Anbau von Zuckerrohr, dem „weißen Gold“ gebraucht. Abgelöst wurde diese Form des menschlichen Energieeinsatzes vom fossilen Erdöl, das mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert der Treibstoff werden sollte, der die Maschinerien des Konsums ins Zeitalter der modernen Globalisierung trieb.

Aufgrund des immensen Ausmaßes des Sklavenhandels ist es bis heute schwierig, alle ihm zugrundeliegenden Mechanismen nachzuvollziehen. Bisher nicht ausreichend erforscht ist zum Beispiel die Frage, welche Auswirkungen die Sklaverei auf die Menschen hatte, die den Transport in die „Neue Welt“ überstanden hatten und dort weiterlebten, -litten, -starben und nicht zuletzt Nachkommen zeugten? Welche Auswirkungen hat die Tragödie der Sklaverei auf die nachfolgenden Generationen, die vielfach auf ein besseres Leben hofften und deren Leben oft immer noch von Rassismus, Unterdrückung, Ausbeutung und Erniedrigung geprägt ist? Was würden Sklav*innen zur heutigen Losung sagen? „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“(Ps 34,19)

Nehmen wir uns einen Augenblick Zeit und betrachten die historische Graphik von William Blake von 1792. Der Titel: 'A Negro hung alive by the Ribs to a Gallows' übersetzt: „Ein Neger, der lebendig an den Rippen am Galgen aufgehängt war“.

Ich wollte meinen Augen nicht trauen: Der Haken wurde an der Seite des Oberkörpers durch Fleisch und Rippen gebohrt, um den Sklaven zu Tode zu foltern.

Der Hintergrund dieser Illustration: 1774 wurde der schottisch-holländische Soldat John Gabriel Stedman bei einem Feldzug gegen entflohene Sklav*innen auf der niederländischen Kolonie Surinam, Zeuge der brutalen Unterdrückung, die er niederschrieb. Das Buch, enthielt auch die Illustrationen von William Blake. Stedman berichtet von einem Sklaven, den man langsam am Galgen zu Tode folterte und der das klaglos über sich ergehen ließ. Sein Stoizismus unterstreicht den Schrecken der Szene, der durch die Totenköpfe und das am Horizont sichtbare Sklavenschiff noch verstärkt wird. Wir wissen nicht, ob dieser „Sklave“ bei seine Tortur Kraft aus dem Glauben schöpfte, etwa mit Worten wie dem des heutigen Lehrtextes:

„Wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet werden durch Christus.“(2. Kor 1,5)

Der Historiker Vincent Brown verwendete die Illustration für das Cover seiner kulturgeschichtlichen Studie “The Reaper’s Garden: Death and Power in the World of Atlantic Slavery” (Cambridge 2008). Darin weist er für Jamaica nach, dass die Missionare den Sklav*innen dort die Botschaft brachten, dass vor Gott alle Menschen gleich seien. Der Kirche wurde von den Sklavenhaltern vorgeworfen, durch die Bekehrung von Sklav*innen deren Emanzipation zu befördern. Als erwiesen gilt, dass veröffentlichte evangelikale Schriften, in denen ermordete, christianisierte Sklav*innen als Märtyrer dargestellt wurden, erheblich dazu beitrugen, dass die Sklaverei in Großbritannien und weltweit zunehmend in die Kritik geriet, bis sie abgeschafft wurde: Gott sei Dank!

(Ein Impuls von Moritz Fischer, Professor an der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) in Hermannsburg)

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Wir erzählen euch keine Märchen! - Geistlicher Impuls für den 3. Februar 2021

Am letzten Sonntag im Januar verabschiedeten wir uns von der Weihnachtszeit mit einer Lichterzählung. Das tut gut in der dunklen Jahreszeit. Auch wenn die Tage schon wieder länger werden, Januar und Februar erleben die meisten von uns als die schwierigen Wintermonate. Es ist kalt, dunkel und man kann nicht viel tun, im Lockdown sowieso nicht. Da können wir eine Aufmunterung gebrauchen.
Aber diese Geschichte ist schon ziemlich unglaublich. Von Verklärung ist da die Rede, von Licht und leuchtenden Gestalten.

Auf den Berg sind sie mit ihm gestiegen, die engsten Anhänger mit Jesus, und dann erleben sie etwas, dafür haben sie eigentlich keine Worte. Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden weiß wie Licht. Zwei andere Gestalten erscheinen in diesem Licht und reden mit Jesus. Den Jüngern ist dabei so wohl, hier wollen sie immer bleiben. Dann kommt aus dem Licht eine Stimme, die sagt, wie sehr sie Jesus liebt und dass es sich lohnt, auf ihn zu hören.

Diese Bilder ähneln auffallend den Erzählungen über Nahtoderfahrungen. Auf Netflix gibt es seit Anfang Januar 21 die sehenswerte Dokumentation „Jenseits des Todes“. Durch die weltweite Vernetzung tauschen sich immer mehr Menschen über Erfahrungen aus, für die es (bisher) keine wissenschaftliche Erklärung gibt. So kommen neben Betroffenen auch Journalisten und Wissenschaftler zu Wort, die seit vielen Jahren diese Phänomene erforschen.

Die erste Folge beleuchtet Nahtoderfahrungen, also die Erlebnisse von Menschen, die aus dem Sterben ins Leben zurückgeholt wurden. Manche hatten nur für kurze Zeit eine Nulllinie, mache waren wochenlang hirntot.

Viele berichten von einem Tunnel, der sie ins Licht führt, von dem Gespräch mit verstorbenen Familienangehörigen und anderen Lichtgestalten, von einer umfassenden Liebe, die sie umfing und von der Verbundenheit mit allem Sein. Die meisten erfüllte ihre Nahtoderfahrung mit einem großen Glück und sie waren gar nicht erfreut, aus diesem Zustand wieder „zurückgeholt“ zu werden.

Helles Licht, ein Gespräch mit Lichtgestalten, große Liebe, ein „hier will ich nicht mehr weg“– Gefühl, so ähnlich beschreibt die Bibel auch, was die Jünger mit Jesus auf dem Berg erlebten. Die Jünger deuten das, was sie sehen. Aus ihrem Glaubenswissen heraus denken sie, Jesus redet mit Mose und Elia, weil sie das erwarten. Wissen können sie das nicht, sie haben weder Mose noch Elia jemals gesehen, die sind schon lange tot.

Für mich bedeutet diese Ähnlichkeit in den Berichten von der Verklärung und von Nahtoderfahrungen, dass Jesus in einer besonders engen Verbindung zu Gottes Reich, zu dieser anderen, geistlichen Welt stand, dass er daraus seine Kraft und sein Wissen bezog. Bei dieser einen Gelegenheit wurde es für andere sichtbar.

Wir können das heute mit modernen Bildern und Erfahrungen beschreiben und bestätigen: Wir erzählen euch keine Märchen! Es gab damals Zeugen, und es gibt auch heute immer mehr Zeugen dafür, dass es eine geistige, eine spirituelle Welt gibt und dass wir mit ihr verbunden sind. Die tröstliche Botschaft, dass es ein Leben nach dem Tod wirklich gibt, dass wir mehr sind als unsere Gehirnströme, dass wir eine Seele haben, die unabhängig von unserem Körper besteht, ist Grundlage vieler Religionen, auch der unseren. Nun wird das nicht mehr nur belächelt, sondern zunehmend erforscht. Vielleicht wird eines Tages aus Glauben Wissen. Das sind aufregende Nachrichten.

Manche Menschen, so zeigt es die Dokumentation, wirft die Erkenntnis, dass sie eine fortlebende Seele haben, aber auch völlig aus der Bahn. Sie sind zutiefst verunsichert, weil alles, was unsere moderne Welt sie lehrt, auf den Kopf gestellt wird. Gegen „es zählt nur was du hast, sehen und messen kannst“ steht nun die Erfahrung „ich habe selbst etwas erlebt, das ich vorher als Spinnerei abgetan habe, da ist so viel mehr, das wir noch nicht wissen, ich bin mit allem verbunden, ich werde zutiefst geliebt.“

In dieser Zeit mit wenig Licht und wenig Kontakt finde ich es tröstlich, dass unser Glaube kein Märchen ist, sondern der Kontakt mit einer Wirklichkeit, die viel größer ist als unser kleines menschliches Wissen. Wer sich jetzt allein fühlt und niedergeschlagen, kann die Augen schließen oder bei einem Spaziergang ein Stück Natur berühren und sich sagen: Das hier ist nicht alles. Ich bin mit allem und allen verbunden, den Lebenden und den Toten. Ich werde erwartet. Ich bin eine ewige Seele. Ich bin zutiefst geliebt.

Zum Nachlesen: die Verklärung Jesu steht bei Matthäus im 17. Kapitel, der Zeugenbericht und die Bekräftigung, dass das keine Märchen sind, im 2. Petrusbrief.

(Ein Impuls von Stephanie Gupta, Pfarrerin für Volkmarode und Dibbesdorf, Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig, Frau Gupta ist Mitglied im Bewilligungsausschuss und im Missionsausschuss des ELM)

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Freut Euch darüber, dass Eure Namen im Himmel verzeichnet sind! - Geistlicher Impuls für den 2. Februar 2021

"Freut Euch darüber, dass Eure Namen im Himmel verzeichnet sind!"
Dieser Monatsspruch aus Lukas 10,20 ist schön, aber ehrlich gesagt: er war für mich bisher eher etwas, das ich wusste. Punkt.

Ein Jahr Pandemie jetzt. Weltweit unfassbar viele Erkrankte, unzählige Menschen sind – allein – an Corona verstorben. Ich frage mich manchmal, wie viele wohl ihre Kraft aus diesem Wort gezogen, wie viele wohl ihren (letzten) Trost darin gefunden haben. Gleich in welchem Land, gleich in welcher Kultur.

"Mein Wort wird nicht leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt und wozu ich es sende." So sagt es die heutige Losung in Jes. 55,11. Das Wort Gottes ist aus Jesu Heimat durch Apostel und Missionare bis zu uns nach Europa gekommen. Es war zunächst sicher oft einfach nur ein Wort, das man glauben konnte oder auch nicht. Bis es nicht mehr ein „leeres Wort“ war, sondern ein mit Leben, mit Glauben, mit Erfahrung gefülltes. Menschen haben unter dem Wort der Bibel unter dem Wort Gottes ihr Leben gelebt. Mit all ihren Schwächen und Fehlern, mit all ihren Ängsten und Nöten, mit all ihren Kräften und Freuden. Es wurde gefüllt. Und es wurde (weiter-) gesandt. Auch von Mitarbeiter*innen aus der Hermannsburger Mission. In alle Welt, auf andere Kontinente, zu anderen Menschen und Völkern.

Corona belastet das Leben vieler Menschen hier und in unseren Partnerkirchen. Es fordert heraus, neu zu denken, neu zu handeln, neu miteinander ins Gespräch zu kommen. Seit einigen Monaten haben wir im ELM ein Gesprächsforum mit unseren drei Partnerkirchen in Südafrika. Dort tauschen wir uns aus: über die Corona-Krise, über andere Krisen, über die Bedeutung des Wortes Gottes für uns alle. Und es ist deutlich: Das Wort Gottes ist in unserem Miteinander kein leeres Wort, kein Herrscherwort, nicht einfach ein Wissenswort. Es ist gefüllt mit Leben, Erfahrungen, gegenseitigem Ernstnehmen und Vertrauen. Es ist die Basis unseres Handelns und Denkens.

Der in Apostelgeschichte Kapitel 4 erbetene Freimut, Gottes Wort weiterzugeben (Lehrtext für heute), hat Früchte getragen. Die Heilung, die Zeichen und Wunder, die geschehen sind, sind wahr geworden. Es sind nicht die vielfältigen Fehler, die in der Mission begangen wurden, die uns im Schmerz verbinden. Es ist das Wort Gottes, dass sich als wahr und lebensnah erwiesen hat, als tatsächliche und oft rettende Erfahrung, das uns verbindet. Es verbindet uns so grundlegend im Wortsinne, dass wir alle darauf einen festen Stand haben, auf dem wir bei allen Fehlern und aller Verschiedenheit Schwestern und Brüder in Christus sind.

Wir haben uns immer wieder über bedrückendes ausgetauscht, zum Schluss auch über schwere Corona-Erkrankungen in kirchleitenden Ämtern der Partner. Und füreinander gebetet. Ein mit Leben gefülltes Miteinander im Worte Gottes. Wir alle wussten umeinander.

Bei unserem letzten Meeting war Bischof Ubane, Vorsitzender Bischof der ELCSA, nicht dabei. Er war erkrankt. Und doch war er in unserer Mitte. Wir wussten von seinem Aufenthalt im Krankenhaus. Vor knapp einer Woche kam eine mail mit der Info, die Familie habe ihm das Handy weggenommen, damit er endlich Pause mache. Als ich das las, musste ich lachen. Ja, das war Bischof Ubane wie ich ihn kannte: voll Tatendrang. Typisch für ihn, diesen lebenslustigen und zielgerichteten, zu Späßen aufgelegten und gleichzeitig ernsthaften Freund und Bruder in Christus. Ich trug dieses Bild den ganzen Tag in meinem Innern mit mir herum.

Einen Tag später, bevor der Tag begann, hatte ich bereits per Whatsapp von einem befreundeten Bischof die Nachricht auf dem Handy: Bischof Ubane ist verstorben. Es hat mich umgehauen, uns alle, die wir ihn kannten, hier und in Südafrika. Es ist unfassbar. – Ich habe mit Thelo Wakefield, einem engen Vertrauten von Bischof Ubane aus der Kirchenleitung gezoomt. Wir haben über ihn gesprochen, über unsere gemeinsame Trauer. Ich weiß nicht, wie oft er sich die Tränen getrocknet hat. Und auch ich habe zum Schluss meine Tränen nicht zurückhalten können.

Nein, wir sind nicht nur einfach Partner, wir sind Vertraute, Freunde, Schwestern und Brüder. Wir sind einander als Christen oft etwas schuldig geblieben, aber weil Gottes Wort nicht leer geblieben ist, sondern gefüllt ist mit Leben, sind wir durch dieses Wort weltweit miteinander verbunden. Wir sind nicht allein! Auch, wenn es ums Sterben geht!

Ich weiß, wir wissen um Gottes Wort:
"Freut Euch darüber, dass Eure Namen im Himmel verzeichnet sind!"

(Ein Impuls von Michael Schultheiß, ELM-Referent Globale Kulturelle Vielfalt und Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

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Lass Deinen Segen spürbar werden - Geistlicher Impuls für den 1. Februar 2021

Am letzten Freitag erreichte viele Menschen die Nachricht, dass Bischof MJH Ubane im Krankenhaus gestorben ist. Er war der leitende Bischof der lutherischen Kirche in Südafrika (ELCSA). Wir trauern mit seiner Familie und den Menschen seiner Kirche. Wir bitten Gott, dass er der Corona Pandemie endlich ein Ende bereitet, damit wir wieder in Ruhe leben können.

In einer der letzten Begegnungen mit ihm, die anlässlich eines Podiumgespräches im Internet zum Thema Rassismus stattfand, prägte er schmunzelnd den Satz: „Partnerschaft ist Gott in Aktion!“ Das ist mir sofort hängen geblieben. Wollte er doch sagen: Eure Arbeit im ELM und unsere Zusammenarbeit als Partner, das ist Zeichen für Gottes Handeln in dieser Welt.

Da hat das Motto des ELM Partner in Mission für mich noch eine ganz neue theologische Deutung bekommen. Wenn Gott Herr der Mission ist und gelebte Partnerschaft Zeichen seines gegenwärtigen Handelns, dann sind das doch die besten Rahmenbedingungen, die wir uns für unsere Arbeit  im ELM und in der Zusammenarbeit mit Kirchen wünschen können.

Gleichzeitig macht mich diese theologische Deutung von Bischof Ubane bescheiden und dankbar. Es ist doch wirklich so, dass Gott selbst für den Erfolg unserer Arbeit einsteht. Wir können nur unsere Ideen und Arbeitskraft dazugeben, und manchmal auch unser Geld. Aber dass Menschen hier Gott bei der Arbeit erleben, das liegt an ihm und nicht an uns. Und das entlastet mich auch, wenn ich mal mit meiner Arbeit nicht zufrieden bin.

Ich bete darum oft und auch heute:

Danke Herr für alles,

was du uns anvertraut hast.
Für das Dach über dem Kopf und das Essen auf dem Tisch,
für meine Familie, die Freunde, die Kolleg*innen und meine Arbeit.
Lass in dem, was ich heute tue, Deinen Segen spürbar werden.
Das, was heute liegen bleibt, nimm ebenso in Deine Hände.
Das, was ich schlecht mache, biege zurecht
und wo mir der Mut und die Phantasie fehlt, da gib mir die richtigen Worte oder
Nimm einen anderen Menschen in diese Pflicht.

Amen

(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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